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Möglichkeiten und Grenzen mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Armenfürsorge

Title: Möglichkeiten und Grenzen mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Armenfürsorge

Seminar Paper , 1996 , 33 Pages , Grade: 2

Autor:in: Gerald Böke (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf dem Zeitraum vom ausgehenden Hochmittelalter bis zur zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Desweiteren stehen die Formen institutionalisierter Armenfürsorge im Mittelpunkt, da das Ausmaß der Almosen, die von Hand zu Hand gingen, also die ganz private Fürsorge für die Armen, nicht abzuschätzen ist, und somit auch nicht objektiv diskutiert werden kann. Lediglich die verschriftlichten Testamente und Schenkungen können deshalb berücksichtigt werden.
Unter der Prämisse, daß es im Untersuchungszeitraum zu einem grundlegenden Wandel in der obrigkeitlichen Armenfürsorge gekommen ist, wird die Erörterung von verschiedenen Leitfragen bestimmt. Zum einen wird gefragt, wie und wann es zu dem Wandel kam und zum anderen werden die Folgen für die Effektivität der Armenfürsorge bzw. für die Motivation der Spender diskutiert. Dabei erörtert, ob die neu organisierte Armenfürsorge eher zu einem Fortschritt oder zu einem Rückschritt in der Bewältigung der Armutsproblematik geführt hat. Es wird gefragt, inwieweit die reformierte im Vergleich zur traditionellen Armenfürsorge in der Lage war bzw. beabsichtigte, den Bedürftigen aus ihrer Armut herauszuhelfen.
Im Sinne des Erkenntnisinteresses ist es zunächst einmal erforderlich, zu klären, wie Armut definiert wurde und welche Ausmaß die so definierte Armut hatte. Anschließend wird die mittelalterliche Armenfürsorge dargestellt. Abschließend wird dieser dann die reformierte Armenfürsorge gegenübergestellt. Aufgrund der Fragestellung liegt hier der Schwerpunkt der Erörterung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die mittelalterliche Armenfürsorge

2.1. Definition und Bedeutung der Armut im Mittelalter

2.2 Die Organisation der Armenfürsorge

2.3 Die Armenfürsorge in der Krise des Spätmittelalters

3. Die reformierte Armenfürsorge

3.1 Geistesgeschichtliche und/oder wirtschaftliche Ursachen für die Erneuerung der Armenfürsorge?

3.2 Frühneuzeitliche Armenfürsorge unter dem Paradigma der Sozialdisziplinierung?

3.3 Die Neuordnung im Zeichen von Sozialdisziplinierung und geistesgeschichtlicher Entwicklung

3.4 Die Frage der Finanzierung

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Transformation der Armenfürsorge vom ausgehenden Mittelalter bis zur zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich der Übergang von der traditionellen, kirchlich geprägten Almosenpraxis hin zur reformierten, obrigkeitlichen Armenfürsorge vollzog und ob diese Neuordnung tatsächlich zu einer effektiveren Bewältigung der Armutsproblematik führte oder primär repressiven Interessen diente.

  • Wandel des Armutsbegriffs vom Hochmittelalter zur Frühen Neuzeit
  • Die Rolle der städtischen Obrigkeit und Kommunalisierung der Fürsorge
  • Sozialdisziplinierung und der Umgang mit "starken Bettlern"
  • Herausforderungen in der Finanzierung durch Spenden und Stiftungen
  • Vergleich von traditioneller und reformierter Armenfürsorge

Auszug aus dem Buch

3.2 Frühneuzeitliche Armenfürsorge unter dem Paradigma der Sozialdisziplinierung?

Wenn auch die wirtschaftlichen Veränderungen nicht zu einem außergewöhnlichen Anstieg der Armut geführt haben, so waren sie anderer Hinsicht dennoch von entscheidender Bedeutung. So erzwang die zunehmende Ausweitung der „Marktvergesellschaftung“ eine Anpassung der städtischen Lebensgewohnheiten an die Gesetzmäßigkeiten des Marktes, wobei diese bereits in die Normen und Einstellungen der handwerklichen Mittelschicht eingeflossen waren, aber nicht die Persönlichkeitsmerkmale der übrigen städtischen Bewohner kennzeichneten, vor allem nicht die der Unterschichten.

Das oberste Ziel aller Disziplinierungsmaßnahmen war, die Armen dazu zu bringen, ihren Lebensunterhalt durch eigene Arbeit und planvolles Haushalten zu erwirtschaften, um das städtische Almosen zu entlasten. Da die Obrigkeit in der Frühen Neuzeit im Gegensatz zum Mittelalter mit der Zuteilung von Almosen über ein Zwangsmittel verfügte, konnte sie nun die auch schon im Spätmittelalter verschiedentlich propagierte Arbeitspflicht für die Arbeitsfähigen eher durchsetzen.

Indem die „Bettler als eine Bedrohung der moralischen Normen und damit auch der politischen und sozialen Ordnung“ identifiziert wurden, griff die Fürsorgereform die Interessen des Handwerks auf. Die zur der Zeit einsetzende Sozialdisziplinierung der Unterschichten, habe der Stabilisierung des Rats als Obrigkeit gedient, indem der Bürger mittels der Erziehung zu Arbeitsdisziplin, Fleiß, Ordnung und Gehorsam zum Untertan habe geformt werden sollen und dadurch, daß die Armen als Gegenleistung für das Almosen zu einem aus dem bürgerlichen Tugendkatalog stammenden Verhalten angehalten wurden, das sich in den Bettelordnungen wiederfand. Nach dieser These kommt dem geistesgeschichtlichen Umbruch nur sekundäre Bedeutung zu, da er vornehmlich den Akteuren als Rechtfertigung ihres Handelns gedient hätte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema der historischen Armenfürsorge ein und umreißt den zeitlichen Fokus auf das Spätmittelalter bis zum 16. Jahrhundert.

2. Die mittelalterliche Armenfürsorge: Dieses Kapitel erläutert die traditionellen Strukturen der Armenhilfe, die stark durch religiöse Motive und kirchliche Institutionen geprägt waren.

3. Die reformierte Armenfürsorge: Hier werden die Gründe für die grundlegende Umgestaltung der Armenfürsorge im 16. Jahrhundert diskutiert, wobei der Fokus auf Sozialdisziplinierung und Zentralisierung liegt.

4. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Bewertung des Wandels, die feststellt, dass die Neuordnung der Armenfürsorge ihr Ziel der Armutsbekämpfung trotz positiver Ansätze häufig verfehlte.

Schlüsselwörter

Armenfürsorge, Mittelalter, Frühe Neuzeit, Almosen, Armutsbegriff, Sozialdisziplinierung, Reformationszeit, Bettler, Arbeitszwang, Stiftungen, Kommunalisierung, Armenordnung, Stigmatisierung, Obrigkeit, Soziale Sicherheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entwicklung und den Wandel der Armenfürsorge vom Mittelalter bis zum 16. Jahrhundert, insbesondere den Übergang von einer privaten, religiös motivierten Almosenpraxis hin zu einem staatlich regulierten, obrigkeitlichen System.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Definition von Armut, die Rolle der Reformation und des Humanismus, das Aufkommen der Sozialdisziplinierung und die Schwierigkeiten der städtischen Finanzierung von Armenhilfe.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Wandel der Armenfürsorge zu untersuchen und kritisch zu hinterfragen, ob die reformierte Armenfürsorge tatsächlich effektiver war oder primär der Kontrolle der Unterschichten diente.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, indem er zeitgenössische Quellen wie Armenordnungen und Reiseberichte sowie die fachwissenschaftliche Sekundärliteratur vergleichend auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der mittelalterlichen Verhältnisse, die Analyse der reformatorischen Neuordnung und die detaillierte Betrachtung von Sozialdisziplinierung, Arbeitszwang und der schwierigen Finanzierungslage in den Städten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Armenfürsorge, Sozialdisziplinierung, Kommunalisierung, Almosenwesen und der Wandel von der kirchlichen zur städtischen Fürsorgeverwaltung.

Was ist mit dem Begriff "Sozialdisziplinierung" in diesem Kontext gemeint?

Der Begriff beschreibt den Prozess, bei dem die städtische Obrigkeit durch Armengesetze und Bettelordnungen versuchte, die Unterschichten zur Arbeitswilligkeit, Gehorsam und bürgerlichen Verhaltensnormen zu erziehen.

Welche Rolle spielt die Finanzierung der Armenhilfe?

Die Finanzierung erwies sich als dauerhaftes Problem, da die freiwilligen Spenden oft unzureichend waren, was den Druck erhöhte, Zwangsabgaben einzuführen und die Unterstützung stärker zu rationalisieren.

Führt die Autorin zu einem positiven Ergebnis für die Armenfürsorge der Frühen Neuzeit?

Nein, das Fazit fällt eher nüchtern aus: Obwohl die Neuordnung effizienter in der Verwaltung war, brachte sie für die Betroffenen durch Stigmatisierung und repressive Maßnahmen häufig keine Verbesserung, sondern verschlechterte ihre Lage teils erheblich.

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Details

Title
Möglichkeiten und Grenzen mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Armenfürsorge
College
Bielefeld University  (Fakultät für Geschichtswissenschaft und Philosophie)
Course
Seminar: Armut - ein individuelles oder ein gesellschaftliches Problem ?
Grade
2
Author
Gerald Böke (Author)
Publication Year
1996
Pages
33
Catalog Number
V78446
ISBN (eBook)
9783638839563
ISBN (Book)
9783638935616
Language
German
Tags
Möglichkeiten Grenzen Armenfürsorge Seminar Armut Problem
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Gerald Böke (Author), 1996, Möglichkeiten und Grenzen mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Armenfürsorge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78446
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