Wie die deutsche Wohnungswirtschaft das Leerstandsproblem schön rechnet

Anmerkungen zur Empirica-Studie


Essay, 2007

10 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Revolution auf leisen Sohlen

Die Entwicklung des Wohnungsmarktes

Die Beschönigung der Lage

Leerstände von heute und morgen

Fazit

Literatur

Revolution auf leisen Sohlen

Deutschland schrumpft und altert.[1] Es ist ein Trend, der Auswirkungen auf viele Lebensbereiche der Bürgerinnen und Bürger hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die bundesrepublikanische Gesellschaft gelernt, zu wachsen. Doch das Wachstumsparadigma, das über Jahre und Jahrzehnte die deutsche Politik bestimmt hat, gilt nicht mehr. Schon jetzt werden Schulen geschlossen, Kindergärten zusammengelegt, Sport- und Kulturein­rich­tungen dichtgemacht.[2]

Der Geburtenrückgang zeigt erste Wirkungen. Und der Trend wird sich bis 2020 nicht umkehren, darin sind sich Bevölkerungsforscher wie Birg[3] und Kaufmann[4] einig.

Dass auch in Westdeutschland die Städte und Gemeinden Einwohner verloren haben, ist bisher kaum aufgefallen. Zunächst hatten Sondereffekte wie der Fall der Mauer und des Eisernen Vorgangs sowie die Zuwanderung überdeckt, dass die Sterbezahlen höher als die Geburtenzahlen lagen.

Ins Bewusstsein gelang ist dieser Trend mit Birgs Interview in „Spiegel online“ am 6. Januar 2000. Das Interview wurde im Internet veröffentlicht unter dem Titel „Sterben die Deutschen aus?“. Auf die suggestive Frage, ob die Politiker irgendwann aufwachen werden, sagte Birg: „In Deutschland wahrscheinlich erst in zwei Jahrzehnten. Wenn es zu spät ist. Brutal gesagt: Es gibt keine Lösung.[5]

Die Entwicklung des Wohnungsmarkts

Was bedeutet dies für den Wohnungsmarkt?

Eigentlich ist der Zusammenhang eindeutig: Weniger Einwohner bedeutet auf den ersten Blick, dass es mehr Leerstände von Wohnungen und Eigenheimen geben müsste. Und es ist ein rückläufiger Trend bei der Bautätigkeit feststellbar.[6]

Plötzlich steht da Nachbarhaus leer, die Alteigentümer sind gestorben, Kinder sind nicht da oder haben in den Grüngürteln im Außenbereich gebaut, andere Erben haben kein Interesse, das Althaus zu beziehen – ein Phänomen, das in Westdeutschland immer häufiger festzustellen ist. Auf 3,9 Prozent wird die Leerstandsquote bundesweit von Empirica geschätzt. Das klingt wenig und ist doch schon beachtlich. Wenn von den Wohnhäusern einer mittleren Gemeinde 400 bis 500 leer stehen, dann ist dies ein echtes Problem. Von einer „Revolution auf leisen Sohlen“ hat Waltersbacher gesprochen. Doch die Empirica-Zahlen sind möglicherweise empirisch gar nicht korrekt. Hauff / Bachmann führen ganz andre Zahlen an:

„Die Leerstandsquote in Deutschland hat sich innerhalb on fünf Jahren zwischen 1993 und 1998 mehr als verdoppelt. In Westdeutschland wuchs die Quote in diese Zeitraum von unter drei auf sechs Prozent, in Ostdeutschland von 6,2 auf 13,2 Prozent. 2002 lag sie für Deutschland insgesamt bei 8,2 Prozent. Rund drei Prozent Leerstand gelten als erforderlich für einen funktionierenden Wohnungsmarkt.“[7]

[...]


[1] Institut der Deutschen Wirtschaft; Roman Herzog Institut: Deutschland altert. Die demographische Herausforderung. Köln.2004

[2] Vgl. dazu Entwicklungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland.

[3] Birg, Herwig (2001): Die demographische Zeitenwende. Der Bevölkerungsrückgang in Deutschland und Europa. München. 2001.

[4] Kaufmann, Franz-Xaver: Schrumpfende Gesellschaft. Frankfurt 2005. Birg, Herwig (2001): Die demographische Zeitenwende. Der Bevölkerungsrückgang in Deutschland und Europa. München. 2001.

[5] „Sterben die Deutschen aus“. Interview von Spiegel Online mit Herwig Birg. 6.1.2000. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,58855,00.html; besucht am 4. Juli 2007

[6] Waltersbacher, Matthias: Räumliche Auswirkungen des demographischen Wandels auf den Wohnungsmarkt. In: Gans, Paul, Schmitz-Veltin, Ansgar: Demographische Trends in Deutschland. Folgen für Städte und Regionen. Hannover 2006. S. 112-130.

[7] Hauff, Volker; Bachmann, Günther: Unterm Strich. Erbschaften und Erblasten für das Deutschland von morgen – Eine Generationenbilanz. Bonn 2006, S. 25.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Wie die deutsche Wohnungswirtschaft das Leerstandsproblem schön rechnet
Untertitel
Anmerkungen zur Empirica-Studie
Autor
Jahr
2007
Seiten
10
Katalognummer
V78370
ISBN (eBook)
9783638830553
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wohnungswirtschaft, Leerstandsproblem
Arbeit zitieren
Armin König (Autor), 2007, Wie die deutsche Wohnungswirtschaft das Leerstandsproblem schön rechnet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78370

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