Innerhalb der Umweltpsychologie spielt die Umweltkommunikation eine wichtige Rolle, denn sie ist es, die das Umweltbewusstsein bei den Menschen schafft. Aber wie werden Umweltsachverhalte weitergegeben? Und welche Probleme und Widersprüche können sich bei der Umweltkommunikation ereignen?
Häufig hat man den Eindruck, dass Umweltkommunikation immer dasselbe zu sein scheint. Immer wirkt sie negativ geprägt. Dass dies jedoch auch anders sein kann, zeigen ein paar wenige Forscher, die aus dem derzeitigen Kanon der drohenden Klimakatastrophe ausscheren.
Somit beginnt die Arbeit mit verschiedenen Definitionsvorschlägen, geht dann auf Schwierigkeiten bei der Umweltkommunikation ein, wobei sie sich bei Untersuchungen zur Risikokommunikation bedient und beschreibt dann vielfältige Untersuchungen, die von negativ geprägten Umweltmeldungen abweichen. Abschließend werden Kriterien überlegt wonach man den Wahrheitsgehalt einer Nachricht beurteilen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Definitionsentwürfe von Umweltkommunikation
2. Schwierigkeiten bei der Umweltkommunikation
3. Vom Kanon abweichende Umweltkommunikation
4. Kriterien zur Authentizitätsbestimmung von Umweltkommunikation
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wesen der Umweltkommunikation und hinterfragt kritisch die häufig einseitig alarmistische Darstellung ökologischer Themen in den Medien. Das primäre Ziel ist es, den Kommunikationsprozess über Umweltprobleme zu analysieren, die Diskrepanz zwischen öffentlicher Risikowahrnehmung und wissenschaftlichen Erkenntnissen aufzuzeigen und Kriterien für eine authentische, reflektierte Informationsvermittlung abzuleiten.
- Analyse und Differenzierung verschiedener Definitionsansätze von Umweltkommunikation.
- Untersuchung der Schnittmengen zwischen Umwelt- und Risikokommunikation.
- Kritische Beleuchtung der medialen Berichterstattung zum Klimawandel und Artensterben.
- Hinterfragung des Narrativs einer rein zerstörerischen Zivilisation gegenüber der Natur.
- Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für einen reflektierten Umgang mit ökologischen Botschaften.
Auszug aus dem Buch
Schwierigkeiten bei der Umweltkommunikation – es einfach sagen, ist zu einfach gesagt
Auffallend häufig ist der Sachinhalt einer ökologischen Nachricht ein Risiko. Die Umweltkommunikation überschneidet sich in diesen Fällen also mit der Risikokommunikation. Harry Otway und Brian Wynne beschäftigten sich mit dem Ablauf und den Schwierigkeiten von Risikokommunikation. Deren Ergebnisse lassen sich auch auf die Umweltkommunikation übertragen. Eine der wesentlichen Erkenntnisse, nämlich die, dass Laien und Experten Risiken unterschiedlich bewerten, lässt sich auch auf die Umweltkommunikation übertragen. Dies folgt ähnlich wie bei Luhmanns ökologischer Kommunikation durch die Beurteilung von Risiken unter dem Aspekt der eigenen Betroffenheit (vgl. Rayner & Cantor 1987, S.3-9).
Otway und Wynne unterteilen vor allem zwei Kommunikationskontexte – zum einen die Kommunikation bei der Entstehung von Risiken, bei der die Empfänger das entstehende Risiko akzeptieren sollen, was durch eine glaubwürdige Vermittlung versucht wird zu erreichen. Nachdem die Unterrichtung über die potentielle Gefahr erfolgt ist, sollen die Empfänger unbehelligt sein, sprich sie sollen die Gefahrenursache, die Risiken und am besten die Kommunikation selbst wieder vergessen. Anders sieht dies aus, wenn der Kommunikationsempfänger über die Notfallplanungen informiert wird. Hier soll die Person zu der Überzeugung gelangen, dass die Risiken nicht nebensächlich sind. Die erhaltenen Informationen sollten nicht nur nicht vergessen, sondern auch internalisiert werden, so dass ein Handeln den Anweisungen gemäß möglich ist (vgl. Otway & Wynne 1989, S. 105).
Aus diesen unterschiedlichen Zielsetzungen bei der Kommunikation ergeben sich Widersprüche, die beim Empfänger dazu führen können, dass sie entweder den beunruhigende Informationen Glauben schenken, was zu einer Bekämpfung der Gefahrenquelle führt oder dass sie den beruhigenden Inhalten vertrauen, was im Falle einer Katastrophe zu hohen Opferzahlen führen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Definitionsentwürfe von Umweltkommunikation: Dieses Kapitel vergleicht verschiedene Begriffsbestimmungen der Umweltkommunikation und arbeitet heraus, dass diese weit über die bloße Vermittlung ökologischer Daten hinausgeht und insbesondere auf die Motivation zu veränderten Verhaltensweisen abzielt.
Schwierigkeiten bei der Umweltkommunikation: Das Kapitel beleuchtet die komplexen Herausforderungen der Risikokommunikation, insbesondere die Diskrepanz zwischen Laien- und Expertenwahrnehmung sowie die Auswirkungen von Vertrauensverlusten in Institutionen auf die Informationsaufnahme.
Vom Kanon abweichende Umweltkommunikation: Hier wird der gängige, meist pessimistische mediale Diskurs über den Klimawandel und das Artensterben durch alternative wissenschaftliche Perspektiven und historische Daten kontextualisiert und teilweise relativiert.
Kriterien zur Authentizitätsbestimmung von Umweltkommunikation: Das abschließende Kapitel analysiert die Rolle der Medien bei der Katastrophenberichterstattung und gibt Ratschläge für eine kritische, vernunftbasierte Meinungsbildung gegenüber einseitigen ökologischen Botschaften.
Schlüsselwörter
Umweltkommunikation, Umweltpsychologie, Risikokommunikation, Klimawandel, Artensterben, Medienwirkung, Umweltbewusstsein, Authentizität, ökologische Herausforderungen, Wahrnehmung, Risiko, Klimakatastrophe, Naturschutz, Zivilisation, Medienkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Umweltinformationen kommuniziert werden, und analysiert kritisch, warum dabei häufig ein alarmistischer Ton vorherrscht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Definition von Umweltkommunikation, die Schnittstelle zur Risikokommunikation, die mediale Darstellung des Klimawandels und die Dynamik des Artensterbens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Bewertungskriterien für eine authentische und reflektierte Wahrnehmung von Umweltbotschaften zu finden, um der oft hysterischen Berichterstattung entgegenzuwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Systematisierung verschiedener Kommunikationstheorien sowie der kritischen Auswertung von Studien und medialen Inhalten.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Herausforderungen der Risikokommunikation, die Relativierung des medialen Katastrophenkanons durch wissenschaftliche Gegenpositionen und die Analyse von Umweltwahrnehmung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Umweltkommunikation, Risikokommunikation, Medienwirkung und ökologische Differenzierung.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der Medien?
Der Autor sieht in den Medien ein mächtiges Werkzeug, das Informationen oft stark vereinfacht und polarisiert darstellt, weshalb er zu einem kritischen Hinterfragen der Motive und Expertenmeinungen aufruft.
Warum ist das Beispiel des Yellowstone Nationalparks relevant?
Es verdeutlicht, dass menschliche Eingriffe in die Natur, auch mit der Absicht des Naturschutzes, komplexe und teils negative Folgen für das ökologische Gleichgewicht haben können.
Welche Rolle spielt die Risikokommunikation für die Umweltkommunikation?
Da viele Umweltthemen mit Risiken verbunden sind, teilen sie sich Mechanismen der Wahrnehmung und Kommunikation, bei denen Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die Informationsquelle entscheidend sind.
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- Martin Selzle (Author), 2007, Umweltkommunikation - Alles dasselbe?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78040