"... Es könne gegenwärtig nicht darum gehen, Geld für Reformen zu bekommen, sondern zu fragen, welche Reformen . . . für das vorhandene Geld möglich (sind)?"
In Anbetracht der Bedeutung eines effizient und sachgerecht ausgebildeten Humankapitals für eine auf Wissenskapital basierender Hochlohnvolkswirtschaft wie die der Bundesrepublik Deutschland gilt es den Bildungssektor ständig auf Effizienz und Effektivität zu untersuchen. Da ein großer Anteil des BIP aus Wissenskapital resultiert und laut multinationalen Studien das Bildungsniveau in Deutschland im internationalen Wettbewerb zurückliegt, entsteht extremer Handlungsbedarf zur Wahrung der Wettbewerbsfähigkeit.
Die in der vorliegenden Arbeit behandelte Problemstellung, bezieht sich auf die Komplexität der in der Literatur umschriebenen interdependenten Probleme des Sektors und der Problematik der Durchführbarkeit der Subventionierung des Bildungssektors. Die große Bedeutung des Humankapitals für die Wirtschaft verdeutlicht die Notwendigkeit den Ursprung für Humankapital und dessen Finanzierung adäquat zu beleuchten. Diese Problemstellung stellt sich aufgrund der oben angesprochenen Komplexität und der Bedeutung als nicht trivial dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Begriffsabgrenzung Marktversagen
1.3. Gang der Untersuchung
2. Die Situation in der Bundesrepublik
2.1. Eine nationale Bestandsaufnahme
2.2. Staatliche Motivation zu Intervenieren
2.3. Subventionen als wirtschaftspolitische Maßnahme
2.3.1. Untersuchung der Allokationseffizienz
2.3.2. Untersuchung der Verteilungseffizienz
3. Auswege aus der Bildungsmisere
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Marktversagen im deutschen Bildungssektor und analysiert die Effektivität staatlicher Interventionen sowie deren Auswirkungen auf Allokation und Verteilung. Ziel ist es, die Problematik der aktuellen Bildungsfinanzierung kritisch zu beleuchten und potenzielle marktwirtschaftliche Reformansätze aufzuzeigen.
- Analyse von Marktversagen und Humankapitaltheorie
- Bestandsaufnahme der Bildungsfinanzierung in Deutschland
- Kritische Bewertung staatlicher Subventionsmechanismen
- Untersuchung von Allokations- und Verteilungseffizienz
- Diskussion marktwirtschaftlicher Alternativen wie Bildungsgutscheine
Auszug aus dem Buch
2.2. Staatliche Motivation zu Intervenieren
Aus der Vermehrung des Humankapitals resultieren unterschiedliche Effekte. Ein interner Effekt und des Weiteren und soziale externe Effekte sowie fiskalische Effekte. Beim internen Effekt wird davon ausgegangen, dass mit einer Humankapitalinvestition die Leistungsfähigkeit des investierenden Wirtschaftssubjektes gesteigert wird. Durch die gestiegene Leistungsfähigkeit kann das Individuum nun ein höheres Einkommen auf dem Arbeitsmarkt erzielen, so dass es zumindest einen Teil der Investition internalisieren kann.
Der externe soziale Effekt gründet auf eine Diffusion des hinzugewonnenen Wissens von dem nicht nur die investierende Person profitiert, sondern von dem auch positive, produktionssteigernde Wirkungen auf andere Personen übergehen, wodurch die gesamtwirtschaftliche Produktivität und letztlich auch die Wohlfahrt erhöht wird. Jedoch wird das Individuum für die Wissensdiffusion von den anderen Wirtschaftssubjekten nicht entlohnt, so dass es nicht die sozialen Erträge seiner Investition internalisieren kann. Die theoretischen Überlegungen kommen zum selben Ergebnis wie die Forschungs- und Entwicklungsmodelle. Die Wirtschaftssubjekte werden nun die positiven externen Effekte, die mit Bildung einhergehen, nicht in ihr einzelwirtschaftliches Kalkül aufnehmen, woraus eine gesamtwirtschaftlich zu geringe Bildungsaktivität resultiert. Dabei sind die externen Effekte umso stärker, je höher das durchschnittliche Bildungsniveau einer Gesellschaft ist. Bei einem durchschnittlich hohen Bildungsniveau erfolgt eine schnellere Diffusion des Wissens. Daraus folgt, dass das gesamte Bildungsniveau einer Volkswirtschaft und die bereits vorhandene Humankapitalbasis von Bedeutung sind, und nicht nur das Humankapitalvermögen einzelner Personen. Aus diesem Grunde lässt der Staat finanziell benachteiligten Individuen Transfers zukommen. Dies schafft für diese Individuen eine attraktive „internal rate of return“ und erlaubt somit das gesellschaftliche Bildungsniveau zu erhöhen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zur Problematik des Bildungssektors unter Berücksichtigung von Wissenskapital und Effizienz.
2. Die Situation in der Bundesrepublik: Analyse der aktuellen finanziellen Bildungssituation, der Motive für staatliche Eingriffe und der Effekte von Subventionen.
3. Auswege aus der Bildungsmisere: Diskussion alternativer Finanzierungsmodelle und marktwirtschaftlicher Ansätze wie Bildungsgutscheine zur Überwindung der Ineffizienz.
4. Schlussbetrachtung: Kritische Zusammenfassung der Ergebnisse und Forderung nach einer Neuordnung der finanziellen Rahmenbedingungen.
Schlüsselwörter
Bildungsökonomie, Marktversagen, Humankapital, staatliche Intervention, Allokationseffizienz, Verteilungseffizienz, Bildungsfinanzierung, Bildungsgutscheine, Wissenskapital, Bildungsreform, Bildungssektor, Wettbewerb, externe Effekte, Sozialökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Aspekte des deutschen Bildungswesens und die Begründungen für staatliche Eingriffe in einen Markt, der durch Marktversagen geprägt ist.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Humankapitaltheorie, die Analyse öffentlicher Bildungsausgaben, die Bewertung der Effizienz staatlicher Subventionen sowie Reformmöglichkeiten durch marktwirtschaftliche Instrumente.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, warum das aktuelle staatlich dominierte Bildungssystem in Deutschland allokativ und verteilungspolitisch problematisch ist und welche Alternativen existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine volkswirtschaftliche Literaturanalyse, die auf theoretischen Modellen der Wohlfahrtsökonomie und der Wachstumstheorie basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der deutschen Bildungsfinanzierung, eine theoretische Begründung staatlicher Interventionen durch externes Marktversagen und eine kritische Untersuchung der Effizienz staatlicher Subventionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Bildungsökonomie, Marktversagen, Humankapital, staatliche Intervention, Allokationseffizienz und Bildungsgutscheine.
Wie bewertet der Autor die aktuelle staatliche Subventionierung im Bildungssektor?
Der Autor sieht diese kritisch, da sie ineffiziente Anreize schafft, den Wettbewerb unterdrückt und zu einer problematischen Verteilung von öffentlichen Mitteln führt.
Was versteht der Autor unter der "Zertifikats-Lösung" als Alternative?
Hierbei handelt es sich um das Modell der Bildungsgutscheine, die den Wettbewerb zwischen verschiedenen Bildungsanbietern fördern sollen, anstatt nur pauschale staatliche Budgets an Institutionen zu vergeben.
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- Alexander tho Seeth (Author), 2002, Marktversagen im Bildungssektor und staatliche Intervention, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7846