Der ökonomische Transformationsprozess in Berlin

Zwischen Dienstleistungsmetropole und Global City?


Hausarbeit, 2004

21 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1. Dienstleistungen/ tertiärer Sektor
2.2. Metopole
2.3. Global City
2.4. Hauptstadt

3. Berlin vor dem 2.Weltkrieg

4. Berlin zwischen 1945 und 1990
4.1. Die wirtschaftliche Entwicklung in Westberlin
4.2. Die wirtschaftliche Entwicklung in Ostberlin

5. Berlin nach der deutschen Wiedervereinigung

6. Global City oder Dienstleistungsmetropole?

7. Perspektiven Berlins

8. Literatur

1. Einleitung

Industrialisierung und Bevölkerungswachstum haben die Städte in der zweiten Hälfte des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark expandieren lassen. Durch eine steigende Nachfrage nach Dienstleistungen entwickelten sich im 20. Jahrhundert zahlreiche Dienstleistungszentren aus ehemaligen Industriestädten, da in diesen die günstigsten Standortbedingungen zu finden waren. Die Fertigung materieller Güter spielt im Rahmen großstädtischer Wirtschaftsaktivitäten kaum noch eine Rolle. Der Großteil der Beschäftigten arbeitet im tertiären Sektor wie z.B. in den Bereichen Management, Forschung und Entwicklung, Transport, Verkauf, Finanzierung oder Beratung.

Zu den Agglomerationsvorteilen der Großstädte gehören hochqualifizierte Arbeitskräfte, Kooperationspartner, Informationen und überregionale Verbindungen im Personenfernverkehr. Nachteile sind beispielsweise hohe Mieten und Grundstückspreise, Verkehrsstaus, etc. Auch Berlin hat diese Entwicklung, hin zu einem Dienstleistungszentrum, durchlaufen.

Die Fragestellung, ob Berlin als Dienstleistungsmetropole oder gar als Global City eingeordnet werden kann, ist nach der deutschen Wiedervereinigung immer wieder in Politik und Gesellschaft diskutiert worden. Im folgenden wird die wirtschaftliche Entwicklung Berlins beginnend vor dem 2.Weltkrieg bis in die Gegenwart untersucht. Mittels einer Darstellung der einzelnen zeitlichen Perioden soll ein Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt gegeben, und ein Ausblick auf die zukünftige Potentiale versucht werden. Anhand der Definitionen von Global City und Metropole soll untersucht werden, in wie weit Berlin die Anforderungen, die an eine Global City bzw. Metropole gestellt werden, erfüllt bzw. zukünftig erfüllen wird.

2. Definitionen

Zuvor sollen einige Begriffe geklärt werden, denen in der Diskussion eine zentrale Rolle zukommt.

2.1. Dienstleistungen/ tertiärer Sektor

Im Gegensatz zur Urproduktion und zum produzierenden Gewerbe bilden die Dienstleistungen den tertiären Sektor der Wirtschaft. Zu ihm werden alle wirtschaftlichen Leistungen gezählt, die der Versorgung mit materiellen und immateriellen Gütern dient – u.a Handel, Verkehr, kulturelle Leistungen, medizinische Versorgung, Bildung, Nachrichtenwesen usw.[1]

2.2. Metropole

Metropole (von Metropolis, griechisch für Mutterstadt) bezeichnet im allgemeinen einen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Mittelpunkt eines Staates. Im Gegensatz zu anderen Begriffen für große Städte (z.B. Megastadt für Städte mit mehr als fünf Millionen Einwohnern) ist Metropole nicht eindeutig definiert. Momentan gilt eine Einwohnerstärke von 1 Million als ausschlaggebend. Die steigende Konzentration von Wirtschaft, Verwaltung und Kultur wird als Metropolisierung bezeichnet.[2]

Der Begriff wird auch in Kombination mit bestimmten Themen verwendet, z.B. Kunstmetropole, Finanzmetropole etc.

2.3. Global City

Saskia Sassen[4] nennt qualitative Funktionen, welche die übergeordnete Rolle der Global Cities ausmachen:[3]

- sie weisen eine enorme Konzentration der ökonomischen Aktivitäten besonders im tertiären Sektor auf,
- der Schwerpunkt des tertiären Sektors liegt auf finanziellen Institutionen,
- (hoch) spezialisierten Dienstleistungen sind im tertiären Sektor stark vertreten,
- durch ein starkes urbanes Netz steht die Gloabl City in Beziehung mit anderen Global Cities.

Die Global City soll vor allem ein strategisches Entscheidungszentrum und eine Innovationszentrum sein. Hier befinden sich die Steuerungszentralen für die Organisation der Weltwirtschaft. In ihr spielt sich ein Prozess zur Verbindung von Dienstleistungen, Produktionszentren und Märkte ab. Veränderung der urbanen Struktur wie u.a. Ungleichheiten in der beruflichen Struktur der Bevölkerung (Gentrification[5] ) und wirtschaftliche Abkopplung der Stadt von ihrem Umland sind typische Begleiterscheinungen dieses Phänomens. Weiterhin sind Global Cities wichtige Verkehrsknoten mit internationalen Anbindungen (v.a. Flughäfen).

2.4. Hauptstadt

Als Hauptstadt wird i.d.R. die Stadt bezeichnet, in der die Regierung und/ oder Parlament eines Staates, Landes oder einer Provinz ihren Sitz hat. Meist ist die Hauptstadt auch die größte Stadt und das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des betreffenden Landes.[6]

3. Berlin vor dem 2.Weltkrieg

Vor dem 2.Weltkrieg kann Berlin, in Bezug auf die damaligen weltweiten Verhältnisse, als Global City bezeichnet werden. Hier war der politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Motor Deutschlands und Mitteleuropas angesiedelt, der eine weltweite Ausstrahlung hatte. Die Millionenstadt war die größte Industriestadt des Kontinents und der erste Finanzplatz des Deutschen Reiches. Firmen wie Borsig, Siemens und AEG hatten hier ihre Firmensitze und bereits damals übernationale Geltung[7]. Parallel zum wirtschaftlichen Aufschwung setzte ein Bauboom in größtem Maßstab ein. Um diesen zu finanzieren, musste in hohem Maße Kapital bereitgestellt werden. Dies geschah durch das Bankenwesen, welches sich schon Ende des 19. Jahrhunderts in der Hauptstadt des Deutschen Reiches ansiedelte und zu entwickeln begann. Neben den vier großen „D-Banken“[8] spielten die Berliner Handelsgesellschaft und die Deutsche Überseebank eine bedeutende Rolle. Die Berliner Börse war national von Bedeutung, konnte aber an die Umsätze der Börsen in London und Paris nicht heranreichen.

In den „Goldenen Zwanzigern“ Berlins, wie die 1920er Jahre auch bezeichnet werden, konnte die Stadt einen wirtschaftlichen und vor allem kulturellen Aufschwung verzeichnen. Mit seinem vielfältigen künstlerischen Angebot an Museen, Ausstellungen, Opernhäusern, Theatern, Kinos und zahllosen weiteren kulturellen Einrichtungen, war „Berlin ein weltoffener geistiger und kultureller Mittelpunkt“[9] Europas.

Von der Berliner Verwaltung wurden ehrgeizige Projekte in Angriff genommen. Dazu gehörte u.a. der Ausbau des Verkehrswesens, welcher der Stadt den Titel der „verkehrsreichsten Stadt“ des Kontinents einbrachte und ihr 1930 die erste Ampelanlage Deutschlands (den s.g. Verkehrsturm) auf dem Potsdamer Platz bescherte[10]. Schnell-, Hoch- und Untergrundbahnen, Straßenbahnen und Automobile bestimmten das Straßenbild. Die Stadt entwickelte sich zu einem der wichtigsten Verkehrsknoten des Kontinents. Ende des 19. Jahrhundert gab es in der Stadt zehn[11] große Kopfbahnhöfe. Die Eisenbahnlinien verbanden die Stadt mit dem Umland und den anderen Großstädten in Deutschland und Europa.

Die 1929 ausbrechende Wirtschaftskrise, welche das Ende der Weimarer Republik einleitete, traf das Wirtschafts- und Handelszentrum besonders hart und läutete den vorübergehenden Niedergang der Stadt ein. Die Wirtschaft Berlins erholte sich kurzzeitig mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem damit verbundenen Ausbau der kriegswichtigen Infrastruktur, um mit dem Ende des 2.Weltkrieges endgültig zusammenzubrechen.

[...]


[1] Leser, H. (Hrsg.),1997, S.139f.

[2] vgl. www.matheboard.de/lexikon/Metropole,definition.htm, letzter Zugriff: 18.10.2004.

[3] Volkmann, K., In: Kleger, H. (Hrsg.), 2001, S.23f.

[4] Saskia Sassen ist Professorin für Soziologie an der Universität Chicago und an der London School of Economics. Sie hat intensiv zum Thema „Global City“ gearbeitet und zu diesem Thema zahlreiche Publikationen veröffentlicht. In ihrem Buch „The Global City“ hat Sassen 1991 diesen Begriff zum ersten Mal verwendet und nennt als repräsentativste Global City New York.

[5] Unter dem Begriff „Gentrification“ versteht man einen stadtteilbezogenen Aufwertungsprozess, der auf der Verdrängung unterer Einkommensgruppen durch den Zuzug wohlhabender Schichten basiert und zu Qualitätsverbesserungen im Gebäudebestand führt. In: Heineberg, H., 2000, S.18.

[6] Leser, H (Hrsg.), 1997, S.310.

[7] Erbe, M., In: Süß, W., Rytlewski, R., 1999, S.62.

[8] ebd., S.64. Unter den „D-Banken“ versteht man die Disconto-Gesellschaft, Deutsche Bank, Darmstädter Bank, Dresdner Bank, welche Ende des 19. Jahrhunderts alle ihre Firmensitze in Berlin hatten.

[9] Hoffmann, H., 1998, S.39.

[10] 1924 ist der Potsdamer Platz der verkehrsreichste Platz in Europa. In: (http://www.bics.be.schule.de/son/verkehr/kfz/geschich/potsplat/, letzter Zugriff: 20.10.2004).

[11] http://www.verkehrswerkstatt.de/eisenbah/bahnhof/deutsch/berlin/f-bahn/gesch.htm, letzter Zugriff: 20.10.2004.

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Details

Titel
Der ökonomische Transformationsprozess in Berlin
Untertitel
Zwischen Dienstleistungsmetropole und Global City?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Geographisches Institut)
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V78273
ISBN (eBook)
9783638829892
ISBN (Buch)
9783656619765
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Transformationsprozess, Berlin, ökonomisch, Ökonomie, Wirtschaft, Dienstleistungen, Standortbedingungen, Sektor, tertiär, Global City, Metropole, Entwicklung
Arbeit zitieren
M.A. Geograph Felix Weickmann (Autor), 2004, Der ökonomische Transformationsprozess in Berlin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78273

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