Produktonomastik - Zum Namen des erfolgreichsten Vitaminbonbons Deutschlands: Nimm2 - Namenentwicklung eines imaginären Vitaminbonbons: Vitamax


Hausarbeit, 2005

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung und Themeneingrenzung

II. Hauptteil:
A. Wie ein Vitaminbonbon einen Mutter – Kind – Konfliktlösen kann und was der Name des Bonbons damit zu tun hat– Nimm2
1. Formales Bildungskriterium
2. Funktionale Faktoren / Beziehung Name – Produkt
3. Produktnamenableitung in die Allgemeinsprache
B. Namenentwicklung eines imaginären neuen Vitaminbonbons – Vitamax
1. Formales Bildungskriterium
2. Funktionale Faktoren / Beziehung Name – Produkt

III. Resümee

IV. Literaturverzeichnis

V. Internetquellen

I. Einleitung und Themeneingrenzung

Die Produktonomastik wird eher stiefmütterlich in der Linguistik, beziehungsweise in dem großen Feld der Namenkunde behandelt.

Grundlegendes Merkmal der Produktnamen ist wohl ihr kommerzieller Charakter[1], der vermutlich auch der Grund dafür ist, dass die Linguisten, die sich zur großen Gruppe der Philologen, der sprach – liebenden Menschen zählen, den Wert der Produktnamen für die Sprachwissenschaft nicht anerkennen wollen. Weisgerber befürchtete 1950, als die Entwicklung neuer Produkte eine Warennamenflut auslöste, „Dauerschäden für die Gemeinsprache“[2].

Nach sprachlichen Aspekten beurteilt, könnte man durchaus nachvollziehen, warum, die Sprachwissenschaft sich so schwer tut mit der Vielzahl an Produktnamen, würde doch der Gattungsbegriff, zum Beispiel ‚Waschmittel’ für die alltägliche Kommunikation vollkommen ausreichen und die Differenzierungen Ariel, Persil oder Omo überflüssig machen. Und trotzdem: Da Sprache und Kommunikation nicht nur an Systemaspekte der Sprache gebunden sind, dürfen soziale Faktoren, die zur differenzierten Bezeichnungsnotwendigkeit führen, eben nicht fehlen.[3]

Weil nun aber das Feld der Produktonomastik ein so großes ist, wird sich der Gegenstandsbereich meiner Arbeit auf einen sehr kleinen Ausschnitt beziehen, einem Vitaminbonbon, der seinen Charakter nicht zuletzt durch seinen Namen gewonnen hat – Nimm2.

Im ersten Teil meiner Arbeit stehen die formalen Bildungskriterien dieses Produktnamens im Vordergrund und die daraus resultierenden beziehungsweise durch den Namen transportierten funktionalen Faktoren. Bei den Funktionen die der Name eines Produkts übernimmt, beschränke ich mich auf die der Originalität und Information. Mit diesen zwei Punkten will ich versuchen das schon in der Überschrift betonte Mutter – Kind – Dilemma zu erklären, dass die Firma Storck durch ihren neuen Bonbon löst und das in erster Linie durch den Namen transportiert wird. Dabei soll deutlich werden, dass die Bezeichnung für ein Produkt auch an die beabsichtigte Wirkung gekoppelt ist, die der Erfinder des Produktes erreichen will.

Durch die Exemplarisierung der Produktnamengebung an einem Vitaminbonbon, eröffnet sich mir die Möglichkeit, selber einen Namen für einen Vitaminbonbon zu entwickeln, der an dieselben Kriterien gebunden ist, wie „das Original“.

II. Hauptteil

A. Wie ein Vitaminbonbon einen Mutter – Kind – Konflikt lösen kann und was der Name des Bonbons damit zu tun hat – Nimm2

Nimm2, das Multi-Vitamin-Bonbon mit der leckeren Fruchtfüllung, wurde schon 1962 von der Süßwarenfirma Storck gegründet. Heute ist Nimm2 die bekannteste Bonbonmarke in Deutschland[4].

1. Formales Bildungskriterium

Wahrscheinlich gibt es so viele formale Unterschiede und Eigenheiten bei der Produktnamenbildung wie es Produktnamen gibt. Ich richte mich bei der Unterscheidung verschiedener Bildungskriterien nach Christoph Platen, der in seinem Buch „Ökonymie. Zur Produktnamen – Linguistik im Europäischen Binnenmarkt“ zwischen „Übernahmen“, „Konzeptformen“ und „Kunstwörtern“[5] differenziert.

Übernahmen beleihen demnach den gesamten Sprach- und Namenbestand zur Produktnamenbildung und sind somit für die Allgemeinheit meist leicht verständlich, weil man die lexikalische Bedeutung die hinter dem Namen steht, kennt. Doch gibt es auch Fälle in denen das Produkt das Lexem neu füllt, dass heißt, dass die lexikalische Bedeutung hinter der Markenbezeichnung zurücktreten kann. Beispielsweise könnte man sich vorstellen, dass die meisten Menschen bei Ajax zuerst an das Waschmittel denken und nur ein geringer Teil an den Held aus den Sagen um Troja[6].

Produktnamen die aus Kunstwörtern bestehen nutzen den hohen Grad an Verfremdung aus. Diese Prägungen werden weder aus den natürlichen Sprachen übernommen, noch aus dem allgemeinen Namenbestand. Die große Gruppe von Produktnamen, die aus Initialwörtern auf der Basis von Hersteller- oder Firmennamen gebildet werden, zählt man unter anderem auch zu den Kunstwörtern, wie etwa HARIBO, dass aus Ha ns Ri egel aus Bo nn[7] zusammengesetzt ist[8].

Nimm2 gehört zu der Gruppe der Konzeptformen, die dadurch charakterisiert sind, dass sie Abwandlungen beziehungsweise Verfremdungen von Anleihen sind. Das heißt, dass herkömmliche Regeln der Wortbildung dabei gezielt außer Kraft gesetzt werden. Auch dort unterscheidet man mehrere Gruppen. Zum einen Produktnamen, die sich im An-, In- oder Auslaut von den „angeliehenen“ Wörtern unterscheiden (beispielsweise S mild statt Mild oder Schaum a statt Schaum) und zum anderen die sich durch ‚clipping’, also lexikalische (Rei statt rei n, Rei nigungsmittel) oder deonomastische Kurzformen (Giò von Gio rgio Armani) vom Ursprungswort unterscheiden.

Eine andere, sehr komplexe Konzeptform ist die der Satznamen, zu der auch Nimm2 gehört. Bei diesen Formen wird das Konzept phraseologisch realisiert, das heißt, dass ganze Sätze, Satzglieder oder Wortgruppen einen Produktnamen bilden. Hier finden sich Temporal- (After Eight) oder Adverbialgefüge, aber auch elliptische (Nur die) und vollständige Syntagmen wie zum Beispiel ‚Nimm zwei’[9]. Die Wortfolge ‚Nimm zwei’ gehört zu den Aufforderungsätzen, dass heißt, ein Sprecher formuliert im Imperativ, „wenn ein (noch) nicht existenter Sachverhalt vom Gesprächspartner realisiert werden soll“[10]. Bei der Aufforderung „ Nimm zwei!“ wird beabsichtigt, dass man sich vorstellt, wie die Mutter zu ihrem Kind sagt, „ Nimm dir zwei von den Bonbons, die sind so gesund, da kannst du ruhigen Gewissens auch mal mehr als einen naschen.“ Da bei Imperativen nicht zwischen Präsens und Futur unterschieden werden kann, lässt der Produktname offen, ob das Kind jetzt oder später zwei Vitaminbonbons lutschen „soll“. Ich könnte mir vorstellen, dass auch dieser Aspekt die Wahl auf den Namen erleichtert hat, denn für die Vermarktung wäre es natürlich optimal, würde das Kind jetzt und später die „gesunde“ Süßigkeit essen.

Warum es nicht notwendig ist, das ‚Was’ der Handlung (das Naschen von Bonbons) explizit durch den Namen zu benennen erklärt uns unter anderem die Syntax des Aufforderungssatzes. Syntaktisch gesehen handelt es sich bei dem Syntagma Nimm2 um eine Verbindung aus einem Verb (nehmen) und einer Kardinalia, einem Zahladjektiv (zwei). Dieses Zahladjektiv kann eine bestimmte oder unbestimmte Menge bezeichnen, in unserem Fall, charakterisiert die Zahl ‚zwei’ eine bestimmte Menge, nämlich Bonbons und sie verlangt dabei regelgerecht (Regelabweichungen siehe Helbig/Buscha) den Plural des Substantivs.[11] Die meines Erachtens logischste Erklärung für das Fehlen des Lexems „Bonbons“ liefern Sommerfeldt und Starke in ihrer „Einführung in die Grammatik der deutschen Gegenwartssprache“. Darin beziehen sie sich auf ein „Sachwörterbuch für die deutsche Sprache“, in dem sie zitieren, dass „In einem Satz […] Elemente ausgelassen werden [können], die auf Grund von Informationen des Kontextes bzw. der Situation nicht unbedingt erforderlich sind.“[12] Da der Name Nimm2 uns in der außersprachlichen Realität (zum Beispiel im Supermarkt) nur in direktem Zusammenhang mit dem Produkt Bonbon begegnet, ist die ausdrückliche Nennung des Produktes nicht unbedingt erforderlich.

[...]


[1] Platen, Christoph: Ökonymie, S.12

[2] ebd., S.33

[3] vgl. ebd., S.11

[4] Eigenauskunft der Firma auf ihrer Homepage: http://www.storck.com/de/brand/nimm2/

[5] vgl. ebd. S.38-45

[6] ebd., S.40-41

[7] Lödige, Hartwig: Ketchup, Jeans und Haribo, S.88

[8] vgl. Platen, Christoph: Ökonymie, S.44

[9] vgl. ebd., S.41-43

[10] Buscha, Joachim/ Helbig, Gerhard: Deutsche Grammatik, S.618

[11] vgl. ebd., S.290-292

[12] Sommerfeld, Karl-Ernst/Starke, Günter: Einführung in die Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, S.163

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Produktonomastik - Zum Namen des erfolgreichsten Vitaminbonbons Deutschlands: Nimm2 - Namenentwicklung eines imaginären Vitaminbonbons: Vitamax
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V78057
ISBN (eBook)
9783638829489
Dateigröße
382 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Produktonomastik, Namen, Vitaminbonbons, Deutschlands, Nimm2, Namenentwicklung, Vitamax, Namenskunde
Arbeit zitieren
Katja Erben (Autor), 2005, Produktonomastik - Zum Namen des erfolgreichsten Vitaminbonbons Deutschlands: Nimm2 - Namenentwicklung eines imaginären Vitaminbonbons: Vitamax, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78057

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