Der Roman „Gregorius – der gute Sünder“ von Hartmann von Aue behandelt verschiedene Thematiken. Angefangen beim Zwillingsinzest, über das Leben des Gregorius im Kloster, seinen Abenteuern als Ritter, dem Inzest mit seiner Mutter, bis zu seinem Leben als Büßer und letzten Endes als Papst.
Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit liegt auf dem Inzest der Zwillingsgeschwister. Ein besonderes Augenmerk liegt hinsichtlich bei der Interpretation auf dem theologischen Ansatz, vor allem hinsichtlich der Bedeutung der Buße. Bezüglich der anderen Aspekte des Romans erfolgt eine Auseinandersetzung nur, soweit sie für die Interpretation des Geschwisterinzest wichtig sind, anderenfalls würde der Rahmen dieser Arbeit gesprengt.
Um zu einer fundierten Interpretation zu gelangen, befasse ich mich zuerst mit dem historischen Kontext, in den das Werk einzuordnen ist.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Einordnung in den historischen Kontext
III. Entstehungsgeschichte des Gregorius
IV. Das Gesetz von Sünde und Buße
IV.1. Prolog
IV.2. Der Geschwisterinzest
IV.2.1. Bedeutung des Geschwisterinzests
IV.2.2. Verlauf des Geschwisterinzests
IV.3 Buße der Geschwister
IV.4. Buße des Gregorius
V. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Roman „Gregorius – der gute Sünder“ von Hartmann von Aue mit einem Fokus auf die theologischen Aspekte von Inzest, Schuld und Buße, um das moralische Weltbild des mittelalterlichen höfischen Romans zu ergründen.
- Analyse des Geschwisterinzests als zentrales Motiv.
- Untersuchung der theologischen Konzepte von Sünde und Buße.
- Betrachtung der Bedeutung von Ehre und Herkunft im mittelalterlichen Kontext.
- Einordnung des Werkes in den historischen und literarischen Kontext des Mittelalters.
- Deutung der Rolle des göttlichen Schicksals gegenüber menschlichem Handeln.
Auszug aus dem Buch
IV. 2. 2. Verlauf des Geschwisterinzests
In Aquitanien, so beginnt Aues Erzählung, bekommen der Herzog und seine Gemahlin Zwillinge, einen Sohn und eine Tochter. Die Mutter stirbt bei der Geburt, der Vater als die beiden zehn Jahre alt sind. Bevor er stirbt versammelt er jedoch “die besten von dem lande/ den er getrûwen solde”, denen er seine Kinder als Mündel übergibt. Wie das Recht es vorsieht, soll der Sohn Land und Titel des Vaters erben. Der Vater bereut auf dem Sterbebett, seine väterlichen Pflichten vernachlässigt zu haben, da er sich nicht um die Verheiratung seiner Tochter gekümmert habe. Daher spricht er zu seinem Sohn, dieser möge sich stets gut um seine Schwester kümmern.
Er erteilt seinem Sohne die letzten Ratschläge für ein sittliches Leben: “wis getrieuwe, wis stæte,/ wis milte, wis diemüete,/ wis vrevele mit güete./wis dîner zuht wol behuot (...)”, “vor allen dingen minne got,/ rihte wol durch sîn gebot”. Er legt seinem Sohn jedoch nicht nur ein gottgefälliges und reines Leben nahe, sondern befiehlt ihm ebenfalls seine Schwester an: “und diz kint, die swester dîn,/ daz dû dich wol an ir bewarst/ und ir bruoderlîchen mite varst:/ sô geschiht iu beiden wol./ got dem ich erbarmen sol/ der gerouche iuwer beider phlegen.”
An dieser Stelle kann man die erste Vorausdeutung auf den Geschwisterinzest sehen. Der Vater trägt dem Sohn auf, sich um seine Schwester zu kümmern. Solange er sie brüderlich behandele, werde es beiden gut ergehen. Da die Liebe später weit über die Bruderliebe hinaus reicht, entfallen sie Gottes Gnade, indem sie sich versündigen. Diese leise Ankündigung der bevorstehenden Kehrtwende von guter zu schlechter Liebe steigert sich von Vers zu Vers. Aue beschreibt, wie gut der Bruder sein Gelübde dem Vater gegenüber erfüllt, indem er seiner Schwester an nichts fehlen lässt und ihr jeden Wunsch erfüllt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Romans ein und definiert den Schwerpunkt der Arbeit auf der Interpretation der Bußthematik nach dem Geschwisterinzest.
II. Einordnung in den historischen Kontext: Dieses Kapitel erläutert die biblischen und gesellschaftlichen Grundlagen der Inzestverbote und der Sündenlehre im Mittelalter.
III. Entstehungsgeschichte des Gregorius: Hier wird der biographische und literarische Hintergrund der Entstehung des Werkes von Hartmann von Aue dargelegt.
IV. Das Gesetz von Sünde und Buße: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert den Prolog, den Geschwisterinzest sowie die spezifischen Formen der Buße durch die Geschwister und Gregorius selbst.
V. Fazit: Das Fazit fasst die moralische Absicht des Autors zusammen und bewertet die Rolle von Schuld, Ehre und göttlicher Gnade im Kontext des gesamten Romans.
Schlüsselwörter
Gregorius, Hartmann von Aue, Mittelalter, Geschwisterinzest, Buße, Sünde, Theologie, Schuld, Ehre, Erbsünde, Literaturwissenschaft, Höfischer Roman, Mittelalterliche Gesellschaft, Erlösung, Christliche Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Roman „Gregorius – der gute Sünder“ von Hartmann von Aue und untersucht die Darstellung und theologische Bedeutung von Inzest sowie die darauf folgende Buße.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Geschwisterinzest, die Konzepte von Sünde und Buße, sowie der Einfluss von Ehre und Herkunft auf das menschliche Schicksal in der höfischen Dichtung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte literaturwissenschaftliche Interpretation der Geschwister- und Inzestthematik unter Berücksichtigung der theologischen Überzeugungen Hartmanns von Aue.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wendet eine textnahe Interpretation an, gestützt durch den historischen Kontext (u.a. Leviticus, Augustin) und literaturwissenschaftliche Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, die Entstehungsgeschichte, eine detaillierte Analyse des Geschwisterinzests und eine differenzierte Betrachtung der Bußwege von Geschwistern und Gregorius.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Gregorius, Inzest, Buße, Sünde, Ehre, Erbsünde, Mittelalter und die Theologie Hartmanns von Aue.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Teufels im Roman?
Die Arbeit stellt heraus, dass der Teufel als Verführer auftritt, der die gute, geschwisterliche Liebe in eine verbotene, fleischliche Leidenschaft verkehrt, wobei diese Rolle in Hartmanns Version weniger stark ausgeprägt ist als im französischen Original.
Warum ist das Thema des Ehrbegriffs so wichtig?
Der Ehrbegriff ist zentral, da die Protagonisten ihr Handeln erst dann als sündhaft erkennen, wenn ihre soziale Ehre gefährdet ist, was zu einem Konflikt mit ihrem inneren, religiösen Empfinden führt.
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- Morgana Perkow (Author), 2006, Der Geschwisterinzest im Gregorius von Hartmann von Aue, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78397