Die „Atoms for Peace“-Strategie der US-Außenpolitik von 1953


Hausarbeit, 2007
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Beginn des atomaren Rüstungswettlaufs nach 1945

3. Person und Denken Dwight D. Eisenhowers
3.1. Herkunft und Karriere
3.2. Eisenhowers Bild von der Sowjetunion
3.3. Die Außen- und Atomwaffenpolitik der Ära Eisenhower
3.4. „Policy of Candor“

4. Der „Atoms for Peace“-Plan
4.1. Idee und Konzept
4.2. Die „Atoms for Peace“-Rede vor den Vereinten Nationen
4.3. Reaktionen und Kritik
4.4. Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion

5. Scheitern der „Atoms for Peace“ und „Massive Retaliation“

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der Hauptaggressor Deutschland und damit der Faschismus in Mitteleuropa besiegt. Doch 1945 begann keineswegs eine Phase des Friedens, vielmehr begann ein neuer Krieg. Der „Kalte Krieg“, wie der amerikanische Journalist Walter Lippmann den Konflikt zwischen den beiden Supermächten Amerika und Sowjetunion 1947 bezeichnete, blieb bis zum Verfall der Sowjetunion 1990/91 gekennzeichnet durch ein gespanntes und bedrohliches Klima. Nach dem erfolgreichen Testen von Atom- und später Wasserstoffbomben – sowohl von amerikanischer als auch von sowjetischer Seite – sah sich die bipolare Welt stets der Gefahr eines nuklearen Armageddons gegenüber.

Es stellt sich die Frage, ob nicht bereits in der Anfangsphase des Kalten Krieges die Chance auf eine vorzeitige Beilegung des Konfliktes gegeben war. Der – wie die Medien ihn später betitelten – „Atoms for Peace“-Plan Eisenhowers stellte hier in erster Linie eine Möglichkeit zur Vertrauensbildung als Vorstufe zur Abrüstung dar. Dagegen war „,Atoms for Peace’ [...] kein plumper Progagandatrick, der einzig auf eine Demonstration sowjetischer Widerspenstigkeit und Kooperationsunwilligkeit angelegt war.”[1]

Die Atommächte, so der Plan, sollten einen Teil ihres Vorrats an Uran und Plutonium an einen internationalen Atompool abtreten; dieser Pool sollte unter Aufsicht der Vereinten Nationen stehen. Zwar zeigte sich die Sowjetunion grundsätzlich zu Gesprächen bereit, doch die auf die Rede folgenden amerikanisch-sowjetischen Gespräche blieben ohne Ergebnis.

In der Literatur wurde Eisenhowers „Atoms for Peace“-Vorschlag bisweilen als die große verpasste Chance für einen Entspannungsansatz im Kalten Krieg bezeichnet. Die Hoffnungen auf ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion waren durchaus berechtigt. Doch Eisenhower wollte nie eine totale Abrüstung der Atomwaffen und es ist fraglich, ob die Atomwaffenproduktion bei einer Gründung eines Atompools tatsächlich reduziert worden wäre oder ob versucht worden wäre, das abgegebene Material durch eine höhere Produktionsrate zu kompensieren. Letztendlich scheiterte der Plan an der Asymmetrie der Rüstungspotenziale und Doktrinen der beiden Großmächte.[2]

Die hier vorliegende Arbeit beleuchtet zunächst die Ausgangssituation des beginnenden Kalten Krieges und stellt insbesondere die Rolle der Nuklearrüstung und Programme wie die „Policy of Candor“ in den Mittelpunkt. Aufgrund der bedeutenden Stellung des amerikanischen Präsidenten wird auf die Person Eisenhowers näher eingegangen und neben dessen personalen Umfeld werden seine innen- und außenpolitischen Leitsätze dargestellt. Schließlich soll der „Atoms for Peace-Plan analysiert werden: Zunächst die Idee, die dahinter steckt, die Rede selbst, die Reaktionen darauf und die auf die Rede vom 8. Dezember 1953 folgenden, letztendlich ergebnislosen amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen. Abschließend wird kurz auf die den „Atoms for Peace“ folgende Politik der „Massive Retaliation“ und den weiteren Rüstungswettlauf eingegangen.

Die für diese Arbeit verwendete Literatur wurde überwiegend von amerikanischen Historikern und Politologen – hauptsächlich während der 1980er Jahre – verfasst. Ein Grund hierfür ist, dass sich die Forscher in jenem Jahrzehnt erneut mit der Ära Eisenhower befassten und die Politik des Präsidenten teilweise neu bewerteten. Bedeutend für das Kapitel über die „Atoms for Peace“ – die in Arbeiten über den Kalten Krieg zumeist nur am Rand abgehandelt werden – war insbesondere das 1988 erschienene Werk „Containment im Wandel. Die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik im Übergang von Truman zu Eisenhower“[3] von Martin Beglinger, welches ausführlich die Außen- und Sicherheitspolitik Amerikas zu Beginn der Eisenhower-Administration analysierte. Eine gute Analyse der Außenpolitik der Eisenhower-Jahre bietet das ebenfalls 1988 verfasste Buch „Cold Warriors. Eisenhower’s Generation and American Foreign Policy”[4] von Henry W. Brands.

2. Der Beginn des atomaren Rüstungswettlaufs nach 1945

1945 wurden die Vereinigten Staaten zu derjenigen Nation, die als erste eine nukleare Waffe zu Kriegszeiten einsetzte. Viele Wissenschaftler und Politiker erkannten damals, dass die neue Macht des atomaren Zeitalters ein schreckliches Paradox mit sich brachte: Nuklearwaffen konnten sowohl Problem als auch Lösung sein. Das auf der Hand liegende Problem war, dass die unglaubliche Zerstörungskraft der Atombombe jede rationale militärstrategische oder außenpolitische Verwendung unmöglich machte. Zwei verfeindete Nationen konnten sich zwar gegenseitig bedrohen, eine Verteidigung aber war unmöglich. Die „Lösung“ war, dass die atomare Bedrohung einen atomaren Krieg allein durch ihre pure Existenz verhindern könnte. Oppenheimer führte einen Vergleich an, der besagte, zwei Atommächte wären wie „two scorpions in a bottle, each capable of killing the other, but only at the risk of his own life“[5].

Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die Vereinigten Staaten über zwei Milliarden Dollar für die Entwicklung einer riesigen Atomindustrie ausgegeben, die von der US Army geleitet wurde. Zu dieser Zeit sahen Wissenschaftler im Zusammenhang mit dem Manhattan Projekt bereits das mögliche Potenzial einer friedlichen Atomnutzung. Bernhard Brodie und andere Strategen erkannten, dass die Atomwaffen der Abschreckung vor großen Kriegen dienten, aber auch dazu, dass keine Seite den Krieg wirklich gewinnen konnte. Daher sei die Angst vor massiver Vergeltung der Schlüssel zur Atompolitik, welche Kriege nicht gewinnen, aber immerhin verhindern könnte. Das auf diese Ansicht hin folgende Wettrüsten wurde zu einem paradoxen Eckstein der „Policy of Deterrence“.[6]

In den ersten Nachkriegsjahren kämpften militärische und wissenschaftliche Einrichtungen um die Kontrolle der Atomenergie. Während das Militär eine Atomenergiekommission innerhalb des Verteidigungsministeriums vorschlug, forderten die Forscher, dass die Kontrolle über Nuklearwaffen in den Händen der zivilen Entscheidungsträger liegen sollte. Der Sicherheit Willen sollte die Verfügung über die atomaren Waffen von derjenigen über die Armeestreitkräfte unabhängig sein. Das Atomenergiegesetz von 1946 schließlich führte im Sinne der Wissenschaftlicher zur Einsetzung einer unabhängigen, zivilkontrollierten Atomenergiekommission. Ohne direkten Befehl des Präsidenten war es nicht möglich, der Armee Nuklearwaffen zukommen zu lassen.[7]

Ab 1946 fanden immer wieder Diskussionen über eine mögliche konventionelle und nukleare Abrüstung Amerikas und der Sowjetunion statt. Meist wurden diese im Rahmen des „Disarmament Committee“ der Vereinten Nationen geführt. Allerdings wurde nie ein Abrüstungsabkommen abgeschlossen.[8]

Im Frühjahr 1946 verkündigten die Vereinigten Staaten ihren Plan – auch bekannt als Acheson-Lilienthal Report – für die internationale Kontrolle der Atomenergie. Der Vorschlag sah vor, dass die Nationen nach und nach ihre atomaren Vorräte aufgeben sollten. Währenddessen sollten die Vereinigten Staaten ihr Monopol aufrecht erhalten und alle Nationen sollten einer internationalen Überwachung unterliegen. Im Juni desselben Jahres, wenige Zeit nach Verkündigung des Marshall-Plans, präsentierte Bernhard M. Baruch, Vertreter der Vereinigten Staaten in der Atomenergiekommission der Vereinten Nationen, einen weiteren Plan, welcher die Einrichtung einer internationalen Atomentwicklungsbehörde vorsah. Die Vereinigten Staaten müssten zustimmen, ihre Geheimnisse bezüglich der Atombombe der Behörde weiterzugeben, so dass die Großmächte ein entsprechendes internationales Kontroll- und Überwachungssystem einrichten könnten. Außerdem bot Baruch an, die Herstellung von atomaren Waffen einzustellen und alle bereits existierenden Bomben zu vernichten, sprich einen Atomkrieg unmöglich zu machen. Seinen Plan sah er als „the last, best hope of earth“[9].

Der Knackpunkt war, dass Baruch darauf bestand, dass die Sowjetunion den Plan nicht durch ein Veto im Sicherheitsrat blockieren konnte, vor allem nicht, da Angriffsnationen nicht abstimmen durften. Die Sowjetunion aber wollte unter keinen Umständen, dass eine Abstimmung des Sicherheitsrats über ihre atomare Zukunft bestimmte. Die Vereinigten Staaten wiederum erkannten, dass sie auf Dauer ihr Atommonopol nicht aufrecht erhalten konnten und dass nur eine allmähliche Reduktion des nuklearen Weltarsenals das Gleichgewicht der Kräfte garantieren konnte. Die Positionen aber, die von den Staaten und der Sowjetunion eingenommen wurden, trugen nicht dazu bei, das Klima der Verdächtigungen und des permanenten Misstrauens zu verbessern. Somit wurde die Möglichkeit nicht wahrgenommen, gleich nach Kriegsende die Atomwaffen unter internationale Kontrolle zu stellen und es sollte über ein Jahrzehnt dauern, bis sich die Gegner des Kalten Krieges auf eine Einigung hinzubewegten: Die Verhandlungen vor den Vereinten Nationen ein Jahr nach Verkündigung des Baruch-Plans brachen ab und Präsident Harry S. Truman gelang es nicht, ein Abrüstungsabkommen mit der Sowjetunion zu schließen. Erst 1952 gründete die Generalversammlung eine neue Abrüstungskommission, doch erneut scheiterte diese an den Uneinigkeiten der Parteien.[10]

Nachdem die Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg den Feind Faschismus erfolgreich bekämpft hatten, waren es die sogenannten „liberalen Internationalisten“, die nun den Kommunismus als ihren größten Gegner sahen, den es „einzudämmen“ galt.[11]

„Containment“ – Politik der Eindämmung – war das von George Kennan geprägte Schlüsselwort für die amerikanische Außenpolitik gegenüber der Sowjetunion der Ära Truman gewesen. Mit dem Regierungswechsel 1953 bestimmten Dwight D. Eisenhower und sein Außenminister John Foster Dulles die neue Politik des „Rollback“, der Zurückdrängung. Der Kommunismus sollte durch die Vereinigten Staaten wo immer es ging zurückgedrängt werden und man zielte darauf, eine direkte Konfrontation zu vermeiden.[12]

Die Entwicklung der Atomforschung in der Sowjetunion war ausschlaggebend für den weiteren Verlauf der Auseinandersetzung zwischen den beiden Supermächten. Stalin hatte Lavrentij Berija, Chef des NKWD, damit beauftragt, eine Atombombe zu entwickeln. Am 29. August 1949 wurde die erste sowjetische Atombombe gezündet – westliche Experten mit ihrer Unterschätzung der technologischen Fähigkeiten der Sowjetunion hatten dies erst etwa vier Jahre später erwartet. Damit begann der amerikanisch-sowjetische Wettumlauf um die Konstruktion thermonuklearer Waffen. Im Oktober 1952 zündeten die Vereinigten Staaten die erste Wasserstoffbombe, Anfang August 1953 folgte die Sowjetunion; damit waren die beiden Supermächte auf dem gleichen technologischen Entwicklungsstand.[13]

3. Person und Denken Dwight D. Eisenhowers

3.1. Herkunft und Karriere

Dwight David Eisenhower, genannt Ike, geboren 1890 in Denison, Texas, wurde maßgeblich durch seine tief religiöse und zum Pazifismus neigende Mutter beeinflusst. Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen und Eisenhower wuchs mit fünf Brüdern auf. Durch seine Tätigkeit als General der US-Streitkräfte in Europa erlangte er während des Zweiten Weltkriegs großen Ruhm und Anerkennung beim Volk – „World War II made Dwight Eisenhower’s career“[14].

[...]


[1] Beglinger, Martin: „Containment“ im Wandel. Die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik im Übergang von Truman zu Eisenhower. Stuttgart, Wiesbaden 1988 (Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte; 41), S. 285.

[2] Ebenda, S. 287f.

[3] Beglinger, Martin: „Containment“ im Wandel. Die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik im Übergang von Truman zu Eisenhower. Stuttgart, Wiesbaden 1988 (Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte; 41).

[4] Brands, Henry W.: Cold Warriors. Eisenhower’s Generation and American Foreign Policy. New York 1988.

[5] Williams, Robert C.; Cantelon, Philip L. (Hrsg.): The American Atom. A Documentary History of Nuclear Policies from the Discovery of Fission to the Present. 1939-1984. Philadelphia 1984, S. 73.

[6] Ebenda, S. 210.

[7] Ebenda, S. 71f.

[8] Belinger (wie Anm. 1), S. 259.

[9] Williams (wie Anm. 5), S. 72.

[10] Ebenda.

[11] Melanson, Richard A.; Mayers, David: Reevaluating Eisenhower. American Foreign Policy in the 1950s. Urbana; Chicago 1987, S. 32.

[12] Isaacs, Jeremy; Downing, Taylor: Der Kalte Krieg. Eine Illustrierte Geschichte, 1945-1991. München, Zürich 1999, S. 127.

[13] Kahn, Helmut Wolfgang: Der Kalte Krieg. Band 1: Spaltung und Wahn der Stärke. 1945-1955. Köln 1986, S. 271.

[14] Brands (wie Anm. 4), S. 186.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die „Atoms for Peace“-Strategie der US-Außenpolitik von 1953
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Geschichte)
Veranstaltung
Aufbruch ins Atomzeitalter
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V78042
ISBN (eBook)
9783638829045
ISBN (Buch)
9783638832014
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
US-Außenpolitik, Aufbruch, Atomzeitalter, Atoms for Peace, Eisenhower, Kalter Krieg
Arbeit zitieren
Bakkalaurea Artium Sandra Schmidt (Autor), 2007, Die „Atoms for Peace“-Strategie der US-Außenpolitik von 1953, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78042

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