Die Erzählperspektive in W.G. Sebalds "Max Aurach" aus "Die Ausgewanderten"


Hausarbeit, 2007

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Struktur der Erzählung
2.1 Hauptpersonen der Erzählung
2.2 Zusammenfassung der Erzählung
2.2.1 Erinnerungen des Erzählers
2.2.2 Aurachs Vergangenheit
2.2.3 Tagebucheinträge der Mutter Aurachs
2.2.4 Rückkehr zum Haupthandlungsstrang

3. Problem der Erzählperspektive
3.1. Definitionen der Erzählperspektive und ihre Bestandteile
3.1.1 Der Erzähler
3.1.2 Die Erzählform
3.1.3 Das Erzählverhalten
3.1.4 Der Erzählstandort
3.1.5 Die Sichtweise
3.1.6 Die Erzählhaltung
3.1.7 Der Erzählbericht
3.2 Der Aufbau einer Geschichte
3.2.1 Die Figuren und der Handlungsort
3.2.2 Die zeitliche Einordnung des Erzählten
3.3 Der Leser

4. Analyse von „Max Aurach“
4.1 Die Rolle des Lesers in der Erzählung
4.2 Die gewählte Erzählform und das Erzählverhalten
4.3 Die zeitliche Einordnung der Erzählung
4.4 Zusammenfassung der Schwierigkeiten

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit ergab sich aus einem Referat, welches während des Semesters im Seminar „W. G. Sebald“ zu dem Thema „Erzählperspektive“ gehalten wurde. Für das Referatsthema war es nötig, sich mit den verschiedenen Erzählungen in „Die Ausgewanderten“ von W. G. Sebald[1] auseinanderzusetzen. Da das Thema „Erzählperspektive“ sehr umfangreich ist, konnte eine detaillierte Analyse der Erzählperspektive der verschiedenen Erzählungen während des Referats nur in Ausschnitten vorgenommen werden. In dieser Arbeit soll das Thema Erzählperspektive anhand der Erzählung „Max Aurach“ intensiver dargestellt und diskutiert werden. Ebenso sollen evtl. Probleme für den Leser und eine geeignete Herangehensweise an den Text aufgezeigt werden, so dass dieser schneller und besser verstanden werden kann.

Hierfür wird in Kapitel 2 ein Überblick über die ausgewählte Erzählung erstellt, der Leser soll kurz in die Thematik und in die Struktur dieser Erzählung eingeführt werden. Weiterhin wird dem Leser ein Überblick über den Inhalt der Erzählung gegeben, anhand dieses Überblicks wird die Schwierigkeit der Analyse der Erzählperspektive deutlich, dies soll Hilfe für die späteren Kapitel sein. Kapitel 3 führt dann in das Thema Erzählperspektive und in die damit evtl. verbundenen Probleme bzw. Schwierigkeiten ein. Die detaillierte Analyse der Erzählung „Max Aurach“ wird in Kapitel 4 vorgenommen. Ziel ist es hier, die zuvor in Kapitel 3 angesprochenen Inhalte am Text umzusetzen und deutlich zu machen.

Abschließend erfolgt im fünften und letzten Kapitel eine Zusammenfassung und ein kurzes Fazit.

2. Struktur der Erzählung

„Max Aurach“ ist das letzte Kapitel in dem Buch „Die Ausgewanderten – Vier lange Erzählungen“ (S. 217 bis S. 355). Es handelt sich hierbei um einen epischen Text, der durch die folgenden Dimensionen zum besseren Verständnis unterteilt wird:

2.1 Hauptpersonen der Erzählung

Die Erzählung handelt von dem Maler Max Aurach und vermittelt dem Leser einen Ausschnitt von seinen Erlebnissen und Erinnerungen zur Zeit des Nationalsozialismus. Während dieser Zeit wandert der Protagonist nach England aus und macht zahlreiche Erfahrungen, welche geschildert werden.

Obwohl Max Aurach laut Titel der Erzählung, Hauptperson der Erzählung sein sollte, stehen auch die Erfahrungen anderer Figuren ebenso im Mittelpunkt. So erfährt man auch die Erlebnisse des Erzählers als weitere Hauptperson, die er bei seiner eigenen Auswanderung nach Manchester gemacht hat. Den Namen des Erzählers erfährt man jedoch hingegen nicht.

Ebenso erfährt der Leser aufgrund der Tagebucheinträge der Mutter Aurachs, auch viel über sie selbst als dritte Hauptperson am Ende der Erzählung.

2.2 Zusammenfassung der Erzählung

2.2.1 Erinnerungen des Erzählers

Die Erzählung beginnt mit den Erinnerungen des Erzählers an seine Auswanderung nach England. Er siedelt als Student nach Manchester über, um Forschungen zu betreiben (S. 221). Dabei beschreibt er sehr detailliert seine Gefühle und Gedanken, die er während seiner ersten Taxifahrt in Manchester hatte. Letztlich kommt der Student in dem „günstigen“ Hotel „Arosa“ unter (S. 223), welches von Gracie Irlam geleitet wird. Sie kümmert sich rührend um den Erzähler und schenkt ihm eine „Teas-maid“ (S. 227), um ihre besondere Fürsorge auszudrücken. Dennoch ist sich der Erzähler nicht sicher, ob sie zusätzlich nicht noch die nächtlichen Damenbesuche in ihrem Hotel unterstützt, denn von diesen Damen spricht Gracie Irlam „ohne das geringste Anzeichen von Ironie“ nur als „the gentlemen´s travelling companions“ (S. 229).

Nach einiger Zeit fängt der Erzähler an, sich seine Sonntage mit ausgedehnten Erkundungstouren durch Manchester zu vertreiben und stößt dabei zufällig auf das Atelier von Max Aurach. In den darauf folgenden drei Jahren besucht die erzählende Person den Maler regelmäßig und erfährt einiges über ihn und seine Vergangenheit. Der Leser erfährt dadurch, dass Max Aurach im Herbst 1943, im Alter von achtzehn Jahren als Kunststudent nach Manchester kommt (S. 247). 1944 wird Max Aurach in die Armee einberufen und meldet sich beim Yorkshire Fallschirmregiment mit der Hoffnung noch im Krieg zum Einsatz zu kommen (S. 248); dazu kommt es wegen einer Gelbsuchterkrankung jedoch nicht. Aurach wird aufgrund seiner Krankheit in ein Hospital in Derbyshire eingeliefert und muss ein halbes Jahr zur Genesung dort bleiben, was für ihn eine „kaum zu überstehende Zeit gewesen sei“ (S. 249). Nach der Entlassung im Mai 1945 nimmt er in Manchester wieder sein Kunststudium auf (S. 249). Trotz des düsteren Eindrucks, den Aurach von Manchester hat, glaubt er das Gefühl zu haben „am Ort seiner Bestimmung zu sein“ (S. 251).

Während seines ganzen 22-jährigen Aufenthalts in Manchester, ist Max Aurach jedes Jahr nur ein- bis zweimal wegen Studienzwecken aus der Stadt gereist (S. 251). Er hat das Gefühl, dass die Stadt von ihm Besitz ergriffen hat (S. 251).

In diesem Zusammenhang erfährt der Leser auch von einer Jugendreise, die Max Aurach 1936 mit seinem Vater als Belohnung für seine Hilfe bei einer Kunstausstellung getätigt hat (S. 256). Dort passiert ein für Max Aurach einschneidendes Erlebnis. Er besichtigt mit seinem Vater den Gipfel des Grammont (S. 257), daraufhin sperrt sich Aurach, übermannt von der Schönheit der Natur, fast eine Woche in seinem Zimmer ein (S. 258). Einige Zeit später erklimmt er, in einem sehr erschöpften Zustand (S. 258), den Gipfel ein zweites Mal, diesmal ohne seinen Vater. Aurach fasziniert so sehr die Aussicht, die Landschaft, in der alles zum greifen nah und doch so fern ist, dass er „befürchtete, sich in sie hineinstürzen zu müssen“ (S. 259). Dies wäre evtl. auch passiert, wenn nicht ein Schmetterlingsfänger angesprochen und ihn daraufhin hingewiesen hätte, dass er bald den Abstieg tätigen solle (S. 259).

Dieses Ereignis beschäftigt Aurach so sehr, dass er viele Jahre später in Manchester versucht, den Schmetterlingsfänger, dem er auf dem Berg begegnet ist, zu malen (S. 260). Jedoch sagt er selber, dass er das Bild für „eines seiner verfehltesten Werke halte“ (S. 260). Ebenso hätte die Arbeit an diesem Bild ihn mehr strapaziert, als jede andere Arbeit zuvor (S. 260). Er ist nie zufrieden mit dem Bild, so dass er nach mehrmaligem Herunterkratzen und mehrmaligem Neuauftragen der Farbe, mehrmals einige Bilder völlig zerstört und verbrennt. Darüber ist er so verzweifelt, dass er bald nicht mehr schlafen kann und an Übermüdung und Halluzinationen leidet (S. 260).

Im Verlauf der Erzählung erfährt der Leser dann, dass der Erzähler nach drei Jahren, im Sommer 1969, seine Forschungsarbeiten beendet und somit Manchester verlässt, um in den schweizerischen Schuldienst einzutreten (S. 263). Jedoch entschließt sich der Erzähler nach einem Jahr wieder nach England zurückzukehren und nimmt in Norfolk eine Stellung an (S. 263).

Er denkt hin und wieder an Aurach, vermeidet es aber bewusst, Erkundigungen nach Aurach anzustellen (S. 264).

Allerdings wird der Erzähler im November 1989 von seinen Erinnerungen eingeholt, denn er sieht zufällig in der Londoner Tate Gallery ein Bild, welches von Aurach stammt (S. 264). Kurz danach entdeckt er auch aus Zufall einen Bericht über den Maler im Farbmagazin einer Sonntagszeitung. Aus dem dazugehörigen Bericht über Aurach geht hervor, dass Aurach mit vollem Namen Friedrich Maximilian Aurach heißt (S. 265), im Mai 1939 nach England gekommen ist, dass seine Eltern deportiert worden sind und in der Gegend um Riga ums Leben kamen (S. 266).

2.2.2 Aurachs Vergangenheit

Aus schlechtem Gewissen Aurach gegenüber, beschließt der Erzähler noch mal zu dem Maler zu fahren und mit ihm über seine Herkunft und seine Familiengeschichte zu sprechen (S. 266). Drei Tage lang unterhalten sich der Maler und der Erzähler jeweils bis spät in die Nacht hinein (S. 269) über Manchester, den fortschreitenden Verfall der Stadt und über den beruflichen Werdeganges des Erzählers (S. 270). Weiteres Gesprächsthema ist Aurachs Leben in Deutschland, daraus geht die negative Einstellung des Malers gegenüber Deutschland hervor, basierend auf den Ereignissen im Nationalsozialismus (S. 270).

Aurach kann sich nur noch schlecht an seine Kindheit in Deutschland erinnern, was er mit dem Verlust der deutschen Sprache verbindet (S. 271), dennoch erinnert er sich deutlich an „die Prozessionen, Umzüge und Paraden, zu denen es offenbar immer einen Anlass gegeben hat“ (S. 272). Der Maler erwähnt weiterhin, dass seine Familie versucht hat, die Normalität des Alltags aufrecht zu erhalten, in dem sie einfach nicht über den Nationalsozialismus sprachen und ihn ausblendeten, selbst als der Vater sein neues Geschäft an einen „arischen Partner“ hat übergeben müssen (S. 273). Auch über die Gründe für den Freitod der Großmutter Lily Lanzberg schwieg sich die Familie aus, bzw. einigte sich darauf, dass jene nicht mehr ganz bei Sinnen gewesen sein musste (S. 273). Ausnahme war sein Onkel Leo, der sich offener über die Gesamtsituation äußerte, z.B. diskutierte Leo mit dem Vater von Max Aurach über eine Fotografie aus dem Jahr 1933, welche die Bücherverbrennung auf dem Würzburger Residenzplatz zeigen sollte, die am späten Abend stattgefunden haben soll. Leo behauptete, die Fotografie wäre eine Fälschung, der nachtschwarze Himmel und die Rauchfahne wären hineinkopiert worden, da man eigentlich zu der späten Tageszeit aufgrund der Dunkelheit keine verwertbaren Fotos hätte machen können (S. 274). Der Erzähler bestätigt im Nachhinein den Verdacht des Onkels (S. 275). Fortfahrend erfährt der Leser, dass Leo zwangsweise zum Ende des Jahres in den Ruhestand versetzt worden ist und deswegen seine Auswanderung nach Amerika plant (S. 275).

[...]


[1] Siehe Literaturverzeichnis: Primärliteratur

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Erzählperspektive in W.G. Sebalds "Max Aurach" aus "Die Ausgewanderten"
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V78021
ISBN (eBook)
9783638783477
ISBN (Buch)
9783638795791
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erzählperspektive, Sebalds, Aurach, Ausgewanderten
Arbeit zitieren
Jennifer Keller (Autor), 2007, Die Erzählperspektive in W.G. Sebalds "Max Aurach" aus "Die Ausgewanderten", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78021

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