Der Reisebericht Ibn Battutas gewährt Einblick in die muslimische Welt des 14. Jahrhunderts. Kein anderer Reisender des Mittelalters kann mit der ungeheuren Reiseleistung Battutas mithalten und kein anderer Reisebericht aus dieser Zeit ist in diesem Maße detailliert und exakt. Doch obwohl der Reisebericht von heutigen Historikern als herausragende mittelalterliche Quelle angesehen wird, gibt es dennoch Zweifel an einigen, wenn auch wenigen, Schilderungen Battutas. Gerade die Beschreibung der Chinareise Battutas wirkt verworren und lückenhaft, so dass an Battutas Reise nach China gezweifelt werden kann. In dieser Arbeit wird die Reisebeschreibung nach China analysiert und mit den Quellen aus jener Zeit verglichen. Dabei soll die Frage, in wie weit Battutas Reisebericht Glauben geschenkt werden kann, beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ibn Battuta
2.1 Die Rhila
3. China und der Islam im 14. Jahrhundert
3.1 Die Ausbreitung des muslimischen Handelsnetzwerkes im chinesischen Raum
3.2 China während der Sung-Dynastien
3.3 China unter den Mongolen
3.4 Muslime in Südostasien
4. Kontroversen um die Glaubwürdigkeit Battutas in Hinblick auf seine Chinareise
5. Die Reise ibn Battutas nach China
5.1 Von den Malediven nach Bengalen
5.2 Von Bengalen nach Sumatra
5.3 Von Sumatra an die chinesische Südküste
5.4 China zu Battutas Zeit
5.5 In China
5.6 Quanzhou und Kanton
5.7 Von Quanzhou nach Peking
5.8 In Peking
5.9 Der Rückweg
6. Fazit
7. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Authentizität der in der "Rhila" beschriebenen Chinareise des muslimischen Reisenden Ibn Battuta. Im Zentrum steht die kritische Prüfung, ob Battuta tatsächlich das chinesische Hinterland bis nach Peking bereiste oder ob weite Teile des Berichts fiktiv sind.
- Historische Analyse des Reiseberichts (Rhila)
- Einfluss des Islams auf Handelsnetzwerke im 14. Jahrhundert
- Geographische und historische Plausibilitätsprüfung der Etappen
- Zeitliche Analysen der Reiserouten
- Diskurs über die Glaubwürdigkeit mittelalterlicher Reiseberichte
Auszug aus dem Buch
5.5 In China
Ibn Battuta war angetan von der Schönheit des Landes, dem großen Warenangebot der Märkte, gleichzeitig aber auch erschrocken über die Dominanz der Ungläubigen: „Das Land China, so viele Schönheiten es auch enthält, gefiel mir nicht; im Gegenteil. Ich war gar sehr bekümmert, da der Unglaube dort die Herrschaft hat. Wenn ich meine Wohnung verließ, sah ich zahllose abscheuliche Dinge. Das versetzte mich derart in Aufregung, dass ich oft zu Hause blieb und nur notgedrungen ausging.“
In diesem Abschnitt der Rhila spiegelt sich besonders stark die Religiosität Battutas wieder, der hierbei seine Objektivität aufgibt und mit Abscheu von den Bräuchen der Chinesen spricht. Obwohl Battuta, nach eigenen Angaben, mehr als 5.600 Kilometer durch China reiste, werden von ihm nur sechs verschiedene Städte genannt, die dann auch nur vage, oder unkorrekt beschrieben werden. Lediglich die Bekanntschaften, die er auf dem Weg macht, verleihen den Berichten Glaubwürdigkeit, wenngleich die Bekanntschaften nicht durch weitere zeitgenössische Quellen belegt werden können. Auch die geographische Beschreibung Chinas ist an vielen Stellen fehlerhaft. Bereits zu Beginn seiner Beschreibung Chinas unterlaufen ihm Fehler:
„Der Fluß Ab-i Hayat, ‚Lebenswasser’ (Hoang-ho), durchströmt es [China]. Er heißt auch Saru, namensgleich dem Fluß in Indien. Seinen Ursprung hat er in den Bergen, die in der Nähe der Stadt Chan-Balik liegen und Kuh-i Buzineh, ‚Affenberge’, heißen. Auf einer Entfernung von sechs Reisemonaten fließt er quer durch China, bis er schließlich Sin as-Sin (Kanton) erreicht.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit stellt die Forschungsfrage nach der Echtheit der Chinareise Ibn Battutas und erläutert die methodische Herangehensweise der Überprüfung.
2. Ibn Battuta: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Überblick über das Leben des Reisenden und die Entstehungsgeschichte seines Berichts, der Rhila.
3. China und der Islam im 14. Jahrhundert: Es wird der historische Kontext muslimischer Handelsnetzwerke in Asien und der sozioökonomische Zustand Chinas während der Sung- und Yüan-Dynastien beleuchtet.
4. Kontroversen um die Glaubwürdigkeit Battutas in Hinblick auf seine Chinareise: Dieser Abschnitt fasst die unterschiedlichen Positionen der Historiker bezüglich der Authentizität der Chinareise zusammen.
5. Die Reise ibn Battutas nach China: Das Hauptkapitel analysiert detailliert die einzelnen Reiseetappen und kommentiert diese kritisch auf historische Genauigkeit.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass weite Teile der Reise, insbesondere der Weg in den Norden, historisch nicht belegbar oder ausgeschlossen sind.
7. Literaturangaben: Verzeichnis der für diese Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Werke.
Schlüsselwörter
Ibn Battuta, Rhila, Chinareise, Mittelalter, Islam, Handelsnetzwerke, Yüan-Dynastie, Authentizität, Forschungsreise, Geschichtswissenschaft, Mongolen, Reisebericht, Quellenkritik, Südostasien, Geographie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Analyse des Reiseberichts des Ibn Battuta, insbesondere mit der Frage, ob seine Schilderungen einer Chinareise bis nach Peking historisch glaubwürdig sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die mittelalterliche Reiseliteratur, die Ausbreitung des Islams in Asien sowie die politische und wirtschaftliche Lage Chinas im 14. Jahrhundert unter der mongolischen Yüan-Dynastie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, durch einen Vergleich der Rhila-Beschreibungen mit gesicherten historischen Daten festzustellen, welche Teile der Reise tatsächlich stattgefunden haben könnten und welche als literarische Ausschmückung oder Irrtum zu werten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Methode angewandt, bei der die Reisebeschreibung von Ibn Battuta systematisch mit zeitgenössischen geographischen und historischen Fakten abgeglichen wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Kontextualisierung der islamischen Präsenz in Asien sowie eine detaillierte, etappenweise Prüfung der Chinareise von den Malediven über Bengalen und Sumatra bis nach Peking.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Ibn Battuta, Rhila, Chinareise, Authentizität, Quellenkritik und mittelalterliche Handelsnetzwerke.
Warum wird die Reise nach Peking angezweifelt?
Die Zweifel gründen sich auf zahlreiche geographische Fehler (wie erfundene Flussverläufe) und historische Unmöglichkeiten, wie etwa den Bericht über das Begräbnis eines Kaisers, der zu dieser Zeit gar nicht verstorben war.
Welches Fazit zieht der Autor zur Chinareise?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Ibn Battuta China zwar höchstwahrscheinlich besucht hat, seine Reise sich jedoch auf die südchinesischen Hafenstädte beschränkte und er nicht in den Norden des Landes vorgedrungen ist.
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- Sven-Ole Schoch (Author), 2006, Ibn Battuta ein Schwindler? Eine Analyse der Chinareise Ibn Battutas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78346