Die folgende Arbeit soll sich mit dem Film „Geschichtsunterricht“ und seinen unterschiedlichen Komponenten beschäftigen. Nach einer kurzen Einführung in den Entstehungskontext des Films der 70er Jahre (Abschnitt 2) wird zunächst auf das Leben und das Werk der Autoren Jean-Marie Straub und Danièle Huillet eingegangen (Abschnitt 3). Abschnitt 4 befasst sich mit der Romanvorlage für den Film, „Die Geschäfte des Herrn Julius Cäsar“ von Bertolt Brecht (Kapitel 4.1) und dessen filmische Aufbereitung (Kapitel 4.2). Der darauf folgende Abschnitt 5 ist der Analyse des Films gewidmet, es wird auf die Personen und Darsteller (Kapitel 5.1), den Inhalt (Kapitel 5.2), die Stilmittel (Kapitel 5.3) und die Kritikerstimmen (Kapitel 5.4) eingegangen. Der letzte Abschnitt (Abschnitt 6) beschäftigt sich abschließend mit der hinter dem Film „Geschichtsunterricht“ stehenden Frage nach dem Verhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart im Allgemeinen (Kapitel 6.1) und in der speziellen Umsetzung Straub/Huillets (Kapitel 6.2).
Ziel ist es, „Geschichtsunterricht“ in seinem Entstehungskontext hinsichtlich seiner literarischen Grundlage, seiner filmischen Umsetzung und seiner Aufarbeitung der Geschichtsproblematik zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehungskontext
2.1 Die Situation in den 70er Jahren
2.2 Autorenfilm
3. Jean-Marie Straub und Danièle Huillet
3.1 Biographisches
3.2 Wirken
4. „Die Geschäfte des Herrn Julius Cäsar“
4.1 Das Romanfragment von Bertolt Brecht…
4.2 … als inhaltliche Grundlage für den Film
5. „Geschichtsunterricht“
5.1 Personen und Rahmenbedingungen
5.2 Inhalt
5.3 Stilmittel
5.4 Kritiken
6. Gegenwart : Vergangenheit
6.1 Problematik allgemein
6.2 Lösung im Film
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Film „Geschichtsunterricht“ von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet unter Berücksichtigung seines Entstehungskontextes, der literarischen Grundlage bei Bertolt Brecht sowie seiner spezifischen filmischen Umsetzung, um die Aufarbeitung der Geschichtsproblematik und das Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart zu analysieren.
- Kontextualisierung des Autorenkinos in den 1970er Jahren.
- Biographische und werkbezogene Analyse von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet.
- Untersuchung der literarischen Vorlage „Die Geschäfte des Herrn Julius Cäsar“ von Bertolt Brecht.
- Analyse der filmischen Gestaltungsmittel und der inszenatorischen Entscheidungen im Film.
- Reflexion über das Verhältnis von Gegenwart und Vergangenheit im Kontext der Geschichtswissenschaft und des Films.
Auszug aus dem Buch
3.2 Wirken
Jean-Marie Straub und Danièle Huillet können zugleich als umstrittenste und neben Alexander Kluge und Werner Herzog bedeutendste Figuren für die Entwicklung des Neuen Deutschen Films bezeichnet werden. Ihr Filmstil ist radikal an keinem bis dahin bekannten Vorbild orientiert. Sie benutzen den Film als Instrument sozialer Aufklärung und ästhetischer Erziehung des Publikums, verlangten genauestes Hinsehen und Zuhören. Die stilistische äußerste Zurückhaltung, die fast schon als Minimalismus bezeichnet werden kann, ist verbunden mit einer extremen Authentizität und Präzision bezüglich des Textes oder der Vorlage. Die Darsteller agieren nicht, sondern zitieren Texte, „um jeden Anschein von traditioneller, auf Emotionalisierung des Zuschauers beruhender Kinoästhetik zu vermeiden“.
Einerseits arbeiten Straub/Huillet im Sinne des Autorenansatzes, sie stellen sich hinter die Idee einer Ablöse der konventionellen Filmindustrie durch persönliche Handschrift, Stile, Vorlieben und Besonderheiten einzelner Filmemacher, wollen nicht Angestellte einer Industrie sein, sondern Autoren und Kommunikatoren. Andererseits entfernen sie sich aber auch von bestimmten Konzepten der Autorentheorie, wie z.B. von der „Erfindung“ des künstlerischen Subjekts: In ihrem materialistischen, dokumentarischen Ansatz wird der Inhalt ihrer Filme nicht erfunden, sondern GEfunden – und zwar v.a. in literarischen Vorlagen, denen sie mit filmischen Mitteln Form und Struktur verleihen. Die Wahl dieser Mittel wird durch die meist geschichtlichen sozialpolitischen Inhalte bestimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Entstehungskontext des Films „Geschichtsunterricht“ ein und erläutert den Aufbau der Arbeit sowie die Zielsetzung der Untersuchung.
2. Entstehungskontext: In diesem Kapitel wird der Film in den filmhistorischen Kontext der 1970er Jahre und die Bewegung des Autorenkinos eingebettet.
3. Jean-Marie Straub und Danièle Huillet: Hier wird das Leben des Regiepaares sowie deren künstlerischer Werdegang und ihr spezifischer Filmstil beleuchtet.
4. „Die Geschäfte des Herrn Julius Cäsar“: Dieses Kapitel analysiert das Romanfragment von Bertolt Brecht und dessen Bedeutung als inhaltliche Vorlage für den Film.
5. „Geschichtsunterricht“: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse der filmischen Umsetzung, angefangen bei den Produktionsbedingungen über den Inhalt und die Stilmittel bis hin zur zeitgenössischen Kritik.
6. Gegenwart : Vergangenheit: Abschließend wird das zentrale Spannungsfeld zwischen zeitgeschichtlicher Forschung und der filmischen Konstruktion von Geschichte erörtert.
Schlüsselwörter
Geschichtsunterricht, Jean-Marie Straub, Danièle Huillet, Autorenfilm, Bertolt Brecht, Julius Cäsar, Neuer Deutscher Film, Filmtheorie, Geschichtsproblematik, Oral History, Literaturverfilmung, Gegenwart, Vergangenheit, Materialismus, Anti-Illusionismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Film „Geschichtsunterricht“ von 1972 im Hinblick auf seinen Entstehungskontext, die literarische Vorlage von Bertolt Brecht und die filmische Aufarbeitung historischer Themen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Autorenkino, die filmische Umsetzung literarischer Stoffe, das Verhältnis von historischer Vergangenheit zur Gegenwart sowie die spezifische Ästhetik des Regiepaares Straub/Huillet.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, den Film „Geschichtsunterricht“ in seinem Entstehungskontext hinsichtlich seiner literarischen Grundlage, seiner filmischen Umsetzung und seiner Aufarbeitung der Geschichtsproblematik zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es erfolgt eine systematische Analyse auf Basis von Fachliteratur, Filmkritiken und den theoretischen Grundlagen zum Autorenfilm sowie filmwissenschaftlichen Ansätzen zur Geschichtsdarstellung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Regiepaares, die Analyse der Romanvorlage Brechts, die detaillierte Untersuchung der Filmstruktur und die Reflexion über das Verhältnis von Gegenwart und Vergangenheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Autorenfilm, Straub/Huillet, Brecht, Filmästhetik und Geschichtskonstruktion beschreiben.
Warum wird im Film bewusst auf ein traditionelles Schauspiel verzichtet?
Straub/Huillet nutzen Laiendarsteller und eine starre Stilistik, um eine traditionelle, auf Emotionalisierung ausgerichtete Kinoästhetik zu vermeiden und eine Distanz zum Publikum zu wahren.
Wie trägt der Film zur Auseinandersetzung mit Julius Cäsar bei?
Der Film demaskiert Cäsar, indem er ihn nicht als heroischen Feldherrn, sondern als korrupten Geschäftsmann darstellt und somit die ökonomischen Hintergründe von Politik offenlegt.
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- Katrin Parigger (Author), 2007, Entstehungskontext, Umsetzung und literarische Grundlage des Films "Geschichtsunterricht" von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78270