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Das Currency Board-System – Konstruktionsmerkmale, Funktionsweise, Chancen und Risiken

Title: Das Currency Board-System – Konstruktionsmerkmale, Funktionsweise, Chancen und Risiken

Seminar Paper , 2007 , 21 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Michaela Bruckner (Author)

Economics - Monetary theory and policy
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Currency Boards sind kein neues Phänomen in der Volkswirtschaftslehre. Sie entstanden bereits vor etwa 150 Jahren. Zuerst existierten sie nur in geringer Zahl, aber erreichten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hohe Popularität um dann nach 40 Jahren fast wieder vollständig zu verschwinden. Seit kurzem erlebt das Konzept des Currency Boards eine Renaissance, vor allem wenn es um Vorschläge zur Bewältigung von Währungskrisen oder von chronischen Schwächen von Finanzsystemen geht. Nach Schweikert (1998, S.421) wurden Currency Board- Systeme (CBS) zum Beispiel in Argentinien, den osteuropäischen Ländern, die sich in die Europäische Union integrieren wollten, sowie in zahlreichen Transformationsländern eingeführt. Zudem zeigen empirische Befunde, dass CBS anderen Festkurssystemen bei der Inflationsbekämpfung überlegen sind und außerdem mit einem höheren realwirtschaftlichen Wachstum einhergehen. Die Definition eines CBS ist in der Literatur sehr uneinheitlich. Für die vorliegende Arbeit wird auf die Definition von Janssen (2002) zurückgegriffen, der ein CBS folgendermaßen definiert: „Ein Currency Board- System ist ein System mit einer monetären Institution, dem Currency Board, welches mit der Haltung von hinreichend hohen Auslandsaktiva eine Konvertibilität des Bargelds und gegebenenfalls weiterer Passiva gegen ausländische Währung zu einem festgelegten Wechselkurs durch institutionellen Schutz garantiert. Die vorgeschriebene Deckungsquote der ausgewählten Passivposition durch Auslandsaktiva entspricht in der Regel einhundert Prozent (Janssen 2002, S.22).“ Besteht ein CBS nur aus einem Currency Board, d.h. ohne zentralbankähnliche Elemente, so wird es als orthodox oder rein bezeichnet. Hierbei hängt die Bereitstellung der Geldbasis vollständig von der Zahlungsbilanz und den daran anknüpfenden Veränderungen der Devisenreserven ab. Ein Zahlungsbilanzüberschuss würde zu einer Erhöhung der Geldmenge führen und ein Zahlungsbilanzdefizit zu einer Verringerung (Dale 1998, S.23). Balino und Enoch (1997, S.1) bezeichnen das reine bzw. „pure“ CBS auch als die einfachste Form eines CBS. Bei dieser Form werden traditionelle Zentralbankfunktionen ausgeschalten, wie beispielsweise die geldpolitische Steuerung und der Lender of Last Resort (LOLR). Kommen zum CBS zentralbankähnliche Elemente hinzu, spricht man von einem weiten oder modifizierten CBS (Janssen 2002, S.20). Dabei bestehen die Zentralbank und das Currency Board nebeneinander, haben aber sehr unterschiedliche Verantwortlichkeiten. Heutige CBS sind mit Zentralbankfunktionen ausgestattet. Die wichtigste Besonderheit eines Currency Boards ist, dass das Board immer bereit ist nationale Währung zum vorgesehenen festen Wechselkurs gegen die ausländische Reservewährung zu tauschen. Um diesen Umtausch zu garantieren, muss das Currency Board genügend Devisenreserven bereithalten um zumindest den Wert des im Umlauf befindlichen inländischen Geldes und die anderen Verbindlichkeiten, die vom Currency Board übernommen werden, zu decken (Dale 1997, S.23f.).
Die Frage, die es nun in dieser Arbeit zu beantworten gilt, ist wie ein Currency Board zu beurteilen ist. Welches sind die Chancen und die Risiken dieser festen Wechselkursbindung an eine Ankerwährung?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

KONSTRUKTIONSMERKMALE EINES CURRENCY BOARDS- SYSTEMS

ANKER- UND RESERVEWÄHRUNG

FESTER WECHSELKURS

VOLLKOMMENE KONVERTIBILITÄT

DURCHFÜHRUNG DER GELDPOLITIK

DURCHFÜHRUNG DER FISKALPOLITIK

INSTITUTIONELLE BEDINGUNGEN

FUNKTIONSWEISE EINES CURRENCY BOARD- SYSTEMS

CHANCEN UND RISIKEN EINES CURRENCY BOARD- SYSTEMS

CHANCEN

Einfachheit und Transparenz

Glaubwürdigkeit der Geld- und Finanzpolitik

Währungsstabilität

Konvergenz der Zinssätze

Finanzintermediation

RISIKEN

Nominale Wechselkursrigidität (und Wechselkurs-Misalignment)

Finanzielle Fragilität bei Abwesenheit eines Lender of Last Resort

Verlust anderer Zentralbankfunktionen

Beschränkungen der Fiskalpolitik

KRITISCHE BETRACHTUNG

SCHLUSSBETRACHTUNG

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Currency Board-System als geldpolitisches Instrument, analysiert seine konstituierenden Merkmale sowie seine Funktionsweise und bewertet kritisch die Chancen und Risiken dieser festen Wechselkursbindung an eine Ankerwährung.

  • Analyse der Konstruktionsmerkmale wie Ankerwährung, feste Wechselkurse und Konvertibilität.
  • Untersuchung der Funktionsweise eines Currency Boards im Vergleich zu traditionellen Zentralbanken.
  • Evaluation der Chancen hinsichtlich Inflationsbekämpfung und Währungsstabilität.
  • Analyse der Risiken wie Wechselkursrigidität, fehlende Lender of Last Resort-Funktionen und fiskalpolitische Beschränkungen.
  • Kritische Betrachtung der Anwendbarkeit und Stabilitätsbedingungen für Volkswirtschaften.

Auszug aus dem Buch

Konstruktionsmerkmale eines Currency Boards- Systems

CBSs sind eine besondere Form eines gestützten Wechselkursgefüges. Sie unterscheiden sich von der üblichen Kursstützung dahingehend, dass sich die Beschränkungen in Bezug auf die Veränderung der Höhe des Wechselkurses unterscheiden und insbesondere bei der Herkunft der Reservegeldschöpfung.

Anker- und Reservewährung

Die Wahl einer Ankerwährung und Reservewährung hängt unter anderem von den Eigenschaften der Ankerwährung und Reservewährung ab, wie zum Beispiel im Hinblick auf die Stabilität und die Verwendung als Fakturierungs- und Investitionswährung (Janssen 2002, S.80). Zudem sollte sie weitere Gesichtspunkte in Betracht ziehen: die Ankerwährung muss zunächst eine Währung mit einem gut entwickelten Finanzmarkt sein, der über eine breite Auswahl an internationalen Finanzinstrumenten verfügt. Aus diesem Grund sollte die Ankerwährung eine der wenigen großen internationalen Reservewährungen sein. Darüber hinaus sind langjährige Belege niedriger Inflation, hohe Glaubwürdigkeit, vollkommene Konvertibilität und niedrige Realzinssätze die Eigenschaften, die zukünftig voraussichtlich eine gute Entwicklung nach sich ziehen. Durch die Wahl einer stabilen Ankerwährung bemüht sich ein Currency Board- Land die Stabilität der ausgewählten Reservewährung in das eigene Land zu importieren (Maute 2006, S.104). Eine Frage die sich mithin stellt ist, welche Reservewährung am besten in der Lage ist das Currency Board- Land vor realen Schocks innerhalb oder von außerhalb des Währungsgebiets zu bewahren. Dies ist äußerst wichtig, da das Currency Board- Land nicht in der Lage ist die Instrumente der Geldpolitik zu nutzen um angemessen auf solche Schocks zu reagieren und es muss folglich diese Risiken so weit als möglich minimieren.

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Die Einleitung skizziert die historische Entwicklung sowie die Renaissance der Currency Boards und definiert das System als monetäre Institution mit vollständiger Deckung der Passiva durch Auslandsaktiva.

KONSTRUKTIONSMERKMALE EINES CURRENCY BOARDS- SYSTEMS: Dieses Kapitel erläutert die wesentlichen Merkmale wie die Wahl der Ankerwährung, den festen Wechselkurs, Konvertibilität sowie die Einschränkungen in der Geld- und Fiskalpolitik.

FUNKTIONSWEISE EINES CURRENCY BOARD- SYSTEMS: Es wird erklärt, wie ein Currency Board eine Zentralbank ersetzt, indem die Geldbasis strikt an den Zufluss von Devisenreserven gekoppelt wird.

CHANCEN UND RISIKEN EINES CURRENCY BOARD- SYSTEMS: Eine detaillierte Analyse der Stärken wie Preisstabilität und Konvergenz der Zinssätze sowie der Gefahren wie mangelnde Flexibilität bei Schocks und das Fehlen eines Lender of Last Resort.

KRITISCHE BETRACHTUNG: Eine zusammenfassende Einschätzung, die betont, dass ein Currency Board kein Allheilmittel ist und strenge fiskalpolitische Disziplin sowie ein stabiler Bankensektor zwingend erforderlich sind.

SCHLUSSBETRACHTUNG: Das Fazit fasst zusammen, dass Currency Boards effektive Instrumente zur Stabilisierung bei hoher Inflation sein können, jedoch hohe Anforderungen an die Volkswirtschaft und Politik stellen.

Schlüsselwörter

Currency Board, Ankerwährung, Reservewährung, Fester Wechselkurs, Konvertibilität, Geldpolitik, Fiskalpolitik, Inflation, Währungsstabilität, Lender of Last Resort, Devisenreserven, Transformationsländer, Preisstabilität, Finanzintermediation, Wechselkursrigidität

Häufig gestellte Fragen

Was ist die grundlegende Definition eines Currency Boards?

Ein Currency Board ist eine monetäre Institution, die die Konvertibilität der inländischen Währung in eine ausgewählte Ankerwährung zu einem festgelegten Kurs durch eine hohe Deckungsquote mit Auslandsaktiva garantiert.

Welche Rolle spielt die Ankerwährung?

Die Ankerwährung dient als Stabilitätsanker; durch die Bindung an eine Währung mit niedriger Inflation und hohem Vertrauen versucht das Land, diese Stabilität in die eigene Volkswirtschaft zu importieren.

Welches ist das primäre Ziel eines Currency Boards?

Das primäre Ziel ist meist die Stabilisierung einer Volkswirtschaft, die unter hoher Inflation oder einem Vertrauensverlust in die eigene Währung leidet, um so eine stabilitätsorientierte Geldpolitik zu erzwingen.

Wie wird in einem Currency Board Geldpolitik betrieben?

Es gibt im klassischen Sinne keine aktive Geldpolitik mehr; die Geldmenge ist endogen und hängt vollständig von den Zu- und Abflüssen an Devisenreserven sowie der inländischen Geldnachfrage ab.

Was passiert, wenn ein Land externe wirtschaftliche Schocks erleidet?

Da der Wechselkurs fixiert ist und der Puffer der Geldpolitik fehlt, müssen Schocks durch Anpassungen bei Preisen, Löhnen und der realen Wirtschaft (Konsum/Einkommen) aufgefangen werden.

Welche wissenschaftliche Perspektive nimmt die Arbeit ein?

Die Arbeit analysiert Currency Boards aus einer volkswirtschaftlichen Sicht, wobei sie zwischen theoretischen Konstruktionsmerkmalen und den praktischen Erfahrungen verschiedener Länder unterscheidet.

Warum ist das Fehlen eines "Lender of Last Resort" riskant?

Ohne eine Zentralbank, die bei Liquiditätsengpässen als Kreditgeber der letzten Instanz einspringen kann, sind Geschäftsbanken bei Anstürmen auf Einlagen (Bank Runs) besonders verwundbar.

Welchen Stellenwert nimmt die Fiskalpolitik ein?

Die Fiskalpolitik ist entscheidend für den Erfolg, da Budgetdefizite nicht mehr durch die Zentralbank monetarisiert werden können und die Regierung gezwungen ist, diszipliniert auf Finanzmärkten zu agieren.

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Details

Title
Das Currency Board-System – Konstruktionsmerkmale, Funktionsweise, Chancen und Risiken
College
University of Hohenheim  (Lehrstuhl für Außenwirtschaft)
Course
Monetäres Seminar
Grade
2,0
Author
Michaela Bruckner (Author)
Publication Year
2007
Pages
21
Catalog Number
V78014
ISBN (eBook)
9783638800167
ISBN (Book)
9783638803588
Language
German
Tags
Currency Board-System Konstruktionsmerkmale Funktionsweise Chancen Risiken Monetäres Seminar Geldpolitik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michaela Bruckner (Author), 2007, Das Currency Board-System – Konstruktionsmerkmale, Funktionsweise, Chancen und Risiken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78014
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