Die Heiligkeit des Lebens - Darstellung und Widerlegung bei Peter Singer


Seminararbeit, 2002

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Prinzip der Heiligkeit des Lebens
2.1 Allgemein
2.2 Positionen

3 Was ist falsch an der „Heiligkeit“ des Lebens?
3.1 Problematik der „Menschlichkeit“
3.2 Zur Christlichen Theologie

4 Zusammenfassung

Bibliographie

1 Einleitung

„Ich bin Leben unter Leben, das leben will.“[1] Diese Einfache Sicht des Wertes von Leben formulierte einmal Albert Schweitzer und drückte damit seinen tiefen Respekt vor allem Leben aus. Dieser Respekt geht über den Bereich menschlichen Lebens weit hinaus und schließt jegliche Form von Leben, sei es tierisch oder gar pflanzlich, mit ein. Er spricht jedem den gleichen Wert zu. Demnach bestünde – überspitzt formuliert – kein moralisch relevanter Unterschied darin, eine Pflanze zu zerstören, ein Tier zu schlachten oder einen Menschen zu töten; jede dieser Taten wäre gleich verwerflich. Das Prinzip der Heiligkeit des Lebens dagegen, besagt jedoch, dass alles menschliche Leben wertvoller ist als alles nicht-menschliche Leben und dass es kein menschliches Leben von unterschiedlichem Wert gibt.[2]

Ist also doch nicht alles Leben, egal welcher Art, gleich wertvoll? Wodurch unterscheidet sich menschliches Leben von anderem Leben, dass es wertvoller ist? Gibt es elementare Kriterien, durch die sich der Mensch von Tieren und Pflanzen abgrenzt, die nicht von jedem Menschen erfüllt werden können? Wären solche Menschen dann trotzdem von gleichem Wert, wie alle anderen?

Peter Singer und Helga Kuhse vertreten die Meinung, dass diese Position der Gleichheit allen menschlichen Lebens und dessen Mehrwert gegenüber allem anderen Leben unhaltbar sei. Die vorliegende Arbeit wird die wesentlichen Punkte des Prinzips der „Heiligkeit des Lebens“ aufzeigen, und im Anschluss dessen Widerlegung durch Singer und Kuhse nachvollziehen. Abschließend wird noch eine Wertung und Diskussion der Widerlegung folgen.

2 Das Prinzip der Heiligkeit des Lebens

2.1 Allgemein

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, beschränkt sich die Debatte über den Wert menschlichen Lebens nicht auf den eigentlichen Gegenstand der Diskussion, sondern muss in der Spannung zu anderen Formen von Leben stattfinden. Mann kann, wie Albert Schweitzer jede Form von Leben wertschätzen, aber es scheint äußerst radikal und nicht unbedingt logisch, alles Leben, ob menschlich, ob tierisch oder gar pflanzlich, auf ein und dieselbe Stufe zu stellen. Die Lehre von der Heiligkeit des Lebens beschränkt den moralischen Verantwortungsbereich im Umgang mit Lebewesen auf bewusstes Leben. Das schließt pflanzliches Leben aus; auch tierisches Leben scheint vorerst damit ausgeschlossen, aber bevor auf diesen Aspekt weiter eingegangen wird, wollen wir zunächst einen näheren Blick auf den Ursprung dieser „Lehre der Heiligkeit des Lebens“ werfen. Ihr Ursprung liegt in der jüdisch-christlichen Tradition und ist größtenteils auch in nicht-religiöser Ethik anerkannt; dies äußert sich in Menschenrechtserklärungen, Verfassungen, Gesetzen, usw. Der Begriff Heiligkeit ist in diesem Zusammenhang nicht religiös konnotiert und meint nicht wie Albert Schweizer die Heiligkeit allen Lebens, sondern nur die Heiligkeit menschlichen Lebens. Dieses Prinzip besagt also, dass der Wert menschlichen Lebens über dem aller anderen Wesen steht. Weiterhin liegt in seiner Bedeutung, dass es kein menschliches Leben von unterschiedlichem Wert gibt. Das Zusprechen eines besonderen Wertes menschlichen Lebens, meint keinen graduellen Unterschied zu tierischem Leben, sondern einen qualitativen Unterschied. Weiterhin ist bemerkenswert, dass das Töten von Menschen nicht in jedem Fall untersagt ist; Ausnahmen sind z.B. Handlungen im Rahmen einer Notwehr.[3]

2.2 Positionen

In ihrem Buch „Muss dieses Kind am Leben bleiben“ führen Peter Singer und Helga Kuhse verschiedene Position zum Wert menschlichen Lebens auf. In der Vorstellung und Diskussion dieser Aussagen verschiedener geistlichen und wissenschaftlichen Größen, soll der Begriff der „Heiligkeit des Lebens“ näher erschlossen werden.

Sanford Kadish:

„Jedem menschlichen Leben muss der gleiche Anspruch auf Bewahrung zuerkannt werden, und zwar einfach darum, weil Leben einen irreduziblen Wert darstellt. Deshalb muss der spezifische Wert, den ein einzelnes Leben ganz unabhängig vom allgemeinen Wert des Lebens als solchem haben kann, außer Betracht bleiben.“[4]

Hier wird ein irrreduzibler Wert menschlichen Lebens festgestellt, d.h. der Wert von Leben lässt sich auf nichts reduzieren, was wiederum bedeutet, dass Dinge wie Glück, Bewusstheit, Rationalität und Autonomie, die ein Mensch besitzt bzw. erlebt, nicht relevant für den Wert dieses Lebens sind. Der Wert erwächst lediglich aus der Menschlichkeit im Sinne von Mensch-Sein. Das Leben eines Menschen ist also nicht wertvoll aufgrund von Qualitäten, sondern es hat einen Wert an sich und für sich.

Reinhard Löw,

Direktor des Forschungsinstituts für Philosophie in Hannover

„Es gibt kein Mehr oder Weniger des Rechts auf Leben. Jeder Angehörige der Gattung Mensch hat jeden anderen als Wesen gleichen Rechts und gleicher Würde zu respektieren.“[5]

Rechte und Würde des Menschen gründen sich auf seiner Zugehörigkeit zur eigenen Gattung. Dabei gibt es innerhalb dieser Gattung keine graduellen Unterschiede, die Gattungszugehörigkeit ist alleinige Vorraussetzung des Rechts auf Leben.

Immanuel Jakobobits,

Oberrabbiner Großbritanniens

„Dass das Judentum jegliche Form von Euthanasie ablehnt, hat seinen eigentlichen Grund darin, dass es jedem menschlichen Leben unendlichen Wert zuerkennt. Da Unendlichkeit per definitionem unteilbar ist, folgt daraus, dass jeder Teil des Lebens, und sei er noch so klein, ebenfalls unendlich ist. Es macht also moralisch keinen Unterschied, ob man ein Leben um sieben Jahre verkürzt oder nur um wenige Stunden, ob das Mordopfer jung und stark war oder alt und (körperlich oder geistig) schwach.“[6]

Hier wird vor allem wieder betont, dass jedem menschlichen Leben die gleiche Würde zuteil ist und keine graduellen Unterschiede aufgrund der Lebensqualität oder Lebenslänge gemacht werden können. Alter und körperliche oder geistige Einschränkungen der betreffenden Person spielen dabei absolut keine Rolle.

[...]


[1] Honsak, 1998. S. 1

[2] Kuhse und Singer, 1993. S. 47 & 160

[3] vgl. Singer und Kuhse, 1993. S.

[4] Singer und Kuhse, 1993. S. 48

[5] ebd.

[6] Singer und Kuhse, 1993. S. 49

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Heiligkeit des Lebens - Darstellung und Widerlegung bei Peter Singer
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Ethik im Genzeitalter
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V78189
ISBN (eBook)
9783638828109
ISBN (Buch)
9783638832229
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heiligkeit, Lebens, Darstellung, Widerlegung, Peter, Singer, Ethik, Genzeitalter, Bioethik, Abtreibung, Infantizid
Arbeit zitieren
Christian Schlegel (Autor), 2002, Die Heiligkeit des Lebens - Darstellung und Widerlegung bei Peter Singer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78189

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