Umweltkommunikation - Alles dasselbe?


Referat (Ausarbeitung), 2007
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

Definitionsentwürfe von Umweltkommunikation

Schwierigkeiten bei der Umweltkommunikation

Vom Kanon abweichende Umweltkommunikation

Kriterien zur Authentizitätsbestimmung von Umweltkommunikation

Umweltkommunikation – Alles dasselbe?

Innerhalb der Umweltpsychologie spielt die Umweltkommunikation eine wichtige Rolle, denn sie ist es, die das Umweltbewusstsein bei den Menschen schafft. Aber wie werden Umweltsachverhalte weitergegeben? Und welche Probleme und Widersprüche können sich bei der Umweltkommunikation ereignen?

Häufig hat man den Eindruck, dass Umweltkommunikation immer dasselbe zu sein scheint. Immer wirkt sie negativ geprägt. Dass dies jedoch auch anders sein kann, zeigen ein paar wenige Forscher, die aus dem derzeitigen Kanon der drohenden Klimakatastrophe ausscheren.

Durch den G8-Gipfel in Deutschland wurde Umweltthematiken in letzter Zeit in den Medien große Aufmerksamkeit geschenkt. Doch weit häufiger als vielleicht gedacht, sahen wir uns auch schon zuvor bestimmten Formen von Umweltkommunikation gegenüber. Egal, ob Flyer und Broschüren, Naturkundeunterricht, Demonstrationen, Gutachten oder das einfache Gespräch unter Freunden über einen Umweltsachverhalt oder dergleichen mehr – all dies kann Umweltkommunikation sein.

Aber was ist Umweltkommunikation nun genau? Was versteht man darunter? Gibt es eine allgemeingültige Definition? Bei der Betrachtung der verschiedenen Definitionen von Umweltkommunikation fällt ein großes, wenig präzises Spektrum an Entwürfen auf.

"Umweltkommunikation kann als ein Prozeß beschrieben werden, in dem Informationen über Umweltaspekte vermittelt werden. Nach der Systematisierung einfacher Kommunikationstheorien besteht Umweltkommunikation aus einem Empfänger, einem Sender und einer umweltbezogenen Botschaft. ..." („Brilling & Filho 1999, S. 266). Diese Definition spezifiziert lediglich geläufige Kommunikationsdefinitionen auf deren möglichen ökologischen Inhalt.

„Umweltkommunikation ist der Prozess, bei dem Umweltprobleme, ihre Ursachen, Folgen, Bewältigungspotentiale und Legitimationen auf die gesellschaftliche Tagesordnung gesetzt, analysiert und bewertet werden. Umweltkommunikation transportiert also nicht einfach nur Informationen und Botschaften über Umweltereignisse. Ihr Ziel ist auch die Vermittlung von Bedeutungen und die Motivation zur Änderung von Denk- und Verhaltensweisen.“ („Eilers 2006“) Diese Definition ist schon deutlich differenzierter. Im Gegensatz zu Brilling und Filho betont Eilers nicht nur die einfache Übermittlung von ökologischen Sachinhalten, sondern zusätzlich die auszulösende Handlungsmotivation beim Empfänger der Nachricht.

Andere Definitionen legen ihren Schwerpunkt wiederum auf das Lernen, auf die Umweltpädagogik.

Zusammenfassend lässt sich hieraus kein weit reichender Konsens über eine verbindliche Umweltkommunikationsdefinition folgern. Über die möglichen Schwierigkeiten oder den derzeitigen Stand von Umweltkommunikation sagen die Definitionen ebenfalls wenig aus.

Schwierigkeiten bei der Umweltkommunikation – es einfach sagen, ist zu einfach gesagt

Auffallend häufig ist der Sachinhalt einer ökologischen Nachricht ein Risiko. Die Umweltkommunikation überschneidet sich in diesen Fällen also mit der Risikokommunikation. Harry Otway und Brian Wynne beschäftigten sich mit dem Ablauf und den Schwierigkeiten von Risikokommunikation. Deren Ergebnisse lassen sich auch auf die Umweltkommunikation übertragen. Eine der wesentlichen Erkenntnisse, nämlich die, dass Laien und Experten Risiken unterschiedlich bewerten, lässt sich auch auf die Umweltkommunikation übertragen. Dies folgt ähnlich wie bei Luhmanns ökologischer Kommunikation durch die Beurteilung von Risiken unter dem Aspekt der eigenen Betroffenheit (vgl. Rayner & Cantor 1987, S.3-9). Otway und Wynne unterteilen vor allem zwei Kommunikationskontexte – zum einen die Kommunikation bei der Entstehung von Risiken, bei der die Empfänger das entstehende Risiko akzeptieren sollen, was durch eine glaubwürdige Vermittlung versucht wird zu erreichen. Nachdem die Unterrichtung über die potentielle Gefahr erfolgt ist, sollen die Empfänger unbehelligt sein, sprich sie sollen die Gefahrenursache, die Risiken und am besten die Kommunikation selbst wieder vergessen. Anders sieht dies aus, wenn der Kommunikationsempfänger über die Notfallplanungen informiert wird. Hier soll die Person zu der Überzeugung gelangen, dass die Risiken nicht nebensächlich sind. Die erhaltenen Informationen sollten nicht nur nicht vergessen, sondern auch internalisiert werden, so dass ein Handeln den Anweisungen gemäß möglich ist (vgl. Otway & Wynne 1989, S. 105).

Aus diesen unterschiedlichen Zielsetzungen bei der Kommunikation ergeben sich Widersprüche, die beim Empfänger dazu führen können, dass sie entweder den beunruhigende Informationen Glauben schenken, was zu einer Bekämpfung der Gefahrenquelle führt oder dass sie den beruhigenden Inhalten vertrauen, was im Falle einer Katastrophe zu hohen Opferzahlen führen kann. Ist eine Gefahrenquelle sozial gut eingebunden, wie beispielsweise ein traditionsreiches Vorzeigeunternehmen, das aber mit Gefahrenstoffen arbeitet, so sinkt die Risikowahrnehmung bei den Betroffenen ebenfalls, was wiederum negative Konsequenzen zur Folge haben kann (vgl. ebd., S. 105f.).

Sowohl in der Umweltkommunikation als auch in der Risikokommunikation kommt es immer wieder zu Überlegungen, ob Informationen über Gefahren nicht besser nur recht spärlich an die Öffentlichkeit weitergegeben werden sollen, um so eine Verunsicherung derselbigen zu verhindern. Untersuchungen von Jupp und Lalo ergaben aber, dass sich Anwohner von industriellen Anlagen sich eines gewissen Risikos bewusst sind und sich somit von Informationen nicht übermäßig alarmiert fühlen. Eine Unterrichtung über die nähere Umgebung hinaus, wurde in diesen Umfragen als wenig sinnvoll erachtet, da in diesem Falle Personengruppen alarmiert werden würden, die von dem Risiko gar nicht betroffen sind. Zudem wurde eine unerwünschte Alarmierung von einflussreicheren und höher gebildeten Menschen festgestellt. Wären diesen Personenkreisen jedoch Informationen bewusst vorenthalten worden, so wäre es wahrscheinlich durch das Gefühl hintergangen werden zu wollen zu noch größeren Protesten gekommen (vgl. Jupp 1988 & Lalo 1988, S. 19-41).

Im Falle eines Notfalls genügen die zuvor gemachten Notfallplanungen in vielen Fällen nicht den vorherrschenden Anforderungen. Modifizierungen und Erweiterungen oder Präzisierungen sind von Nöten. Die dabei ablaufenden Kommunikationsprozesse geschehen unter großem Zeitdruck, Stress und mitunter auch Zuständigkeitsstreitereien. Dies kann zu Verwirrung bei den zu Informierenden führen (vgl. Otway & Wynne 1989, S. 106f.).

Bei der Beurteilung von Umweltwahrnehmung sollte man nicht außer Acht lassen, dass die jeweilige Organisation, von der die Information ausging, Einfluss auf die zugemessene Bedeutung hat. Behörden informieren in der Regel die Öffentlichkeit nicht so schnell wie dies Umweltorganisationen zu tun pflegen. Ein vermeintliches Desinteresse der Bevölkerung an Umweltthemen ist nach Untersuchen nicht mit einer Sorgenfreiheit gleichzusetzen. Mangelnde Glaubwürdigkeit, gefühlte Abhängigkeit oder Machtlosigkeit könnten ebenfalls Gründe für eine rückläufige Nachfrage nach Informationen sein. Der von Behörden idealisiert vermittelte Eindruck der Ordnung und Kontrolle von allen möglichen Risiken ist ebenfalls bei der Beurteilung der Informationsaufnahme zu berücksichtigen. Das so angestrebte „Nullrisiko“ wird jedoch vor vielen Bürgern als unrealistisch erkannt und somit auch gar nicht gefordert. Hat eine Person mal negative Erfahrungen mit bestimmten Organisationen gemacht, bzw. fühlte sie sich in einer früheren Situation falsch informiert, so kann dies zu einer daraus folgenden Nicht-Kommunikation bzw. Misstrauen mit der jeweiligen Institution führen. So entzogen die Schäfer im britischen Windscale der Regierung das Vertrauen als diese Anweisungen anlässlich des Tschernobyl-Unglücks gab, da sie sich bei einem früheren Reaktorvorfall (heute als Sellafield bekannt) dort hintergangen und erst viel zu spät informiert gefühlt hatten. Soziale Erfahrungen beeinflussen die Beurteilung von Sachinhalten also ebenfalls (vgl. ebd., S. 107ff. sowie Wynne & Williams & Williams 1988, S. 408-415).

Wie groß ein Umweltrisiko einzuschätzen ist, geht auch immer mit der Bewertung wie zuverlässig die Kontrollmaßnahmen dafür sind einher. Wird den Kontrolleuren nur wenig Vertrauen geschenkt, so erhöht sich automatisch die eigene Wachsamkeit bei den Bürgern. Das Ziel der absolut zuverlässigen und glaubhaften Risikovermeidung führt in dieser Hinsicht aufgrund einer geringeren bürgerlichen Wachsamkeit zu einer Risikoerhöhung (vgl. Otway & Wynne, S. 109).

Zuletzt geben Otway und Wynne zu bedenken, dass augenscheinlich glaubwürdige Informationen nicht automatisch authentisch sein müssen. Authentisch seien die Informationen vor allem da, wo soziale Verpflichtungen vorlägen, wie es beispielsweise in Familien der Fall ist. Lediglich augenscheinlich glaubwürdig sind Sachinhalte häufig dann, wenn sie umsichtig und in vorsichtig gestalteten Portionen unterbreitet werden. Hier lässt sich an eine „Steigerung des Unterhaltungswert“ von Katastrophen in modernen Medien denken, wenn immer wieder neue Facetten, neue Betroffene, neue Tragödien vor der Kamera vorgeführt werden (vgl. ebd., S. 110).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Umweltkommunikation - Alles dasselbe?
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Umweltpsychologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V78040
ISBN (eBook)
9783638828802
ISBN (Buch)
9783638832007
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umweltkommunikation, Alles, Umweltpsychologie, Kommunikation, Risikomanagement, Erderwärmung, Klimawandel
Arbeit zitieren
Martin Selzle (Autor), 2007, Umweltkommunikation - Alles dasselbe?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78040

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