Der Mensch als Gottes Ebenbild - Die Imago Dei bei Ebeling, Jüngel und Pannenberg


Seminararbeit, 2004

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff der Imago Dei
2.1 Gottebenbildlichkeit des Menschen bei Ebeling
2.2 Gottebenbildlichkeit des Menschen bei Jüngel
2.3 Gottebenbildlichkeit des Menschen bei Pannenberg

3 Resümee

4 Bibliographie

1 Einleitung

Dann sprach Gott: Laßt uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land. Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.

(Gen 1,26 – 27)

In dieser Passage aus dem Schöpfungsbericht in der Bibel kann man lesen, dass Gott den Menschen nach seinem Vorbild schuf, als sein Abbild, ihm ähnlich. Aber worin besteht diese Ähnlichkeit zwischen uns Menschen und Gott? Dass eine rein äußerliche Ähnlichkeit gemeint ist, lässt sich ausschließen, da gerade das Annehmen menschlicher Gestalt – die Fleischwerdung des Logos (Joh 1, 14) – als Gottes Kommen in die Welt gesehen wird; hätte Gott den Menschen nach dem Vorbild seiner eigenen äußeren Erscheinung geschaffen, wäre das Ändern seiner Gestalt nicht notwendig gewesen, um in die Welt zu kommen. Eine weitere Möglichkeit unserer Ähnlichkeit zu Gott könnte in unserem Wesen liegen, aber welche Wesensart des Menschen könnte man als „göttlich“ bezeichnen, ohne die entsprechende Wesensart Gottes herabzuwürdigen? Und können wir wirklich für uns in Anspruch nehmen, göttliche Eigenschaften oder Wesenszüge zu besitzen ohne arrogant oder selbstgefällig zu erscheinen? Das ist nur möglich, wenn wir unsere Gottebenbildlichkeit als Gnade Gottes sehen, mit der Er uns ausgestattet hat. Oder ist die von Gott gegebene Herrschaft gemeint, die den Menschen, als oberstes Geschöpf, „über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land“ stellt? Dann wären wir Gott in unserem Verhältnis zur Schöpfung und in unserer Funktion in ihr ähnlich.

Die vorliegende Arbeit wird, nach einer allgemeinen Diskussion des Begriffes der Imago Dei, die Positionen dreier Theologen, nämlich die von Gerhard Ebeling, Eberhard Jüngel und Wolfhart Pannenberg, zur Gottebenbildlichkeit des Menschen darstellen, kommentieren und in einem abschließenden Vergleich gemeinsame und gegensätzliche Punkte aufzeigen.

2 Der Begriff der Imago Dei

2.1 Gottebenbildlichkeit des Menschen bei Ebeling

Gerhard Ebeling sieht die Bezeichnung des von Gott geschaffenen Menschen als „Gottes Ebenbild“ von vorneherein als problembeladenen Würdetitel. Nach altorientalischer Anschauung wurde Gottähnlichkeit oder Gottgleichheit nur sehr exklusiv genutzt und z.B. von Königen ausgesagt. Platon hingegen sieht die gesamte Schöpfung als Ebenbild ihres Schöpfers.[1] In der Bibel nun ist der Adressat wiederum ein anderer, nämlich der Mensch, und zwar jeder einzelner und im Neuen Testament auch bzw. gerade Jesus von Nazaret. Dies wirft die Frage auf, ob Jesus Christus in gleichem Maße Gottes Ebenbild ist wie der Mensch, oder ob seine Ebenbildlichkeit als Sohn Gottes eine andere Qualität hat bzw. eine Höhere ist, als die des Menschen. Dies wird noch zu einem späteren Punkt dieser Arbeit relevant sein.

Die zentrale Bibelstelle, von der die Ebenbildlichkeit des Menschen abgeleitet wird, ist - wie eingangs bereits erwähnt und zitiert - Gen 1,26: „Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich.“ Der Begriff „Gottebenbildlichkeit“ findet keine Erwähnung, denn er ist kein Terminus aus dem Bibeltext. Die dort verwendeten hebräischen Worte lauten „saelaem“ und „demut“. „Saelaem“ bedeutet Statue, Relief im Sinne einer repräsentativen Funktion, während „demut“ Gleichnis, Gleichheit als eine abstrakte und allgemeine Ähnlichkeit meint. Die Bedeutung dieser Worte deutet weder auf eine äußerliche noch eindeutig auf eine wesensmäßige Ähnlichkeit hin. Die Gottebenbildlichkeit in der Priesterschrift, scheint sich vielmehr auf den Menschen in seinem Verhältnis zu seiner Umwelt zu beziehen. Gen 1, 27 lautet:

„Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land. Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“

Hier erhält der Mensch von Gott den Auftrag, in dessen Namen über alle Geschöpfe zu herrschen. Diese Herrschaft über alle Lebewesen meint nicht eine schrankenlose Machtausübung, sondern tätige Verantwortung des Menschen als Sachverwalter Gottes. In der Priesterschrift geht die Blickrichtung in Bezug auf die Gottebenbildlichkeit des Menschen also nicht vom Menschen zu Gott, als Blick vom Abbild zum Vorbild, sondern vom Menschen zu den Wesen unter ihm: ebenso, wie Gott über dem Menschen steht und über ihn herrscht, so soll der Mensch über die Wesen, die unter ihm stehen herrschen. Diese Deutung wird – laut Ebeling – durch die Wahl der Worte „saelaem“ und „demut“ nahegelegt.[2]

Bei den griechischen Autoren und im NT finden sich das Wort eiî°vkw,n, das Bild, Ebenbild, Aussehen und Gestalt bedeuten kann. Diese Wortbedeutungen ändern nun die Blickrichtung, die in der Priesterschrift festzustellen ist. Hier ist die Gottebenbildlichkeit von der Relation Urbild-Abbild zu verstehen. Dieser Sichtweise lässt sich auch die Passage Weis 2,23 zuordnen, wo es heißt: „Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.“ Hier werden dem Menschen in seiner Auszeichnung als Gottesebenbild tatsächlich göttliche Wesenszüge, wie seine göttliche Qualität der Ewigkeit und der Unvergänglichkeit, zugeschrieben.

Wie zuvor erwähnt, erhält im Neuen Testament auch Jesus Christus den Titel „Gottes Ebenbild“ (2 Kor 4,4; Kol 1,14-15). An diesen Stellen wird das Wort o,moi,wma verwendet, das soviel wie Gleichheit, Bild, Abbild, Gestalt oder Figur heißt. Im Gegensatz zu eiî°vkw,n lässt dieses Wort offen, ob gleiche Wesensart oder gleiches Aussehen gemeint ist. Irenäus von Lyon sieht in dieser unterschiedlichen Betitelung des Menschen und Christi auch eine unterschiedliche Art des Gottes Ebenbild-Seins. Erst den menschgewordenen Gottessohn fasst Irenäus als das eigentliche Abbild Gottes auf, der in sich die Gottebenbildlichkeit des Menschen, wieder herstellt die nach dem Sündenfall verloren war. Der gleiche Gedanke findet sich auch bei Tertullian.

In der christlichen Tradition finden sich also verschiedene Weisen des Verständnisses der Gottebenbildlichkeit. Aus dogmatischer sicht lassen sich folgende Sichtweisen unterscheiden: Laut katholischer Lehre, gibt es zwei Aspekte der Gottebenbildlichkeit des Menschen. Zum einen dessen natürliche Ausstattung, die von der Schöpfung her bestehen bleibt, und zum anderen seine gnadenmäßige Ausstattung, welche durch den Sündenfall verloren ging. Nach reformatorischem Urteil ist die imago Dei allerdings unteilbar und durch die Sünde in ihr Gegenteil verkehrt (imago diaboli). Beide Lehrmeinungen berühren sich wieder in der eschatologischen Wiederherstellung der ursprünglichen Gottebenbildlichkeit.

[...]


[1] vgl. Ebeling S. 376

[2] vgl. Ebeling, S. 382

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Mensch als Gottes Ebenbild - Die Imago Dei bei Ebeling, Jüngel und Pannenberg
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Schöpfungstheologie im Alten Testament und in moderner Dogmatik
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V78190
ISBN (eBook)
9783638828123
ISBN (Buch)
9783638832236
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mensch, Gottes, Ebenbild, Ebeling, Jüngel, Pannenberg, Schöpfungstheologie, Alten, Testament, Dogmatik, Imago Dei, Gottebenbildlichkeit, Gottesebenbildlichkeit
Arbeit zitieren
Christian Schlegel (Autor), 2004, Der Mensch als Gottes Ebenbild - Die Imago Dei bei Ebeling, Jüngel und Pannenberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78190

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