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Die deutsch-deutsche Währungsunion 1990

Title: Die deutsch-deutsche Währungsunion 1990

Seminar Paper , 2007 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Felix Weber (Author)

Economics - Monetary theory and policy
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Summary Excerpt Details

Die deutsch-deutsche Währungsumstellung im Zuge der Wiedervereinigung zwischen
der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der Deutschen Demokratischen Republik
(DDR) war eines der am kontroversesten diskutierten Themen. Neben der
ursprünglichen Frage, ob es eine Währungsunion geben sollte, wurden neben dem
richtigen Zeitpunkt und dem Ausmaß vor allem auch die Konditionen, zu denen eine
solche Währungsunion erfolgen sollte, waren in Höchstem Maße umstritten.
Die Umstellung eines planwirtschaftlich organisierten Staates hin zu einem, nach den
Grundsätzen der Marktwirtschaft aufgebauten Wirtschaftssystems, kannte bis dahin
keine historischen Vergleiche. So schrieb der Spiegel (1990a, S. 21) „eine
vergleichbare Situation hat es nie gegeben: Noch nie wurde ein Industrieland und eine
verrottete Volkswirtschaft zusammengeführt.“ Sämtliche Akteure konnten auf keinerlei
Erfahrungswerte bei der Umsetzung der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion
(WWSU) zurückgreifen. Neben großen makroökonomischen Unterschieden der beiden
Staaten, sorgte insbesondere die Unsicherheit über das zu erwartende Konsum- und
Sparverhalten der Bürger der ehemaligen DDR für Meinungsverschiedenheiten
zwischen Wissenschaftlern, Politikern und der Deutschen Bundesbank. Das Spektrum
der Meinungen differierte von starker Inflation, ausgelöst durch einen sprunghafte
Erhöhung der Geldmenge und einem gleichzeitigen „Kaufrausch“ der DDR-Bürger, bis
hin zu Deflation durch extreme Kassenhaltung.
Die in der öffentlichen Meinung aufkommenden Sorgen wurden zusätzlich genährt
durch die extrem kurze Vorbereitungszeit, sowie die vor allem politisch motivierten
Konditionen, hier insbesondere die Findung der „richtigen“ Konversionskurse, der
Währungsunion.

Excerpt


Gliederung

1 Problemstellung

2 Die Ausgangslage vor der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion

2.1 Das Bankensystem der DDR

2.2 Die Rolle des Geldes in der DDR

3 Der Integrationsprozess

3.1 Die Phasen der währungspolitischen Integration

3.2 Währungsunion als „Point of No Return“ für die Wiedervereinigung und die politische Dimension

3.3 Die Kontroverse um die Umrechnungskurse

3.3.1 Grundsätzliche Probleme bei der Ermittlung des Umrechnungskurses

3.3.2 Der Umrechnungskurs aus dem Blickwinkel der Sparer

3.3.3 Der Umrechnungskurs aus dem Blickwinkel der Unternehmen

3.3.4 Der Umrechnungskurs für wiederkehrende Zahlungen

3.4 Die tatsächlichen Umrechnungskurse – Bestimmungen über die Währungsunion und über die Währungsumstellung gemäß Anlage I zur WWSU

3.5 Diskutierte Szenarien im Vorfeld der Währungsunion

4 Monetäre und wirtschaftliche Folgen der Währungsunion nach dem 1. Juli 1990

4.1 Die Folgen auf die Geldangebotssteuerung und Geldnachfragestabilität

4.2 Wirtschaftliche Folgen der Währungsunion

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Einführung der deutsch-deutschen Währungsunion 1990 unter Berücksichtigung der systemischen Unterschiede zwischen der DDR und der BRD, beleuchtet den politisch-ökonomischen Integrationsprozess und analysiert die monetären sowie wirtschaftlichen Folgen für das vereinte Deutschland.

  • Historische Ausgangslage des Bankensystems und der Geldrolle in der DDR
  • Phasen der währungspolitischen Integration und politische Einflussnahme
  • Kontroverse Debatte um die Umrechnungskurse zwischen Mark und D-Mark
  • Monetäre Folgen und Auswirkungen auf die Geldpolitik der Bundesbank
  • Wirtschaftliche Konsequenzen der Transformation und Betriebsanpassungen

Auszug aus dem Buch

3.3.3 Der Umrechnungskurs aus dem Blickwinkel der Unternehmen

Nach Gawel (1994, S. 178) wurde der Umstellungskurs für die Schulden der Unternehmen der DDR als zentrales Kriterium für die Privatisierungschancen der ostdeutschen Industrie gehalten. Ein Großteil der Schulden der Staatsunternehmen entstand aus der Praxis der Steuererhebung und Gewinnabführung in der DDR. Steuern aus Einkommen der Bürger waren im planwirtschaftlichen System nicht vorgesehen. Die Einnahmen des Staates resultierten in vollem Umfang aus Abführungen der Unternehmen. Auch die Abführungen der zumeist „volkseigenen“ Betriebe wurden im Rahmen des Planungsprozesses im Vorhinein festgelegt. Wurden die Überschüsse, die zur Zahlung der Abführungen an den Staat notwendig waren nicht erwirtschaftet, beeinflusste dies nicht die Höhe der festgelegten Zahlungsverpflichtung. Fehlende Erträge wurden in der notwendigen Höhe durch die Staatsbank als Kredit an die Unternehmen vergeben. Die zumeist staatseigenen Betriebe wurden genutzt um die Staatsverschuldung auszulagern. Die Höhe der Schulden der Betriebe war also kein Gradmesser für die Höhe und Qualität der getätigten Investitionen.

Die Unternehmen hatten im Jahr 1990 kumulierte Schulden in Höhe von ca. 260 Mrd. Mark. Eine Umstellung der Schulden 1:1 hätte für die meisten DDR-Unternehmen alleine durch die zu leistenden Zinszahlungen die sichere Insolvenz bedeuten. Die Insolvenzgefahr hätte sich zudem durch eine Produktivität von lediglich 50% im Vergleich zu den westdeutschen Unternehmen und die vergleichsweise hohen Produktionskosten verschärft (vgl. Siebert, 1990, S.4). Zusätzlich sind die ostdeutschen Unternehmen mit der Einführung der DM sofort dem internationalen Wettbewerb ausgeliefert, die finanziellen Bemühungen der Unternehmen sollten nach der Meinung von Herlt (1990, S.11) auf die Verbesserung der Produkte und der Produktivität gerichtet sein. Die Verzinsung der enormen „Altlasten“ bei einer Umrechnung 1:1 würde diese Bemühungen sicherlich stark beeinträchtigen, wenn die Unternehmen überhaupt ihr Überleben sichern sollten. Insbesondere für die zu erwartenden zahlreichen Insolvenzfälle sieht Herlt (1990, S.11) „Konsequenzen für den Arbeitsmarkt“.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert die historisch einmalige Situation der Zusammenführung zweier grundverschiedener Wirtschaftssysteme und skizziert die methodische Vorgehensweise der Arbeit.

2 Die Ausgangslage vor der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion: Es wird das einstufige Bankensystem der DDR beschrieben und die Rolle des Geldes als zentral gesteuertes Instrument der Planwirtschaft im Gegensatz zur Marktwirtschaft aufgezeigt.

3 Der Integrationsprozess: Dieses Kapitel analysiert die fünf Phasen der währungspolitischen Einigung, die kontroversen Debatten um die Umrechnungskurse und die politische Dimension der Währungsunion.

4 Monetäre und wirtschaftliche Folgen der Währungsunion nach dem 1. Juli 1990: Hier werden die Auswirkungen auf die Geldmengensteuerung durch die Bundesbank sowie die gesamtwirtschaftlichen Folgen der Währungsunion, wie etwa Betriebsschließungen und Transferzahlungen, bewertet.

5 Fazit: Das abschließende Kapitel würdigt die Währungsunion als unausweichlichen Schritt zur politischen Einheit und bewertet das Handeln der Bundesbank trotz politischer Einflussnahme positiv.

Schlüsselwörter

Währungsunion, DDR, BRD, D-Mark, Wirtschafts- und Sozialunion, Staatsbank der DDR, Umrechnungskurs, Geldpolitik, Deutsche Bundesbank, Planwirtschaft, Marktwirtschaft, Transformation, Wiedervereinigung, Geldmengensteuerung, Betriebsschulden.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die ökonomischen und politischen Hintergründe sowie die Folgen der deutsch-deutschen Währungsunion von 1990.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind das Bankensystem der DDR, die Herausforderungen der Währungsumstellung, die Debatte um Umrechnungskurse sowie die monetären und wirtschaftlichen Auswirkungen nach der Union.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Prozess der Währungsunion zu rekonstruieren, die systemimmanenten Schwierigkeiten aufzuzeigen und die Rolle der Bundesbank bei der Bewältigung dieser Herausforderung kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es handelt sich um eine politik- und wirtschaftswissenschaftliche Seminararbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse sowie der Auswertung zeitgenössischer Berichte und Dokumente basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Ausgangssituation in der DDR, die Phasen des Integrationsprozesses, die spezifischen Probleme bei der Festlegung von Umrechnungskursen und die monetären Folgen für die Stabilität der D-Mark.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Währungsunion, Transformation, Planwirtschaft, Geldmengensteuerung, Umrechnungskurs und die Rolle der Deutschen Bundesbank.

Warum war das DDR-Bankensystem nicht vergleichbar mit dem der BRD?

Das DDR-Bankensystem war ein einstufiges, weisungsgebundenes System, das lediglich als Instrument zur Durchsetzung staatlicher Planungsziele diente, statt wie in der BRD als unabhängige Zentralbank zu agieren.

Welche Rolle spielte der politische Druck bei der Umstellung?

Die Währungsunion wurde maßgeblich durch politischen Druck, insbesondere im Vorfeld der Volkskammerwahlen, vorangetrieben, was die Bundesbank dazu zwang, in ihrer Planung oft den Vorgaben der Bundesregierung zu folgen.

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Details

Title
Die deutsch-deutsche Währungsunion 1990
College
University of Passau
Course
Wirtschafts- und Sozialpolitik
Grade
1,3
Author
Felix Weber (Author)
Publication Year
2007
Pages
24
Catalog Number
V78334
ISBN (eBook)
9783638846288
Language
German
Tags
Währungsunion Wirtschafts- Sozialpolitik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Felix Weber (Author), 2007, Die deutsch-deutsche Währungsunion 1990, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78334
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