Am 1. Mai 2004 nahm die Europäische Union mit Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, der Slowakei, Slowenien, der Tschechischen Republik, Ungarn und Zypern zehn neue Mitgliedsstaaten in ihren Kreis auf. Die Bevölkerung wuchs dabei um etwa 20% an (in Zahlen: Bevölkerungszunahme um 74 Mio. auf 456 Mio. Einwohner), während sich die Wirtschaftsleistung der EU (BIP) nur um 5% erhöhte (Anlage 1). Keines der beigetretenen Länder erreicht annähernd die durchschnittliche Wirtschaftskraft der EU-15-Staaten. Im Mittel liegt das nominale BIP dieser Länder nur bei 48% des bisherigen Niveaus. Im Vorfeld der Erweiterung sind die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft unvorhersehbar: Staaten, die erst zu Beginn der 90er Jahre den Wechsel von sozialistischen Planwirtschaften zu offenen Marktwirtschaften vollzogen, sorgen für einen stark vergrößerten Binnenmarkt, in dessen Folge sich Wachstumschancen ergeben. Diesem stehen vor allem die Kostenvorteile in den östlichen Nachbarländern als ernsthafte Bedrohung gegenüber.
Gegenstand dieser Arbeit ist die Beleuchtung der Chancen und Risiken, die im Vorfeld dieser fünften Erweiterungsrunde von verschiedenen Seiten geäußert wurden. Das unbekannte Ausmaß auf die Wirtschaft der alten Mitgliedsstaaten erforderte eine ganze Reihe von Schutzmaßnahmen, die ich am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland erläutern möchte. Im Anschluss daran werde ich die bisherigen Auswirkungen der Erweiterung auf die deutsche Wirtschaft untersuchen und beurteilen, inwieweit die Schutzmaßnahmen tatsächlich eine schützende Wirkung haben, oder ob sie der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands vielleicht sogar schaden.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Gang der Untersuchungen
2. Wesentliche Begriffe
2.1 Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU)
2.2 Arbeitnehmerfreizügigkeit
2.3 Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit
2.4 Begriffsabgrenzung Europäische Gemeinschaft und Europäische Union
3. Überblick über die Europäische Union
3.1 Chronologische Übersicht wesentlicher Daten der Europäischen Integration
3.2 Wesentliche Organe der Europäischen Gemeinschaft
3.3 Übersicht über die Ziele der Europäischen Union
3.4 Kriterien zur Aufnahme eines Staates in die Europäische Union
4. Im Zusammenhang mit der EU-Osterweiterung 2004 stehende Chancen und Risiken für die deutsche Wirtschaft
4.1 Aus Sicht der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien
4.1.1 Bündnis 90 / Grüne
4.1.2 CDU
4.1.3 FDP
4.1.4 PDS
4.1.5 SPD
4.2 Die Positionen der Parteien in Europa zur EU-Osterweiterung 2004 und die Einstellung der Bevölkerung im Überblick
4.3 Die Haltung der baden-württembergischen Landesregierung zur EU-Osterweiterung 2004
4.4 Aus Sicht des Mittelstands
4.5 Aus Sicht der Arbeitgeber
4.6 Aus Sicht der Arbeitnehmer
4.7 Aus Sicht der Banken
5. Maßnahmen zum Schutz der deutschen Wirtschaft
5.1 Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit
5.2 Übergangsregelungen bei Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit
5.3 Regelungen für Saisonarbeitskräfte
5.4 Der Sonderfall ostdeutsche Grenzgebiete
6. Auswirkungen der EU-Osterweiterung 2004 auf die deutsche Wirtschaft
6.1 Auswirkungen auf die Situation am Arbeitsmarkt
6.2 Zuwanderung von EU-Bürgern aus den neuen Mitgliedsstaaten
6.3 Auswirkungen auf das Lohnniveau
6.4 Verlagerung von Produktionsstandorten in die neuen Mitgliedsstaaten und Erweiterung der Aktivitäten vor Ort
6.5 Der Handel mit den neuen Mitgliedsstaaten
6.6 Deutsche Direktinvestitionen in den neuen Mitgliedsstaaten
7. Abschließende Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit analysiert die Chancen und Risiken der EU-Osterweiterung 2004 für die deutsche Wirtschaft. Dabei wird untersucht, welche Schutzmaßnahmen die Bundesrepublik Deutschland implementiert hat und inwieweit diese Maßnahmen tatsächlich die heimische Wirtschaft schützen oder durch ihre Auswirkungen die wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen.
- Wirtschaftliche Folgen der EU-Osterweiterung für Deutschland
- Einstellung von Politik, Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Banken zur Erweiterung
- Maßnahmen zum Schutz der deutschen Wirtschaft (Arbeitnehmerfreizügigkeit, Saisonarbeitskräfte)
- Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt und das Lohnniveau
- Direktinvestitionen und Handelsbeziehungen mit den neuen Mitgliedsstaaten
Auszug aus dem Buch
4.4 Aus Sicht des Mittelstands
Der deutsche Mittelstand steht der EU-Osterweiterung im Vorfeld positiv gegenüber, jedoch sind auch unübersehbare Verunsicherungen seitens der Unternehmen zu erkennen. Schlüsselt man die Einstellung der Unternehmer nach Bundesländern auf, so fällt auf, dass der Faktor „Grenznähe“ allein nur wenig über die Einstellung des Mittelstands zur Erweiterung aussagt. In der Kombination mit wirtschaftlich interessanten Standortbedingungen, wie sie zum Beispiel in der Tschechischen Republik oder entlang der Ostseeküste vorliegen, spielt die räumliche Nähe aber eine bedeutende Rolle für die Aktivitäten deutscher Unternehmen.
Die Anzahl der Skeptiker ist in den strukturschwachen Regionen besonders hoch. Eine hohe Internationalisierung des vorhandenen Mittelstands beeinflusst hingegen die Einstellung der Unternehmer zur Erweiterung positiv. Baden-Württemberg gehört nicht zu den Bundesländern, in denen der Mittelstand am höchsten internationalisiert ist. Aus diesem Grund ist der Anteil derer, die Vorbehalte gegen die EU-Osterweiterung hegen, relativ hoch.
Mecklenburg-Vorpommern fällt angesichts seiner Strukturschwäche aus dem Rahmen. Dass die Erwartungen der dortigen Mittelständler dennoch optimistisch sind, hängt damit zusammen, dass das Bundesland touristisch und landwirtschaftlich stark geprägt ist. Polen, als direkter Nachbar, ist in diesen Bereichen unterlegen und bietet deshalb Investitionsmöglichkeiten, von denen die mecklenburg-vorpommernsche Wirtschaft profitieren kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Gang der Untersuchungen: Dieses Kapitel führt in die Thematik der EU-Osterweiterung ein und definiert den Forschungsgegenstand hinsichtlich Chancen und Risiken für die deutsche Wirtschaft.
2. Wesentliche Begriffe: Hier werden grundlegende Definitionen wie KMU, Arbeitnehmerfreizügigkeit sowie der Unterschied zwischen Europäischer Gemeinschaft und Union erläutert.
3. Überblick über die Europäische Union: Dieses Kapitel bietet einen chronologischen Abriss der EU-Integration, stellt die zentralen Organe vor und definiert die Beitrittskriterien.
4. Im Zusammenhang mit der EU-Osterweiterung 2004 stehende Chancen und Risiken für die deutsche Wirtschaft: Es werden die verschiedenen Interessenlagen von Politik, Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Finanzinstitutionen detailliert beleuchtet.
5. Maßnahmen zum Schutz der deutschen Wirtschaft: Fokus auf die konkreten Regulierungen wie die Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit und die Regelungen für Saisonkräfte.
6. Auswirkungen der EU-Osterweiterung 2004 auf die deutsche Wirtschaft: Analyse der tatsächlichen Folgen für Arbeitsmarkt, Lohnniveau, Investitionstätigkeit und den Außenhandel.
7. Abschließende Würdigung: Eine zusammenfassende Bewertung der Erweiterung als wirtschaftlichem Erfolg für Deutschland unter Berücksichtigung der noch offenen Fragen zur vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit.
Schlüsselwörter
EU-Osterweiterung, deutsche Wirtschaft, Mittelstand, Arbeitnehmerfreizügigkeit, Dienstleistungsfreiheit, Arbeitsmarkt, Direktinvestitionen, Lohnniveau, Außenhandel, Europäische Union, Schutzmaßnahmen, Strukturwandel, Wettbewerbsfähigkeit, Integrationsprozess, Standortpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der EU-Osterweiterung 2004 auf die deutsche Wirtschaft, insbesondere unter Berücksichtigung der Chancen und Risiken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Einstellung verschiedener Akteure zur Erweiterung, die rechtlichen Schutzmaßnahmen für den deutschen Arbeitsmarkt sowie die tatsächlichen Auswirkungen auf Handel, Investitionen und Löhne.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beleuchtung der Erwartungen und Bedenken im Vorfeld der Erweiterung sowie die Beurteilung der Wirksamkeit der von Deutschland getroffenen Schutzmaßnahmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, Auswertungen von Unternehmensbefragungen sowie die Untersuchung von parteipolitischen Positionen und offiziellen Berichten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der verschiedenen Akteurs-Perspektiven, die Erläuterung der Schutzmaßnahmen und die Analyse der tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie EU-Osterweiterung, Arbeitnehmerfreizügigkeit, Wettbewerbsfähigkeit, Direktinvestitionen und wirtschaftlicher Strukturwandel geprägt.
Warum ist die Einstellung des Mittelstands zur Osterweiterung so differenziert?
Die Einstellung hängt stark vom Internationalisierungsgrad des Unternehmens und der jeweiligen Branche ab; exportorientierte Firmen sehen eher Chancen, während inländische Betriebe oft mehr Konkurrenzdruck fürchten.
Welche Rolle spielen die ostdeutschen Grenzgebiete in der Untersuchung?
Diese Regionen gelten als besonders sensibel, da sie aufgrund ihrer wirtschaftlichen Schwäche intensiver von der Grenzöffnung und dem Wettbewerb mit den neuen Nachbarstaaten betroffen sind.
- Quote paper
- Sven Meier (Author), 2007, EU-Osterweiterung 2004. Verbundenen Chancen und Risiken für die deutsche Wirtschaft und ihre tatsächlichen Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78192