Tourismus als Chance für Mexiko? Betrachtung wirtschaftlicher Aspekte


Seminararbeit, 2006
36 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff Tourismus
2.1 Definition und Abgrenzung von Tourismus
2.2 Historische Entwicklung des Tourismus
2.3 Globale Expansion des Tourismus
2.4 Tourismusforschung

3. Wirtschaftliche Effekte des Fremdenverkehrs
3.1 Deviseneffekte
3.2 Beschäftigungseffekte
3.3 Einkommenseffekte und Einkommensmultiplikatoren

4. Tourismus in Mexiko
4.1 Attraktivität Mexikos als Tourismusziel
4.2 Die Rolle des Staates
4.2.1 Maßnahmen des Staates zur Tourismusentwicklung
4.2.2 Defizite der staatlichen Fremdenverkehrspolitik
4.2.3 Das „Nationale Programm für Tourismus 2001-2006“
4.2.4 Die Bedeutung des Tourismus für die mexikanische Volkswirtschaft

5. Ökotourismus als mögliche Lösung für nachhaltige Entwicklung?

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Nachdem Mexiko eine lange Phase mit fast ununterbrochenem wirtschaftlichen Wachstum von 1930 bis 1980 erlebte, was auch als mexikanisches Wirtschaftswunder bezeichnet wird („milagro mexicano“), musste das Land schwere ökonomische Krisen überstehen – 1982 bis 1988 und 1994 bis 1995 –, welche die Strukturschwächen und die Instabilität des mexikanischen Wirtschaftssystems zeigten.[1] Trotz dieses „milagro mexicano“ konnte das ehrgeizige Ziel der Industrialisierung sowie ein Ausgleich der Disparitäten nicht erreicht werden.[2]

Mit ca. 20 Mio. internationalen Touristen[3] zählt Mexiko zu einer der Top-Destinationen der Welt (Rang 8) und liegt damit vor so bekannten europäischen Urlaubsländern wie Griechenland und der Türkei.[4] Somit ist Mexiko nach der Volksrepublik China (Rang 5) die mit Abstand wichtigste Tourismusdestination der Dritten Welt. Bei den Deviseneinnahmen durch den Tourismus erreichte Mexiko 2003 den 12. Rang.[5] Mexiko scheint also eine Spitzenposition im weltweiten Tourismus einzunehmen.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob der Tourismus eine Chance für Mexiko darstellt, sich wirtschaftlich zu entwickeln und die Disparitäten, v.a. die Schere zwischen Arm und Reich, zu verringern.

Im zweiten Kapitel der Arbeit soll auf den Tourismus in allgemeiner Weise eingegangen werden. Im dritten Kapitel dreht es sich um mögliche wirtschaftliche Effekte des Fremdenverkehrs. Im vierten Kapitel der Arbeit handelt es sich um den Tourismus in Mexiko selbst. Es wird untersucht, inwieweit der Staat in den Tourismus in der Vergangenheit eingriff und wie er dies heute tut. Zusätzlich werden die Zukunftspläne der Regierung Mexikos sowie die Bedeutung des Tourismus für die mexikanische Volkswirtschaft untersucht. Im fünften Kapitel wird schließlich auf einen möglichen Lösungsansatz eingegangen.

2. Der Begriff Tourismus

2.1 Definition und Abgrenzung von Tourismus

„Der Ursprung des Tourismus kommt aus dem Griechischen (tornos) und dem Lateinischen (turnus) und bezeichnet die Wiederholung. Tourismus lebt vom jährlichen Turnus, von der ständigen Wiederholung. Aus dem Kreislauf von versprochener Bedürfnisbefriedigung und stetig wiederholter Weckung der ungestillten Wünsche bezieht die Tourismusindustrie ihre Dynamik. Die frühen Formen des Tourismus waren die Pilgerfahrten. Ein Beispiel hierfür ist die Pilgerreise nach Mekka, die bis heute von vielen Anhängern des Islams angetreten wird. Der Tourismus hat sich immer weiter entwickelt.“[6] Ein wesentlicher Unterschied im Vergleich zu früher dürfte eine wachsende Anzahl von Reisenden sein, die sich immer schneller und leichter von einem Ort zu einem anderen bewegt. In unserer heutigen Zeit kann man, bedingt durch den technischen Fortschritt und die modernen Fortbewegungsmittel wie z.B. das Flugzeug, in nahezu jeden Winkel der Welt reisen. Ein Zustand, der vor einigen hundert Jahren nur schwer vorstellbar gewesen sein dürfte, für die Menschen des 21. Jh. aber zur Normalität gehört. Die World Tourism Organization (WTO) „[…] zählt für den internationalen Reiseverkehr alle Menschen als Touristen, die als Ausländer eine Staatengrenze überschreiten und sich mindestens 24 Stunden im Land aufhalten, nicht aber Transitreisende, Arbeitnehmer, Flüchtlinge usw.“[7] Hier wird eine genauere Eingrenzung des Begriffes „Tourist“ vorgenommen. Wenn also ein deutscher Staatsbürger mit dem Auto nach Italien reisen möchte, um sich dort länger als 24 Stunden aufzuhalten, würde er in Österreich als Transitreisender, in Italien schließlich als Tourist gelten. Eine exaktere Definition des Begriffes wird durch die Subtraktion von Arbeitnehmern und Flüchtlingen erreicht, denn die Freiwilligkeit seiner Reise sollte die Grundmotivation eines Touristen sein. Arbeitnehmer und Flüchtlinge sind zwar auch Reisende, sie überschreiten Staatsgrenzen und halten sich länger als 24 Stunden in einem anderen Land auf. Aber weder Arbeitnehmer, die von ihren Arbeitgebern beauftragt werden, und noch weniger Flüchtlinge, die sich z.B. vor Verfolgung oder anderen Notlagen retten müssen, und somit gezwungen werden zu reisen, führen ihre Reisen freiwillig durch.

Bei KASPAR wird Tourismus als „die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Reisen und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher noch dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist“[8], definiert. Hier wird, ähnlich der WTO, der Arbeitnehmer ausgeklammert. Welche Merkmale des Tourismus lassen sich also aus den vielfältig existierenden Definitionen ableiten?

Ein wichtiges Kriterium wäre die Bewegung außerhalb des normalen Arbeits- und Wohnumfeldes: So darf man z.B. den Einkauf eines Einwohners von Schwabach in Nürnberg nicht zum Tourismus zählen, einen Flug nach Mailand über das Wochenende zum Shopping hingegen schon.[9] „Der moderne Mensch verbringt immer weniger Zeit in seinem normalen angestammten Lebensumfeld. Jemand, der seine gesetzlichen Ferien in einem westeuropäischen Industrieland voll ausschöpft und eine durchschnittliche Anzahl Tages- und Wochenendreisen unternimmt, verbringt 12-15 Prozent seines aktiven Lebens als Tourist. Darin sind Geschäftsreisen nicht eingerechnet.“[10] Wie man hier deutlich sehen kann, nimmt Tourismus also einen durchaus beträchtlichen Teil unseres Lebens ein. Dies alles ist nur eine kleine Auswahl der in Fülle vorhandenen Definitionen des Phänomens „Tourismus“. Diese wenigen Beispiele zeigen, dass Tourismus nicht eindeutig und allgemeingültig abgrenzbar ist.

2.2 Historische Entwicklung des Tourismus

Bereits im Altertum um 770 v. Chr. sind viele der uns heute bekannten Motivationsformen des Tourismus erkennbar. Mit Beginn der Olympischen Spiele setzte ein Sporttourismus zu einer aktiven oder passiven Teilnahme an Sportveranstaltungen ein. Eine weitere einsetzende Form des Tourismus waren Bildungsreisen, beispielsweise durch den griechischen Geografen und Historiker Herodot (480-421 v. Chr.). Dieser wird als einer der ersten Reisenden und Touristen seines Landes angesehen.[11]

In der Zeit des römischen Reiches erfuhr der Tourismus einen erneuten Aufschwung. So wurde das kontinentale Straßennetz ausgebaut, zusätzlich kam es zu einer Intensivierung des Handels, und es entstanden außerdem wieder Bildungsreisen durch ganz Europa. Durch die Errichtung von Badezentren an einigen zentralen Orten (z.B. Baden-Baden) entstand bereits damals ein Vorläufer des heutigen „Gesundheitstourismus“. Außerdem gab es auch eine ursprüngliche Form des modernen „Zweitwohnungstourismus“. In Städten wie z.B. Rom, die überbevölkert waren, begab sich der wohlhabende Teil der Bevölkerung während des Sommers in die Hügel des Appenins oder an die Küsten, wo sie ein zweites Domizil besaßen.[12]

Im Mittelalter verfiel dann das römische Straßennetz, außerdem wurde durch fehlende Präsenz des Militärs das Reisen zunehmend unsicherer. Bevölkerungsgruppen, die sich auf Reisen begaben, waren hauptsächlich Beamte, Studenten und Wallfahrer. Zu ihnen gesellten sich Händler, Handwerker und Entdecker. Im Allgemeinen kann man sagen, dass Reisen in dieser Epoche keinen Selbstzweck hatten, sie wurden als „Muss“ angesehen.[13]

Während des Zeitalters der Aufklärung verlor das Reisen den Charakter der strikten Zweckhaftigkeit, ab dem 18. Jh. begannen vornehmlich junge Adelige mit einem ausgeprägten Bildungstourismus.[14]

Bei BROCKHAUS findet sich eine Beschreibung für die Situation während der Industrialisierung sowie nach dem Zweiten Weltkrieg. So wurde die Gesellschaft im Zuge der Industrialisierung wohlhabender, dadurch erhöhte sich auch die Reisefreudigkeit der Menschen. Hierfür wirkten u.a. auch die Entwicklung des Dampfschiffes, der Dampflokomotive sowie die Entwicklung des europäischen Straßennetzes unterstützend. Eine eigenständige Infrastruktur bildete sich durch die Gründung von Reisebüros (z.B. COOK, 1845 in Leicester) und das Entstehen eines Beherbergungs- und Versorgungsgewerbes. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann der Auslands- und Ferntourismus massiv an Bedeutung. Es war der Ausdruck eines neuen Wohlstands und demonstrierte gleichzeitig die verbesserte Mobilität der Menschen. Durch die Erschließung neuer Verkehrsmittel (z.B. das Flugzeug) wurden die Reisezeiten erheblich verkürzt und somit auch spontane Reiseentscheidungen gefördert („Last-Minute“).[15]

2.3 Globale Expansion des Tourismus

In der zweiten Hälfte des 20. Jhs. lässt sich der Tourismus als ein zentrales Merkmal dieser Zeit ausmachen. Die rapide Entwicklung des Tourismus kann als wichtiger Bestandteil der immer weiter wachsenden weltweiten Verflechtung angesehen werden.[16]

Seit den fünfziger Jahren steht die Entwicklung des internationalen Tourismus in Zusammenhang mit wirtschaftlichen, technischen, sozialen und politischen Veränderungen. Diese haben sich vor allem in den westlichen Industrienationen herausgebildet und führten zu einer bis dahin nicht gekannten Mobilität. Beispiele für die Veränderungen sind u.a. eine verstärkte Liberalisierung des grenzüberschreitenden Verkehrs nach dem Zweiten Weltkrieg, wachsende Freizeit in Verbindung mit ständiger Verkürzung der Arbeitszeit, technische Entwicklungen (u.a. im Bereich des Luftverkehrs), die Entstehung einer speziellen Reiseindustrie oder die regionale Erweiterung des touristischen Angebots und die touristische Erschließung neuer Zielgebiete.[17] In der folgenden Abbildung sind die internationalen Touristenankünfte (in Mio.) zwischen den Jahren 1950-2000 dargestellt:[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Internationale Touristenankünfte (1950 - 2000)

Wie man aus Abbildung 1 erkennen kann, hat sich die Anzahl der internationalen Touristenankünfte zwischen 1950 und 1980 bereits mehr als verzehnfacht. Bei einer Betrachtung des Zeitraumes zwischen 1990, als sich die Grenzen in Osteuropa öffneten, und dem Jahr 2000 lässt sich noch einmal eine Zunahme um knapp 50 Prozent auf 686 Mio. feststellen. Bis zum Jahr 2000 gab es insgesamt gesehen fast ausnahmslos immer Zuwächse bei den Touristenankünften zu verzeichnen. Trotz gravierender Ereignisse wie z.B. die Ölkrise 1974/75, der Golfkrieg 1991 oder die Wirtschaftskrise in Asien 1997/98 blieben Rückgänge auf einzelne Regionen begrenzt. Im betrachteten Zeitraum ist nur für das Jahr 1982 (-0,4%) ein Rückgang der internationalen Touristenankünfte beobachtbar. Diese Abnahme resultiert nach Angaben der WTO aus der Verknüpfung der Nachwirkungen der zweiten Ölkrise aus dem Jahr 1979, Reisebeschränkungen in Zentral- und Osteuropa, dem Falkland-Krieg zwischen Argentinien und Großbritannien sowie der Invasion Israels in den Libanon.[19]

2.4 Tourismusforschung

Mit dem Übergang zum 20. Jh. beschäftigte sich die Wissenschaft erstmals mit dem Phänomen des Fremdenverkehrs, einer der Pioniere in dieser neuen Forschungsdisziplin war der Österreicher Josef Stradner.[20] Dieser sah Reisen als Luxus an, der mit „den Bedürfnissen der Kultur, des geistigen Lebens, des Gemütes, der Gesundheit, des Wohllebens, kurz mit subjektiven Neigungen idealer Natur“[21] zusammenhängt. Bleibt an dieser Stelle die grundlegende Frage zu klären, ob Tourismusforschung überhaupt eine autonome Wissenschaft darstellt. Eine Antwort auf diese Frage lässt sich in der Literatur bei einigen Autoren finden, die dies implizit behaupten und die Frage somit bejahen (vgl. Sessa 1985 oder Freyer 1993).[22] Um den Tourismus zu erforschen, gibt es keine gezielten Methoden, man muss sich also hierbei der Methoden anderer Kerndisziplinen bedienen (Bsp.: Ökonomie, Soziologie, Umweltwissenschaften,…).[23] Mittlerweile kann man weltweit Forschungsinstitute zum Tourismus aus den verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen finden, als Beispiel für den Schwerpunkt Wirtschaftswissenschaften kann man das Institut für Öffentliche Dienstleistungen und Tourismus der Universität St. Gallen anführen.[24] In Deutschland wurde beispielsweise bereits 1961 der „Studienkreis für Tourismus“ in Starnberg gegründet. Diese Einrichtung führt seit 1971 eine jährliche „Reiseanalyse“ durch, um repräsentative Daten über das Reiseverhalten der deutschen Bevölkerung zu erheben.[25] Wie man erkennen kann, wird das „Phänomen Tourismus“ vielfältig und disziplinenübergreifend erforscht. Man darf also sehr wohl im Falle des Tourismus von einer „Wissenschaft“ sprechen, eine Erscheinung die es auch zukünftig zu untersuchen gilt.

3. Wirtschaftliche Effekte des Fremdenverkehrs

3.1 Deviseneffekte

Bereits sehr früh beschäftigte sich eine beträchtliche Anzahl von Autoren mit dem Einfluss des Fremdenverkehrs auf die Zahlungsbilanz.[26] „Jahrelang war die zahlungsbilanzmäßige Auswirkung des Reiseverkehrs Hauptgegenstand der ökonomisch-touristischen Analysen.“[27] In Bezug auf den Güterkonsum oder die Inanspruchnahme von Dienstleistungen durch Gäste aus dem Ausland im Inland wird häufig von „unsichtbarem Export“ gesprochen. „Die mit dem Tourismus verbundene räumliche Verlagerung des Konsums erlangt dabei im internationalen Tourismus eine besondere Bedeutung; die Konsumverlagerung vom Herkunftsland zum Zielort impliziert zugleich einen Devisentransfer vom Herkunfts- in das Zielland. Der touristischen Nachfrage im Zielland kommt – aufgrund der Vergütung von Dienstleistungen und des Verkaufs von Waren mit Devisen – eine ähnliche Wirkung zu wie dem Warenexport; der touristische Konsum fungiert als unsichtbarer Export.“[28]

In Deutschland erfolgt eine Ausweisung der Deviseneffekte in verschiedenen Teilbilanzen der Dienstleistungsbilanz, speziell in der Reiseverkehrsbilanz. Eine eigene Teilbilanz mit allen Transaktionen, die mit dem Reiseverkehr in Zusammenhang stehen, existiert also nicht.[29] In Mexiko erfolgt eine Erfassung in der „balanza turística“, was übersetzt Reiseverkehrsbilanz bedeutet. „Devisenüberschüsse im Tourismus lassen sich erwirtschaften, wenn die Gesamtheit der touristischen Leistungen, die im Inland an Ausländer erbracht werden (Tourismusexport), größer ist als die Gesamtheit der Fremdenverkehrsleistungen des Auslandes an Inländer (Tourismusimport).“[30]

Vielfach fehlen Entwicklungsländern exportfähige Güter bzw. sind ausländischen Märkten verschlossen, demgegenüber bestehen zum möglichen Ausbau des Fremdenverkehrs vorteilhafte Bedingungen sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite. Dies kann genutzt werden, um dem bedeutsamen wirtschaftspolitischen Ziel vieler Entwicklungsländer, der Verbesserung ihrer Zahlungsbilanzsituation, gerecht zu werden.[31]

Es ist praktikabel, zwischen Brutto- und Nettodeviseneinnahmen zu unterscheiden.[32] „Zur Höhe der Bruttodeviseneinnahmen der Empfängerländer (bzw. Devisenausgaben der Entsenderländer) ist zu sagen, dass sie nicht identisch sind mit den effektiven Ausgaben der Reisenden. Ein oft nicht geringer Teil der Aufwendungen für Auslandsreisen verbleibt im Inland. Besonders augenfällig ist dies bei Veranstalterreisen, da die Aufwendungen für den Transport (Flug, Bus) meist zu Umsätzen inländischer Unternehmen werden. Nur jene Anteile einer Pauschalreise, die auf ausländische Leistungen zurückgehen, führen auch zu Devisenausgaben.“[33]

Neben dem Bruttodeviseneffekt existiert also auch ein Nettodeviseneffekt. Dieser lässt sich berechnen, indem man vom Bruttodeviseneffekt die so genannte „Sickerrate“ abzieht. Definieren kann man diese „Sickerrate“ als den „Anteil an den touristischen Deviseneinnahmen, der zur Bezahlung importierter Vorleistungen wieder ins Ausland fließt.“[34] Als Beispiele dieser Vorleistungen kann man u.a. die Löhne für ausländische Arbeitnehmer und Experten, die Kosten der Ausbildung von Inländern im Ausland oder die Ausgaben für Werbung im Ausland anführen.[35] Zusammenfassend kann mal also sagen, „dass der Fremdenverkehr immer dann besonders positiven Einfluss auf die Zahlungsbilanzsituation entfaltet, wenn relativ wenig Waren, Dienstleistungen und Kapital zum Auf- und Ausbau des touristischen Angebots importiert werden müssen und die Sickerrate somit entsprechend niedrig ist.“[36]

3.2 Beschäftigungseffekte

„Ein zweites Beurteilungskriterium für die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Reiseverkehrs ist sein Anteil bzw. Beitrag zur Beschäftigungssituation der Volkswirtschaft.“[37] Stellt sich die Frage, inwieweit sich die fremdenverkehrsbedingte Nachfrage positiv auf die Beschäftigungssituation auswirkt. Nach WIRTH tut sie das im positiven Sinne, und zwar auf dreifache Weise: „Erstens finden im touristischen Sektor relativ viele Personen eine Beschäftigung, resultierend aus hoher Arbeitsintensität. Zweitens entstehen durch verstärkte Zulieferungen von anderen Sektoren (z.B. Landwirtschaft, Handel, Banken und Industrie) Rückkopplungseffekte. Drittens erhöht sich die effektive Nachfrage, verstärkt durch den Multiplikatoreffekt, wodurch die Investitionsbereitschaft gefördert und somit zusätzlich Arbeitsplätze in anderen Wirtschaftssektoren bereitgestellt werden.“[38] Eine mögliche Unterscheidung stellt eine Einteilung in direkte, indirekte und induzierte Beschäftigungs-effekte dar.[39] Andere Autoren unterscheiden zwischen primären und sekundären Beschäftigungseffekten, hierbei werden unter den sekundären Effekten die indirekten und induzierten zusammengefasst.[40]

[...]


[1] Vgl. Brenner (1996), S. 11; vgl. Clancy (2001), S. 32f.

[2] Vgl. Brenner (1996), S. 33f.

[3] Vgl. SECTUR (2004).

[4] Vgl. WTO (2004).

[5] Vgl. WTO (2004).

[6] Ellenberg et al. (1997), S. 42.

[7] Ellenberg et al. (1997), S. 42.

[8] Kaspar (1996), S. 16.

[9] Vgl. Bieger (2006), S. 36.

[10] Bieger (2006), S. 36f.

[11] Vgl. Kaspar (1996), S. 23.

[12] Vgl. Bieger (2006), S. 47f.

[13] Vgl. Enzensberger (1958), S. 705ff.

[14] Vgl. Bieger (2006), S. 48.

[15] Vgl. Brockhaus (1999), S. 216.

[16] Vgl. Vorlaufer (1996), S. 8.

[17] Vgl. Aderhold (2006), S. 2.

[18] Vgl. Aderhold (2006), S. 3, Tab. 1.

[19] Vgl. Aderhold (2006), S. 3f.

[20] Vgl. Voigt (1981), S. 19f.

[21] Stradner (1905): zitiert nach Voigt (1981), S. 20.

[22] Vgl. Bieger (2006), S. 44.

[23] Vgl. Bieger (2006), S. 45.

[24] Vgl. Bieger (2006), S. 45.

[25] Vgl. Voigt (1981), S. 23.

[26] Vgl. Eisenstein (1995), S. 11-21.

[27] Freyer (1990), S. 351.

[28] Steinecke (1977), S. 14.

[29] Vgl. Eisenstein (1995), S. 23.

[30] Voss (1984), S. 97.

[31] Vgl. Eisenstein (1995), S. 27.

[32] Vgl. Deutscher Reisebüro-Verband (DRV) (Hg.) (1990), S. 17.

[33] Deutscher Reisebüro-Verband (DRV) (Hg.) (1989), S. 22.

[34] Vorlaufer (1984), S. 85.

[35] Vgl. Vorlaufer (1984), S. 85ff.

[36] Eisenstein (1995), S. 29.

[37] Freyer (1990), S. 340.

[38] Wirth (1976), S. 107.

[39] Vgl. In-Albon (1983), S. 230.

[40] Vgl. u.a. Freyer (1990), S. 340ff.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Tourismus als Chance für Mexiko? Betrachtung wirtschaftlicher Aspekte
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Hauptseminar: Mexiko und Brasilien im transatlantischen Dreieck: Politische und wirtschaftliche Neuorientierung?
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
36
Katalognummer
V78141
ISBN (eBook)
9783638827928
ISBN (Buch)
9783638845182
Dateigröße
1485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mexiko, Tourismus, Chance, Brasilien, Neuorientierung, Ökotourismus, Nachhaltigkeit, Tourismusforschung, Fremdenverkehr, Fremdenverkehrspolitik, sustainability
Arbeit zitieren
Wolfgang Höfler (Autor), 2006, Tourismus als Chance für Mexiko? Betrachtung wirtschaftlicher Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78141

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