In seinem Opus 133 für gemischten Chor, Gemeindegesang und Orgel von 1988 verband der Komponist Kurt Hessenberg den Psalm des Jona und den Kirchenchoral Nr. 213 Christ ist erstanden. Die Verbindung dieser beiden Themen in einem Musikstück setzt gewisse Gemeinsamkeiten voraus, die diese musikalische Verschmelzung möglich machen und auch rechtfertigen müssen.
Diese Arbeit wird sich zunächst damit beschäftigen, welcher Art diese Gemeinsamkeiten sind und wo sie außerhalb der Musik zuvor erwähnt und vielleicht schon künstlerisch verarbeitet wurden. Weiterhin wird chronologisch untersucht werden, welche Ereignisse des Buches Jona überhaupt Entsprechungen im Leben Jesu finden und erst später, inwiefern diese Parallelen in Hessenbergs Komposition wiederzufinden sind und wie sie in der Musik realisiert wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Gegenüberstellungen von Jona und Jesus
1.1. Jona im Neuen Testament
1.2. Die frühchristliche Theologie
1.3. Jona und Jesus in der Kunst
2.1. Bisherige Gegenüberstellungen zusammengefaßt
2.2. Parallelen zwischen Jona und Jesus im einzelnen
2.2.1. Jon 1,6
2.2.2. Jon 1,12
2.2.3. Jon 2,1
2.2.4. Jon 2,11
2.2.5. Jon 3,4 bis 6
3. Hessenbergs Psalm des Jona
3.1 Entstehungshintergrund
3.2. Parallelen und deren Umsetzung
3.2.1. Aufbau und äußere Form
3.2.2. Erste Strophe
3.2.3. Erster Refrain
3.2.4. Zweite Strophe und zweiter Refrain
3.2.5. Finale
4. Resümee
5. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die musikalische und theologische Verknüpfung zwischen dem alttestamentlichen Psalm des Jona und dem christlichen Choral "Christ ist erstanden" in Kurt Hessenbergs Opus 133, wobei analysiert wird, wie der Komponist durch musikalische Mittel eine Interpretation dieser biblischen Parallelen schafft.
- Typologische Beziehungen zwischen Jona und Jesus in Bibel, Theologie und Kunst.
- Detaillierte Analyse biblischer Parallelen (Jon 1,6 bis Jon 3,6) im Vergleich zum Leben Jesu.
- Biografischer Kontext und Entstehungsgeschichte von Kurt Hessenbergs Opus 133.
- Musikalische Analyse der Strophen, Refrains und der Tonmalerei im Werk.
- Synthese von Tradition (Jona-Psalm) und Erlösungsglaube (Osterchoral).
Auszug aus dem Buch
1.1. Jona im Neuen Testament
Die wohl wichtigste Bibelstelle und erster Ansatzpunkt, zur Untersuchung von Parallelen zwischen Jona und Jesus, ist ein Ausspruch Jesu aus dem Matthäusevangelium. In Kapitel 12, Vers 40 und 41, sagt er von sich:
„Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Innern der Erde sein. Die Männer von Ninive werden beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie haben sich nach der Predigt des Jona bekehrt. Hier aber ist einer, der mehr ist als Jona.“
Jesus selbst sieht in der Geschichte des Propheten eine ‘Vorschau’ auf sein Schicksal, gleichzeitig erkennt er den wesentlichen Unterschied: „Hier aber ist einer, der mehr ist als Jona“; aber in welcher Hinsicht mehr? Er ist mehr in seinem Wesen, mehr in seinem Schicksal und mehr in seinem Wirken. Er ist der Sohn Gottes, er stirbt tatsächlich, d.h. er ist nicht nur wie Jona vom Tod bedroht, sondern er bezwingt ihn, und er bewegt nicht nur die Bürger einer Stadt zur Umkehr, sondern er erlöst die ganze Menschheit von ihren Sünden durch seinen Tod am Kreuz.
Bei Lukas findet man über die bloße Aussage aus Mt 12, 40-41 hinaus die Bestätigung, daß Jona und das, was ihm widerfahren ist, das Zeichen für das Kommen des Erlösers war:
„[...] Diese Generation ist böse. Sie fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Jona. Denn wie Jona für die Einwohner von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für diese Generation sein.“ (Lk 11,29-30)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gegenüberstellungen von Jona und Jesus: Dieses Kapitel beleuchtet die biblische und frühchristliche Rezeption sowie die kunsthistorische Darstellung der Analogie zwischen Jona und Jesus.
2. Jona und Jesus im direkten Vergleich: Hier werden spezifische Verse des Jona-Buches detailliert mit Ereignissen aus dem Leben Jesu verglichen, um die typologische Verbindung zu vertiefen.
3. Hessenbergs Psalm des Jona: Der Autor erläutert den Entstehungshintergrund des Werkes sowie den musikalischen Aufbau und die Umsetzung der inhaltlichen Parallelen durch Tonmalerei.
4. Resümee: Die abschließende Betrachtung stellt klar, dass Hessenbergs Opus eine eigenständige musikalische Interpretation des Jonapsalms und keine rein typologische Gegenüberstellung darstellt.
5. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literatur zur Jona-Geschichte und zu Kurt Hessenberg.
Schlüsselwörter
Jona, Jesus, Kurt Hessenberg, Opus 133, Christ ist erstanden, Psalm des Jona, Typologie, Kirchenmusik, Auferstehung, Grablegung, Tonmalerei, Bibel, Exegese, Erlösung, Chorwerk.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die musikalische und inhaltliche Verschmelzung des alttestamentlichen Jonapsalms mit dem Osterchoral "Christ ist erstanden" in einem Chorwerk von Kurt Hessenberg.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die typologische Exegese der Jona-Geschichte, die Rezeptionsgeschichte in Kunst und Theologie sowie die musikalische Analyse eines modernen geistlichen Werks.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie der Komponist Hessenberg durch musikalische Kontraste und Tonmalerei eine Brücke zwischen der Not des Propheten Jona und der christlichen Heilsbotschaft schlägt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine hermeneutische Analyse durchgeführt, die biblische Exegese mit musikwissenschaftlicher Werkbetrachtung verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der biblischen Parallelen zwischen Jona und Jesus sowie eine detaillierte formale und inhaltliche Analyse der Partitur von Hessenbergs Opus 133.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Typologie, Tonmalerei, Intertextualität, Sakralmusik und Hermeneutik charakterisiert.
Wie spielt die "Drei-Tage-Frist" eine Rolle?
Sie wird als zentrales Element der biblischen Typologie zwischen der Zeit im Bauch des Fisches und dem Aufenthalt Jesu im Grab diskutiert, jedoch in ihrem weiteren alttestamentlichen Kontext eingeordnet.
Warum wählte der Autor speziell Hessenbergs Opus 133?
Das Werk ist deshalb relevant, weil es über die traditionelle typologische Gegenüberstellung hinausgeht und durch die Kombination von alttestamentlichem Bußgebet und österlichem Jubel eine spezifische theologische Interpretation wagt.
- Quote paper
- Christian Schlegel (Author), 2000, Der Fisch und das Kreuz - Jona und Jesus in Kurt Hessenbergs Opus 133, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78185