Kommunikative Aspekte der Chat-Kommunikation unter besonderer Berücksichtigung einer altersspezifischen Abgrenzung


Seminararbeit, 2006

27 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Terminologie
2.1. Sprachliche Besonderheiten
2.2. Die Bedeutung von „Nicknames“
2.3. schriftliche Mündlichkeit versus mündliche Schriftlichkeit?

3. Empirischer Vergleich
3.1. Untersuchungsgegenstand
3.2. „Oldie“- Chat
3.3. „Teenie“-Chat

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Jeder kennt den Begriff „Chat“, und die meisten von uns werden sicher auch schon einmal in einen so genannten „Chat-Room“ hineingeschnuppert haben. Und doch kennt kaum jemand die kleinen Besonderheiten, die diese durch Technik erzeugte Möglichkeit der Kommunikation ausgebildet hat und die den Chat so speziell, so außergewöhnlich und so diskussionsanfällig erscheinen lassen.

Der Chat gilt als eines der größten und kennzeichnendsten Phänomene der heutigen Zeit. Sowohl die Generation der Jugend als auch ältere Menschen sind mit dieser „upgrade-Möglichkeit“ der Kommunikation vertraut oder nutzen sie tagtäglich, womit der Chat nicht mehr nur als Phänomen der Jugend zu betrachten ist, sondern im Spannungsfeld der Altersgruppen untersucht werden sollte, denn es lässt sich schließlich nur schwerlich vorstellen, dass sich zum Beispiel der 48-jährige ältere Herr von nebenan sprachlich genauso ausdrückt oder auch nur annähernd aus den gleichen thematischen Motiven im Chat verkehrt, wie die 15-jährige Schülerin.

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werde ich nun zunächst auf die spezifischen Besonderheiten, sowie auf die Problematik des Chat-Begriffs eingehen und im Zuge dessen anschließend einen altersspezifischen Vergleich zwischen einem „Schüler-Chat“ und einem „Golden 50`s-Chat“ ziehen. Auf die Frage, was Chat, der als eine Art Hybrid zwischen den Kommunikationsformen betrachtet werden kann, eigentlich ist, werde ich bei der Diskussion über Chat als schriftliche Mündlichkeit oder als mündliche Schriftlichkeit näher eingehen. Meine Untersuchungen werden sich dabei ausschließlich auf den unmoderierten Web- Chat beziehen.

2. Terminologie

2.1. Sprachliche Besonderheiten

Die Besonderheiten, die sich auf sprachlicher Ebene im Verlauf der Chat- Kommunikation ergeben, hängen damit zusammen, dass laut Angelika Storrer das „getippte“ Gespräch in Bezug auf das kommunikative setting stark am Nähe- Pol der Mündlichkeit anzusiedeln ist (vgl. Storrer 2001, 446). Das heißt es existiert zwischen den Kommunikanten eine zeitliche Nähe, da sie zum gleichen Moment an ihren Computern sitzen müssen und eine konstituierte metaphorische Nähe, da sie sich auch im gleichen Chat- Raum befinden müssen (vgl. Storrer 2001, 446), wobei ich letzterem nur bedingt zustimmen würde, da es durch das so genannte „Flüstern“ möglich ist, über die Grenzen eines Chat-Raumes hinaus zu kommunizieren. Natürlich ist es auch von immenser Bedeutung, dass sich im Chat viele Menschen nahezu zeitgleich äußern können und man demzufolge eine gewisse Kompetenz besitzen muss, sich einerseits kurz und prägnant auszudrücken und andererseits in der Lage zu sein, dem Gesprächsverlauf zu folgen und die für sich relevanten Beiträge herauszufiltern. Die dadurch bedingten vielfältigen sprachlichen Besonderheiten erstrecken sich über die verschiedenen Ebenen der Lexik, der Syntax, des Bereichs der kommunikativen Grundhaltung sowie des Bereichs der parasprachlichen Äußerungen, die nun im Folgenden kurz erläutert werden.

Im lexikalischen Bereich neigen die Chatter dazu, sich einfach, kurz und bündig und unter umgangssprachlichen Einflüssen auszudrücken. Es kommen häufig typisch mündliche Partikeln und Interjektionen im Sprachschatz vor und es werden gehäuft Floskeln verwendet. Der Textbau ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Neigung zu wenig durchdachten oder durchkomponierten Sätzen mit parataktischem Satzbau besteht, Gliederungssignale werden inkonsequent genutzt und eine Themenentwicklung ergibt sich aufgrund der Dialogizität dieser Kommunikationsform erst im kooperativen Zusammenspiel der „User“ (vgl. Storrer 2001, 446) und ist nicht wie im typisch schriftlichen Bereich strikt vorgegeben. Die kommunikative Grundhaltung der Chatter ergibt sich daraus, dass im Chat eben diese dialogische Form vorliegt, sich also die Kommunizierenden wechselseitig in die Sprecher- sowie die Hörerrolle wie im normalen Gespräch begeben. Das heißt der „Sprecher“ hat nur kurz Zeit, seinen Sprechakt zu planen, und der „Hörer“ wiederum hat nur begrenzt Zeit das „sprachliche Konstrukt“ zu verarbeiten und natürlich wieder darauf zu reagieren. Aufgrund des rein „optischen Gesprächs“ ist es nun auch notwendig, sich ein wechselseitiges feedback mit sprachlichen und mimisch- gestischen Mitteln auf die Beiträge zu geben (vgl. Storrer 2001, 446f.). Darauf werde ich jedoch im Folgenden noch näher eingehen.

Der parasprachliche Bereich schließlich kennzeichnet alle Mittel und Verfahren, mit denen Informationen „simuliert“ werden, die demgegenüber in der mündlichen face-to-face-Kommunikation für die begleitende Interpretation der Äußerungen eingesetzt werden (vgl. Storrer 2001, 447). Aufgrund der räumlichen Distanz zwischen den Chattern ist es kaum hilfreich, mit der Stirn zu runzeln oder genervt zu seufzen, um seinen Missmut auszudrücken, das bekommt das Gegenüber nicht mit. Daher ist es dringend erforderlich, seine Gefühle im Text selbst auszudrücken. Dafür gibt es die verschiedensten Möglichkeiten: eine laut Angelika Storrer (Storrer 2001, 447) „ikonographische Rekonstruktion typisierender Gesichtsausdrücke“ stellen zum Beispiel die Smileys oder auch Emoticons dar. Sie werden zur emotionalen Kommentierung der turns, also der Gesprächsschritte eingesetzt, um gewissermaßen Trauer [L, :-(], Freude [J, :-)] oder gute Laune, also alle möglichen Gefühle auszudrücken. Sie sind auch allgemein als Mittel zur Kompensierung fehlender Mimik und Gestik, wie sie im normalen face- to- face- Gespräch nun einmal automatisch begleitend auftreten, ob man es nun möchte oder nicht, anerkannt (vgl. Storrer 2001, 447). Das Prinzip dabei ist recht simpel: der Gesichtsausdruck wird durch eine einfache Linksdrehung erkennbar. Einige Computer und Chats wandeln wie in meinem Beispiel in den eckigen Klammern die Eingaben sogar direkt in das jeweilige Gesicht um. Wichtig ist nur, sich dabei auch wirklich klar zu machen, dass jegliche Arten von Emoticons auf keinen Fall das „ungesteuerte“ Element des gesprochenen direkten Gesprächs ersetzen können, da sie intentional gesetzte Zeichen sind (vgl. Storrer 2001, 447), und somit auch zwangsweise gesteuert werden und nicht so affektiv oder unbewusst erfolgen, wie in der face- to- face- Kommunikation.

Abgesehen von den Emoticons gibt es darüber hinaus noch weitere parasprachliche Effekte in der Chat- Kommunikation. Es werden comicsprachliche Wortbildungsmuster verwendet, die sich aus einem unflektiertem Verbstamm, welcher in Asterisken gesetzt wird, bilden (*staun*), es kommt aufgrund der stark beschleunigten Textproduktion auch zur gehäuften Verwendung von Abkürzungen jeglicher Art (vgl. Storrer 2001, 447f.), die oft ebenfalls in Asterisken gesetzt werden (*l* für laugh, *g* für grins). Auch andere Kurzformen, wie das Akronym HP für Homepage oder verschriftete sprechsprachliche Kurzformen („ne“ für eine) sind sehr beliebt (vgl. Storrer 2001, 450). Besonders auffällig ist in der verschrifteten Kommunikation des Chat auch die grafische Imitation prosodischer Elemente, etwa von Pausen, die durch einfache Auslassungszeichen (…) angezeigt werden, oder vom Schreien, das durch die Großschreibung des gesamten Wortes kenntlich gemacht wird (vgl. Storrer 2001, 449).

Diese ganzen Tendenzen der sprechsprachlichen Ausdrucksweise des Chat weisen eine starke Nähe zur Jugendsprachlichkeit auf, die laut Wolfgang Bachofer durch beispielsweise den Gebrauch von Abtönungspartikeln („oder so“, „irgendwie“) oder expressive Sprachhandlungen („supergeil“, „richtig“), die wiederum schon wieder in die Richtung der Umgangssprachlichkeit weisen, gekennzeichnet ist (vgl. Bachofer 2001, 63). Auch im Bereich der jugendtypischen Wortbildung ist eine Nähe zur Jugendsprachlichkeit nicht zu verkennen. So werden auch hier häufig Phraseolexeme verwendet („auf etwas Bock haben“), die im Chat wieder einen mündlichen, umgangssprachlichen Eindruck erwecken (vgl. Bachofer 2001, 62). Weitere jugendsprachliche Elemente in der Netzkommunikation sind die Variationen in der Groß- und Kleinschreibung, Ausdrücke des Szenewortschatz sowie die konzeptionelle Mündlichkeit auf graphematischer Ebene (vgl. Androutsopoulos 2001, 312). Das heißt es gibt keine Kommunikation im Chat, ohne die Verwendung jugendsprachlicher Ausdrücke. Man könnte den Chat somit auch als Forum der Jugendsprachlichkeit betrachten.

2.2. Die Bedeutung von „Nicknames“

In jedem Chat treffen wir auf die vielfältigsten Variationen der so genannten Nicknames, ohne uns näher Gedanken über deren Vielfalt beziehungsweise ihre jeweiligen Bedeutungen oder Intentionen zu machen, sofern diese vorhanden sind. Wozu gibt es diese ganzen Pseudonyme im Chat, geht es nicht auch ohne? Und inwiefern ist es notwendig sie näher zu betrachten?

Der Begriff „Nickname“ stammt aus dem Englischen und lässt sich als „Spitzname“ übersetzen, allerdings ist dies keine eins zu eins Übersetzung hinsichtlich der Art und Weise seiner Bildung. Ein Spitzname wird einer Person schließlich von anderen beispielsweise aufgrund spezifischer Eigenheiten „verpasst“ (vgl. Beißwenger 2002a, 111f.), während die Chat- Pseudonyme von jedem User nahezu ohne Einschränkungen (der „Wunsch-Nickname“ könnte schon vergeben sein) „spontan oder nach reiflicher Überlegung“ (Orthmann 2002, 290) selbst erwählt werden können (vgl. Wirth 2005, 75). Es unterliegt somit graduell der eigenen Kontrolle des jeweiligen Chatters, welchen ersten Eindruck er eben durch das Pseudonym bei den anderen Kommunikationsteilnehmern hinterlassen möchte (vgl. Orthmann 2002, 289) und mit der „Nickwahl“ beginnt für ihn auch die Möglichkeit, sich zu maskieren, sich eine eigene neue Identität zu schaffen und sich somit in einer eigenen, geschaffenen Welt im Chat ganz anders geben zu können, wie „in real life“ (vgl. Beißwenger 2002a, 107).

Nicknames nehmen im Chat vielerlei Funktionen wahr. So ist es zum einen für einen User überhaupt nicht möglich in einen Chat-Room (vgl. Beißwenger 2002a, 110) zu gelangen, ohne sich vorher solch einen „Chat-Namen“ zuzulegen, der vom jeweiligen Chat-System zur Identifikation der Beiträge genutzt wird (vgl. Storrer 2001, 442). Der Identifikationsbegriff ist hierbei in zweierlei Hinsicht zu sehen. Einerseits dient der „Nick“ dazu, die einzelnen Beiträge einem bestimmten Chatter zuzuordnen, andererseits ist die Person, die sich hinter der „Maske“ des Pseudonyms verbirgt völlig anonym für die anderen Chatter beziehungsweise nur bedingt anonym hinsichtlich des Server-Systems (sollte der Chat von einem Teilnehmer widerrechtlich genutzt werden, ist es möglich in extremen Fällen den Chatter über seine IP-Adresse ausfindig zu machen und rechtliche Schritte gegen ihn einzuleiten) (vgl. Wirth 2005, 74f.). Abgesehen von der Anonymität, die der „Nick“ erzeugt, dient er aber auch dazu „den Chatter für die Zeit seiner Telepräsenz ‘unverwechselbar’ zu machen“ (Wirth 2005, 74) und könnte somit als Art persönliche Signatur betrachtet werden (vgl. Wirth 2005, 74). Der User inszeniert sich folglich mit seiner spezifischen Wahl des Nicknames, der in Bezug auf seine indexikalische Funktion Hinweise auf bestimmte Interessenbereiche oder kommunikative Einstellungen des Teilnehmers geben kann, selbst (vgl. Wirth 2005, 75). Dabei wird bei der Wahl des Pseudonyms häufig Wert auf Originalität gelegt, um so für sich größere Chancen bei der Kontaktaufnahme zu erreichen (vgl. Beißwenger 2002a, 112) und um interessanter auf andere zu wirken, denn der Nickname löst in der Regel bei den anderen Teilnehmern immer schon bestimmte Erwartungen hinsichtlich der Identität der „Person hinter dem ‘Schriftlichen Gebilde’“ aus (vgl. Orthmann 2002, 290). Die durch die Pseudonyme erzeugte Anonymität erlaubt es den Chattern, ich denke dabei in diesem Punkt besonders an Teenager, natürlich auch Grenzen auszureizen, ohne reale Konsequenzen befürchten zu müssen (vgl. Beißwenger 2002a, 118). Außer einer Sperrung des Teilnehmers kann der betreffenden Person nicht viel passieren. Die Ausnahme stellen hierbei, wie bereits angedeutet, Handlungen dar, die rechtlich bedenklich sind, und es erforderlich machen, die jeweilige Person über ihre IP-Adresse zu ermitteln (vgl. Abb. 3: Chattiquette). Abgesehen vom „sich selbst interessant darstellen“ oder als Mittel um Grenzen auszutesten, fungiert der Nickname aber auch als Anzeige eines Teilnehmers auf den Bildschirmen der übrigen, denn nur das „macht ihn für sie ‘gegenwärtig’ und potentiell kommunikativ zugänglich“ (Beißwenger 2002a, 110). Das geht dann so weit, dass man vom „Moderator“ (auch im unmoderierten Chat in Form eines „Aufpassers“ hinsichtlich der Chattiquette) nach längerer Nichtäußerung aufgefordert wird, sich bemerkbar zu machen (vgl. Beißwenger 2002a, 110f.) und andernfalls einfach abgemeldet wird, da man neben seiner bloßen Präsenz seine notwendige Aufmerksamkeit nicht bekundet hat (siehe Beispiele im Anhang: der Moderator machte mich explizit darauf aufmerksam, mich rückzumelden und loggte mich dann, da ich der Aufforderung aufgrund meiner neutralen „Beobachterrolle“ nicht nachkam, nach einer Weile automatisch aus) (vgl. Abb. 1, Zeile 137 und 158; Abb. 2, Zeile 130 und 143).

2.3. schriftliche Mündlichkeit versus mündliche Schriftlichkeit?

Mit Blick auf die sprachlichen Besonderheiten und die Nicknames ist nun relativ klar, was am Phänomen Chat so interessant und so speziell ist. Doch was ist Chat eigentlich? Woraus ergeben sich seine Eigenheiten? Überwiegen in den Chat-Gesprächen mündliche oder schriftliche Elemente und nach welchen Kriterien geht man bei dieser Entscheidung vor? Dies werde ich im Folgenden zu klären versuchen, wobei ich im Vorfeld schon bemerken möchte, dass die Frage nach konzeptioneller Schriftlichkeit oder Mündlichkeit nicht eindeutig zu beantworten ist, die Meinungen darüber in der Forschung weit auseinander gehen. Ferner bin ich der Ansicht, dass man diese Frage jeweils spezifisch eines Chat- Mitschnitts beurteilen muss, und sich höchstens tendenziell festlegen kann. Um einen Überblick zu verschaffen werde ich nun im Kern das „Urkonzept“ von Peter Koch und Wulf Oesterreicher kurz vorstellen, deren Kriterien auf den Chat beziehen und zum Abschluss dieses Punktes selbst Stellung beziehen. Koch und

Óesterreicher unterscheiden zwischen der Sprache der Nähe (Mündlichkeit) und der Sprache der Distanz (Schriftlichkeit), deren Einordnung für sie aus dem Zusammenwirken bestimmter Parameter (soziales Verhältnis der Kommunikanten zueinander, Anzahl der Gesprächspartner, räumliche und zeitliche Situierung der Gesprächspartner, Sprecherwechsel, Themenfixierung, Öffentlichkeitsgrad, sowie Spontaneität und Beteiligung) erfolgt (vgl. Koch/Oesterreicher 1985, 19). Aus diesen Parametern folgen nun speziell für den Chat sowohl schriftliche, als auch mündliche Eigenschaften, von denen ich einige kurz erläutern werde. Letzterem entsprechen die Dialogizität, die der Chat erlaubt, die Möglichkeit des freien Sprecherwechsels (jeder Teilnehmer kann jederzeit zwischen Produzenten- und Rezipientenrolle wechseln), die Themenentwicklung, die sich frei und ungeplant im Kontext des dialogischen Gesprächs entfaltet und die Spontaneität, mit der Beiträge erzeugt werden (vgl. Koch/ Oesterreicher 1985, 21). Den Grad der Öffentlichkeit würde ich beiden Polen zuordnen. Auf Seite der gesprochenen Sprache kann der Chat „nicht- öffentlich“ sein, indem man zum Einen einfach die Möglichkeit des „Flüstern“ nutzt und somit nur der Angesprochene den Beitrag auf seinem Bildschirm sieht, während das Werk für alle anderen unsichtbar bleibt, oder zum Anderen die Verwendung von so genannten Separées nutzt, in die man sich zurückziehen kann, um unter sich zu bleiben. In Bezug auf die Sprache der Distanz können die „sprachlichen Konstrukte“ jedoch auch als „öffentlich“ angesehen werden, was eigentlich die ursprüngliche Idee des Chat darstellt. Jeder Chat- Teilnehmer kann die Beiträge lesen oder sich sogar einmischen, ganz abgesehen davon, ob das Einmischen im Chat, in dem es natürlich auch gewisse Verhaltensregeln und Konventionen gibt, als unhöflich gilt oder nicht. Prinzipiell ist alles möglich. Ein weiteres distanzsprachliches Merkmal, die der Chat-Room aufweist, wäre die Fremdheit der Partner (vgl. Koch/ Oesterreicher 1985, 21). Natürlich ist es immer möglich, dass sich Einzelne schon kennen, oder später im „real- life“ kennen lernen möchten, aber im Grunde sind sich die Gesprächsteilnehmer anfangs fremd und verstecken sich anonym hinter einem Pseudonym. Des Weiteren sei die zeitliche und räumliche Trennung ein distanzsprachliches Merkmal (vgl. Koch/ Oesterreicher 1985, 21). Eine räumliche Trennung kann man dem Chat jederzeit bescheinigen, da sich die User irgendwo auf der Welt an ihren Rechnern befinden. Allerdings gibt es auch noch das Merkmal der „metaphorischen Nähe“. Hierbei ist der „Chat-Room“ bei den Kommunikanten derselbe (abgesehen wiederum von der Möglichkeit zu „Flüstern“, die raumübergreifend möglich ist) und man ist sich so gesehen auch metaphorisch räumlich nahe. Die Komponente der zeitlichen Trennung ist hier dagegen so minimal, dass ich sie hier für den Chat für nicht vorhanden halten würde. Natürlich gibt es eine kurze Verzögerung bedingt durch das Verfassen des Beitrags, und das Versenden beziehungsweise das nach dem „Mühlenprinzip“ geordnete Erscheinen der Beiträge auf den Bildschirmen der teilnehmenden User und es kann auch bei starker Teilnehmerzahl in einem Chat-Room zu technisch bedingten Verzögerungen kommen, allerdings müssen die Teilnehmer zur gleichen Zeit an ihren Computern sitzen und präsent zu sein, um nichts zu verpassen und um „am Ball zu bleiben“. Von daher ordne ich die Zeit-Komponente gänzlich dem nähesprachlichen Aspekt zu.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Kommunikative Aspekte der Chat-Kommunikation unter besonderer Berücksichtigung einer altersspezifischen Abgrenzung
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Veranstaltung
Sprach- und Medienwandel
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
27
Katalognummer
V78053
ISBN (eBook)
9783638829397
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikative, Aspekte, Chat-Kommunikation, Berücksichtigung, Abgrenzung, Sprach-, Medienwandel
Arbeit zitieren
Aileen Enders (Autor), 2006, Kommunikative Aspekte der Chat-Kommunikation unter besonderer Berücksichtigung einer altersspezifischen Abgrenzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78053

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kommunikative Aspekte der Chat-Kommunikation unter besonderer Berücksichtigung einer altersspezifischen Abgrenzung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden