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Roman Ingarden und seine Kritiker

Title: Roman Ingarden und seine Kritiker

Scientific Essay , 1995 , 34 Pages

Autor:in: Dr. Wolfgang Ruttkowski (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Summary Excerpt Details

Roman Ingarden (1893-1970) gilt unter Ästhetikern als der bedeutendste Literaturtheoretiker des letzten Jahrhunderts, ist jedoch bei Germanisten fast nur als Name bekannt. Wer sich mit seinem Schichtenmodell für Literatur auseinandersetzen will, muss dieses mit dem Nicolai Hartmanns (1882-1950) vergleichen. Dieses ist dem Ingardens an ontologischer Durchdachtheit überlegen, an Detail-Reichtum jedoch unterlegen.
Wie fast alle originellen Entwürfe ist auch Ingardens Literaturmodell in entscheidenden Punkten kritisiert worden (u.a. von Käte Hamburger, Detlef Leistner, Stefan Morawski, Hans Joachim Pieper und René Wellek, von der marxistischen Literaturkritik ebenso wie von der sprachanalytischen Schule). Von den Angriffen kann man viel über Wesen und Wirkungsweise von Literatur lernen. Sie stehen in Zusammenhang mit Ingardens “Anti-Psychologismus”, seiner Unterscheidungsweise von Kunstgegenstand und ästhetischem Gegenstand, seiner Behandlung des Wertproblems von Kunst (besonders seiner relativ konservativen Auffassung von der Objektivität ästhetischer Werte, die zu seiner Theorie der ästhetischen Erfahrung in Widerspruch steht), seiner Beschreibung einer tragenden “Schicht der Wertlaute” und noch mehr einer “Schicht der schematisierten Ansichten” im Sprachkunstwerk, seinem Schichtenbegriff überhaupt sowie seiner gelegentlichen Ungenauigkeit in der Anwendung seiner Terminologie.
(Zuerst als Vortrag vor dem Jap. Germanistenverband, Hokkaido Daigaku, 21.9.1995)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Ingardens Einschätzung durch und Einfluss auf andere Kritiker

2 Gründe für die Unbekanntheit Ingardens bei den Germanisten

3.1 Der Schichtenbegriff und die Schichtung des Kunstwerks bei Ingarden und Hartmann:

3.2 Verschiedene Auffassungen der tragenden Schicht

3.3 Ingardens 3. Schicht der “schematisierten Ansichten”

3.3.1 Schematisierte Ansichten in der Material-Schicht

3.3.2 Schematisierte Ansichten in der Schicht der Gegenstände

3.3.3 Schematisierte Ansichten in den Hintergrundsschichten

4 Die ontologischen Strukturgesetze des Sprachkunstwerks

5 Ingardens Anti-”Psychologismus”

6 Ingarden, die Rezeptionsästhetik und die Literatursoziologie

7.1 Ingardens Werte-Theorie:

7.2 Morawskis Kritik

8 Eine marxistische Kritik Ingardens

9 Ingardens Auseinandersetzung mit Käte Hamburger

10 Einordnung von Ingardens Bemühungen in sein eigenes System der Ästhetik

11 Zusammenfassende Kritik

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das literaturtheoretische Werk von Roman Ingarden (1893-1970) und seine Rezeption sowie kritische Auseinandersetzung durch verschiedene Denker des 20. Jahrhunderts. Das Hauptziel besteht darin, Ingardens Schichtenmodell der Literatur kritisch zu beleuchten, dessen Stellung innerhalb der phänomenologischen Ästhetik zu bestimmen und den Einfluss sowie die Grenzen seiner methodischen Ansätze im Vergleich zu anderen Theorien aufzuzeigen.

  • Ingardens Schichtenmodell und dessen ontologische Grundlagen
  • Der Einfluss Ingardens auf zeitgenössische Literaturtheoretiker
  • Die Wertungsproblematik und ästhetische Objektivität
  • Methodologische Abgrenzungen zu anderen Literaturwissenschaftlern
  • Das Verhältnis von Kunstgegenstand und ästhetischem Gegenstand

Auszug aus dem Buch

3.3 Ingardens 3. Schicht der “schematisierten Ansichten”

Nun wird aber bei Ingarden im literarischen Kunstwerk (ebenso wie im Bild) zwischen die Schicht der “Bedeutungseinheiten, Satzsinne, Satzzusammenhänge (2) und die der “dargestellten Gegenständlichkeiten und ihrer Schicksale” (4) eine weitere (3) der “schematisierten Ansichten mit Unbestimmtheitsstellen” eingeschoben, die es bei Hartmann nicht gibt - und mit gutem Grund.

Nach der Einsicht der phänomenologischen Philosophie erscheinen uns die Objekte der materiellen Welt in einer Folge von verschiedenen Ansichten, je nach unserer Stellung zu ihnen. Wir können also ein Ding nie vollkommen (d.h. von allen Seiten zugleich) erkennen, sondern sind darauf angewiesen, die erinnerten Teilaspekte zu Vorstellungen von den Dingen zusammenzufassen. Die Begriffe unserer Sprache sind selbst solche Zusammenfassungen von Teilaspekten. - Die Unbestimmtheitsstellen, die wir im Moment nicht erkennen können, ergänzen wir mittels der Erinnerung an frühere Erfahrungen mit ähnlichen Gegenständen. Auch im Kunstwerk kann der Autor uns nur Teilansichten bieten (in Literatur und Film eine Folge von solchen) und selbst diese kann er unmöglich voll ausführen .- Im Übersehen dieser Tatsache lag die Illusion des konsequenten Naturalismus. Es hat ihn deshalb nur in seinen Programmen gegeben, nicht in der Kunst selbst.- Da der Autor viele Einzelheiten auslassen muss, nennt Ingarden diese Teilansichten schematisiert. Der Aufnehmende muss sie ergänzen oder “konkretisieren”.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Ingardens Einschätzung durch und Einfluss auf andere Kritiker: Das Kapitel würdigt die Bedeutung Ingardens als phänomenologischen Ästhetiker und dokumentiert den breiten wissenschaftlichen Einfluss seines Werks auf bedeutende Denker.

2 Gründe für die Unbekanntheit Ingardens bei den Germanisten: Es wird analysiert, warum Ingardens Theorien trotz ihrer Relevanz in deutschen Fachkreisen lange Zeit kaum rezipiert wurden, wobei politische und historische Umstände sowie stilistische Hürden genannt werden.

3.1 Der Schichtenbegriff und die Schichtung des Kunstwerks bei Ingarden und Hartmann: Eine methodische Gegenüberstellung der Schichtenmodelle von Ingarden und Hartmann hinsichtlich ihrer ontologischen Ausrichtung.

3.2 Verschiedene Auffassungen der tragenden Schicht: Diskussion der unterschiedlichen Ansichten zur untersten Schicht des Wortkunstwerks und Ingardens Fokus auf den Wortklang.

3.3 Ingardens 3. Schicht der “schematisierten Ansichten”: Erläuterung der spezifisch ingardenschen Kategorie der schematisierten Ansichten und der Bedeutung der Unbestimmtheitsstellen.

4 Die ontologischen Strukturgesetze des Sprachkunstwerks: Zusammenfassung der intentionalen Seinsweise des Sprachkunstwerks im Kontext der Phänomenologie.

5 Ingardens Anti-”Psychologismus”: Untersuchung der programmatischen Ablehnung psychologischer Kategorien durch Ingarden in seiner ästhetischen Analyse.

6 Ingarden, die Rezeptionsästhetik und die Literatursoziologie: Betrachtung der Beziehungen zwischen Ingardens phänomenologischer Kategorienbildung und soziologisch orientierten Literaturansätzen.

7.1 Ingardens Werte-Theorie: Kritische Analyse von Ingardens Versuchen, eine objektive Wertlehre im Rahmen seines Modells zu etablieren.

7.2 Morawskis Kritik: Darstellung der tiefgreifenden Einwände Stefan Morawskis gegen Ingardens Wertvorstellungen und Axiologie.

8 Eine marxistische Kritik Ingardens: Analyse der marxistischen Sichtweise von Detlef Bernd Leistner, der Ingardens idealistischen Ansatz einer Kritik unterzieht.

9 Ingardens Auseinandersetzung mit Käte Hamburger: Vergleich der Positionen Ingardens und Hamburgers bezüglich Wirklichkeitsaussagen und fiktionalen Charakteren in der Dichtung.

10 Einordnung von Ingardens Bemühungen in sein eigenes System der Ästhetik: Eine Übersicht über die verschiedenen Teilgebiete der Ästhetik Ingardens und die Problematik ihrer konsequenten Trennung.

11 Zusammenfassende Kritik: Abschließende Würdigung und kritische Bilanzierung der ingardenschen Leistungen sowie seiner theoretischen Inkonsequenzen.

Schlüsselwörter

Ästhetik, Roman Ingarden, Nicolai Hartmann, Phänomenologie, Ontologie, Literaturtheorie, Schichtentheorie, Sprachkunstwerk, Konkretisation, Unbestimmtheitsstellen, Rezeptionsästhetik, Werttheorie, Literatursoziologie, Intentionalität, Strukturalismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit bietet eine kritische Auseinandersetzung mit der literaturtheoretischen Systematik von Roman Ingarden, insbesondere seiner Schichtenlehre und Ontologie des literarischen Kunstwerks.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Struktur des Sprachkunstwerks, die Rolle des Lesers bei der Konkretisation, die Wertproblematik und die wissenschaftliche Abgrenzung zu anderen phänomenologischen und strukturalistischen Ansätzen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Stärken und Schwächen von Ingardens Modell aufzuzeigen, indem dessen Rezeption und Kritik durch andere Gelehrte untersucht wird, um eine fundierte Einordnung in die Ästhetik des 20. Jahrhunderts vorzunehmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine phänomenologische und komparatistische Methode angewandt, die Ingardens Theorie an der Praxis und an konkurrierenden Schichtentheorien (wie der von Nicolai Hartmann) misst.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Ingardens Schichtenbegriff, seiner Ablehnung des Psychologismus, der Auseinandersetzung mit Literatursoziologen und Marxisten sowie seiner speziellen Wertlehre.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind vor allem: Schichtenästhetik, Konkretisation, Intentionalität, Unbestimmtheitsstellen und die ontologische Seinsweise von Literatur.

Inwiefern unterscheidet sich Ingardens Verständnis von "schematisierten Ansichten" von anderen Ansätzen?

Ingarden führt diese Schicht als notwendiges Bindeglied ein, um zu erklären, wie Leser ein Werk durch Ausfüllen von Leerstellen in einer "Konkretisation" erst vervollständigen.

Warum gilt Ingardens Theorie der ästhetischen Werte als problematisch?

Die Arbeit arbeitet heraus, dass Ingarden einerseits an der Objektivität ästhetischer Werte festhält, andererseits jedoch einräumen muss, dass diese erst in der subjektiven Konkretisation durch den Rezipienten sichtbar werden, was zu einem unauflösbaren Widerspruch führt.

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Details

Title
Roman Ingarden und seine Kritiker
College
Kyoto Sangyo University  (German Department)
Course
Kongressvortrag: Jahreskongress des jap. Germanistenvereins, Universität Hokkaido
Author
Dr. Wolfgang Ruttkowski (Author)
Publication Year
1995
Pages
34
Catalog Number
V7849
ISBN (eBook)
9783638149723
ISBN (Book)
9783638798921
Language
German
Tags
Ästhetik; Ingarden Roman; Hartmann Nicolai; Schichtenästhetik; Schichtenpoetik; Schichtentheorie; Sprachkunstwerk; Ontologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Wolfgang Ruttkowski (Author), 1995, Roman Ingarden und seine Kritiker, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7849
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