Bereits beim erstmaligen Lesen des Textes der im Mittelpunkt dieser Arbeit steht, dem 13. Kapitel des ersten Korintherbriefes, wird deutlich wovon er handelt - von der Liebe. Aber Liebe, was ist das eigentlich? Im Grunde kennt sie jeder, da jeder sie irgendwie, irgendwann schon einmal erlebt, sie selber empfunden hat. Aber trotz ihrer Allgegenwärtigkeit hat sie etwas Unantastbares, etwas Unbeschreibliches und deswegen ist sie so schwer in Worte zu verpacken. Denn wie soll man auch das größte aller Gefühle so einfach auf den Punkt bringen? Mittlerweile wird der Begriff der Liebe in allen möglichen Situationen des Alltags verwendet und das mit den verschiedensten Bedeutungen: ich liebe die Sonne, ich liebe Schokoladeneis, ich liebe Musik von Beethoven. So hat der Begriff ‚Liebe‘ einen Ausverkauf an Bedeutung erlebt. Er gilt nicht mehr nur für zwischenmenschliche Beziehungen und auch bei jenen wird der Begriff der Liebe mit den verschiedensten Bedeutungen benutzt – eine platonische Liebe, die große Liebe, eine leidenschaftliche oder verbotene Liebe. Liebe ist also durchaus nicht gleich Liebe. Gerade deshalb ist es notwendig, dem wahren Inhalt dieses Begriffs einmal nachzuspüren. In der Bibel gibt es zwei Textstellen, die sich ausführlich mit dem Thema Liebe befassen. Die eine ist das Hohelied Salomos, welches im Alten Testament zu finden ist. Die andere, mit der sich diese Arbeit befassen wird, steht im Neuen Testament, genauer im ersten Korintherbrief im 13. Kapitel.
Neben dem Aufbau, dem Inhalt und der Form dieses 13. Kapitels soll in der folgenden Arbeit deshalb auch die Liebe ein Stück in den Mittelpunkt der Betrachtung geraten. Unter Verwendung der verschiedenen griechischen Bedeutungen der Liebe soll ein grundlegendes Verständnis des Wortes geschaffen werden, mit Hilfe dessen anschließend der zu behandelnden Text näher betrachten werden kann. Ziel dieser Arbeit ist es vor allem ein Verständnis des Textes, durch eine entsprechende Exegese, zu ermöglichen. Es soll demzufolge geklärt werden, ob und wie sich dieses ‚Hohelied der Liebe‘ in den ersten paulinischen Brief an die Korinther einfügt, welches Verständnis Paulus von der Liebe in diesem Zusammenhang hat und weshalb dieser Text gerade an dieser Stelle geschrieben steht.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort - Über die Liebe
2. Die höheren Gnadengaben – das Hohelied der Liebe: 1. Korintherbrief 12,31b – 13,13
3. Die Liebe - Eros, Philia und Agape
3.1 Eros (ερως)
3.2 Philia (φιλία)
3.3 Agape (άγάπη)
4. Das 13. Kapitel des ersten Korintherbriefes – Kontext, Anlass, Inhalt
5. Exegese von 1. Korinther 13
5.1 Verse 1-3
5.1.1 Vers 1
5.1.2 Vers 2
5.1.3 Vers 3
5.2 Verse 4-7
5.2.1 Vers 4
5.2.2 Vers 5
5.2.3 Vers 6
5.2.4 Vers 7
5.3 Verse 8-13
5.3.1 Vers 8
5.3.2 Vers 9
5.3.3 Vers 10
5.3.4 Vers 11
5.3.5 Vers 12
5.3.6 Vers 13
6. Die Liebe im 1. Korintherbrief 13. Kapitel
6.1 Liebe bei Paulus
6.2 Die Agape im 1. Korintherbrief Kapitel 13
7. Die Form des 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes
8. Zusammenfassung
9. Schlußwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich das Ziel, durch eine exegetische Analyse des 13. Kapitels des ersten Korintherbriefes ein tiefgreifendes Verständnis des paulinischen Liebesbegriffs zu ermöglichen und seine Einordnung sowie Bedeutung innerhalb der korinthischen Gemeinde zu klären.
- Unterscheidung der griechischen Liebesbegriffe Eros, Philia und Agape
- Eingliederung des 13. Kapitels in den Kontext der Charismenlehre (Kapitel 12-14)
- Detaillierte Exegese der Verse 1 bis 13
- Reflektion über den eschatologischen Charakter der Liebe
- Untersuchung der literarischen Form (protreptische Mahnrede, Wertepriamel)
Auszug aus dem Buch
3.2 Philia (φιλία)
Dieses Wortes für Liebe hängt eng mit dem griechischen Wort für Freund „Philos“ zusammen. Philia meint daher dasselbe wie Freundschaftsliebe. Unter den antiken Philosophen hat sich Aristoteles ausführlich mit der Freundschaft beschäftigt und zwar in seiner „Nikomachischen Ethik“. Schon an der Plazierung des Themas, nämlich in einem Buch über die Ethik, läßt sich erkennen, daß „philia“ im wesentlichen eine ethische bzw. moralische Kategorie darstellt. Sie „läßt sich als die geistig-personale Liebe beschreiben“.
Eine geistige Liebe ist sie, da sie nicht nur das sieht, was die Sinne allein wahrnehmen, sondern da sie besonders darauf gerichtet ist, was nur dem Blick des Geistes zugänglich ist. Eine personale Liebe ist sie, „weil sie im Menschen als Person gründet“. Sie entfaltet sich demgemäß auf eine Weise, die nur einer gewissen Person entspricht. Dies kann aber nur geschehen, wenn sie aus Freiheit geschieht. „[D]iese Liebe ist Adel, ist Bestimmung, Aufgabe, der sich der Mensch entziehen kann, nicht Trieb oder Rausch, der ihn überkommt.“ Der Trieb ist nämlich ausschließlich von Reizen ausgelöst, die ihm durch die Sinne zugesandt werden. Er ist nicht von Einsicht erhellt, welche die Freiheit der personalen Liebe impliziert.
Das geistige und personale Lieben sind untrennbar miteinander vereint und haften am geistigen Erfassen des innersten Wirklichen. Das psychologische Gesetz dieser Form der Liebe ist die Zuneigung aufgrund eines inneren Gleichklangs und einer vollständigen Harmonie, die weitgehend unabhängig sind vom Körperlichen im allgemeinen und vom Geschlechtlichen im besonderen. So kann eine solche Zuneigung und harmonische Beziehung zwischen Männern und Frauen, Alten und Jungen, gesunden und leidenden Menschen, ja auch zwischen Menschen und Tieren bestehen. Dieses liebevolle Eingehen und diese herzliche Zuneigung brauchen sich nicht nur auf Menschen zu beziehen, sondern können auch auf Betätigungen, Gegenstände, Sachbereiche usw. gerichtet sein. Die Philia ist durch die Freiheit, die sie involviert, anders als Eros, steuerbar. Sie kann sich mehr oder weniger gewähren. Daher ist die Philia auch als aktive Form der Liebe zu betrachten, da der Mensch als Person aus freier Initiative handelt. Sie ist die psychische Liebe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort - Über die Liebe: Einführung in die Problematik des vielschichtigen Liebesbegriffs und Darstellung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Die höheren Gnadengaben – das Hohelied der Liebe: 1. Korintherbrief 12,31b – 13,13: Präsentation des biblischen Quelltextes als Grundlage für die Untersuchung.
3. Die Liebe - Eros, Philia und Agape: Definition und Abgrenzung der drei griechischen Formen der Liebe zur Vorbereitung der Exegese.
4. Das 13. Kapitel des ersten Korintherbriefes – Kontext, Anlass, Inhalt: Analyse der Einbettung des 13. Kapitels in den Briefzusammenhang sowie Erörterung der Gemeindeanlässe.
5. Exegese von 1. Korinther 13: Detaillierte versweise Untersuchung des Kapitels unter Einbeziehung theologischer Fachliteratur.
6. Die Liebe im 1. Korintherbrief 13. Kapitel: Zusammenfassende Betrachtung des Liebesverständnisses bei Paulus und der spezifischen Rolle der Agape.
7. Die Form des 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes: Literarische Gattungsbestimmung und formgeschichtliche Einordnung des Textes.
8. Zusammenfassung: Kurze Rekapitulation der gewonnenen exegetischen Erkenntnisse.
9. Schlußwort: Abschließende persönliche Reflexion über die Bedeutung der Agape als Gabe Gottes für die heutige Welt.
Schlüsselwörter
Liebe, Agape, Paulus, Korintherbrief, Exegese, Charismen, Eros, Philia, Eschatologie, Gnadengaben, Glaube, Hoffnung, Parusie, Christologie, Theologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der exegetischen Analyse des 13. Kapitels des ersten Korintherbriefes, dem sogenannten „Hohelied der Liebe“, und untersucht dessen theologische Bedeutung innerhalb der paulinischen Schriften.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die Differenzierung zwischen Eros, Philia und Agape, den Zusammenhang zwischen den Charismen (Geistesgaben) und der Liebe sowie die eschatologische Dimension des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, durch eine fundierte Exegese zu klären, wie sich das Kapitel in den paulinischen Brief einfügt, welches Liebesverständnis Paulus hier vertritt und warum gerade dieser Text an dieser Stelle steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Exegese verwendet?
Es wird eine historisch-kritische sowie formgeschichtliche Methode angewandt, bei der maßgebliche Theologen wie Oda Wischmeyer, Wolfgang Schrage und Hans-Josef Klauck zitiert und kritisch diskutiert werden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgen die Begriffsdefinitionen der Liebe, die Einordnung des Kapitels in den Kontext der Kapitel 12 und 14, die detaillierte Exegese der Verse 1 bis 13 und eine Untersuchung der literarischen Formen wie der Wertepriamel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Agape, Charismen, Eschatologie, paulinische Theologie, Gnadengaben und die Trias Glaube, Hoffnung und Liebe.
Warum betont Paulus im 13. Kapitel die Vergänglichkeit der Charismen?
Paulus möchte die übersteigerte Begeisterung der korinthischen Pneumatiker kritisieren und verdeutlichen, dass Charismen nur Ausgleichsformen für die Zeit des Wartens sind, während allein die Liebe als göttliche Gabe Bestand im Eschaton hat.
Handelt es sich bei dem 13. Kapitel um ein lyrisches Liebesgedicht?
Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Paulus kein lyrisches Gedicht oder einen Tugendkatalog verfasst hat, sondern eine protreptische Mahnrede über die Agape als zentrale, gottgegebene Lebensmacht.
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- Claudia Kolbe (Author), 2003, Das Hohelied der Liebe - Exegese zum 13. Kapitel des ersten Korintherbriefes , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78135