Stresemanns Außenpolitik. Isolation Deutschlands nach dem 1. Weltkrieg und Integration nach Eintritt in den Völkerbund


Seminararbeit, 2004
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Außenpolitik Stresemanns
II. 1. Gustav Stresemann: Europäer oder Nationalist?
II. 2. Anwendung des Versailler Vertrages und Politik der Verständigung

III. Der Weg vom ersten Weltkrieg nach Locarno- Schwierigkeiten bei der Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich
III. 1. Die vorherrschende Situation nach dem ersten Weltkrieg
III. 2. Eingehen auf das französische Sicherheitsbedürfnis- Angebot eines Sicherheitspaktes
III. 3. Nichtanerkennung des status quo der Ostgrenze
III. 4. Die Rolle Englands

VI. Fazit

Bibliographie

I. Einleitung

Das schon immer schwierige Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich hatte durch den ersten Weltkrieg einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die vorliegende Arbeit behandelt die Entwicklung dieser Beziehung ab dem ersten Weltkrieg bis zum Pakt von Locarno, dessen Erfolg zum Eintritt Deutschlands in den Völkerbund führte.

Dabei stehen die Annäherungsbemühungen der deutschen Politiker an Frankreich, vor allem im Bereich der Sicherheitsfrage, im Vordergrund.

Besondere Aufmerksamkeit gilt hierbei der Außenpolitik Stresemanns. Die politische Person Stresemann ist schon deshalb von besonderem Interesse, da sich an ihr der Wandel der Politik seit dem ersten Weltkrieg sehr deutlich zeigt. Stresemann selbst wandelte sich in den Jahren seines Amtes als Außenminister (1923-1929) von einem kaisertreuen Monarchisten zu einem „Vernunftsrepublikaner“[1]. Seine Bemühungen bis zum Pakt von Locarno sollen hier besondere Aufmerksamkeit erfahren.

II. Außenpolitik Stresemanns

II.1. Gustav Stresemann: Europäer oder Nationalist?

Bevor man einen Blick auf die weiteren außenpolitischen Bemühungen Deutschlands wirft, lohnt es sich, die Intentionen Stresemanns, der die Geschicke der deutschen Außenpolitik von 1923 bis 1929 leitete, kurz anzusprechen. Lange Zeit stand dabei die Diskussion um Stresemanns Einstellung zu Europa im Vordergrund: war er Europäer oder Nationalist? Galt Stresemann lange Zeit als der vorbildliche Europäer, so wandelte sich diese Vorstellung durch die Veröffentlichung des Stresemann Nachlasses, besonders durch seinen Brief an den deutschen Kronprinzen vom 9. September 1925, ins entgegengesetzte Extrem.[2]

Unvorstellbar war für Stresemann und wohl auch die damaligen Zeitgenossen die Vorstellung, eine europäische Lösung auf dem Wege einer Souveränitätsbeschränkung der Einzelstaaten zu suchen. Vielmehr bestand bei ihm die Vorstellung, dass eine europäische Zusammenarbeit die volle Souveränität Deutschlands zur Voraussetzung haben müsse. Erst auf dem Wege einer Anerkennung der vollen Souveränität sah er die Möglichkeit, dass die Staaten sich gegenseitig als gleichberechtigte Partner statt Kontrahenten betrachteten und den friedlichen Ausgleich suchen konnten. Dies war der Grundgedanke, auf dem seine Locarno-Politik basierte.

II. 2. Anwendung des Versailler Vertrages und Politik der Verständigung

Stresemanns Außenpolitik gründete darauf, dass ihm stets die Anerkennung der vollen deutschen Souveränität als Hauptziel vor Augen stand, von der aus der friedliche europäische Ausgleich anzustreben war. Stresemann reihte sich nach dem Ersten Weltkrieg daher auch nie öffentlich in die Reihe derjenigen ein, die eine Revision des Versailler Vertrages als nationale Notwendigkeit proklamierten, der alle anderen Ziele unterzuordnen seien. Statt von Revision sprach er von der Anwendung[3] des Versailler Vertrages, der den Alliierten nicht nur Rechte sondern auch Pflichten auferlegte, welche von ihnen aber bisher nicht aufgegriffen worden waren. Der Versailler Vertrag legte Deutschland Entwaffnung auf. Zur Begründung dieser Pflicht wurde offiziell eine bevorstehende allgemeine Abrüstung der Staaten festgelegt, die aber trotz deutschen Drängens nie verwirklicht werden sollte.

III. Der Weg vom ersten Weltkrieg nach Locarno- Schwierigkeiten bei der Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich

III. 1. Die vorherrschende Situation nach dem ersten Weltkrieg

Die Situation nach dem ersten Weltkrieg stellte sich folgendermaßen dar:

Europa war auf Grund des Krieges zerrüttet. Frankreich war wirtschaftlich und finanziell ruiniert, und durch interalliierte Kriegsschulden an Amerika gebunden, da die Lieferung großer Kriegsgütermengen, die aus Amerika geschickt worden waren, nach dem Krieg bezahlt werden mussten.

Das Sicherheitsbedürfnis Frankreichs in Bezug auf Deutschland, welches hier besondere Beachtung finden soll, war durch mehrere Faktoren begründet:

Als direkter Nachbar Frankreichs, war ein schneller Einmarsch der Deutschen immer zu befürchten, vor allem, da Deutschland zu Lebzeiten der damaligen Generation schon zweimal in das französische Gebiet eingedrungen war. Weiterhin hatte man in Frankreich Angst vor Rache von der deutschen Seite, da Elsaß-Lothringen, das ewig umstrittene Gebiet, nach dem Krieg wieder an Frankreich gefallen war.

Diese Umstände brachten Frankreich dazu, strengste Auflagen im Versailler Vertrag am 28. Juni 1919 zu fordern. Deutschland wurde hier nicht als gleichberechtigter Verhandlungspartner anerkannt, vielmehr legte man ihm ein Friedensdiktat auf, bei dem es auch die Alleinschuld am Krieg anerkennen musste.

Abgesehen von den Gebietsverlusten Deutschlands, den Reparationskosten und den verlorenen Rechten im Ausland und auf Kolonien, wurde eine Überwachung der Abrüstung Deutschlands durch eine ineralliierte Kontrollkommission vorgeschrieben. Das Berufsheer wurde auf 100000 Mann festgelegt, und bis 50 km östlich des Rheins sollten alle Festungen geschliffen werden.

III.2. Eingehen auf das französische Sicherheitsbedürfnis- Angebot eines Sicherheitspaktes

Der erste Schritt auf dem Wege der Verständigung mußte darin bestehen, das französische Sicherheitsbedürfnis ernst zu nehmen. Nach dem praktischen Scheitern des Genfer Protokolls- der internationalen Sicherheitsinitiative des Jahres 1924 ohne Deutschland- drohte ein Garantiepakt zwischen Frankreich und England, der Deutschland wieder mehr zum Objekt der großen europäischen Politik der Entente gemacht hätte. Für Stresemanns Verständigungspolitik war damit ein Neuansatz erforderlich geworden.

Anfang 1925 griff Stresemann den bereits unter der Regierung Cuno 1924 vorgebrachten Gedanken eines Sicherheitspaktes zur Befriedigung des französischen Sicherheitsbedürfnisses wieder auf, indem er zwei nahezu gleichlautende Memoranden an Großbritannien (20. Januar)[4] und Frankreich (4. Februar)[5] übermitteln ließ.

Drei wesentliche Punkte wurden darin direkt oder indirekt angesprochen:

a) In einem umfassenden Sicherheitspakt sollte eine internationale Garantie für angegriffene Staaten festgelegt werden. Der allgemein bestehenden diffusen Kriegsfurcht und damit auch der Gefahr neuer Auseinandersetzungen sollte durch konkrete Garantien entgegengearbeitet werden.
b) Weiterhin wurde die Garantie des gegenwärtigen Besitzstandes am Rhein, die sich allerdings ausschließlich auf die deutsche Westgrenze bezog, angesprochen. Zum einen wurde damit expressis verbis der Verbleib des zu dieser Zeit noch besetzten Rheinlandes beim Deutschen Reich garantiert, was nicht auf positive Reaktionen in der französischen Öffentlichkeit stoßen konnte. Zum anderen bestätigte Deutschland damit die Abtrennung Elsaß-Lothringens, was in der öffentlichen Meinung Deutschlands auf energischen Widerstand stoßen musste. Dies war auch der Grund dafür, die beiden Sicherheitsmemoranden geheim zu halten, woran sich Herriot und MacDonald auch genau hielten.

Des Weiteren zeigte die Anerkennung der Abtrennung Elsaß-Lothringens, dass Stresemann das von den Alliierten propagierte Selbstbestimmungsrecht der Völker beachtete.[6] Die Bevölkerung Elsaß-Lothringens war zwar deutschstämmig, befürwortete aber einen Anschluß an Frankreich. Stresemanns Auffassung ließ sich in dieser Frage nicht mit nationalistischem Denken vereinbaren. Bezüglich des deutschen Ostens hingegen konnte Stresemann dieses Prinzip für deutsche Zwecke einsetzen, da bei der Festlegung der Ostgrenze mit dem polnischen Korridor dieses Prinzip durchbrochen worden war.

Dementsprechend war die Garantie des gegenwärtigen Besitzstandes nur auf die Westgrenze bezogen.

c) Das Angebot, Schiedsverträge mit allen dazu bereiten Staaten abzuschließen, war demgegenüber auf den Osten bezogen. Statt einer Garantie der Ostgrenzen sollten Schiedsgerichte zur friedlichen Regelung gegenseitiger Streitigkeiten eingerichtet werden, die damit aber weiterhin den Weg für eine Revision der Ostgrenzen offenließen.

Das Problem auf dem Weg zur Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich war also vor allem das französische Sicherheitsbedürfnis, das besonders durch das Entwaffnungs- und Räumungsprogramm befriedigt werden sollte.

Frankreich hatte die fristgerechte Räumung der ersten Zone, der Kölner Zone, nicht durchgeführt; der Vorwurf an Deutschland war die nicht vollkommen vollzogene Entwaffnung, ohne die Frankreich die erste Zone nicht räumen wollte.

[...]


[1] Hirsch, Felix, Gustav Stresemann. Patriot und Europäer (=Persönlichkeiten und Geschichte, Band 36), Göttingen u.a.1964.

[2] Hirsch, Felix, a.a.O.

[3] Berg, Manfred, Gustav Stresemann. Eine politische Karriere zwischen Reich und Republik (=Persönlichkeit und Geschichte Band 36/36a) Göttingen, Zürich 1992.

[4] Bußmann, Walter, Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918-1945(=Serie A:1918-1925, Band XII, 1. Januar bis 25 April 1925, Q 37, S.88), Göttingen 1994.

[5] Bußmann, Walter, Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918-1945(=Serie A:1918-1925, Band XII, 1. Januar bis 25 April 1925, Q 64, S.157), Göttingen 1994.

[6] Bußmann, Walter, Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918-1945(=Serie A:1918-1925, Band XII, 1. Januar bis 25 April 1925, Q 20, S.42), Göttingen 1994.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Stresemanns Außenpolitik. Isolation Deutschlands nach dem 1. Weltkrieg und Integration nach Eintritt in den Völkerbund
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die neuere Geschichte
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V78407
ISBN (eBook)
9783638829991
ISBN (Buch)
9783656524113
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stresemanns, Außenpolitik, Isolation, Deutschlands, Integration, Eintritt, Völkerbund, Proseminar, Einführung, Geschichte
Arbeit zitieren
Morgana Perkow (Autor), 2004, Stresemanns Außenpolitik. Isolation Deutschlands nach dem 1. Weltkrieg und Integration nach Eintritt in den Völkerbund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78407

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