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Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung bei jungen Erwachsenen mit spina bifida aus systemisch-konstruktivistischer Sicht

Title: Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung bei jungen Erwachsenen mit spina bifida aus systemisch-konstruktivistischer Sicht

Bachelor Thesis , 2005 , 53 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sabine Stieglitz (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Summary Excerpt Details

Pädagogische Förderung im Wahrnehmungs- und Bewegungsbereich findet überwiegend im Kindes- und Jugendalter statt. Aus psychologischer oder bewegungswissenschaftlicher Sicht wird auch heute noch im allgemeinen davon ausgegangen, dass es zeitlich begrenzte sensible Lebensphasen für bestimmte inhaltliche Lernprozesse gibt. Die Aufgabe der Pädagogik liegt hierbei darin, diese Phasen für Erziehungs-, Bildungs- und Förderprozesse im Hinblick eines zugrundeliegenden Menschenbildes, auf das hin erzogen werden soll, möglichst effektiv (hinsichtlich Funktions- und Leistungstüchtigkeit eines Menschen in unserer Gesellschaft) zu nutzen. Eine kritische Betrachtung solcher möglicher pädagogischer Leitbilder mündet in die Frage der anthropologischen Bestimmung des Menschen, von wo aus sich dann lebensalterdeterminierte Entwicklungs- und Lernprozesse weder verstehen noch legitimieren lassen. Unter dem Aspekt einer lebenslangen Entwicklung, der hier in dieser Arbeit expliziert werden soll, stellt sich die Frage, inwieweit auch Menschen im (jungen) Erwachsenenalter pädagogischer Unterstützung bedürfen, und ob pädagogische Förderung im Wahrnehmungs- und Bewegungsbereich unabhängig vom Lebensalter möglich und z.T. auch notwendig ist.

Der Bereich der Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung als spezielle Form pädagogischen Handelns, seine Zielsetzungen, methodischen Umsetzungen in der Praxis sowie ausgewählten Handlungsfelder basieren auf bestimmten handlungsleitenden Vorannahmen. Diese gründen zunächst auf einer bestimmten Sicht der Wirklichkeit, d.h. auf einer zugrundeliegenden Perspektive, aus der heraus wir uns selbst und unsere Umwelt wahrnehmen, erleben und erfahren, bestimmte Werte und damit verbundene Zielsetzungen entwickeln, und die innerhalb unseres pädagogischen Aufgabenfeldes handlungsleitend wirksam wird.
Die in der Heil- und Sonderpädagogik traditionelle individuumszentrierte und defizitorientierte Sicht, innerhalb derer sich Förderung als fremdbestimmte Behebung oder Reduktion von Mängeln hinsichtlich gesellschaftlicher Einpassung auf der Basis entsprechender Wertmaßstäbe verstehen lässt, soll in Kap. 2 im Hinblick auf einen Paradigmenwechsel kurz erörtert werden und darauf aufbauend in Kap. 3
eine systemisch-konstruktivistische Sichtweise für pädagogisches Handeln - und hier im speziellen für Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung - zugrundegelegt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Paradigmenwechsel in der Heil- und Sonderpädagogik

3. Grundlagen eines systemisch-konstruktivistischen Ansatzes

3.1 Grundbegriffe

3.2 Systemtheoretische Ansätze

3.2.1 Theorie autopoietischer Systeme (Maturana/Varela)

3.2.2 Theorie sozialer Systeme (Luhmann)

3.2.3 Systemisch-ökologische Pädagogik

4. Förderung aus systemisch-konstruktivistischer Perspektive

4.1. Anthropologische Voraussetzungen

4.2 Entwicklung und Lernen als lebenslange Prozesse

4.2.1 Entwicklungstheoretische Ansätze

4.2.2 Systemisches Verständnis von Lernen und Bildung

4.3 Förderung im jungen Erwachsenenalter als Unterstützung in besonderen Lebenslagen

5. Wahrnehmung und Bewegung als System

6. Junge Erwachsene mit spina bifida

6.1 Die Rolle des Systems Wahrnehmung und Bewegung bei von spina bifida betroffenen Erwachsenen

6.1.1 Exemplarische Fallgeschichte einer 25-jährigen Frau

7. Pädagogische Förderung im Wahrnehmungs- und Bewegungsbereich bei jungen Erwachsenen mit spina bifida

7.1 Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung unter Berücksichtigung spezieller Erfordernisse

7.1.1 Konzept der Über- und Unterfunktion eines Systems (SIMON)

7.1.2 Handlungsprämissen einer systemorientierten Förderung

7.1.3 Pädagogische Handlungsfelder

8. Grenzen und Möglichkeiten einer systemisch-konstruktivistisch orientierten Förderung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht die Möglichkeiten pädagogischer Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung für junge Erwachsene mit Spina bifida unter einer systemisch-konstruktivistischen Perspektive, um die Notwendigkeit und Umsetzung einer solchen Unterstützung jenseits des Kindes- und Jugendalters zu explizieren.

  • Systemisch-konstruktivistische Grundlagen in der Pädagogik
  • Lebenslange Entwicklung und Lernen als zirkuläre Prozesse
  • Herausforderungen für junge Erwachsene mit Spina bifida im Alltag
  • Pädagogische Assistenzkonzepte basierend auf dem Konzept der Über- und Unterfunktion (SIMON)
  • Reflexion der pädagogischen Handlungspraxis und ihrer Grenzen

Auszug aus dem Buch

6.1 Die Rolle des Systems Wahrnehmung und Bewegung bei von spina bifida betroffenen Erwachsenen

Aufgrund der heutigen sich ständig wandelnden Umwelt in Richtung weiterer Technologisierung, Ökonomisierung, Globalisierung und Individualisierung sind einmalig und dauerhaft festgelegte Lebensstile und Konstellationen von Lebensbedingungen im Hinblick auf unsere Daseinsgestaltung und -bewältigung immer weniger angemessen. Stattdessen rückt eine ständige Auseinandersetzung mit unserer Umwelt, mit Alltag und Krisen immer mehr in den Vordergrund. Lern- und pädagogische Förderprozesse beziehen sich in diesem Zusammenhang nicht nur darauf, umweltlichen Anforderungen gerecht zu werden, sondern sind gleichermaßen auf eine ständige Neukonstruktion selbstständiger Lebensführung und -bestimmung ausgerichtet.

Außer diesen allgemeinen gesellschaftlichen Bedingungen, die überwiegend dem Exo- und Makrosystem angehören, sind im jungen Erwachsenenalter biographische Übergänge wie z.B. Ablösung vom Elternhaus, Eintritt ins Berufsleben, Ausgestaltung/Übernahme neuer sozialer Rollen, Entwicklung eines eigenen Lebensstils sowie Veränderung sozialer Beziehungen auf der Ebene des Mikro- und Mesosystems der jeweiligen Person von besonderer Relevanz. Konkret kann dies beispielsweise in dem Wunsch nach einer eigenen Wohnung, der Ausübung einer bestimmten beruflichen Tätigkeit, in dem Interesse für bestimmte Sport- und Freizeitaktivitäten oder politisch-kulturelle Angebote, für Reisen oder Weiterbildung, in dem Wunsch nach neuen sozialen Kontakten, u.a. zum Ausdruck kommen. Diese Interessensebene stellt die aktuelle persönliche Lernsituation mit den jeweiligen physischen, materialen und sozialen Bedingungen einer Person auf der Mikroebene dar.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Notwendigkeit lebenslanger pädagogischer Förderung und hinterfragt die traditionelle Beschränkung auf das Kindes- und Jugendalter aus systemisch-konstruktivistischer Sicht.

2. Paradigmenwechsel in der Heil- und Sonderpädagogik: Das Kapitel beschreibt den Wandel weg von einer defizitorientierten, individuumszentrierten Sichtweise hin zu einem systemischen Verständnis, das den Menschen als aktives, autonomes Subjekt begreift.

3. Grundlagen eines systemisch-konstruktivistischen Ansatzes: Es werden zentrale Begriffe wie Autopoiese, Selbstorganisation und Beobachtung erläutert, um die theoretische Basis für die pädagogische Arbeit zu legen.

4. Förderung aus systemisch-konstruktivistischer Perspektive: Dieses Kapitel entwickelt die Hypothese, dass Förderung als unterstützende Begleitung lebenslanger Lernprozesse in jedem Lebensalter möglich und notwendig ist.

5. Wahrnehmung und Bewegung als System: Es wird die Bedeutung von Wahrnehmung und Bewegung als kognitives Subsystem dargestellt, das zentral für die Konstruktion von Wirklichkeit und die Selbststeuerung ist.

6. Junge Erwachsene mit spina bifida: Neben dem medizinischen Hintergrund wird die Lebenssituation junger Erwachsener thematisiert und durch eine exemplarische Fallgeschichte illustriert.

7. Pädagogische Förderung im Wahrnehmungs- und Bewegungsbereich bei jungen Erwachsenen mit spina bifida: Basierend auf dem Konzept der Über- und Unterfunktion werden praxisrelevante Ansätze und Handlungsfelder für die pädagogische Assistenz skizziert.

8. Grenzen und Möglichkeiten einer systemisch-konstruktivistisch orientierten Förderung: Das Fazit reflektiert die normativ-ethische Dimension der systemischen Pädagogik und diskutiert den Widerspruch zwischen Ziellosigkeit und pädagogischem Handlungsanspruch.

Schlüsselwörter

Systemisch-konstruktivistische Pädagogik, Wahrnehmungsförderung, Bewegungsförderung, Spina bifida, Lebenslanges Lernen, Autopoiese, Selbstorganisation, Lebenslage, Junge Erwachsene, Fallgeschichte, Pädagogische Assistenz, Wirklichkeitskonstruktion, Behinderung, Kompetenzorientierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie eine Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung für junge Erwachsene mit Spina bifida aus einer systemisch-konstruktivistischen Sichtweise gestaltet werden kann, um deren Selbstständigkeit und Autonomie zu unterstützen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Systemtheorie, lebenslange Lernprozesse, die Lebenssituation junger Erwachsener mit körperlichen Einschränkungen sowie pädagogische Handlungsansätze in der Heil- und Sonderpädagogik.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Begriff der Förderung als lebensbegleitende Unterstützung zu definieren und aufzuzeigen, wie pädagogische Angebote speziell für junge Erwachsene mit Spina bifida sinnvoll gestaltet werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt den systemisch-konstruktivistischen Ansatz als theoretischen Rahmen und verbindet diesen mit einer exemplarischen Fallgeschichte einer jungen Frau, um die Konzepte anschaulich zu verdeutlichen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen dargelegt, die Bedeutung von Wahrnehmung und Bewegung als System analysiert und daraus handlungsorientierte Konzepte wie das Modell der Über- und Unterfunktion für die pädagogische Praxis abgeleitet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Systemisch-konstruktivistische Pädagogik, Spina bifida, Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung sowie Lebenslanges Lernen.

Welche Rolle spielt die Fallgeschichte von "M."?

Die Fallgeschichte dient als empirische Illustration, um zu zeigen, wie theoretische Annahmen über Selbststeuerung und Lernbedarf in die tatsächliche Lebenswelt einer jungen Frau mit Spina bifida übersetzt werden können.

Warum endet die Arbeit mit einem Ausblick auf die normativ-ethische Dimension?

Der Ausblick thematisiert die notwendige Reflexion des Pädagogen, da eine rein systemische Sichtweise ohne ethische Orientierung Gefahr läuft, wesentliche soziale Werte im Umgang mit Assistenznehmern zu vernachlässigen.

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Details

Title
Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung bei jungen Erwachsenen mit spina bifida aus systemisch-konstruktivistischer Sicht
College
University of Hagen  (Heil- und Sonderpädagogik)
Grade
1,3
Author
Sabine Stieglitz (Author)
Publication Year
2005
Pages
53
Catalog Number
V78325
ISBN (eBook)
9783638007788
Language
German
Tags
Wahrnehmungs- Bewegungsförderung Erwachsenen Sicht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sabine Stieglitz (Author), 2005, Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung bei jungen Erwachsenen mit spina bifida aus systemisch-konstruktivistischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78325
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