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Heinar Kipphardt: "Bruder Eichmann" - Entdämonisierung der Verbrecher und Enthistorisierung der Verbrechen des Nationalsozialismus

Title: Heinar Kipphardt: "Bruder Eichmann" - Entdämonisierung der Verbrecher und Enthistorisierung der Verbrechen des Nationalsozialismus

Term Paper , 2007 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: B.A. Yvonne Hoock (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Hausarbeit möchte sich mit der Darstellung der Verbrecher und Verbrechen des Nationalsozialismus in Heinar Kipphardts Drama Bruder Eichmann beschäftigen. Kipphardt begann sofort unter den Eindrücken des Eichmann-Prozesses 1961 mit der Konzeption des Dramas, beendete seine Arbeit daran allerdings erst im Jahr 1982 kurz vor seinem Tod. Bereits in dem 1965 erschienenen Stück Joel Brand. Die Geschichte eines Geschäfts taucht Adolf Eichmann als Antagonist der Hauptfigur auf. Kipphardt hat sich, besonders auch als Psychiater, über Jahrzehnte mit der Person Adolf Eichmann und dessen Charakter und Denkweise befasst. Dies ermöglichte es Kipphardt – je nach Zeitgeist – immer wieder neue Konzepte der Darstellung zu entwickeln. Während direkt nach dem Krieg Information und Aufklärung im Mittelpunkt stand, widmete sich die Holocaust-Dramatik mit der Zeit immer mehr ihrer Funktion als kulturelles Gedächtnis.
Im ersten Teil dieser Hausarbeit soll auf die Konzepte der Darstellbarkeit von Verbrechen und Verbrechern des Nationalsozialismus eingegangen werden, die Kipphardt bei seiner Arbeit an Bruder Eichmann beeinflussten, und es soll gezeigt werden, wie er diese modifizierte. Mit dieser theoretischen Grundlage kann dann am Text die Darstellungsabsicht Kipphardts herausgearbeitet werden, die sich in zwei Schlagworten zusammenfassen lässt: Entdämonisierung und Enthistorisierung. Durch die Zerstörung der Legende vom Monster und Sadisten und die Darstellung der gewöhnlichen Seite Eichmanns, wird dessen eigentliches Verbrechen offenbart: seine extreme Funktionalität. Diese kann der Zuschauer dann auf der Gegenwartsebene der Analogieszenen wieder erkennen. So wird gezeigt, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus keineswegs der Vergangenheit zugeordnet werden dürfen, sondern dass sich bei einzelnen Aspekten dieser Eichmann-Haltung eine sehr deutliche Verbindungslinie bis in die aktuellste Gegenwart ziehen lässt. Die heftige Kritik an Bruder Eichmann zeigte, dass sich viele dieser besonders persönlichen Art von Vergangenheitsbewältigung und Selbstkritik nicht unterziehen wollten.
Mit dieser Erkenntnis wird deutlich, dass die Verhandlung und Darstellung des Holocausts nicht im Fokus des Stückes steht, auch wenn er in den Gesprächen als Thema stets präsent ist. Deshalb möchte ich zum Schluss nur kurz auf diesen Aspekt, der vor allen Dingen durch die Sprache transportiert wird, eingehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzepte der Darstellung von Verbrechern des Nationalsozialismus

2.1 Thomas Mann: „Bruder Hitler“ – Distanz aufbrechen

2.2 Hannah Arendt: „Eichmann in Jerusalem“. Ein Bericht von der Banalität des Bösen – Eichmann als Durchschnittsmensch

3. Heinar Kipphardt: „Bruder Eichmann“

3.1 Die Bruder-These und die Eichmann-Haltung

3.2 Die Analogieebene und der Gegenwartsbezug

3.3 Die Darstellung des Holocausts

4. Zusammenfassung

5. Literaturangaben

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Filmmaterial

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit analysiert die Darstellungsweise von nationalsozialistischen Verbrechen und deren Tätern in Heinar Kipphardts Drama Bruder Eichmann. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie Kipphardt durch die Konzepte der Entdämonisierung und Enthistorisierung eine Verbindung zwischen der historischen NS-Täterfigur Adolf Eichmann und aktuellen gesellschaftlichen Strukturen sowie der "Eichmann-Haltung" der Funktionalität herstellt.

  • Analyse der theoretischen Vorbilder (Thomas Mann, Hannah Arendt) für Kipphardts Eichmann-Konzeption.
  • Untersuchung der "Eichmann-Haltung" als Kombination aus Unmündigkeit, Identitätsschwäche und extremer Funktionalität.
  • Bewertung der Analogieszenen als Mittel zur Übertragung von NS-Verbrechen in die Gegenwart.
  • Reflektion der Kritiken hinsichtlich der Vergleichbarkeit von Verbrechen und der Problematik der Schuldentlastung.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Bruder-These und die Eichmann-Haltung

Kipphardts Darstellungsabsicht umfasst zwei wesentliche Punkte. Erstens soll ein „bürgerlicher Pflichtmensch ohne jede Dämonie“ (BE, S. 157) gezeigt werden, um beim Zuschauer einen Prozess des Sich-wieder-Erkennens und Verstehens auszulösen. Das bedeutet, die bequeme Legende vom angeblich monströsen Schreibtischmörder wird durch die Darstellung Eichmanns als liebender Ehemann und Vater zerstört. Zweitens soll eine „Haltung […], die den Faschismus erst ermöglicht hatte“ (BE, S. 215) - nämlich die des funktionalen Menschen - und deren Übertragung in die Gegenwart demonstriert werden. Diese Eichmann-Haltung konstituiert sich hauptsächlich aus drei Komponenten: Unmündigkeit, Identitätsschwäche, bzw. mangelndem Selbstbewusstsein, und extremer Funktionalität.

Durch die Verhöre und Gespräche entwickelt der Zuschauer unfreiwillig ein gewisses Verständnis für Eichmann. Seine Unbelehrbarkeit und sein mangelndes Unrechtsgefühl wird immer wieder klar und deutlich gezeigt (z. B. BE, S. 52ff.), trotzdem kann man ihm eine gewisse Würde in seiner Situation nicht absprechen (z. B. BE, S. 77) und Kipphardt zeigt ihn zusätzlich noch als besorgten Vater und liebenden Ehemann (BE, S. 111ff.). Darüber hinaus erfahren wir etwas über seine schwierige Kindheit mit einem sehr strengen Vater (BE, S. 29ff.) – alles Verfahren, durch die uns Eichmann und seine Psyche näher gebracht werden soll. Kipphardt möchte damit zeigen, dass niemand von Natur aus ein Dämon ist, sondern durch Elternhaus, Kindheit, Jugend und wichtige Stationen im Leben geprägt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Zielsetzung ein, das Drama Bruder Eichmann als Mittel der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und aktuellen gesellschaftlichen Missständen zu untersuchen.

2. Konzepte der Darstellung von Verbrechern des Nationalsozialismus: Dieses Kapitel erläutert die Einflüsse von Thomas Mann und Hannah Arendt auf Kipphardts Bild des Täters, insbesondere die Abkehr vom "Monster-Mythos".

3. Heinar Kipphardt: „Bruder Eichmann“: Der Hauptteil analysiert die Quellenbasis, das psychologische Profil des Eichmann-Bildes im Stück sowie die methodische Umsetzung der Analogieszenen zur Gegenwartskritik.

4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Erkenntnisse zur Funktion des Stückes als Instrument der Erinnerungskultur und reflektiert die öffentliche sowie fachliche Kritik am gewählten Darstellungsansatz.

5. Literaturangaben: Auflistung der im Rahmen der Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie des verwendeten Filmmaterials.

Schlüsselwörter

Bruder Eichmann, Heinar Kipphardt, Nationalsozialismus, Eichmann-Prozess, Banalität des Bösen, Funktionalität, Dokumentartheater, Analogieszenen, Vergangenheitsbewältigung, Erinnerungskultur, Thomas Mann, Hannah Arendt, Antisemitismus, Holocaust-Dramatik, NS-Verbrechen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Darstellung von Adolf Eichmann und dessen Taten im Drama Bruder Eichmann von Heinar Kipphardt unter Berücksichtigung von psychologischen und gesellschaftlichen Aspekten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die theoretischen Vorbilder für das Eichmann-Bild, die psychologische Beschaffenheit der Täter-Persönlichkeit sowie die Frage nach der Übertragbarkeit historischer Verbrechen in die Gegenwart.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die detaillierte Analyse der Darstellungsabsicht Kipphardts, insbesondere im Hinblick auf die Begriffe "Entdämonisierung" und "Enthistorisierung", sowie deren Beitrag zur Erinnerungskultur.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer textanalytischen Untersuchung des Dramas Bruder Eichmann, ergänzt durch die Auseinandersetzung mit den historischen Protokollen und der vorhandenen Sekundärliteratur zu den Werken von Thomas Mann und Hannah Arendt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Quellen des Stückes, das psychologische Konzept der "Eichmann-Haltung" und die funktionale Einbettung der Analogieszenen zur Verdeutlichung aktueller gesellschaftlicher Zustände diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Eichmann-Haltung, Funktionalität, Dokumentartheater, Erinnerungskultur und den Diskurs über die Vergleichbarkeit von Verbrechen geprägt.

Warum betont Kipphardt in seinem Stück die Normalität von Eichmann?

Kipphardt möchte dadurch das "Monster-Bild" zerstören und zeigen, dass Eichmanns Taten aus einer extremen, jedoch alltäglichen Funktionalität resultierten, was die Gefahr einer Wiederholung in modernen Systemen verdeutlicht.

Wie bewertet die Arbeit die Kritik an den Analogieszenen im Stück?

Die Arbeit reflektiert die Kritik, die das Stück als relativierend oder gar entlastend empfand, stellt dem jedoch entgegen, dass Vergleiche notwendig sind, um Schweregrade von Verbrechen zu erfassen und daraus zu lernen.

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Details

Title
Heinar Kipphardt: "Bruder Eichmann" - Entdämonisierung der Verbrecher und Enthistorisierung der Verbrechen des Nationalsozialismus
College
University Karlsruhe (TH)
Grade
1,3
Author
B.A. Yvonne Hoock (Author)
Publication Year
2007
Pages
15
Catalog Number
V78013
ISBN (eBook)
9783638800068
Language
German
Tags
Heinar Kipphardt Bruder Eichmann Entdämonisierung Verbrecher Enthistorisierung Verbrechen Nationalsozialismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Yvonne Hoock (Author), 2007, Heinar Kipphardt: "Bruder Eichmann" - Entdämonisierung der Verbrecher und Enthistorisierung der Verbrechen des Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78013
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