Die Bedeutung von Geschwisterbeziehungen in ausgewählten Märchen der Brüder Grimm


Examensarbeit, 2007

113 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
0.1 Die literaturwissenschaftliche Perspektive auf Märchen
0.1.1 Struktur-, Stil- und Formanalyse nach Max Lüthi
0.1.2 Die Grimmphilologie und Heinz Rölleke
0.2 Die volkskundliche Perspektive auf Märchen
0.2.1 Der geographisch-historische Ansatz nach Aarne-Thompson-Uther
0.2.2 Deutung und Analyse des Volksmärchen nach Lutz Röhrich
0.3 Die psychologische Perspektive auf Märchen
0.3.1 Der freudsche Ansatz
0.3.2 Der jungsche Ansatz
0.4 Möglichkeiten und Grenzen einer methoden-pluralistischen Deutung

1 Geschwisterforschung

2 Geschwisterbeziehungen in ausgewählten Märchen der Brüder Grimm
2.1 Die Geschwistermärchen in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
2.2 Begründung zur Auswahl der zu behandelnden Märchen
2.3 Die Handlungsstruktur und stilistische Komposition der Märchen
2.3.1 Aschenputtel
2.3.2 Die zwölf Brüder
2.3.3 Hänsel und Gretel
2.3.4 Die zwei Brüder
2.4 Ihre Verankerung in der sozial-historischen Wirklichkeit
2.4.1 Familiensysteme
2.4.2 Geschlechterrollen
2.5 Ihre Spiegelung in kollektiven Vorstellungen
2.5.1 Psychische Vorgänge
2.5.2 Initiationsmuster

3 Schlussbemerkung

4 Literaturverzeichnis
4.1 Nachschlagewerke und Siglen
4.2 Prämärliteratur
4.3 Sekundärliteratur

5 Anhang
5.1 KHM 21
5.2 KHM 9
5.3 KHM 15
5.4 KHM 60

Einleitung

Geschwister

Was anders heißt Geschwister sein

Als Abels Furcht und Zorn des Kain,

als Streit um Liebe, Ding und Raum,

als Knöchlein am Machandelbaum,

und dennoch, Bruder, heißt es auch,

die kleine Bank im Haselstrauch,

den Klageton vom Schaukelbrett,

das Flüstern nachts von Bett zu Bett,

den Trost-

Geschwister werden später fremd,

vom eigenen Schicksal eingedämmt,

doch niemals stirbt die wilde Kraft,

der alten Nebenbuhlerschaft,

und keine andere vermag

so bitteres Wort, so harten Schlag.

Und doch, so oft man sich erkennt

Und bei den alten Namen nennt,

auf wächst der Heckenrosenkreis.

Du warst von je dabei. Du weißt.

(Marie-Luise Kaschnitz)[1]

Die Tatsache, dass so viele Geschwistermärchen in die Kinder- und Hausmärchen[2] der Brüder Grimm Einzug gehalten haben, spricht für die Bedeutung, die die Geschwisterbeziehung im Leben der Menschen gespielt hat und noch spielt, nicht zuletzt bei den Brüdern Grimm selbst.

Jacob und Wilhelm Grimm arbeiteten, wie sich aus ihren zahlreichen gemeinsamen Veröffentlichungen ablesen lässt, zeit ihres Lebens eng zusammen. Im Abstand von weniger als einem Jahr geboren, hatten sie meist übereinstimmende Interessen, verbrachten nach dem Tod ihres Vaters getrennt von Mutter und Geschwistern ihre Schulzeit bei ihrer Tante und begannen das gleiche Studium. Jede Station ihres Lebens durchliefen sie gemeinsam, selbst nach Jacobs Heirat teilten sie das gleiche Haus. Jacob äußerte sich einige Male darüber, „dass der Tod Wilhelms das Schlimmste sei, was ihm widerfahren könne, und im Grunde unausdenkbar.“[3]

Aus ihren Briefen lässt sich die innige Zuneigung der Brüder zueinander ablesen:

„Sonst, lieber Jacob, was du schreibst von Zusammenbleiben, ist alles recht schön und hat mich gerührt. Das ist immer mein Wunsch gewesen, denn ich fühle, dass mich niemand so lieb hat als du, und ich liebe dich gewiss eben so herzlich.“ (Wilhelm Grimm am 10.August 1805 aus Kassel an Jacob Grimm)[4]

So wie die Geschwisterforschung ein relativ neues Feld der Wissenschaft ist, wurde das Thema ‚Geschwister’ innerhalb der Märchenforschung bisher eher beiläufig behandelt. Dies verwundert angesichts der Tatsache, dass das Figureninventar der Lieblingsmärchen der Deutschen vielfach Geschwister umfasst: Bruder und Schwester in Hänsel und Gretel oder die Stiefschwestern in Aschenputtel. Was zeichnet die Geschwisterbeziehung aus, dass sie uns in so vielen Märchen begegnet?

Die vorliegende Arbeit geht es um Art und Darstellung der Geschwisterbeziehungen in ausgewählten Beispielen der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm und setzt sich deutend mit ihnen auseinander.

Dass bei der Interpretation des Märchens nicht vorgegangen werden kann, wie bei zeitgenössischer Literatur, liegt in Anbetracht seines Alters und seiner Vielschichtigkeit auf der Hand. Die Tatsache, dass das Märchen ursprünglich durch den Akt des Erzählens weitergegeben wurde, erschwert die Interpretation der uns nur noch in gedruckter Form vorliegenden Texte. Wo weder Autor noch Entstehungszeit und –ort bekannt sind, wird die Objektivität der Interpretation erschwert.

Meine Arbeit ist in drei Teile gegliedert: Zunächst werden die bekanntesten Methoden der Märchenforschung vorgestellt und auf ihre Anwendbarkeit hin untersucht. Anschließend werde ich die wichtigsten Erkenntnisse der Geschwisterforschung bis heute darlegen. Der dritte Teil ist der Hauptteil, hier werden die Ergebnisse aus dem Methodenteil unter verschiedenen Fragestellungen konkret auf eine exemplarische Auswahl von vier Märchen, Aschenputtel, Die zwölf Brüder, Hänsel und Gretel sowie Die zwei Brüder, angewendet. Dabei werde ich verschiedene Fassungen der KHM vergleichend einbeziehen, wobei ich mich hauptsächlich auf die Drucke erster und letzter Hand stütze.[5]
Methoden der Analyse und Interpretation

Jeder Einzelne, der sich von seinem Fach aus sorgfältig mit dem Märchen befasst, dient damit auch dem andern Fach. Der Literaturforscher leistet, sofern er das Volksmärchen zutreffend interpretiert, damit gleichzeitig auch volkskundliche Arbeit, und der Volkskundler literaturhistorische. Ebenso erweist der Psychologe beiden Wissenschaften Dienste und darf sich selber auf volkskundliche und literaturwissenschaftliche Untersuchungen stützen. Weder die einzelnen Forscher noch die verschiedenen Disziplinen haben Grund, einander mit Mißtrauen zu betrachten, ihr Bestes geben sie in der Zusammenarbeit.[6]

Die Herangehensweisen an Märchentexte sind vielfältig und fließen häufig ineinander über, so dass sich die Grenzen der einzelnen Wissenschaften oft nicht mehr erkennen lassen.

Als Grundlage für die Bedeutungsanalyse ausgewählter Märchentexte soll es im Folgenden darum gehen, die drei Hauptstränge der Märchenforschung, die Literaturwissenschaft, die Volkskunde und die Psychologie, in ihren Ansätzen der Analyse und/oder Interpretation von Märchen vorzustellen.

0.1 Die literaturwissenschaftliche Perspektive auf Märchen

Die verschiedenen Richtungen der Märchenforschung entwickelten sich immer abhängig voneinander. Während die geographisch-historische Methode eine Gegenreaktion auf die stark spekulative, romantische und mythologische Märchenbetrachtung des 19. Jahrhunderts war, entwickelte sich die philologisch-literaturwissenschaftliche Forschungsrichtung als Reaktion auf die Schwächen gerade jenes Ansatzes.

Das Märchen interessiert die Literaturwissenschaftler vor allen Dingen im Hinblick auf seine gattungsspezifischen Grundmerkmale. Sie arbeiten streng textorientiert und stellen die einzelnen Erzählungen in den Mittelpunkt ihrer Forschung. Die Philologie beschäftigt sich mit der künstlerischen Wirkung der Märchen, mit ihrer Gestalt, aber auch mit ihrem Kontext.[7] Bereits an dieser Stelle sei erwähnt, dass sich die weiteren Ausführungen auf das Volksmärchen, genauer gesagt das „Zaubermärchen“, beziehen sollen. Im Folgenden werde ich die Elemente der Stilanalyse Lüthis und der strukturalistischen Märchenanalyse Propps beschreiben, um anschließend auf die literaturhistorische Quellen-forschung Röllekes einzugehen.

0.1.1 Struktur-, Stil- und Formanalyse nach Max Lüthi

Nach Max Lüthi (1909-1991) muss sich „vom Gesichte des Märchens […] seine Funktion ablesen lassen. […] Die Gestalt des Märchens muß seiner Funktion angemessen sein. Also ist die Funktion aus der Gestalt wenigstens annäherungs-weise zu erschließen.“[8]

Ihn interessiert das Märchen vor allem in seiner schriftlich fixierten Erzählform und in seinem Wesen und seiner Funktion. Er betrachtet es als „Urform der Dichtung“ und untersucht es sowohl auf seinen Stil als auch auf seine Aussage hin.[9]

Das Märchen ist eine welthaltige Abenteuererzählung von raffender, sublimierender Stilgestalt. Mit irrealer Leichtigkeit isoliert und verbindet es seine Figuren. Schärfe der Linien, Klarheit der Formen und Farben vereinigt es mit entschiedenem Verzicht auf dogmatische Klärung der wirkenden Zusammen-hänge. Klarheit und Geheimnis erfüllen es in einem.[10]

Lüthi analysiert das Märchen „unmittelbar von seiner Form und Gestalt her“[11], wobei der Held als Handlungsträger des Geschehens im Zentrum steht. Die inneren Strukturmerkmale nach Lüthi sollen im Weiteren kurz umrissen werden, da sie auch auf anderen Gebieten der Märchenforschung immer wieder zitiert werden:

1) Eindimensionalität

Es gibt keine Schranken zwischen Diesseits und Jenseits, Übergänge zwischen diesen beiden Welten verlaufen problem- und lückenlos. Die Jenseitswelt spiegelt die reale Welt. Deshalb fehlt im Märchen die Dimension des Wunderbaren, zwar ist die Märchenwelt selbst wunderbar, aber in ihr kommt den Figuren nichts außergewöhnlich oder seltsam vor.

2) Flächenhaftigkeit

Die benannten Dinge und Figuren des Märchens sind flächenhaft, ihnen fehlen körperliche und seelische Tiefe. Gefühle im Märchen dienen nicht der Schaffung einer bestimmten Atmosphäre und werden nur dann erwähnt, wenn sie Einfluss auf die Handlung haben. Die Handlung des Helden entspringt nicht seinem eigenen Entschluss, er wird durch äußere Anlässe zum Handeln gezwungen, er handelt aus einem Mangel oder einer Zwangslage heraus. Tatsächlich ist der Charakter der Märchenfiguren durch die Ereignisse des jeweiligen Märchens festgelegt. Es sind erst diese Geschehnisse, die ihm seinen eigentlichen Gehalt verleihen.[12] Gleichsam haben die Märchenfiguren keine Umwelt, es besteht weder eine feste Beziehung zur Heimat noch zu Verwandten.

3) Abstrakter Stil

Das Märchen hält sich nicht an genauen Schilderungen auf, seine Handlung ist linear, scharf umrissen und formelhaft.

4) Isolation/Allverbundenheit

Die Märchenfiguren sind im Allgemeinen ungebunden und allein, was ihnen die Möglichkeit gibt, uneingeschränkt Beziehungen zu knüpfen und zu lösen, die Grundvoraussetzung für das Bestehen von Abenteuern. Diese Isolierung schlägt sich auch darin nieder, dass die Märchenhelden aus vorangegangenen Erlebnissen nicht lernen. „Das Märchen isoliert die Menschen, die Dinge, die Episoden und jede Figur ist sich selber so fremd, wie es die einzelnen Figuren einander sind.“[13]

5) Sublimation und Welthaltigkeit

Zwar operiert das Märchen mit magisch-mythischen Elementen, trotzdem verflüchtigt sich das Überwirkliche und das Geschehen wirkt auf gewisse Weise real. Welthaltigkeit wird durch die Einbindung von alltäglichen Motiven wie Werbung, Verlobung, Hochzeit und Tod erzeugt, die Figuren begegnen uns in der Rolle von Geschwistern, Freunden, Eltern, Konflikte führen in ihrer Bewältigung zum Gewinn von Kenntnissen und Fähigkeiten.[14]

Die Bedeutung der äußeren Strukturmerkmale oder der „Grundstruktur“, wie sie der Russe Vladimir Propp in seinem Werk „Morphologie des Märchens“ herausgearbeitet hat, berücksichtigt Lüthi bei seiner Analyse.

Nach Propp, der sich mit dem russischen Zaubermärchen beschäftigte, von der Übertragbarkeit auf alle anderen Zaubermärchen aber überzeugt war, ist die Grundformel der Märchenstruktur eine Schädigung oder ein Mangel, der sich über „vermittelnde Funktionen zur Hochzeit oder anderen abschließenden Funktionen“[15] entwickelt. Von den erwähnten „Funktionen“ gibt es nach Propp höchstens 31, sie treten in Form von binären Koppelungen aus, wie zum Beispiel der Mangel und dessen Beseitigung, dem Verbot und dessen Übertretung, der Kampf und der Sieg usw. Diese Funktionen treten innerhalb der Handlungs-sequenz immer in einer bestimmten Reihenfolge auf und können 7 Grundtypen von Handlungsträgern bzw. Aktanten (der Gegenspieler, der Geber, der Helfer, die gesuchte Person, der Sender, der Held und der falsche Held) zugeteilt werden.

Es ist möglich, die einzelnen Bausteine des Märchens auszuwechseln, ohne dass sich am Erzählablauf etwas ändert. Propps Hauptverdienst war damit die Feststellung, dass in ähnlichen Erzählungen die gleichen Funktionen in der gleichen Reihenfolge auftauchen, unabhängig von der Rolle der Handlungsträger in der Erzählung.

Lüthi würdigte Propps Ausführungen, bemerkte jedoch, dass sie um die den Märchenstil bestimmenden Züge wie das märchenhaft gute Ende erweitert werden müssten.[16]

Demzufolge ergibt sich für die Handlung des Zaubermärchens folgender Aufbau:[17]

A. Ausgang:

Konfliktsituation, die zum Aufbruch des Helden führt

B. Handlungskern:

1. Lösung unlösbarer Aufgaben durch wunderbare Helfer
2. Erfüllung unerfüllbarer Aufträge durch Zaubermittel
3. Überwindung unüberwindbarer durch Zauberkräfte

Hindernisse

C. Ende:

Erlangen des Glücks in Form von Schönheit, Macht und Reichtum

Für die literaturwissenschaftliche Analyse ebenso bedeutsam sind die Ergebnisse aus der Arbeit Axel Olriks (1864-1917), der wie Antti Aarne der finnischen Schule zuzurechnen ist. In seiner Abhandlung zu den epischen Gesetzen in der Volksdichtung, die sich größtenteils mit Lüthis Strukturmerkmalen decken, befasst er sich mit den gemeinsamen Regeln oder Gesetzen der Komposition in der Volksdichtung.[18] Diese Gesetzmäßigkeiten erklären sich aus der mündlichen Tradition, auf die das Märchen, Volkslied und Sage so lange angewiesen waren. So finden wir die formelhafte Wiederholung auch im Volkslied, die Dreizahl und das Top- und Achtergewicht[19] in der Sage. Weitere Regelmäßigkeiten drücken sich durch die Einheit der Handlung, die Einsträngigkeit, die Konzentration um eine Hauptfigur, die szenische Zweiheit[20], Gegensätze und das Zwillingsgesetz[21] aus. Schon Olrik sah in der Veräußerung von Eigenschaften einen zentralen Aspekt des Volkmärchens: „Jede eigenschaft der personen muss sich in handlung aussprechen, sonst ist sie nichts.“[22]

0.1.2 Die Grimmphilologie und Heinz Rölleke

Mit dem technischen und sozialen Wandel zu Anfang des 19. Jahrhunderts und angetrieben durch die romantische Bewegung wurde das Sammeln von Volksdichtung immer populärer, da weite Teile der Bevölkerung fähig waren zu lesen und man das „Absterben“ der mündlichen Erzähltradition fürchtete.

Zwar waren die Brüder Grimm nicht die ersten, die schriftliche und mündliche Quellen aus dem Volk aufzeichneten und bearbeiteten, jedoch waren sie es, die sich mit ihrer Sammeltätigkeit von Märchen, aber auch Sagen, Legenden, Liedern und anderer „Poesie des Volkes“, erstmals systematischen und wissenschaftlichen Prinzipien verpflichteten und damit Einfluss auf die gesamte Folgeentwicklung der Gattung des Volksmärchens nahmen.

Unter der „Gattung Grimm“ verstehen wir die Form des Märchens, wie sie uns durch die Buchmärchen der Brüder Grimm bekannt geworden ist: eine zeit- und raumlose Erzählung („Es war einmal…“), ein Held im Zentrum des Geschehens, ein Happy End („und wenn sie nicht gestorben sind…“) usw.[23] Sie gilt als Mischform „zwischen dem ‚wirklichen’ Volksmärchen mündlicher Provenienz und dem Kunstmärchen dichterischer Prägung“[24].

Hierzu soll in wenigen Worten an die Sammeltätigkeit der Brüder erinnert werden: Als Marburger Studenten wurden sie –beide noch Anfang zwanzig – von ihrem Rechtsdozenten Friedrich Carl von Savigny dessen Schwager Clemens Brentano, einem der angesehensten Dichter der frühen Romantik, vorgestellt und erhielten von eben diesem das Angebot zur Mitarbeit an seiner Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn. Auch wenn ihr Verhältnis im Laufe der Jahre zerbrach, Brentano war es, der sie in unzähligen Gesprächen und Briefen in die Methoden des Märchensammelns einführte und maßgeblichen Einfluss auf den Stil der grimmschen Märchen ausgeübt hat.

Das Muster, das für die grimmschen Märchen typisch werden sollte, stammte indes von den Märchen des Malers Philipp Otto Runge, das Märchen vom Machandelboom und von dem Fischer und syner Frau – welche wiederum von Brentano empfohlen wurden – fanden nach fünfjähriger Sammelarbeit Eingang in die erste Veröffentlichung der Kinder – und Hausmärchen (KHM) im Jahre 1812. Entsprechend diesen beiden Märchen legten sie ihre Sammeltätigkeit aus, suchten nach ähnlich vollständigen, anschaulich erzählten Geschichten, die auf einen Helden zentralisiert waren und zu einem glücklichen Ausgang führten.[25]

Das heißt gleichzeitig aber auch, dass alles, was diesen brentanoschen und rungeschen Ansprüchen nicht genügte, entweder als zu kompliziert oder verworren betrachtet und verworfen wurde oder gemäß dem gefundenen Muster im Geiste des deutschen Biedermeier stilistisch überarbeitet wurde. Widersprüch-liche, sexuelle und sozialkritische Motive wurden „geglättet“, hatte das Märchen vormals ein erwachsenes Publikum, traten nun Kinder an die Stelle der Hauptadressaten.[26] Die Grimms beriefen sich überwiegend auf literarische Vorlagen des 16. und 17. Jahrhunderts., die mündlichen Beiträge zur Sammlung entstammen größtenteils aus den gehobenen Kreisen des Kasseler Stadt-bürgertums, viele der Gewährspersonen waren dabei unverheiratete Damen in ihren Zwanzigern. Es ist also zu bezweifeln, dass aus den grimmschen Märchen tatsächlich „der Volksmund“ zu uns spricht.[27]

Zudem hat Wilhelm Grimm durch das Einsetzen von Redensarten und Sprichwörtern versucht, den KHM den Anschein zu verleihen, dass sie aus der wörtlichen Weitergabe durch die Landbevölkerung stamme. Röhrich bezeichnet dies als „fingierte oder simulierte Mündlichkeit“[28]. Stimmte eine Erzählung nicht zureichend mit dem von ihnen geschaffenen Märchenstil überein, bedienten sich die Brüder Grimm darüber hinaus auch gerne anderer ihnen bekannten Varianten oder Versionen und schufen daraus ein Märchen, wie es ihnen für ihre KHM angemessener schien.[29]

Bei der weiteren Deutung ist es daher wichtig, sich nicht nur die Endfassung der KHM anzusehen –innerhalb der sieben Auflagen der Großen Ausgabe und der zehn Auflagen der Kleinen Ausgabe[30] gibt es zahlreiche Unterschiede in Textbestand und Veränderungen von Einzelheiten – sondern auch deren Urfassung bzw. Quellen zu berücksichtigen. Der Quellenvergleich veranschau-licht, wie das Märchen in seinem Wesen gleich geblieben ist, seine Gestalt aber immer neuem Wandel unterworfen war.[31]

Besonders intensiv setzt sich Heinz Rölleke (*1936) mit der Literaturgeschichte der Grimmschen Märchen auseinander, er publizierte die Handschriften der Brüder Grimm und kritische Editionen der KHM. Neben Entstehungsgeschichte, Quellen und Textgenese, hat er sich besonders intensiv mit den Beiträgern und dem biographischen Kontext der KHM beschäftigt:

Grimms Märchen repräsentieren nicht – wie sonst literarische Kunstwerke- die Intention eines Autors, sondern die höchst divergierenden Intentionen zweier nachschaffender Sammler und Bearbeiter und etwa 40 verschiedener Beiträger, 30 unterschiedlicher gedruckter oder handschriftlicher Quellen aus sechs Jahrhunderten und fast allen deutschen Sprachgebieten.[32]

Erwähnenswert sind seine Ausführungen zu den Angleichungen der Märchen an die Vorstellungen der biedermeierlichen Gesellschaft durch Wilhelm Grimm[33] oder aber Röllekes Forschungen zu den Beiträgern der grimmschen Märchen.

Besonders interessant für die Märchendeutung sind seine Erkenntnisse über die häufig erwähnten „Märchenfrauen“ wie die im Eingangswort der KHM 1819 genannten „Bäuerin“ Dorothea Viehmann, die aus dem bürgerlichen Milieu stammte, oder auch die der „alten Marie“, die erst als Dienstmagd identifiziert wurde und sich im Nachhinein als junge Frau aus gutem Hause herausstellte. Das Klischee der alten Märchenerzählerin aus kleinen Verhältnissen wurde durch solche fehlerhaften Darstellungen nachhaltig geprägt.[34] Der Hintergrund des Erzählers ist insofern wichtig, als er für die Auswahl der Märchen in den KHM mitverantwortlich ist und jeder Erzählung seine bestimmte Färbung verleiht.

Röllekes Forschungsergebnisse sind deswegen sehr nützlich, weil sie uns nicht nur einiges über die Textgenese verraten, sondern auch innerhalb einer sozialgeschichtlichen und kulturellen, aber auch psychologischen Betrachtung aufschlussreich sein können. Die literatur-historische Epoche der Romantik und des Biedermeier schlägt sich in den KHM genauso nieder wie die Brüder Grimm als individuelle Persönlichkeiten und die Einstellungen der Beiträger/innen, einschließlich ihrer persönlichen Note, beim Erzählen.[35]

Die KHM sind heute das am weitesten verbreitete und meist übersetzte Buch deutscher Sprache und die grimmschen Märchenfiguren sind diejenigen Gestalten der deutschen Literatur, die in der Allgemeinbildung aller präsent sein dürften.[36]

0.2 Die volkskundliche Perspektive auf Märchen

Literaturwissenschaft und Volkskunde gehen im Umgang mit Märchen oft Hand in Hand. Auf der einen Seite haben Lüthi und Rölleke bei ihren Forschungen immer auch die Entstehungsgeschichte mit einbezogen, auf der anderen Seite sind literaturwissenschaftliche Erkenntnisse wie die epischen Gesetze Olriks für die Arbeit der Volkskundler relevant.[37]

Die volkskundliche Untersuchung der Märchen läuft in verschiedene Richtungen. Von der Beschäftigung mit der Entwicklung der Form und der Dichtung gelangt sie zu der Erkenntnis von deren Entstehungsumgebung.[38] So hat die so genannte „Finnische Schule“ zahlreiche Methoden entwickelt, mit deren Hilfe sich Wanderungen und Parallelen von Themen und Motiven in der mündlichen Volksdichtung verfolgen lassen.

Die in den dreißiger Jahren aufblühende, neuere Richtung der volkskundlichen Forschung interessiert sich für das „im Volk verwurzelte Brauchtum“[39] im Märchen und versucht mit Hilfe historischer, gesellschaftlicher und geo-graphischer Rückbezüge den Wirklichkeitsgehalt des Märchens herauszustellen.

Die beiden Hauptstränge der Volkskunde, zum einen die geographisch-historische Methode der Erzählforschung, zum anderen der anthropologische, kultur- und sozialhistorische Ansatz, sollen auf den nächsten Seiten vorgestellt werden, zunächst am Beispiel der finnischen Schule, anschließend an den Arbeiten des Anthropologen Lutz Röhrich.

0.2.1 Der geographisch-historische Ansatz nach Aarne-Thompson-Uther

Nach der Finnischen Schule, deren Gründung sich über den Folkloristen Kaarle Krohn (1863-1933) und dessen geographisch-historische Methode vollzog, entspringen alle Märchen verschiedenen Zeiten und Orten, aus literarischer oder erzählerischer Tradition. Der Großteil der bekannten Märchen sind demnach Varianten von einem ermittelbaren Original. Entstanden ist dieser Forschungs-zweig als rationaler Gegenentwurf zu der stark von Romantik, Mythologie und Irrationalismus geprägten Märchenforschung im 19. Jh. Man wollte den Beweis antreten, dass Märchen weder auf eine bestimmte Zeit noch auf einen bestimmten Kulturraum zurückgehen.[40] Anliegen der finnschen Schule war es, Märchen vergleichend auf ihre geographische Verbreitung und ihre historische Tiefe hin zu untersuchen.

Die Methode, die der Finne Antti Armatus Aarne (1867-1925) auf sein Typenverzeichnis von 1910 übertrug, sucht in den verschiedenstämmigen Märchen nach gleichen Motiven. Ein solches Motiv kann eine Handlung, ein Gegenstand, ein Handlungscharakter oder ein direktes Zitat sein und es ist ein wichtiges Grundmerkmal von wenigstens einem Märchen. Nach Aarne werden die Motive in verschiedenen Märchen miteinander verglichen. Schließlich werden die Märchen, welche viele der gleichen Motive miteinander teilen, als verwandt klassifiziert und erhalten eine Nummer, eine Überschrift und eine kurze Inhaltsbeschreibung im Typenverzeichnis.[41] Das Typenverzeichnis von Aarne systematisierte die Märchen in drei große Hauptgruppen (Tiermärchen, Eigentliche Märchen, Schwänke) und unterteilte die eigentlichen Märchen (welche u.a. die hier zu behandelnden Märchen umfassen) in vier Untergruppen (Zaubermärchen, Legendenartige Märchen, Novellenartige Märchen, Märchen vom dummen Teufel).[42] Man versuchte mit dieser Methode, die Wanderwege des einzelnen Märchens und seine Vermischung mit anderen Märchen nachzuverfolgen.

In den Jahren 1928 und 1961 wurde das Typenverzeichnis, das sich bis dahin größtenteils auf den nordeuropäischen Raum bezog, von dem Amerikaner Stith Thompson (1885-1976) um weitere Varianten aus Europa und Indien erweitert.

Die geographisch-historische Methode blieb nicht unkritisiert: Die tatsächlichen Ursprungszeiten und –orte der Märchen schienen sich nur in besonders günstigen Fällen finden zu lassen und das Streben nach einem vollständigen Inventar von Varianten wurde oft als „sinnlose Materialanhäufung“[43] bezeichnet. Außerdem wurde bemängelt, dass die Archivierung der Forschung ihr „Leben“ raube, da überwiegend monogenetisch gearbeitet wurde. So werde weder über die Bedeutung historisch-gesellschaftlicher Vorgänge noch über den Prozess der Überlieferung selbst etwas ausgesagt. Die von der geographisch-historischen Schule entwickelte „Urform“ des Märchens, die aufgrund geographischer Häufigkeit ermittelt wurde, sei überdies abstrakt, ein „rein hypothetisches Konstrukt“[44], durch einen realen Text nicht belegbar. Des Weiteren werde die mündliche Tradierung zu ungunsten der literarischen Überlieferung überbewertet, die mündliche Variante gelte demnach als „echt“, während jede literarische Bearbeitung als „sekundär“ eingestuft wurde.[45]

Seine letzte Überarbeitung erhielt das Verzeichnis im Jahr 2004 durch den Deutschen Hans-Jörg Uther (*1944). Darin modifiziert er das System von Aarne-Thompson in der Bemühung, die diesem vorgeworfenen Kritikpunkte auszuräumen. Auf der einen Seite sind zahlreiche neue Typen und Motive hinzugekommen, auf der anderen Seite wurden viele Typen mit kurzen oder ungenauen Beschreibungen aus dem Verzeichnis herausgenommen. Voraussetzung für die Aufnahme eines Typs war außerdem, dass er in wenigstens drei verschiedenen ethnischen Gruppen aufgetaucht sein musste oder sich auf eine lange Zeit hin zurückverfolgen ließ.[46]

Mittlerweile ist der Begriff der absoluten Urform relativiert worden, man spricht nun von der „Normalform“, die die Abstraktion für alle Varianten eines Erzähltyps repräsentiert.[47] Das neue Konzept nach Uther versteht den Erzähltyp als wandelbar und adaptionsfähig.

Die Intention der geographisch-historischen Methode ist nicht die Interpretation von Märchen, jedoch diente sie vielen Deutungen damals wie heute als Grundlage. Sie macht es dem Deutenden möglich, wesentliche Elemente von bloßem epischem Beiwerk zu abstrahieren und die kulturellen Eigenheiten der verschiedenen Varianten herauszufiltern.[48]

0.2.2 Deutung und Analyse des Volksmärchen nach Lutz Röhrich

Lutz Röhrich (1922-2006) setzt der Analyse des Märchens die Kenntnis dessen kultur-historischen Entwicklungsformen voraus, da es sich hierbei um Gedankengut des Volkes handelt und eine Interpretation nur aus den Denkformen seiner Entstehungszeit heraus möglich ist.[49]

Im Gegensatz zur finnischen Schule beruft er sich auf Realien[50], denn ihm zufolge ist das Märchen eine Mischung äußerer und innerer Realität, weswegen man durchaus Rückschlüsse auf die zu ihrer Entstehungszeit herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse ziehen kann. Aus der Volkskunde heraus entspringt so auch die Frage nach den Geschlechter- und Rollenverhältnissen im Märchen.[51]

Seinen eigenen Ansatz bezeichnet Röhrich als „kombinierte anthropologische, komparatistische und kulturhistorische“[52] Methode.

Zwar kritisiert er die psychologische Vorgehensweise, ein bestehendes System induktiv an das Märchen heranzutragen statt vom Text selbst auszugehen, jedoch ist er davon überzeugt, dass jedes Märchen eine tiefere Bedeutung hat. Schließlich gibt es seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden, überall auf der Welt Märchen und es finden sich an so vielen verschiedenen Orten gleiche oder ähnliche Motive. Tradition funktioniert nur, wenn sie Sinn stiftet.[53]

Bei der Interpretation von Märchen bezieht Röhrich sich auf historische Gegebenheiten, ethnische Besonderheiten, die Sozialstruktur aber auch mythische Glaubensmuster, er deutet das „Märchen aus der Sicht der jeweiligen Kultur, in der es erzählt wurde“[54]. Seine deduktive Vorgehensweise stellt dabei das Märchen selbst ins Zentrum, wobei der Vergleich verschiedener Fassungen und auch den Blick auf die Varianten als grundlegend gilt.[55]

Daraus ergibt sich schließlich auch die volkskundliche Vorgehensweise, Märchen in ihrem sozialpsychologischen Kontext zu betrachten, denn das Märchen transportiert nicht nur die Botschaft des Erzählers, diese Botschaft muss auch mit den vorherrschenden gesellschaftlichen Normen und Werten übereinstimmen.[56]

Im Märchen treffen Wirklichkeit und Nicht-Wirklichkeit aufeinander. Nach Röhrichs Methode gilt es, die Motive, einem Bereich zuzuordnen und sich zu fragen:

Dient die wirkliche Welt dem Märchen zur Hebung seiner Glaubwürdigkeit, oder will sie im Gegenteil gerade die Unwirklichkeit des Erzählten noch unterstreichen?[57]

0.3 Die psychologische Perspektive auf Märchen

Die Beschäftigung der Psychologie mit dem Märchen entwickelte sich aus der mythologischen Märchenforschung des 19. Jh.s und wird heute besonders in der Tiefenpsychologie geübt. Diese Forschungsrichtung ist es, die dem Märchen in den letzten Jahrzehnten zu erneuter Popularität verholfen und den Markt mit zahlreichen Interpretationen, die Märchen mit der Biographie und Gefühlswelt von Menschen der Gegenwart in Verbindung setzten, überschwemmt hat.[58] Dabei fragt die Psychologie zum einen nach den psychologischen Determinanten für die Entstehung von Märchen, zum anderen nach den psychologischen Effekten, die das Märchen in Erziehung und Therapie auslösen kann, ferner nach der Wechselbeziehung zwischen Erzählung und Erzählsituation, Erzähler und Rezipient.

In der Psychotherapie bietet sich der Einsatz von Märchen aus mehreren Gründen an: Das Märchen als Volksgut birgt Erfahrungen von Generationen in sich und leistet mit den für seine Gattung typischen Konfliktlösungsmustern Lebenshilfe. Märchen sind dramatisch und gleichzeitig kurz, deshalb sind sie im therapeutischen Umgang einfacher zu handhaben. Das Märchen hat im Leben eines jeden Menschen seinen Platz, es gehört zur populärsten Erscheinungsform der Literatur.[59]

0.3.1 Der freudsche Ansatz

Siegmund Freud (1856-1939) und die frühen Psychoanalytiker betrachteten das Märchen – wie zuvor den Traum - als infantil-neurotisch, d.h. sie sahen in ihm die „imaginäre Wunscherfüllung verdrängter Kindheitswünsche“[60]. Der Symbolismus des Märchens diente Freud zufolge einem Verschleie-rungsmechanismus, individuelle unbewusste Probleme der Körperlichkeit, Familienbeziehungen, Geburt, Liebe und Tod werden in Bilder gekleidet.[61]

Diese verdrängten Triebwünsche, Ängste und Schuldgefühle wurden gemäß der Traumsymbolik als intrapsychische Konflikte und überwiegend sexualsymbo-lisch interpretiert.[62] Das Märchen stellte sich als „zur Ersatzbefriedigung erdichtete Konstruktionen der menschlichen Phantasie“[63] dar.

Insofern bestand im Märchen für Freud vorwiegend ein historisches Interesse, er sah in dessen Symbolik nur die Rückstände früherer stammes- und entstehungsgeschichtlicher Prozesse aus dem „Zeitalter des Märchens“ oder aber das Ergebnis hysterischer Neurosen. Der reife Mensch allerdings sollte das Märchen als unnütze Illusion erkannt haben.[64]

Die Nachfolger Freuds nutzen das Märchen in der Psychotherapie, in der Entwicklungspsychologie wird es im Zusammenhang mit der psychosexuellen Entwicklung des Kindes betrachtet.

0.3.2 Der jungsche Ansatz

Carl Gustav Jung (1875-1961), Begründer der analytischen Psychologie, und seine Schule sehen im Märchen, wie in den anderen Richtungen der Psychologie auch, Entwicklungsvorgänge und Reifungsprozesse dargestellt. Zunächst bezogen sie sich allerdings nicht auf die Kindheit und Pubertät, sondern auf die Lebens-mitte des Menschen, sie betrachteten Märchen als „Erwachsenenmärchen“, erst später zogen sie die Adoleszenz in ihre Betrachtungen mit ein. Das Märchen wird als Darstellung innerseelischer Vorgänge betrachtet, die sich in einer Symbol-sprache ausdrücken, ähnlich wie in religiösen Texten.[65]

Jung stimmte mit Freud darin überein, dass Träume und Märchen in derselben Bildersprache sprechen und sich ihre Motive oft ähneln: Das Märchen entspringt der Phantasie des Menschen. Allerdings konnte ihn Freuds Methode, Träume sowie Märchen auf sexuelle Wünsche neurotischer Menschen zu reduzieren und Symbole als Krankheitssymptome zu deuten, nicht überzeugen. Jung stellte vielmehr fest, dass Menschen in Lebenskrisen oft Träume mit verschleierten Märchenmotiven haben, was ihn dazu bewegte, sich eingehender mit den weltweit verbreiteten Märchenmotiven zu beschäftigen. Er stellte fest, dass es sowohl Träume gibt, deren Motive auf das persönliche Unbewusste des Träumers zurückgehen (die sogenannten kleinen Träume), als auch Träume (auch große Träume) mit Bildern aus einer „trans-persönlichen, allgemein menschlichen Schicht des Seelengrundes, wie offenbar auch die des Volksmärchens“[66].

Das bedeutet, dass bestimmte psychische Vorgänge typisch sind und sich immer wieder bei verschiedenen Menschen abspielen können, er spricht dabei vom „kollektiven Unbewußten“, das er auf die Vererbung der Hirnstruktur zurück-führt und in dem „alles, was Generationen vor uns erlebt und erlitten haben, weiterlebt.“[67] Die Inhalte dieser dem Ich dargebotenen „objektiven Psyche“[68], wie sie in Phantasien, Träumen und eben auch im Märchen auftauchen, können bestimmten Typen, den von Jung bezeichneten „Archetypen“, zugeordnet werden. Diese Archetypen sind „uralte Lebensmächte“, die entweder destruktive Einwirkungen auf das Bewusstsein oder eine kompensierende Wirkung haben können, wenn das Ich sich auf sie bezieht. Jungs zentrale Neuentdeckung war also die „als heilend erlebte Schöpfertätigkeit der Psyche, welche über den Einzelnen hinaus auch die gesamte Kultur betrifft.“[69] Das Märchen als Abbildung der menschlichen Psyche zeigt dabei Wege auf, ins Wanken geratene Lebensordnungen durch neue, bisher unbekannte Lebensimpulse wieder in feste Bahnen zu lenken.[70]

Die Schüler Jungs betrachten wie Lüthi den Märchenhelden nicht als individuelle Person. Sie sehen in ihn als Abstraktion, in die Jungsche Terminologie übersetzt: als Archetyp. Das Schicksal des Helden ist demnach keine ‚neurotische Komplikation’, sondern die Abbildung der dem Menschen zugrunde liegenden Probleme und Gefahren.[71] Da das Märchen kaum noch auf „spezifisch bewußte[s] Kulturmaterial“[72] zurückführbar sei, es weder kultur- noch rassenspezifisch ist, stellt es sich für die Jungsche Schule als klarster Spiegel der Grundstruktur der menschlichen Psyche dar.

Die Märchendeutung verläuft über die Analyse der gesamten Märchenhandlung, was insofern sinnig scheint, als bekannt ist, dass die Märchenfiguren im Allgemeinen flächig dargestellt werden, sich ihr Charakter durch ihre Handlungen konstituiert (vgl. Lüthi Flächenhaftigkeit), „die Ereignisse […] fungieren als physische Projektionen und Repräsentationen psychischer Prozesse.“[73]

Diese Archetypen offenbaren sich auch in den Märchenerzählungen und können bei einer Märchendeutung herausgefiltert werden, so wird beispielsweise mit „Anima“ oder „Animus“ der gegengeschlechtliche Archetyp, also die Einstellung von Mann und Frau zum jeweils anderen Geschlecht, bezeichnet. Methodischer Ansatz ist hierbei die Symboldeutung, denn die Jungsche Schule geht davon aus, dass Märchen allgemeinmenschliche Probleme und deren mögliche Lösungen symbolhaft darstellen.[74] Dabei sind die Motive mehrdeutig und verändern ihre Bedeutung je nach Zusammenhang. Die individuellen Assoziationen des Träumers werden hiernach durch die Methode der Amplifikation gedeutet, das bedeutet, dass die Motive durch religiöses, kunstgeschichtliches, symbol-kundliches und anderes „Parallelmaterial“[75] erweitert werden, bis ihr Sinn klar genug hervortritt.

In der jungschen Deutung des Märchens als Darstellung innerpsychischer Vorgänge ist der Held „Leitbild eines Individuationsprozesses“[76], die Handlung wird betrachtet als Suche zu sich selbst, durch Ablösung und Reifung. Die in der Erzählung auftauchenden Figuren fungieren als Charaktermerkmale des Helden („subjektstufige Deutungsform“[77] ).

Die für das Märchen typische Zwei-Welten-Ordnung von Diesseits und Jenseits wird von der jungschen Schule analog zur Zweiheit von Bewusstsein und Unterbewusstsein betrachtet. Diese zwei Welten werden in der Erzählung überbrückt und miteinander in Beziehung gesetzt. Diese Grenzüberschreitung verdeutlicht aus tiefenpsychologischer Perspektive die dem Märchen einge-schriebene Möglichkeit der Entwicklungshilfe.[78]

Die jungsche Märchendeutung verfährt also über die Interpretation auf der Subjektstufe, nur in der Therapie werden die auftauchenden Märchenfiguren objektstufig auch als tatsächliche Personen aus dem Umfeld des Patienten identifiziert, sofern dessen Träume kaum archetypische Motive enthalten.[79]

0.4 Möglichkeiten und Grenzen einer methoden-pluralistischen Deutung

Über die universelle Verbreitung des Märchens, sein hohes Alter und seine Fülle an „allgemein menschlichen Grundtatsachen“[80] sind sich die oben dargestellten Forschungsrichtungen einig. Schon die Brüder Grimm setzten sich mit der Deutung von Märchen auseinander. Entsprechend den Ideen der Romantik glaubten sie, ihre Bedeutung vor allen Dingen in ferner Zeit zu finden:

Gemeinsam allen Märchen sind die Überreste eines in die älteste Zeit hinauf reichenden Glaubens, der sich in bildlicher Auffassung übersinnlicher Dinge ausspricht. Dies Mythische gleicht kleinen Stückchen eines zersprungenen Edelsteins, die auf dem von Gras und Blumen überwachsenen Boden zerstreut liegen und nur von dem schärfer blickenden Auge entdeckt werden. Die Bedeutung davon ist längst verloren, aber sie wird noch empfunden und gibt dem Märchen seinen Gehalt, während es zugleich die natürliche Lust an dem Wunderbaren befriedigt; niemals sind sie bloßes Farbenspiel gehaltloser Phantasie.[81]

Aus Sicht vieler volkskundlicher und literaturwissenschaftlicher Märchenforscher sind die psychoanalytischen Deutungsversuche zu einseitig und unterliegen dem Vorwurf, „mehr über die Psyche des Deuters, als über das zu deutende Märchen“[82] auszusagen, da ihre Konstruktion oft nicht fundiert ist. Demgegenüber wirft die psychologische Seite den Volkskundlern vor, „aus ideologischem Vorurteil oder aus Ressentiment die Grundtatsachen [zu] verzerren.“[83] Während die Psychologie Märchen ahistorisch untersucht und ihnen eine konstante Bedeutung entnimmt, betrachten die Volkskundler das Märchen als etwas Veränderliches, da es kulturellem, religions- und geisteswissenschaft-lichem Wandel unterworfen ist. Das heißt, dass ein bestimmtes Märchen unter Umständen heute eine andere Bedeutung hat als vor fünfhundert Jahren. Der Kontext, in dem es auftaucht, kann die Gesamtaussage verändern. Daneben bleibt zu berücksichtigen, dass das Märchen nicht nur eine Aussage des Unbewussten über sich selbst ist, sondern auch bewusst nach bestimmten Form- und Gestaltkriterien angelegt wurde.[84]

Die am schärfsten gezeichnete Opposition in der Märchenforschung bilden wohl die Vertreter der Monogenese, die Finnische Schule mit ihrer Theorie von der „Urform“ des Märchens, und die Vertreter der Polygenese, die vorwiegend aus der Tiefenpsychologie kommen und die Entstehung von Märchen als geographisch und kulturell unabhängig betrachten.[85]

Verschiedene Theorien stehen sich gegenüber, muss man sich nun für eine Glaubensrichtung entscheiden, um zu einer allgemeinen Wahrheit zu gelangen?

Es gilt bei einer Deutung natürlich auch, das jeweilige Interesse des Deutenden zu berücksichtigen: Steht für die Psychologen der Patient und das Märchen als Medium der Konfliktbewältigung im Vordergrund, aber auch dessen Spiegelung allgemeinmenschlicher Züge, so konzentrieren sich Volkskundler und Literatur-wissenschaftler auf den Text selbst, dessen Entwicklungsgeschichte und Wirkung.[86]

Einen guten Mittelweg fand Max Lüthi, der sich von der reinen Stilanalyse schließlich auch den Ergebnissen anderer Disziplinen der Märchenforschung bediente und bei seinen Märchendeutungen sowohl psychologische als auch historische und gesellschaftliche Aspekte berücksichtigte.[87] Zwar übt Lüthi an den tiefenpsychologischen Schulen insofern Kritik, dass die Jungsche Schule den Erzähler vernachlässige[88] und Freuds kulturgeschichtliche Theorie zu konstruiert anmute[89], dennoch betont er, dass auch der psychoanalytische Zweig der Märchenforschung wichtig für die Interpretation ist.

Jede Deutung kann nur einen Teil der Symbolschichten, die in einem Bilde oder in einer Bildfolge lebendig sind, erfassen, die Dichtung bleibt letztlich unübersetzbar und eben deshalb eine besondere, durch nichts zu ersetzende Aussage. Daß der Psychologe, der Anthropologe die Poesie des Märchens zerstöre, steht nicht zu fürchten, wohl aber dürfen wir hoffen, daß er etwas von ihrem Reichtum und ihrer Dichte aufzuweisen vermöge.[90]

Lüthis Beispiel folgt auch der Folklorist Bengt Holbek: „Ich betrachte es als undenkbar, daß das sogenannte „Volk“ die Märchen von Generation zu Genera-tion überliefert hätte, wenn sie nicht sowohl für den Erzähler als auch für die Zuhörer von Bedeutung gewesen wären.“[91]

Vor allen Dingen von volkskundlicher Seite her wird heute gerne methoden-pluralistisch vorgegangen, durch die Eigenart ihrer Gattung bietet das Märchen vielfältige Deutungen geradezu an: „Märchen sind offenbar, und dies wohl aufgrund einer ihnen eigenen Offenheit, eines Fehlens an eindeutiger Sinnfest-legung, vielfältig deutbar, lassen der produktiven Phantasie des Lesers/Hörers einen beträchtlichen Spielraum.“[92] Besonders aus der Entschlüsselung der im Märchen angelegten Symbole ergeben sich dadurch immer wieder Fehldeutungen, wie sie vor allen Dingen den psychoanalytischen Schulen oft angelastet werden. Die Deutungsversuche, die der Freud-Schüler Bruno Bettelheim in den 70er Jahren mit seinem Werk „Kinder brauchen Märchen“[93] unternommen hat, werden von der heutigen Märchenforschung überwiegend kritisiert. Seine überwiegend sexual-symbolischen Auslegungen mögen noch so plausibel erklärt sein, ohne eine Absicherung durch den Textvergleich und historische Belege fallen sie bald in sich zusammen.[94]

Berücksichtigt man das Alter des Märchens, die Wege, die es zurückgelegt hat, die verschiedenen Münder, durch die es getragen wurde, die Denkweisen und Erinnerungen, die es bis heute transportiert hat, so scheint es undenkbar, es in nur einer einzigen Weise deuten zu können.

Die ausgewählten Märchen sollen daher nicht nach einem einzigen Schema analysiert werden. Schließlich ist die Bedeutung von Geschwisterbeziehungen im Märchen je nach Fragestellung eine andere. Fragt man nach der Abbildung historischer Wirklichkeit, bietet es sich an, im Sinne der Volkskunde auf Realien zurückzugreifen, im Hinblick auf die innerseelische Abbildung ist es hingegen nahe liegend, tiefenpsychologische Mittel anzuwenden.

„Erst wo sich Fragestellungen und Ergebnisse verschiedenen Ansatzes ergänzen und bestätigen, wird man von allgemeiner überzeugenden Interpretationen sprechen können.“[95]

1 Geschwisterforschung

Geschwister haben in den schriftlichen Aufzeichnungen der zivilisierten Menschheit schon immer eine Rolle gespielt, sei es in der Kain und Abel-Geschichte in der Bibel oder in der griechischen Mythologie. Auch in der Literatur der letzten Jahrhunderte sind Geschwisterbeziehungen immer wieder Handlungsmotiv, sie stellen tiefe Gefühle wie Freundschaft, Nähe und Vertrauen, aber auch Rivalität und Entfremdung dar.

In den Sozial- und Humanwissenschaften wurde das Thema ‚Geschwister’ bis zu den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts kaum beachtet. Schließlich wurde im Zuge der Individualpsychologie Alfred Adlers (1870-1937) die Bedeutung der Position innerhalb der Geschwisterreihe auf die Charakterbildung des Einzelnen herausgestellt. Die Begriffe des „Nesthäkchen“ für das jüngste und „Thronfolger“ für das älteste Kind, sowie die Bezeichnung des mittleren als „Sandwichkind“ sind aus der Geschwisterforschung in unsere Alltagssprache übergegangen.

Während die Zahl der Kinder im westlichen Kulturkreis immer weiter sinkt, verändert sich auch die Bedeutung von Geschwisterkindern. Je geringer die Anzahl der Kinder, desto intensiver ist der Kontakt zu Erwachsenen, neben Eltern sind Tagesmütter, Erzieherinnen, Lehrerinnen zu nennen.[96]

Noch vor zwei bis drei Generationen lebten Kinder noch mit durchschnittlich mehr Geschwistern zusammen, besonders wenn sie aus der sozialen Unterschicht kamen oder auf dem Land lebten. Es ist anzunehmen, dass sie generell weniger Kontakt zu ihren Eltern hatten und ältere Geschwister öfter für die Betreuung der jüngeren eingesetzt wurden. Die Eltern verlangten dabei von den älteren Kindern, ihre Vorbildfunktion zu wahren, von den jüngeren dagegen Gehorsam. Im Bezug auf das Äußere wurde darauf geachtet, dass Konformität statt Individualität herrschte, insbesondere bei Zwillingen.[97]

Im Gegensatz dazu steht die heutige Erziehung unter der Prämisse der Individualität, fast jedes Kind darf sich nach seinen Neigungen entwickeln, autoritäre Erziehungen im früheren Sinne ist seltener anzutreffen. Die Familienformen sind aufgrund der höheren Scheidungsrate vielfältiger, immer mehr Kinder wachsen mit Stief- und Halbgeschwistern auf. Hinzu kommt, dass Geschwister weniger Zeit miteinander verbringen, meist gehen sie auf verschiedene Schulen und haben unterschiedliche Freizeitbeschäftigungen, also mehr Ablenkung von außen.[98]

Unabhängig, ob heute oder damals, ob miteinander blutsverwandt oder verstieft: Geschwister sind verschieden voneinander. Selbst im Bemühen um Gleichheit wird jedes Kind von den Eltern unbewusst anders behandelt, abhängig von Alter, Geburtenplatz und Geschlecht.

Inwiefern der Erziehungsstil Auswirkungen auf das Verhalten der Geschwister untereinander hat, ist noch nicht eindeutig belegt. So können Kinder von streng autoritären Eltern jede Maßregelung von oben auf den Umgang mit ihren Geschwistern übertragen, während der partnerschaftliche Umgang von Eltern mit ihren Kindern meist ebenso auf die Beziehung der Kinder untereinander abfärbt. Auf der anderen Seite besteht die Möglichkeit, dass eine Übermacht der Eltern die Kinder dazu bewegt, sich zu verbünden.[99] Fest steht, dass die Familie, einschließlich Eltern und Geschwistern, das „erste Trainingsfeld für zwischen-menschliche Beziehungen“[100] und den Umgang mit Gefühlen bietet. Die Geschwisterbeziehung ist charakterisiert durch die Konkurrenz um elterliche Zuneigung, aber auch durch Freude und Leid des Teilens. Emotionen wie Hass, Neid, und Wut können unter Geschwistern direkter ausgedrückt werden als unter Freunden, was die Geschwisterbeziehung als besonders ehrlich auszeichnet. Ihr Einfluss reicht mitunter soweit, dass die spätere Partnerwahl von den ersten positiven aber auch negativen Erfahrungen mit Geschwistern geprägt wird.[101]

Die Geschwisterbeziehung zählt wie die Eltern-Kind-Beziehung zu den Primärbeziehungen des Menschen: In diese Beziehung wird der Mensch hineingeboren und sie dauert bis zum Tod eines Teilnehmers. Man kann sich Geschwister weder aussuchen noch ihnen ausweichen. Die Individuations- und Bindungsprozesse, wie sie jeder Mensch durchlebt, sind vor allen Dingen durch innerfamiliäre Erfahrungen, also die Interaktion zwischen Eltern und Geschwistern geprägt. Im Gegensatz zu Partnerschaften und Freundschaften kommt es verhältnismäßig selten vor, dass der Kontakt zwischen Geschwistern bricht. Selbst wenn dies passiert, so kann man doch davon sprechen, dass die Beziehung unterschwellig weiterwirkt.[102] Zudem muss erwähnt werden, dass Geschwisterbeziehungen je nach Alters- und Entwicklungsphase wandelbar sind. So gewinnt die Geschwisterbeziehung besonders an Bedeutung, „wenn sich die symbiotische Mutter-Kind-Beziehung der frühen Kindheit allmählich lockert.“[103] Auch während der Pubertät ändert sich das Verhältnis: auf der einen Seite verbünden sich Geschwister oft in den Unstimmigkeiten den Eltern gegenüber, auf der anderen Seite verlieren die Geschwister ihre Bedeutung als „Spielkameraden“ und werden durch gleichaltrige Freunde oder Partner abgelöst.[104]

[...]


[1] Zitiert nach Frick, Jürg: Ich mag dich- du nervst mich! Geschwister und ihre Bedeutung für das Leben. Bern 20062., überarb. u. ergänz. Aufl.. S. 11.

[2] Im Weiteren soll der Begriff Kinder- und Hausmärchen mit KHM abgekürzt werden. Auch die Zählung der Märchen ergibt sich durch die Abkürzung KHM plus der entsprechenden Nummerierung (z. Bsp. Aschenputtel = KHM 21)

[3] Schede, Hans-Georg: Die Brüder Grimm. München 2004. S.178.

[4] Zitiert nach Schede, Hans-Georg: Die Brüder Grimm. S.28.

[5] Die Entscheidung, nicht die Urfassung als Hauptvergleichspunkt heranzuziehen, habe ich meiner Textauswahl entsprechend getroffen, da Handschriften von Aschenputtel und Die Zwei Brüder nicht vorliegen.

Da die Märchen im fortlaufenden Text zitiert werden, steht eine genaue Angabe vor oder nach jedem Zitat. Falls keine Angaben angefügt sind, ist von der Endfassung (KHM) nach Rölleke auszugehen. Anmerkungen der Brüder Grimm sind gesondert vermerkt.

[6] Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen. Bern 19765. S.114

[7] Feustel, Elke: Rätselprinzessinnen und schlafende Schönheiten. Typologie und Funktionen der weiblichen Figuren in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Hildesheim 2004.

[8] Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen. S.76.

[9] Vgl. Horn, Katalin: Max Lüthi (1909-1991). In: Fabula, 33 (1992). S.121-126. S.122.

[10] ebd. S.77.

[11] Böhm-Korff, Regina: Deutung und von „Hänsel und Gretel“. Frankfurt a.M. 1991. S.97.

[12] Vgl. Bausinger, Hermann: Märchen. In: Ranke, Kurt u. a. (Hg.): Enzyklopädie des Märchens. Bd. 9, Berlin 1999. Spalten 250-274. Spalte 258.

[13] Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen. S.43.

[14] Vgl. Kaminski, Winfred: Vom Zauber der Märchen. Mainz 1997. S.25.

[15] Propp, Vladimir: Morphologie des Märchens. (Russ. 1928.) Frankfurt a. M. 1975. S. 91.

[16] Vgl. Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen. S. 118ff.

[17] Vgl. Solms, Wilhelm: Die Moral von Grimms Märchen. Darmstadt 1999. S. 14.

[18] Vgl. Olrik, Axel: Epische Gesetze der Volksdichtung. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur. 1/51 (1909). S.1-12.

[19] Derjenige, der anfangs an der Spitze steht (Topgewicht) verliert zugunsten des Schwächeren am Ende an Gewicht

[20] Die Gespräche der Märchenfiguren verlaufen im Dialog, es handeln nie mehr als zwei Figuren gleichzeitig

[21] Zwei Personen treten in derselben Rolle auf.

[22] Olrik, Axel: Epische Gesetze der Volksdichtung. S.8

[23] Vgl. Lange, Günter: Einführung in die Märchenforschung und Märchendidaktik. In: Lange, Günter (Hg.): Märchen – Märchenforschung - Märchendidaktik. Baltmannsweiler 2004. S. 3-32. S. 19.

[24] Rölleke, Heinz: Die Märchen der Brüder Grimm. Eine Einführung. Zürich 1986². S. 62.

[25] Vgl. Rölleke, Heinz: Neue Ergebnisse zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. In: Rölleke, Heinz (Hg.): Die Märchen der Brüder Grimm: Quellen und Studien. Trier 2000. S. 37- 44.

[26] „Dabei haben wir jeden für das Kindesalter nicht passenden Ausdruck in dieser Auflage sorgfältig gelöscht.“ So schrieben die Brüder Grimm in ihrer Vorrede zur 2. Auflage der Großen Ausgabe 1819, die nach der weniger erfolgreichen und aufgrund der erwähnten Grausamkeiten kritisierten 1. Auflage bessere Verkaufszahlen brachte. Vgl. Brüder Grimm: Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Bd. 1. Stuttgart 1980. S. 15-24. S.17.

[27] Vgl. Rölleke, Heinz: Neue Ergebnisse zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. S.41f.

[28] Röhrich, Lutz: Schneewittchen. In: Franz, Kurt (Hg.): Märchenwelten. Baltmannsweiler 2004. S.5-32. S.8

[29] Vgl. Köhler-Zülch, Ines: Schneewittchen hat viele Schwestern: Frauengestalten im europäischen Volksmärchen. Gütersloh 1991. S. 20.

[30] Die Kleine Ausgabe, erstmals 1825 aufgelegt, umfasst 50 Märchen, die nach den Brüdern Grimm besonders kindgerecht sind, und noch heute als die bekanntesten KHM gelten.

[31] Vgl. Rölleke, Heinz: Märchenforschung lohnt sich. In: Grundschule 1/85. S.28-31. S.29.

[32] Rölleke, Heinz: Neue Ergebnisse zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. S.37.

[33] Vgl. Rölleke, Heinz: Märchenforschung lohnt sich. S.29.

[34] Vgl. Röhrich, Lutz: Schneewittchen. S.26ff.

[35] Vgl. Rölleke, Heinz: Zur Biographie der Grimmschen Märchen. In: Westermann Pädagogische Beiträge :Märchen- Eine phantastische Realität. 2/84. S.68-69. S.69.

[36] Vgl. Rölleke, Heinz: Neue Ergebnisse zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. S. 44.

[37] Vgl. Böhm-Korff, Regina: Deutung und Bedeutung von „Hänsel und Gretel“. S.96.

[38] Vgl. v. der Leyen, Friedrich: Zum Problem der Form beim Märchen. In: Karlinger, Felix: Wege der Märchenforschung. Darmstadt 1973. S. 74-83. S. 83.

[39] Feustel, Elke: Rätselprinzessinnen und schlafende Schönheiten. S. 67.

[40] Vgl. Röhrich, Lutz: Schneewittchen. S.7

[41] Damit verfährt Aarne in einer etwas engeren Methode als Propp mit seinem Funktionsbegriff.

[42] Vgl. Rausmaa, Pirkko-Liisa: Aarne, Antti Amatus. In: EM Bd 1. Berlin 1977. Spalte 1-4. Spalte 2.

[43] Röhrich, Lutz: Schneewittchen. S.7.

[44] Röhrich, Lutz: Geographisch-historische Methode. In: EM Band 5 (1987). Spalte 1012-1030. Spalte 1018.

[45] Vgl. Röhrich, Lutz: Geographisch-historische Methode. Spalte 1021.

[46] Vgl. Uther, Hans-Jörg: The types of international folktales. Part I. Helsinki 2004. S. 7ff.

[47] Vgl. Köhler-Zülch, Ines: Normalform. In: EM Bd 10 (2002). Spalten 96-98. Spalte 97.

[48] Vgl. Tatar, Maria: Von Blaubärten und Rotkäppchen. Grimms grimmige Märchen- psychoanalytisch gedeutet. München 1995 (Princeton 1987). S. 74.

[49] Vgl. Röhrich, Lutz: Deutung von Volksmärchen. In: Laiblin, Wilhelm (Hg.): Märchen und Tiefenpsychologie. Darmstadt 1969. S. 378.

[50] Vgl. Rölleke, Heinz: Kinder- und Hausmärchen. In: EM. Bd. 7. Berlin 1993. Spalten 1278- 1297. Spalte 1289.

[51] Vgl. Böhm-Korff, Regina: Deutung und Bedeutung von „Hänsel und Gretel“. S. 103.

[52] Röhrich, Lutz: Schneewittchen. S. 9.

[53] Vgl. Röhrich, Lutz: Deutung und Bedeutung von Volksmärchen. In: Gerndt, Helge/ Wardetzky, Kristin: Die Kunst des Erzählens. Berlin 2002. S. 207-223. S.221.

[54] Röhrich, Lutz: „und wenn sie nicht gestorben sind…“: Anthropologie, Kulturgeschichte und Deutung von Märchen. Köln 2002. S.6.

[55] Vgl. Röhrich, Lutz: Märchen und Wirklichkeit. Baltmannsweiler 20015. S. 8.

[56] Vgl. Holbek, Bengt: Interpretation. In: EM. Bd 7. Berlin 1993. Spalten 221-229. Spalte 226.

[57] Röhrich, Lutz: Märchen und Wirklichkeit. S. 207.

[58] Vgl. In der Reihe „Mit Märchen leben“ sind im Kreuzverlag zahlreiche psychotherapeutische Märcheninterpretationen unter eindeutigen Titeln wie „Wie aus der ungeliebten Tochter eine starke Frau wird. Frau Holle“ oder „Auch des Vaters liebste Tochter wandelt sich zur Frau. Dornröschen“ usw. erschienen

[59] Vgl. Horn, Katalin: Lebenshilfe aus uralter Weisheit? In: Uther, Hans-Jörg (Hg.): Märchen in unserer Zeit. München 1990. S. 159-169. S.159f.

[60] Lehmann-Scherf, Gudrun Maria: Psychoanalyse. In: EM. Bd. 11 Berlin 2004. Spalte 14-23. Spalte 14.

[61] Vgl. Horn, Katalin: Brauchen Menschen Märchen? Volkserzählungen aus psychologischer Sicht. In: Fabula. Zeitschrift für Erzählforschung. Bd. 34. 1993. S.1-8. S.4.

[62] Vgl. Schwibbe, Gudrun: Psychologie. In: EM. Bd. 11. 2004. Spalten 23-35. Spalte 24.

[63] Feustel, Elke: Rätselprinzessinnen und schlafende Schönheiten. S.68.

[64] Vgl. Horn, Katalin: Lebenshilfe aus „uralter Weisheit“? S. 161.

[65] Lüthi, Max: Psychologie des Märchens. In: Laiblin, Wilhelm (Hg.): Märchen und Tiefenpsychologie. Darmstadt 1969. S. 424ff.

[66] Altmann-Glaser, Christine: Die Bedeutung des Märchens in der Psychologie. In: Märchenspiegel. Zeitschrift für internationale Erzählforschung und Märchenkunde. Nr. 3. 1998. S.71.

[67] Laiblin, Wilhelm: Symbolik der Wandlung. In: Laiblin, Wilhelm: Märchen und Tiefenpsychologie. Darmstadt 1975². S. 345-374. S. 358.

[68] Gotthilf Isler: Jung, Carl Gustav. In: EM. Bd. 7. Berlin 1993.Spalten 743-750. Spalte 744.

[69] ebd. S.744

[70] Vgl. Horn, Katalin: Lebenshilfe aus „uralter Weisheit“? S. 162.

[71] Vgl. Franz, Marie-Louise von: Psychologische Märcheninterpretation. München 1986. S.8.

[72] Franz, Marie-Louise von: Psychologische Märcheninterpretation. S.20.

[73] Tatar, Maria: Von Blaubärten und Rotkäppchen. S.120.

[74] Vgl. Böhm-Korff, Regina: Deutung und Bedeutung von „Hänsel und Gretel“. S.65.

[75] Lehmann-Scherf, Gudrun Maria: Psychoanalyse. Spalte 17.

[76] Ebd. Spalte 16.

[77] Böhm-Korff, Regina: Deutung und Bedeutung von „Hänsel und Gretel“. S.65.

[78] Vgl. Böhm-Korff, Regina: Deutung und Bedeutung von „Hänsel und Gretel“. S.66

[79] Vgl. Lehmann-Scherf, Gudrun Maria: Psychoanalyse. Spalte 17.

[80] Gerstl, Quirin: Der erzieherische Gehalt der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen. München 1963. S.18.

[81] Grimm, Brüder: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand, hrsg. von Heinz Rölleke, Band 3. Stuttgart 1980. S.421.

[82] Röhrich, Lutz: Deutung und Bedeutung von Volksmärchen. In: Gerndt, Helge/ Wardetzky, Kristin (Hg.): Die Kunst des Erzählens. Berlin 2002. S. 207-223. S.220.

[83] Franz, Marie-Louise von: Psychologische Märcheninterpretation. S. 205.

[84] Vgl. Röhrich, Lutz: Märchen und Wirklichkeit. Baltmannsweiler 20015. S.7f.

[85] Vgl. Tatar, Maria: Von Blaubärten und Rotkäppchen. S.101f.

[86] Vgl. Schwibbe, Gudrun: Volkskundliche Erzählforschung und (Tiefen)Psychologie. In: Fabula 43 (2002) S.264-276. S.269f.

[87] Vgl. Röhrich, Lutz: Max Lüthi- ein europäischer Märchenforscher. In: Röth, Dieter (Hg.): Märchen und Märchenforschung in Europa. Frankfurt a. M. 1993. S.20-23. S.22f.

[88] Vgl. Röhrich, Lutz: „und weil sie nicht gestorben sind…“ S.394.

[89] Vgl. Lüthi, Max: Psychologie des Märchens. S. 424ff.

[90] Lüthi, Max: Das Volksmärchen als Dichtung und Aussage. In: Karlinger, Felix (Hg.): Wege der Märchenforschung. Darmstadt 1973. S. 295-310. S.308.

[91] Holbek, Bengt: Betrachtungen zum Begriff „Lieblingsmärchen“. In: Uther, Hans-Jörg: Märchen in unserer Zeit. München 1990. S.149-158. S.157.

[92] Brackert, Helmut: Hänsel und Gretel oder Möglichkeiten und Grenzen der Märchendeutung. In: Brackert, Helmut (Hg.): Und wenn sie nicht gestorben sind…Perspektiven auf das Märchen. Frankfurt a. M. 1980. S.224

[93] Bettelheim, Bruno: Kinder brauchen Märchen. Stuttgart 19805

[94] Bettelheim bezog sich ausschließlich auf die Endfassung der KHM und interpretierte so fälschlicherweise auch die durch Wilhelm Grimm zu dekorativen Zwecken hinzugefügten Motive.

[95] Rölleke, Heinz: Die Märchen der Brüder Grimm. S. 99.

[96] Vgl. Kasten, Hartmut: Geschwister- Vorbilder, Rivalen, Vertraute. München 1998²., aktual. Aufl.. S.16.

[97] Vgl. ebd. S. 17.

[98] Vgl. Kasten, Hartmut: Geschwister- Vorbilder, Rivalen, Vertraute. S.21.

[99] Vgl. ebd. S.18f.

[100] Frick, Jürg: Ich mag dich –du nervst mich! S. 10.

[101] Vgl. ebd. S. 141.

[102] Vgl. Kasten, Hartmut: Geschwister- Vorbilder, Rivalen, Vertraute. S.21.

[103] ebd. S. 149.

[104] Vgl. Frick, Jürg: Ich mag dich –du nervst mich! S. 247.

Ende der Leseprobe aus 113 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Geschwisterbeziehungen in ausgewählten Märchen der Brüder Grimm
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
113
Katalognummer
V78150
ISBN (eBook)
9783638780926
ISBN (Buch)
9783656033042
Dateigröße
734 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Geschwisterbeziehungen, Märchen, Brüder, Grimm
Arbeit zitieren
Brigitte Ruban (Autor), 2007, Die Bedeutung von Geschwisterbeziehungen in ausgewählten Märchen der Brüder Grimm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78150

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