Die Institutionalisierung eines neuen Leitmediums - frühes Fernsehen in der BRD


Seminararbeit, 2007
27 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verfasser

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Phasenbildung in der bundesdeutschen Fernsehgeschichte
2.1 Vorgeschichte 1928 bis Ende 1944
2.2 Kriegsende und Neubeginn 1945 bis 1952
2.3 Das ARD-Monopol 1954 bis 1963
2.3.1 Grundlagen des Rundfunks
2.3.2 Sender- und Programmentwicklung
2.3.3 Die Wirtschaft
2.3.4 Soziale Lage
2.3.5 Die Technik
2.4 Die „Ökonomisierung“ des Fernsehens
2.5 Das Ende des ARD-Monopols
2.5.1 Der Streit zwischen Bund und Ländern
2.5.2 Rundfunkfreiheit - Das Erste Fernsehurteil 1961
2.5.3 Die Gründung des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF)

3 Fazit

Literaturverzeichnis

Verfasser

Magister Artium

9. Fachsemester

Fächer: Politikwissenschaft (HF), Neuere Geschichte (NF), Neuere englische Literaturwissenschaft (SE), Text- und Mediengermanistik (SE)

Im Rahmen des Hauptseminars: „Mediengeschichte im 20. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Bundesrepublik und der DDR“

1 Einleitung

“Fernsehgeschichte wird zunächst und vor allem als Technikgeschichte verstanden.“[1]

Die Ausprägung des Mediums Fernsehen hängt nicht nur mit seiner Technikgeschichte, sondern auch von seiner Institutionsgeschichte ab. So kam es in verschiedenen Staaten zu unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Ausprägungen des Fernsehens. Drei Modelle lassen sich demnach unterscheiden: staatlich, öffentlich-rechtlich und beziehungsweise oder privatrechtlich-kommerziell. Oftmals kam es aber auch zu einer Vermischung dieser Modelle.[2]

Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der technischen und institutionsgeschichtlichen Darstellung des bundesrepublikanischen Fernsehens von den Anfängen des Fernsehens bis zum Programmbeginn des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) 1962. Folgende Fragen stehen dabei im Vordergrund: Wie kam es zum Aufstieg des Fernsehens zum neuen Massenmedium? Wie institutionalisierte sich dieses neue Leitmedium in der BRD? Lässt sich die bundesdeutsche Fernsehgeschichte in verschiedene Entwicklungsphasen einteilen?

Vorerst werde ich versuchen, die bundesrepublikanische Fernsehgeschichte in verschiedene Entwicklungsphasen einzuteilen. Dabei wird in Betracht gezogen welche Entwicklungen für diese Phase charakterisierend sind und wie sich die einzelnen Phasen voneinander abgrenzen, so wird beispielsweise untersucht, welchen Einfluss der Untergang des nationalsozialistischen Deutschlands auf das Fernsehen hatte. Anschließend werden die Gründe und Ursachen für den Aufstieg des Fernsehens zum neuen Leitmedium näher beleuchtet. Dabei werden die programmgeschichtlichen, wirtschaftlichen, gesamtgesell­schaftlichen und technischen Voraussetzungen für den Aufstieg zum neuen Leitmedium näher betrachtet. Abschließend werde ich aufzeigen wie politische und wirtschaftliche Machteliten verstärkt Einfluss auf das Fernsehen zu nehmen versuchten.

Die Forschungsliteratur bezieht sich zu einem großen Teil auf die Technikgeschichte des Fernsehens, wie beispielsweise das neue Werk von Thomas Riegler (2006): „Meilensteine des Rundfunks.“ „Daten und Fakten zur Entwicklung des Radios und Fernsehens“. Darüber hinaus gibt es aber auch Literatur deren Inhalt programmgeschichtliche und institutionsgeschichtliche Entwicklungen des Fernsehens aufzeigen, wie zum Beispiel das umfassende Werk von Knut Hickethier (1998): „Geschichte des deutschen Fernsehens“.

2 Phasenbildung in der bundesdeutschen Fernsehgeschichte

2.1 Vorgeschichte 1928 bis Ende 1944

Nach Knut Hickethier können gesamtgesellschaftliche Einschnitte als „epochenbildend“[3] angesehen werden. Demnach kann der Zeitraum von 1928 bis zum Ende des Jahres 1945 als Vorgeschichte der Programmgeschichte des bundesdeutschen Fernsehens bezeichnet werden.[4] Obwohl es sich bei dieser Vorphase um frühe Formen des Fernsehens handelt und sich das Fernsehen erst nach dem Zweiten Weltkrieg zum neuen Massenmedium entwickelte, ist diese Phase nicht unwichtig. Denn in dieser Phase wurden Anordnungsformen anderer Medien erprobt, beispielsweise diente in der aktuellen Berichterstattung der Hörfunk als Orientierung, so wie das Kino in der Programmgestaltung eine Orientierungshilfe bot.[5]

Von 1928 bis 1935 kam es zum Versuchsbetrieb und zu ersten Versuchssendungen durch die Post und die Industrie.[6] So übertrug 1928 die Reichspost erste Fernsehsignale mit einem Sender in Berlin Witzleben. Ab 1930 erfolgten weitere Versuchssendungen über die Sender Königs Wusterhausen und Döberitz. In Berlin gab es schon 1932 täglich von 10 bis
11 Uhr erste Filmübertragungen mit Bild und Ton.[7]

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten zeigte sich der niedrige Stellenwert des Fernsehens als Propagandamittel. Dennoch spiegelte sich die nationalsozialistische Ideologie im staatlich organisierten NS-Fernsehen von 1935 bis 1943 in Struktur und Programm wider. In öffentlichen Fernsehstuben wurden vermeintlich unpolitische Unterhaltungssendungen mit ideologisch nationalsozialistischem Gedankengut der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[8] Außerdem war an diesen öffentlichen Fernsehstuben des Dritten Reiches die Nähe des frühen Fernsehens zum Kino sehr gut zu erkennen.[9]

Ab dem 22.03.1935 bis zum Ende des Jahres 1944 ging der Fernsehsender „Paul Nipkow“ in Berlin auf Sendung. Nach eigenen Angaben des Senders war dies der erste regelmäßige Programmbetrieb der Welt, doch nach Ansicht Rieglers ist dies Betrachtungssache, denn vergleichsweise in England konnten zu dieser Zeit bereits Fernsehgeräte von Privatleuten gekauft werden, während dies in Deutschland noch nicht möglich war. Deshalb nutzten die Berliner vorerst vier Fernsehstuben um die TV-Übertragungen sehen zu können. Die erste Fernsehstube öffnete am 9. April 1935, und schon 1936 gab es elf Fernsehstuben. Dreimal wöchentlich von 20 bis 22 Uhr wurde das Fernsehprogramm ausgestrahlt, wobei es durchaus zu Wiederholungen der Sendungen kam. Inhaltlich ging es bei diesen Ausstrahlungen um Ausschnitte aus Spiel- und Kulturfilmen und es wurden Wochenschau-Berichte gezeigt. Bereits im August 1936 wurden die Olympischen Spiele im Fernsehen übertragen. Dieses sportliche Großereignis wurde an 16 Tagen von 150.000 Berlinern in den mittlerweile 26 Fernsehstuben verfolgt.[10] Die weitere Entwicklung in den Folgejahren nach 1935 war geprägt durch das nationalsozialistische Deutschland. Von 1935 bis 1938 gab es ein Programm mit technischen Einschränkungen, die Produktion auf einer Dunkelbühne wurde erprobt und ausgebaut.[11] Das tägliche Programm des reichsdeutschen Fernsehens gliederte sich dabei in drei Teile und folgte dem seit 1934 vorgeschriebenen Ablauf einer Kinovorführung. Zuerst erschien die Wochenschau, dann ein kurzer Kulturfilm und danach das Unterhaltungs­programm. Bereits 1937 stellte die Deutsche Reichspost erste Versuche mit einem Farbfernsehbild auf der Funkausstellung in Berlin vor, die Resultate waren jedoch nicht zufrieden stellend. 1938 stellte Telefunken die erste rechteckige Bildröhre der Welt vor, bis zu diesem Zeitpunkt waren Bildröhren rund gewesen. Bemerkenswert ist der geringe Stellenwert, den das Fernsehen in den 1930er Jahren besaß, denn neben den öffentlichen Fernsehstuben gab es erst um die 75 verkaufte Heimempfänger. Die Gründe für die niedrige Verbreitung der Fernsehempfänger waren eine bescheidene Bildqualität der Heimempfänger sowie deren hohe Verkaufspreise von 3000 Reichsmark. Ein Volksempfänger kostete vergleichsweise nur 60 Reichsmark.[12] Der 1939 auf der Berliner Funkausstellung vorgestellte Einheitsempfänger E1 konnte die Bedeutung des Fernsehens in Deutschland nicht mehr steigern. Von diesem mit angepeilten 650 Reichsmark relativ günstigen Heimempfänger konnten wegen des Kriegsbeginns nur noch 50 Stück gebaut werden.[13]

Die weitere Entwicklung des Fernsehens in Deutschland war geprägt durch den Anfang des Zweiten Weltkriegs. In Berlin fand die Fernsehproduktion 1938 und 1939 im Lichtstudio (Deutschlandhaus) statt.[14] Die am 24. August 1939 erfolgte Stilllegung des Fernsehsenders Paul Nipkow durch das Oberkommando der Wehrmacht wurde nach einem Monat auf Drängen der Post revidiert. Die Fortsetzung des Fernsehprogramms selbst im Krieg sollte die Stärke des Dritten Reiches demonstrieren.[15] Trotz den durch den Kriegsanfang bedingten Sendepausen wurde die Produktion im Lichtstudio (Deutschlandhaus) kontinuierlich fortgesetzt und das Fernsehprogramm ausgebaut, dabei handelte es sich hauptsächlich um Sendungen für die Wehrmacht.[16] Von 1941 bis 1943 kam es wiederum kriegsbedingt zu Einschränkungen des Programms. In den Jahren 1943 und 1944 schließlich, nach der Zerstörung der Sender durch alliierte Luftangriffe, wurde ein Kabelfernsehen[17] eingeführt.[18] Am 21. Juni 1944 erfolgte die endgültige Schließung des Fernsehbetriebs.[19] In der Folgezeit kam es zum Abbau und der Auslagerung der Technik beziehungsweise des Programm- und Sendebetriebs durch die Fernsehmitarbeiter.[20] Kriegsbedingt kam nahezu die gesamte technische Weiterentwicklung des Fernsehens in Deutschland zum Erliegen, beispielsweise wurden die Arbeiten der Deutschen Reichspost am deutschen Farbfernsehen eingestellt.[21]

[...]


[1] Hickethier, Knut (1980): Probleme der Fernsehgeschichte - Überlegungen zu ihrer Konstruktion und Rekonstruktion, in: Helmut Kreuzer (Hrsg.): Fernsehforschung - Fernsehkritik. - 1. Auflage - Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 13 - 35.

[2] Vgl. Holly, Werner (2004): Fernsehen. – 1. Auflage – Tübingen: Niemeyer, S. 16 - 21; im Folgenden zitiert: Holly (2004).

[3] Hickethier, Knut (1991): Phasenbildung in der Fernsehgeschichte. Ein Diskussionsvorschlag, in: Helmut Kreuzer, Helmut Schanze (Hrsg.): Fernsehen in der Bundesrepublik Deutschland: Perioden – Zäsuren – Epochen. - 1.Auflage – Heidelberg: Carl Winter Universitätsverlag,
S. 11 - 37, hier: S. 28; im Folgenden zitiert: Hickethier (1991).

[4] Vgl. Hickethier (1991), S. 28 - 37.

[5] Vgl. Hickethier, Knut (2003): Fernsehen, Modernisierung und kultureller Wandel, in: Detlev Schöttker (Hrsg.): Mediengebrauch und Erfahrungswandel. – 1. Auflage – Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 170 - 181; im Folgenden zitiert: Hickethier (2003).

[6] Vgl. Hickethier (1991), S. 28 - 37.

[7] Vgl. Riegler, Thomas (2006): Meilensteine des Rundfunks. Daten und Fakten zur Entwicklung des Radios und Fernsehens. – 1. Auflage – Baden-Baden: Verlag für Technik und Handwerk, S. 98 – 111; im Folgenden zitiert: Riegler (2006).

[8] Vgl. Holly (2004), S. 16 – 21.

[9] Vgl. Hickethier (2003), S. 170 - 181.

[10] Vgl. Riegler (2006), S. 98 - 111.

[11] Vgl. Hickethier (1991), S. 28 - 37.

[12] Vgl. Riegler (2006), S. 98 - 111.

[13] Vgl. ebenda, S. 98 - 111.

[14] Vgl. Hickethier (1991), S. 28 - 37.

[15] Vgl. Riegler (2006), S. 98 - 111.

[16] Vgl. Hickethier (1991), S. 28 - 37; Vgl. dazu auch: Riegler (2006), S. 98 - 111.

[17] Über Breitbandkabel und Drahtfunknetz.

[18] Vgl. Hickethier (1991), S. 28 - 37; Vgl. dazu auch: Riegler (2006), S.98 - 111.

[19] Vgl. Riegler (2006), S. 98 - 111.

[20] Vgl. Hickethier (1991), S. 28 - 37.

[21] Vgl. Riegler (2006), S. 98 - 111.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Institutionalisierung eines neuen Leitmediums - frühes Fernsehen in der BRD
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Mediengeschichte im 20. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Bundesrepublik und der DDR
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
27
Katalognummer
V78104
ISBN (eBook)
9783638829748
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Institutionalisierung, Leitmediums, Fernsehen, Mediengeschichte, Jahrhundert, Berücksichtigung, Bundesrepublik
Arbeit zitieren
Patrick Koops (Autor), 2007, Die Institutionalisierung eines neuen Leitmediums - frühes Fernsehen in der BRD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78104

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