Die Zeitung war über jahrhunderte hinweg das Medium Nummer Eins, um alltägliche Informationen zu erlangen. Dabei ist es kein Geheimnis mehr, dass auch sie sich im Laufe der Zeit an die moderne Welt anpassen musste, um weiterhin gefragt zu bleiben. Sie „[…] präsentiert auf immer mehr Raum immer mehr Informationen mit den zusätzlichen Informationskanälen Bild und Grafik, obwohl ihre Leser kontinuierlich weniger Zeit in die Lektüre investieren. Textdesign ist eine Strategie, um dieses Dilemma in der Leser-Blatt-Beziehung aufzulösen. Sie unterstützt die selektive Lektüre und hilft, den Informationsfluss zu kanalisieren“ (Blum (1998): 16).
Bezüglich dieser Wandlung spielen sowohl thematische als auch darstellerische Änderungen eine Rolle, wobei letzteres, das „Design“, die Präsentation der Zeitungen und Zeitschriften im Laufe meiner Arbeit eine besonders wichtige Stellung einnehmen werden.
Doch gerade die Wandlung bezüglich der neuen Darstellung zieht viele Kritiker an, so dass sich die bunte Welt der Zeitungen in zwei Pole gespalten hat: die von der neuen Art der Zeitungsgestaltung Begeisterten, sowie die scharfen Kritiker, die wie Wolfgang Koschnick die Ansicht vertreten:
„Das moderne Zeitungsdesign läuft auf die Reduktion des Inhalts auf Kosten der Verpackung hinaus. […] Durch Reduktion der angebotenen Informationsmenge tritt an die Stelle der Textlastigkeit eine bunte Mischung von leicht verdaulichem Text, bunten Bildern und Grafiken“ (Wolfgang Koschnick: Deutscher Drucker 18,13.5.1993, S. 18).
Diese Ansicht möchte vielen sehr vermessen erscheinen, denn Textdesign ist weitaus mehr, als eine „Verpackung“, die über schlechte Texte oder Informationsverbreitung hinwegtäuschen soll. Inwieweit spielt die Darstellung der Zeitung heute überhaupt eine Rolle, und warum ist die Zeitung überhaupt gezwungen, diesen Veränderungen offen gegenüberzustehen? Und wie stark sind die technisch-medialen Veränderungen der letzten Jahrzehnte, wie beispielsweise die Möglichkeit die Zeitung „online“ zu lesen, zu bewerten? Stellt diese Möglichkeit des „up to date“ – Bleibens eine Gefahr für die Print-Version dar, oder lässt sie sich lediglich als eine „logische Konsequenz“ (vgl. Bucher (1999): 9), eine Erweiterung des gedruckten Exemplars begreifen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen und Begriffsklärung
3.1. Mehrkanaligkeit
3.1.1. Numerische Grafiken
3.1.2. Erklärgrafiken
3.1.3. Topografiken
3.2. Clusterbildung
3.2.1. thematische Segmentierung
3.2.2. funktionale Segmentierung
3.2.3. perspektivische Segmentierung
3.2.4. prinzipiengeleitete Segmentierung
3.3. Bedeutungsjournalistische Tendenzen
3.4. selektive Leserschaft
4. Ursachen
5. Besonderheiten der Online-Zeitung
6. Fazit: Online-Zeitung als Verdrängung oder als Erweiterung der Print-Version?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den strukturellen Wandel von Zeitungen von linearen Objekten hin zu hypermedialen Produkten. Ziel ist es, zu analysieren, wie modernes Textdesign und neue Darstellungsformen auf veränderte Lesegewohnheiten reagieren und ob die Online-Zeitung eine Bedrohung oder eine logische Erweiterung der klassischen Print-Version darstellt.
- Wandel von linearen zu nicht-linearen Textformen im Journalismus.
- Einsatz von Textdesign, Mehrkanaligkeit und Clusterbildung.
- Die Rolle der Online-Zeitung und deren spezifische mediale Vorteile.
- Veränderungen in der Leserschaft und die Ursachen für sinkendes Zeitungsinteresse.
Auszug aus dem Buch
3.2. Clusterbildung
Um zu erläutern, wie Cluster funktionieren ist es zunächst hilfreich, zu klären, was ein Cluster eigentlich ist. Unter einem Cluster (englisch: „Bündel“) wird laut Joachim Blum (1998: 92) „[…] ein einheitliches Ganzes aus einer Menge von Einzelteilen verstanden. Beim Textdesign wird damit die gesamte Gestaltungseinheit aus den verschiedenen Text-, Grafik- und Fotobestandteilen bezeichnet, die zusammen eine komplette Berichterstattung bilden […].“.
Wir stolpern also auch hier wieder über Bilder, Fotos und Grafiken und über die Abkehr des Langtextes hin zu modularen Formen (vgl. Bucher (1998): 67). Die so genannten Informationsmodule fungieren einerseits selbstständig, weisen andererseits allerdings eine systematisch aufeinander abgestimmte „Clusterkohärenz“ auf (vgl. Bucher (1998): 67). Das bedeutet, dass zwischen den einzelnen Bestandteilen ein Zusammenhang besteht, der Text verfügt über einen sinnvollen Aufbau (vgl. Blum (1998): 92). Prinzipiell lassen sich zwei Formen der Clusterbildung unterscheiden: Zum Einen lässt sich ein Schwerpunkt-thema in verschiedene Beitragselemente segmentieren, zum Anderen besteht aber auch die Möglichkeit, bestimmte Bestandteile aus einem Grundtext auszulagern (vgl. Bucher (1996): 41f.). Jegliche Arten der Clusterbildung haben gravierende Vorteile gegenüber den Langtext-versionen. So bietet beispielsweise eine Zusammenstellung aus verschiedenen Beiträgen den Lesern unterschiedliche Nutzungsweisen und Einstiegsmöglichkeiten. Liegt ein Langtext vor, gibt es für den Konsumenten keine Alternative, entweder er liest weiter, oder er blättert weiter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Rolle der Zeitung als Leitmedium und führt in die Problematik des modernen Textdesigns sowie die kritische Debatte um die inhaltliche Reduktion zugunsten visueller Elemente ein.
2. Theoretische Grundlagen und Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert Textdesign als integrative Gestaltungslehre und führt in die Unterscheidung zwischen linearen und nicht-linearen Texten ein.
3.1. Mehrkanaligkeit: Hier wird der verstärkte Einsatz von Bildern, Grafiken und Themenblöcken zur Informationsvermittlung im Vergleich zu früheren, rein textbasierten Zeitungsformen analysiert.
3.2. Clusterbildung: Das Kapitel erläutert, wie durch die Modularisierung von Inhalten eine neue Gestaltungseinheit entsteht, die dem Leser eine selektive Nutzung ermöglicht.
3.3. Bedeutungsjournalistische Tendenzen: Es wird untersucht, wie Printmedien vermehrt dazu übergehen, statt bloßer Faktenvermittlung Hintergrundinformationen, Einordnungen und Kommentare zu liefern, um sich von schnelleren elektronischen Medien abzugrenzen.
3.4. selektive Leserschaft: Dieses Kapitel analysiert Strategien wie Selektionshilfen und Anreißermeldungen, mit denen Zeitungen auf die veränderten Bedürfnisse eines heterogenen Publikums reagieren.
4. Ursachen: Die Ursachen für die rückläufige Zeitungsnutzung, insbesondere bei jungen Zielgruppen, werden hier auf veränderte Themenpräferenzen und visuelle Wahrnehmungsgewohnheiten zurückgeführt.
5. Besonderheiten der Online-Zeitung: Dieses Kapitel stellt die spezifischen Stärken des Internet-Mediums wie Multimedialität, Aktualität und Hypertextualität den technischen Nutzungshandicaps gegenüber.
6. Fazit: Online-Zeitung als Verdrängung oder als Erweiterung der Print-Version?: Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass die Online-Zeitung keine Verdrängung darstellt, sondern eine logische Fortsetzung des Strukturwandels und eine Erweiterung des Informationsangebots ist.
Schlüsselwörter
Textdesign, Zeitung, Online-Zeitung, Journalismus, Mehrkanaligkeit, Clusterbildung, nicht-lineare Texte, Selektionshilfen, Medienwandel, Bedeutungsjournalismus, Leserverhalten, Modularisierung, Hypertextualität, Informationsvermittlung, Print-Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation der Zeitung von einem linearen Medium zu einem komplexen, hypermedialen Produkt unter Berücksichtigung moderner Gestaltungsstrategien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der grafischen und inhaltlichen Segmentierung von Texten, der Leserführung durch Design und dem Medienwandel zur Online-Zeitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, warum sich Zeitungen verändern müssen und ob die Online-Variante eine ernsthafte Konkurrenz zur klassischen Print-Ausgabe darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung durch einschlägige Fachliteratur (z.B. Bucher, Blum) und veranschaulicht die Thesen anhand einer Analyse von Beispielen aktueller Print- und Online-Medien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Konzepte von Mehrkanaligkeit, Clusterbildung, die Entwicklung zum Bedeutungsjournalismus sowie die Ursachen der veränderten Lesegewohnheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Textdesign, Mehrkanaligkeit, Clusterbildung, Selektionshilfen und die mediale Transformation.
Wie unterscheidet der Autor zwischen verschiedenen Segmentierungsstrategien?
Der Autor unterscheidet thematische, funktionale, perspektivische und prinzipiengeleitete Segmentierung, um aufzuzeigen, wie komplexe Themen für den Leser in verdauliche Einheiten zerlegt werden.
Welche Rolle spielt die "Bild"-Zeitung im Vergleich zu renommierten Zeitungen?
Die "Bild"-Zeitung wird als Beispiel für eine eher kommerzielle, unterhaltungsorientierte Gestaltung mit gewagten Schlagzeilen und Infografiken angeführt, die sich von renommierten Zeitungen wie der FAZ unterscheidet.
- Quote paper
- Aileen Enders (Author), 2006, Der Wandel der Zeitung vom linearen Objekt zum hypermedialen Produkt unter Berücksichtigung der Online-Zeitung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78079