Die USA entwickelten sich in knapp hundert Jahren von einer weitgehend agrarisch geprägten Vereinigung der 13 Gründungskolonien zur größten Ökonomie der Welt und damit gleichzeitig zu einer Weltmacht. Die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg dieses Landes wurde bereits während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert geschaffen. Der Prozess der Industrialisierung wurde dabei in den USA maßgeblich von zwei Faktoren bestimmt: Boden und Arbeit. In dieser Arbeit soll die Frage im Zentrum der Betrachtungen stehen, wie sich die natürliche Faktor-ausstattung des Landes an Boden und Arbeit (der Faktor Kapital wird nur am Rande betrachtet) auf den Verlauf der Industrialisierung ausgewirkte. Dabei wird vor allem Neuengland, als Ursprung der frühen amerikanischen Industrialisierung, im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Von Interesse sind hier die folgenden Fragen: Warum begann die Industrialisierung gerade in Neuengland? Wie stellt sich der Verlauf dar und durch welche Besonderheiten ist er gekennzeichnet?
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. DIE AUSSTATTUNG MIT DEN PRODUKTIONSFAKTOREN BODEN UND ARBEIT
1.1. Boden
1.2. Arbeit
2. NEUENGLANDS INDUSTRIALISIERUNG
2.1. Gründe für den Beginn der Industrialisierung in dieser Region
2.2. Der Verlauf der Industrialisierung
2.3. Der arbeitssparende technische Fortschritt
2.4. Auswirkungen auf den amerikanischen Markt
2.5. Exkurs: Waltham und Lowell als Beispiele für Unternehmen der Textilindustrie
SCHLUSSWORT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die natürliche Faktorausstattung der USA an Boden und Arbeit während des 19. Jahrhunderts maßgeblich auf den Verlauf der Industrialisierung ausgewirkt hat. Dabei liegt der Fokus auf der Forschungsfrage, warum die Industrialisierung ihren Ursprung gerade in Neuengland nahm und durch welche Besonderheiten der Entwicklungsprozess – insbesondere hinsichtlich der Einführung arbeitssparender Technologien – geprägt war.
- Analyse der Bedeutung von Boden und Arbeit als primäre Produktionsfaktoren.
- Untersuchung der geographischen und wirtschaftlichen Gründe für den Beginn der Industrialisierung in Neuengland.
- Darstellung des technischen Fortschritts als Antwort auf den Mangel an Arbeitskräften.
- Betrachtung der Auswirkungen der industriellen Entwicklung auf den amerikanischen Markt.
- Fallstudien zu Waltham und Lowell als Pioniere der neuenglischen Textilindustrie.
Auszug aus dem Buch
2.3. Der arbeitssparende technische Fortschritt
Der relative Überschuss an Land und die relative Knappheit an Arbeitskraft in den USA förderten von vorneherein die Entwicklung produktivitätssteigernder Technologien. Nach anfänglicher Imitation britischen Technologien nahm die amerikanische technische Entwicklung eine eigene Richtung, die sie zur produktivsten der Welt machte und die an die amerikanische Faktorausstattung angepasst war.
Nur zwei Jahrzehnte nachdem die Arkwright-Webmaschine in Amerika eingeführt worden war, wurde der Markt für Baumwollgarn national und das Spinnen konnte nun, ebenso wie in England, in einem industriellen Fertigungsprozess ablaufen. Zum Erfolg der amerikanischen Textilindustrie trug auch die Spezialisierung auf grobes Baumwolltuch bei. Dabei hatten einheimische Produzenten einen Vorteil bei dessen Angebot, denn Transportkosten fielen bei dieser Ware stark ins Gewicht. Bei der ländlichen amerikanischen Bevölkerung, die strapazierfähige Stoffe ganz besonders brauchte, herrschte eine hohe Nachfrage danach.
Schließlich wurde die Weberei dieser groben Stoffe am schnellsten mechanisiert und seit 1813 setzte sich der mechanische Webstuhl, der für die Herstellung dieser Stoffe eingesetzt wurde, in den USA schnell durch. Das führte dazu, dass große Textilfabriken gegründet wurden, in denen alle Schritte des textilen Produktionsprozesses, Spinnerei und Weberei, unter einem Dach vereint ablaufen konnten. Dies senkte die Produktionskosten erheblich. Eine große Zahl von Arbeitern wurde in einer Abteilung zusammengefasst und dann von einem Leiter beaufsichtigt. Da die Fabrik mit Wasserkraft betriebene Maschinen nutzte, konnte sie standardisierte Produkte in großen Mengen herstellen. Die Maschinenweberei etablierte sich in den USA weitaus schneller als in Großbritannien oder auf dem europäischen Kontinent.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Hinführung zur Thematik der US-Industrialisierung im 19. Jahrhundert und Definition der Forschungsfragen sowie der methodischen Vorgehensweise.
1. DIE AUSSTATTUNG MIT DEN PRODUKTIONSFAKTOREN BODEN UND ARBEIT: Untersuchung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hinsichtlich Landverfügbarkeit und Arbeitskräftemangel als treibende Kräfte der Entwicklung.
2. NEUENGLANDS INDUSTRIALISIERUNG: Analyse der regionalen Besonderheiten Neuenglands, des industriellen Verlaufs, der technologischen Innovationen und der marktwirtschaftlichen Auswirkungen sowie der Fallbeispiele Waltham und Lowell.
SCHLUSSWORT: Zusammenfassende Reflexion über den Erfolgsweg der USA von einer agrarisch geprägten Kolonie zur führenden Industriemacht.
Schlüsselwörter
Industrialisierung, USA, Neuengland, Boden, Arbeit, Produktionsfaktoren, Faktorausstattung, Textilindustrie, arbeitssparender technischer Fortschritt, Waltham, Lowell, Massenproduktion, American System, Wirtschaftswachstum, Bevölkerungsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss der Produktionsfaktoren Boden und Arbeit auf den frühen Industrialisierungsprozess in den Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Feldern gehören die Faktorausstattung, die Rolle der Immigration, die technologische Entwicklung im Textilsektor und die Entstehung nationaler Massenmärkte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, warum die Industrialisierung in der Region Neuengland ihren Ausgang nahm und wie sich der Mangel an Arbeitskräften auf die Entwicklung spezifisch amerikanischer Technologien auswirkte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine wirtschaftshistorische Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur (u.a. Atack/Passell, Walton/Rockoff) und der Anwendung ökonomischer Modelle zur Faktorausstattung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Faktorausstattung, die Gründe für den Beginn der Industrialisierung in Neuengland, den Verlauf der Technisierung sowie die Auswirkungen auf den amerikanischen Markt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Industrialisierung, Faktorausstattung, Arbeitskräftemangel, technischer Fortschritt und das Waltham-Lowell-System geprägt.
Warum wird Neuengland als Ursprung der amerikanischen Industrialisierung hervorgehoben?
Die Region verfügte über nährstoffarme Böden, was die traditionelle Landwirtschaft erschwerte und den ökonomischen Druck erhöhte, in andere Sektoren wie das Handwerk oder die Industrie auszuweichen.
Was genau war das "Waltham-Lowell-System"?
Dieses System bezeichnet die gezielte Einstellung junger, lediger Frauen vom Lande in Textilfabriken, die in beaufsichtigten Heimen untergebracht wurden, um den Mangel an Arbeitskräften effizient zu decken.
- Quote paper
- Michaela Bruckner (Author), 2005, Die Industrialisierung der USA - Wie die Ausstattung an Boden und Arbeit die Industrialisierung kennzeichnete, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78012