Liu Heng - Phallus: Eine Interpretation des chinesischen Kurzromans „Fuxi Fuxi“ anhand des Testauszugs der deutschen Übersetzung „Phallus“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Liu Heng – „Phallus“ („Fuxi Fuxi“)
1. Biographie
2. Männliche Dominanz als tief verwurzeltes Problem in der chinesischen Gesellschaft?
2.1 Der Fuxi-Nüwa Mythos als Zeichen männlicher Vorherrschaft
2.1.1 Das Patriarchat – zum Untergang verdammt?
2.2 Gefangen in der Primitivität der Traditionen?

III. Zusammenfassung

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

In Liu Hengs Kurzroman „Fuxi Fuxi“ wird in kritischer Weise das Leben der chinesischen Bauernfamilie Yang Mitte des 20. Jahrhunderts dargestellt. Liu Heng wirft dabei einen kritischen Blick auf die bäuerlichen Traditionen und kulturellen Bräuche, die gerade auf dem Land ihre Ursprünglichkeit noch stärker bewahrt haben. Diese scheinbar unantastbaren Traditionen, die in fast alle Lebensbereiche hineinwirken, sind dabei nicht nur durch ihre positiven Eigenschaften gekennzeichnet, sondern steigern vielleicht gerade durch ihre lange Beständigkeit auf dem Land die Primitivität der menschlichen Instinkte und gewalttätigen Natur. Sie schaffen einen Raum für Unterdrückung, der einerseits oft zu einer vorsätzlichen Unterdrückung anderer ausgenutzt wird, aber auch zu einer ungewollten Unterdrückung eines selbst führen kann. Denn kaum jemand kann sich diesen Traditionen entziehen.

Die kritische Betrachtungsweise dieser Quellen chinesischer Kultur spielte vor allem während der literarischen Phase der Heimatliteratur eine Rolle, in die auch Liu Hengs Kurzroman „Fuxi Fuxi“ eingeordnet werden kann.

In der vorliegenden Interpretation soll nun aufgezeigt werden, welche Absicht der Autor mit der Darstellung menschlicher Primitivität mit all ihrer Brutalität, Sexualität und Erbarmungslosigkeit verfolgt und was für Auswirkungen diese auf eine Gesellschaft haben können. Zusätzlich soll die Art der Bloßstellung männlicher Dominanz und ihre Folgen für die patriarchalische Gesellschaftsform herausgearbeitet werden. Dabei bezieht sich die Interpretation hauptsächlich auf den Testauszug der deutschen Übersetzung mit dem Titel „Phallus“, allerdings soll dadurch nicht der gesamtinhaltliche Kontext des Kurromans „Fuxi Fuxi“ verloren gehen und wird daher teilweise mit einbezogen. Die Textanalyse erfolgt vor allem unter der Fragestellung, ob die männliche Dominanz sowie die Urzuständlichkeit der Traditionen als Aspekte einer Kultur in der chinesischen Gesellschaft ein tief verwurzeltes Problem darstellen und ob das Festhalten an ihnen, nach Meinung des Autors, zum Scheitern oder Weiterbestehen verurteilt ist.

In der Interpretation wird dabei folgendermaßen vorgegangen: Nach einem kurzen biographischen Überblick von Liu Heng wird zunächst nach oben genannter Fragestellung die männliche Dominanz anhand der Verwendung des Fuxi-Nüwa Mythos aufgezeigt. Darauf folgt eine Interpretation der von Liu Heng vermittelten Auswirkungen solchen Festhaltens an der patriarchalischen Gesellschaft. Im letzten Abschnitt werden die, mit der männlichen Dominanz im Zusammenhang stehende Rückständigkeit der Traditionen und ihren Auswirkungen auf die Protagonisten als Beispiel einer Gesellschaft herausgearbeitet. Schließlich werden in der Zusammenfassung die Ergebnisse vorheriger Analyse verdeutlicht und kurz zusammengefasst.

II. Liu Heng – „Phallus“ („Fuxi Fuxi“)

1. Biographie

Liu Heng wurde unter dem Namen Liu Guanjun 1954 in Peking geboren, wo er aufwuchs und auch zur Schule ging. Bereits mit fünfzehn Jahren wurde er von der Armee eingezogen und beendete dadurch seine Schullaufbahn vorzeitig. Den vielleicht anzunehmenden Nachteil einer fehlenden höheren Bildung für seinen späteren beruflichen Erfolg konnte Liu Heng jedoch durch seine gesammelten Erfahrungen während dieser Zeit als Soldat ausgleichen. Denn erst diese Erlebnisse ermöglichten ihm Einblicke in die Lebensweisen von „gewöhnlichen“ Menschen wie Bauern, Fabrikarbeitern und Soldaten zu erhalten und sich mit ihren Lebensgewohnheiten, ihren Problemen und Widerständen im täglichen Leben vertraut zu machen. Durch diese Erfahrungen geprägt, wurden dann solche Personen und ihre Existenzen zum Thema seiner Erzählungen, in denen er oft die trostlose Realität dieser Personen schilderte.[1]

Im Alter von 23 Jahren begann Liu Heng seine Arbeiten zu veröffentlichen und erhielt 1986 für die Erzählung „Dogshit Food“ bereits seinen ersten Preis als beste chinesische Kurzgeschichte. Zwei Jahre später folgte die nächste nationale Auszeichnung der besten Novelle für seinen Kurzroman „Fuxi Fuxi“, auf den sich die vorliegende Hausarbeit konzertiert. Diese Erzählung erhielt nicht nur literarische Annerkennung, sondern wurde auch durch die Verfilmung von Zhang Yimou international bekannt und ausgezeichnet.[2]

Die Popularität seiner Werke resultiert dabei nicht nur aus seiner offenen und realistischen Schreibweise, mit der er die Trostlosigkeit, der meist auf dem Land lebenden Personen, schildert, sondern ist auch aus seiner Bloßstellung gesellschaftlicher Zwänge abzuleiten. Seine Vertrautheit und sein Verständnis für die alltäglichen Probleme seiner Protagonisten machten ihn bei vielen chinesischen Lesern beliebt.[3]

In seinen frühen Erzählungen beschäftigte sich Li Heng oft mit dem Konflikt zwischen den instinktiven sexuellen Bedürfnissen, den sozialen Gewohnheiten und der kulturellen Tradition, der meist auf dem Land lebenden Figuren. Seine späteren Erzählungen, wie der Roman „Black Snow“ („hei de xue“) aus dem Jahr 1991, spielen meist in der Stadt und behandeln die Probleme von Arbeiten.[4]

Während seiner literarischen Tätigkeit traf Liu Heng jedoch auf Hindernisse, die seiner Selbstverwirklichung als Schriftsteller im Wege standen. Aufklärung über diese Schwierigkeiten gab er in einem von ihm verfassten Text, der an der Universität von Iowa, USA, im Rahmen des International Writing Program veröffentlicht wurde. Dabei beruht die Problematik auf seiner, während des Schreibens, empfundenen Einschränkung und einer gefühlten Begrenzung der Worte. Dies veranlasste ihn zu einer ständigen Wanderung zwischen zwei Genres, nämlich zwischen seiner schriftstellerischen Tätigkeit und der Filmbranche. In letzterer glaubte er durch die emotionale Kraft der Bilder die Beschränkung der Worte aufheben und seine Gedanken besser zum Ausdruck bringen zu können. Viele seiner Erzählungen arbeitete Liu Heng daher in Drehbücher um oder verfasste neue, die zahlreichen Filmen nicht nur nationalen Erfolg einbrachten. Seine Bestätigung als anerkannter Drehbuchautor in China konnte ihm jedoch auch nicht zur Verwirklichung seines künstlerischen Traums nach der uneingeschränkten Darstellung seiner Gedanken verhelfen. Stattdessen stellte er eine eigentlich viel größere Einschränkung in der bildlichen Darstellung als beim Schreiben fest. Denn im Film zählte nicht nur der Drehbuchautor und seine Vorstellungen, sondern ganz im Gegenteil, wurde er nur zu einem weiteren Instrument in der gesamten Produktion, in der viele weitere Aspekte wie der Geschmack der Zuschauer, die Verkaufs- und Gewinnerwartungen und der aktuelle Trend eine Rolle spielten. Die als Drehbuchautor viel höher liegende Bezahlung und die Möglichkeit mehr Menschen im Film als durch ein Buch erreichen zu können, gaben ihm jedoch Anlass die Filmbranche nicht ganz aufzugeben, sondern seine beständige Wanderung zwischen Buch und Film fortzuführen.[5] Zu dieser, bis heute andauernden Wanderung zwischen Film und Novelle, machte er folgende Aussage: „the novel is my wife, and film is my lover. Both make me feel it would be very difficult to give them up.“[6]

[...]


[1] Vgl. http://www.wooster.edu/chinese/Chinese/courses/chinese_youth/writer/liu_heng.html.

[2] Vgl. http://people.cohums.ohio-state.edu/denton2/courses/c503/lh.htm.

[3] Vgl. http://www.wooster.edu/chinese/Chinese/courses/chinese_youth/writer/liu_heng.html.

[4] Vgl. http://people.cohums.ohio-state.edu/denton2/courses/c503/lh.htm.

[5] Vgl. http://www.uiowa.edu/~iwp/EVEN/documents/liu_heng_2_and_3_dimensions_000.pdf, S. 1f.

[6] http://www.uiowa.edu/~iwp/EVEN/documents/liu_heng_2_and_3_dimensions_000.pdf, S. 2.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Liu Heng - Phallus: Eine Interpretation des chinesischen Kurzromans „Fuxi Fuxi“ anhand des Testauszugs der deutschen Übersetzung „Phallus“
Hochschule
Universität zu Köln  (Ostasiatisches Seminar - Institut für Moderne China-Studien)
Veranstaltung
Heimatliteratur im China des 20. Jahrhunderts bzw. nach 1978
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V77977
ISBN (eBook)
9783638849876
ISBN (Buch)
9783638849227
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heng, Phallus, Eine, Interpretation, Kurzromans, Fuxi“, Testauszugs, Heimatliteratur, China, Jahrhunderts
Arbeit zitieren
Susanne Topp (Autor), 2006, Liu Heng - Phallus: Eine Interpretation des chinesischen Kurzromans „Fuxi Fuxi“ anhand des Testauszugs der deutschen Übersetzung „Phallus“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77977

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