Luhmanns Medientheorie und der Einfluss der Medien auf die Gesellschaft


Seminararbeit, 2006

18 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Luhmanns Medientheorie und Einfluss der Medien auf die Gesellschaft

1. Vorwort

2. Gesellschaft und Gesellschaftsdifferenzierung
2.1 Gesellschaft
2.2 Gesellschaftsdifferenzierung
2.2.1 Segmentation
2.2.2 Differenzierung Zentrum/ Peripherie
2.2.3 Hierarchische Differenzierung in Schichten (Stratifikation)
2.2.4 Funktionale Differenzierung

3. Medientheorie
3.1 Verbreitungsmedien
3.1.1 Schrift
3.1.2 Buchdruck
3.1.3 Elektronische Medien
3.2 Erfolgsmedien (symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien)

4. Einfluss der Medien auf die Gesellschaft
4.1 Einfluss der Schrift
4.2 Einfluss des Buchdruckes
4.3 Einfluss der elektronische Medien

5. Fazit

6. Anhang
6.1 Literaturverzeichnis

1. Vorwort

„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“[1] Die Medien sind zu einem Teil unseres Lebens geworden und aus der heutigen Welt nicht mehr wegzudenken, denn wir werden täglich mit ihnen konfrontiert und durch sie beeinflusst.

Viele Medienforscher untersuchen die Strukturen der Medien und deren Einfluss auf die Menschen. Der Systemtheoretiker Niklas Luhmann geht bei seiner Medientheorie von seiner Systemtheorie als Grundlage aus: angefangen bei der Differenz Form/ Medium[2], geht er über Kommunikation hinzu den Medien, wie Schrift, Buchdruck und elektronische Medien und nicht zu vergessen die symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien. Jedes dieser Medien hat seine eigenen Eigenschaften, Funktionen und Einfluss auf unsere Gesellschaft.

Ziel dieser Arbeit ist es, dem Leser einen guten und einfachen Einstieg in eben diese äußerst komplexe Medientheorie zu bekommen. Des weiteren soll die Arbeit auch das Verhältnis zwischen den Medien und der Gesellschaft aufzeigen und die Frage klären, wie diese Medien unsere Gesellschaft und deren Struktur beeinflusst haben und es immer noch tun.

Der erste Teil der Arbeit zeigt zunächst auf, was Luhmann unter dem Begriff Gesellschaft versteht. Außerdem werden die verschiedenen Formen der gesellschaftlichen Differenzierungen näher ausgeführt.

Im zweiten Teil konzentriert sich die Arbeit auf die Medientheorie Luhmanns. Dabei stehen besonders die Verbreitungsmedien, d.h. die Schrift, der Buchdruck und die elektronischen Medien, im Mittelpunkt. Das Medium Sprache wird in dieser Arbeit nicht näher erläutert, da Luhmann es eher zu den Kommunikations- als zu den Verbreitungsmedien zählt. Die symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien werden deshalb anschließend auch nur der Vollständigkeit wegen kurz erwähnt und nicht ausführlicher erörtert.

Abschließend soll im dritten Teil nun die Frage, welchen Einfluss die Medien auf die Gesellschaft und deren Struktur haben, geklärt werden. Auch hier konzentriert sich diese Arbeit auf die Verbreitungsmedien und deren Einfluss auf die Gesellschaft, da mit den symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien der Rahmen der Arbeit nicht eingehalten werden kann.

2. Gesellschaft und Gesellschaftsdifferenzierung

Um den Einfluss von Medien auf die Gesellschaft bzw. deren Struktur zu analysieren ist es notwendig kurz aufzuzeigen, was Luhmann überhaupt unter dem Begriff Gesellschaft und deren Differenzierung versteht.

2.1 Gesellschaft

Die Gesellschaft ist ein einzigartiges Sozialsystem: sie ist die Gesamtheit aller Kommunikation, die es gibt. Außerhalb der Gesellschaft gibt es also keinerlei Kommunikation. Die wichtigen Elemente der Gesellschaft sind Kommunikationen und nicht die Individuen oder deren Beziehungen untereinander. Die Grenzen der Kommunikation sind gleichzeitig auch die Grenzen der Gesellschaft.[3]

Aber Gesellschaft ist nicht gleich Gesellschaft: es gibt verschiedene gesellschaftliche Strukturen, die durch die Form gesellschaftlicher Differenzierung bestimmt ist, die im Laufe der sozialen Evolution immer wieder variieren.[4]

2.2 Gesellschaftsdifferenzierung

Unter der primären Differenzierung versteht Luhmann die Bildung von Teilsystemen und System/ Umwelt- Beziehungen. Die Form dieser gesellschaftlichen Differenzierung bildet die Struktur der Gesellschaft, da „sie eine Ordnung in den Beziehungen zwischen den Teilsystemen bestimmt“[5], wodurch die Kommunikationsmöglichkeiten schon vorbestimmt sind. Dadurch kann die Form Grenzen festlegen, welche die Komplexität der Gesellschaft erreichen kann. Übersteigt die Komplexität diese Grenzen, kann sich die Gesellschaft nur dann weiter reproduzieren, wenn sich die Form der Gesellschaft ändert. Die Form der gesellschaftlichen Differenzierung ändert sich also immer durch den Druck der Komplexitätszunahme und legt dann neue Grenzen für die Komplexität fest.[6]

Außerdem bestimmt die Form der Differenzierung „die Art und Weise, wie im umfassenden System die Beziehungen zwischen den Teilsystemen realisiert werden [...]“[7], d.h. die Form „betrifft die Differenz zwischen Systemen, die füreinander zur jeweiligen Umwelt gehören.“[8]

Es gibt verschiedene Differenzierungsformen, die sich durch die Art und Weise unterscheiden, wie die Grenzen zwischen den Teilsystemen und den dazugehörigen Umwelten innerhalb der Gesellschaft festgelegt sind. Diese ergeben sich immer aus der Kombination der Differenz System/ Umwelt und der Differenz Gleichheit/ Ungleichheit (diese Differenz bezieht sich auf die Verhältnisse der Teilsysteme untereinander). Laut Luhmann sind im Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung vier Differenzierungsformen aufgetreten, die teilweise ineinander übergehen und die Grenzen verwischen. Diese sind die Differenzierung in gleiche Teilsysteme (Segmentation), die Differenzierung Zentrum/ Peripherie, die hierarchische Differenzierung in Schichten und die funktionale Differenzierung.[9]

2.2.1 Segmentation

Besonders in altertümlichen Gesellschaften ist die sogenannte segmentäre Differenzierung zu erkennen. Differenziert wird nach dem Prinzip der Abstammung oder der Residenz (Territorialität). Die segmentäre Differenzierung kommt dadurch zustande, „dass die Gesellschaft in prinzipiell gleiche Teilsysteme gegliedert wird, die wechselseitig füreinander Umwelten bilden“[10], d.h. die Segmentation teilt die Gesellschaft in gleiche Teile, beispielsweise Stämme oder Dörfer.[11] Innerhalb dieser Differenzen kann sich die Segmentierung wiederholen, beispielsweise kann man ein Dorf in die einzelnen Häuser segmentieren oder Stämme in die einzelnen Familien, die dann wiederum eigene Teilsysteme sind.[12]

Sobald die Wechselseitigkeit im System Gesellschaft gebrochen wird, verändert sich die Gesellschaftsstruktur grundlegend, da keine Gleichheit mehr besteht. Damit die Gesellschaft nun aber weiter existieren kann, sind neue Gesellschaftsstrukturen notwendig.[13]

2.2.2 Differenzierung Zentrum/ Peripherie

Eine solche neue Gesellschaftsstruktur ist die Differenzierung Zentrum/ Peripherie.

Diese Differenzierungsform macht es möglich, dass sich Kommunikation von einem Mittelpunkt (meist Zentrum der Stadt; beispielsweise das Rathaus) territorial innerhalb der Gesellschaft verbreitet. Aufgrund einer Ungleichheit, die aus der Residenz resultiert (Leben in der Stadt oder auf dem Land) handelt es sich gleichzeitig auch um eine hierarchische Differenzierung (siehe unter 2.2.3).[14]

Das Problem der Differenzierung Zentrum/ Peripherie sind die wenigen Kontakte, die zwischen dem Zentrum und der Peripherie bestehen, da nicht die gesamte Gesellschaft in der Stadt lebt, sondern auch auf dem Land. Dies hat unweigerlich zur Folge, dass die Machtausübung sehr begrenzt ist und das Zentrum wie eine Insel in der Gesellschaft „schwimmt“.[15]

2.2.3 Hierarchische Differenzierung in Schichten (Stratifikation)

Die Stratifikation schafft eine Ungleichheit der einzelnen Teilsysteme untereinander. Ein Beispiel dafür war Europa zwischen dem Spätmittelalter und dem 17. Jahrhundert. Die Gesellschaft war in dieser Zeitspanne in eine Oberschicht (den Adel) und in eine Unterschicht (das einfache Volk) aufgeteilt und man hielt diese Aufteilung durch Endogamie aufrecht, d.h. dem Adel war es verboten jemanden aus der Unterschicht zu heiraten und umgekehrt. Innerhalb der jeweiligen Schichten herrschte jedoch Gleichheit, die durch Kommunikation geregelt wurde[16]: „Stratifikation bedeutet also Gleichheit im Rahmen von Ungleichheit.“[17]

2.2.4 Funktionale Differenzierung

Auch in dieser Differenzierungsform besteht immer noch eine Ungleichheit der Teilsysteme untereinander, doch der Gesichtspunkt ist hier ein anderer: die Ungleichheit beruht auf den unterschiedlichen Funktionen, die jedes System erfüllt. Alle Teilsysteme haben spezifische Funktionen, nach denen die Kommunikation innerhalb der Gesellschaft strukturiert ist. Solche Funktionssysteme sind unter anderem das politische System, das Wissenschaftssystem, das Erziehungssystem, Familien und das Kunstsystem.[18]

Trotz einer strikten Unterteilung in einzelne Teilsysteme, darf eine Verknüpfung der Funktionen der Systeme in einer funktionierenden Gesellschaft nicht ausbleiben: beispielsweise werden in einem politischen System Gesetze für das Wirtschafts- und Erziehungssystem erlassen und in einem Wirtschaftssystem fallen die Entscheidungen über finanzielle Unterstützungen für das Wissenschaftssystem.[19]

In der Gesellschaft gibt es nun kein Zentrum mehr, da jedes Teilsystem eine wichtige Rolle innerhalb der Gesellschaft inne hat und es das „wichtigste“ System nicht mehr gibt. Alle System sind grundlegend für die Kommunikation und das Bestehen der Gesellschaft, weshalb jede Funktion erfüllt werden muss.[20]

Dennoch verschwinden Stratifikation und Segmentation nicht vollständig in den funktional differenzierten Gesellschaften. Beispielsweise verstärkt die Stratifikation die Differenzierung in soziale Klassen.[21] Gerade in der heutigen Zeit wird diese Differenzierungsform in der deutschen Gesellschaft immer deutlicher. Durch die Hartz IV- Einführung entsteht eine neue soziale „Unterschicht“, die von der Gesellschaft eher missbilligend gesehen wird.

[...]


[1] Luhmann (2004), S.7.

[2] Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen setze ich diese Begriffe, genau wie Kommunikation, System und Umwelt, als bekannt voraus.

[3] Vgl. Baraldi et all. (1997), S. 63.

[4] Vgl. ebd.

[5] Ebd., S.65.

[6] Vgl.ebd.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Vgl. Baraldi et all. (1997), S.65.

[10] Luhmann (1997), S.634.

[11] Vgl. Kneer (2000), S.122.

[12] Vgl. Baraldi et all. (1997), S.65.

[13] Vgl. ebd.

[14] Vgl. Baraldi et all. (1997), S.66f.

[15] Vgl. ebd., S.67.

[16] Vgl. ebd.

[17] Ebd.

[18] Vgl. ebd., S.68.

[19] Vgl. ebd., S.69.

[20] Vgl. Baraldi et all. (1997), S.68f.

[21] Vgl. ebd., S.71.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Luhmanns Medientheorie und der Einfluss der Medien auf die Gesellschaft
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Deutsche Philologie)
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V78210
ISBN (eBook)
9783638836661
ISBN (Buch)
9783638836685
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Luhmanns, Medientheorie, Einfluss, Medien, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Stephanie Grüner (Autor), 2006, Luhmanns Medientheorie und der Einfluss der Medien auf die Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78210

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