1999 wurde von der UNO das „Internationale Jahr der Senioren“ ausgerufen und kein Jahrhundert war für das menschliche Lebensalter so bedeutungsvoll wie das 20. Jahrhundert; es begann als Jahrhundert des Kindes und endete als das Jahrhundert der Senioren. Hierzu sagt Peter Alheit:
„Zum ersten Mal in der Geschichte verbringen Individuen mehr Zeit ihres Lebens als Kind noch lebender Eltern als in der Rolle der Eltern von Kindern unter 20 Jahren. Die Rede vom ,alternden Kinde’ ist durchaus nicht absurd.“ (Alheit 1999, S. 33).
Während der letzten 40 Jahre hat China einen extremen Wandel in der Fertilität durchgemacht. Nach einem ständigen Anstieg der Fertilitätsrate nahm die Fertilität in den 1970er und 1980er Jahren von einer Rate von 6 ab und hatte Ende der 1980er nur noch einen Wert von 2,31.
China ist ein Land mit einer enormen Bevölkerung, einem großen Territorium und großen regionalen Unterschieden, was die sozioökonomische Entwicklung und die traditionellen Traditionen betrifft. Die Veränderungen der Fertilität sind nicht homogen im Land. Es hat immer schon Unterschiede in der Fertilität und den Eheschließungen gegeben, so fand die Änderung der Fertilitätsrate in den Städten früher statt und vollzog sich auch schneller. Die Veränderung der Fertilität begann in den ländlichen Gebieten rund 10 Jahre später als den städtischen. Hinzu kommt auch das die Fertilitätsraten auf dem Land höher waren, als in der Stadt.
Die Entwicklung der chinesischen Gesellschaft, die Auswirkungen und Probleme sollen anhand dieser Arbeit dargestellt werden. Dabei sollen geographische Unterschiede und Unterschiede zwischen der Stadt- und Landbevölkerung dargestellt werden. Abschließend sollen Lösungen aufgezeigt werden, nicht nur aus sozialpolitischer Sicht, sondern auch aus der Perspektive, wie das Potential der Alten genutzt und gefördert werden kann.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Entwicklung der chinesischen Gesellschaft
3. 1. Bestandsaufnahme
Exkurs: Demographische Alterung
3. 2. Historischer Abriss
3. 3. Regionale Unterschiede in der Alterung
3. 4. Veränderung der Familienstruktur
3. 5. Auswirkungen auf die Erwerbsstruktur
3. 6. Entwicklung Hochbetagter
4. Altersversorgung
4. 1. Im vorsozialistischen China
4. 2. In der sozialistischen Planwirtschaft von 1949 bis 1978
4. 2. 1. Versorgung in den Städten
4. 2. 2. Versorgung auf dem Land
4. 3. Marktwirtschaftliche Ausrichtung und die Folgen für die Altersversorgung
4. 4. Zukunftsaussichten
4.5. Altersarmut
5. Freizeit
5. 1. Weiterbildung und Lernen
5. 2. Sinnsuche jenseits des Lernens
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den demographischen Wandel in China und seine tiefgreifenden Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Strukturen und die Altersversorgung. Ziel ist es, die historische Entwicklung sowie die Unterschiede zwischen Stadt- und Landbevölkerung zu beleuchten und Perspektiven aufzuzeigen, wie das Potential der älteren Generation in einer sich wandelnden Gesellschaft genutzt werden kann.
- Demographische Alterung und Fertilitätswandel in China
- Historische Entwicklung der Altersversorgungssysteme
- Regionale und sozioökonomische Unterschiede
- Auswirkungen der Ein-Kind-Politik und der Marktwirtschaft
- Integration und Bildungsmöglichkeiten für Senioren
Auszug aus dem Buch
3.1. Bestandsaufnahme
Die demographische Alterung der chinesischen Gesellschaft und die Probleme, die sich hieraus ergeben traten gegen Mitte der 1980er Jahre in das Bewusstsein der chinesischen Bevölkerung. Noch Mitte der 1980er Jahre verstand man in China unter demographischer Alterung hauptsächlich die Zahl der alten Menschen im Zusammenhang mit der Gesamtbevölkerung, als Auswirkung der Ein-Kind-Politik. Obwohl es Studien gab, wie die von Bonggarts und Grennhalgh, die besagen, dass mit einer Zwei-Kind-Politik, das gleiche Ziel hätte erreicht werden können, wenn die Geburten spät stattgefunden hätten und es zu einem größeren Abstand zwischen den Geburten gekommen wäre, so wurde die Ein-Kind-Politik dennoch mit harter Hand durchgesetzt. Die demographischen Folgen wären im Falle der Zwei-Kind-Politik nicht ganz so dramatisch ausgefallen.
Forschungen zur Demographie finden in China meist vor dem Hintergrund statt, dass es zu einer möglichen staatlichen Änderung der Ein-Kind-Politik kommt, weniger ist es ihr Ziel die zukünftige demographische Alterung zu thematisieren, sowie die dadurch verursachten Probleme.
Die Auffassung, dass viele Kinder mehr Glück bedeuten, die Versorgung im Alter betreffend, ist nicht mehr in vollem Umfang gültig, denn es hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass nicht allein die Kinderzahl wichtig ist, sondern auch die Bereitschaft der Kinder, ihre Eltern zu unterstützen. Mit dem gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und demographischen Wandel unterliegt diese Bereitschaft auch Veränderungen.
Ein weiteres Problem ist, dass seit 1984 der Einsatz vorgeburtlicher Geschlechtsbestimmung verbreitet ist und dadurch ein Mangel an Mädchen und Frauen unausweichlich ist. Diese Tatsache wird zur Verschärfung der Situation beitragen.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den demographischen Wandel Chinas und führt in die zentralen Problemstellungen der Arbeit ein, insbesondere unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede.
3. Entwicklung der chinesischen Gesellschaft: Dieses Kapitel analysiert die demographische Entwicklung, die Rolle der Ein-Kind-Politik, regionale Disparitäten und die Veränderung der Familienstruktur.
4. Altersversorgung: Es wird die historische und aktuelle Entwicklung der Altersversorgung von der vorkommunistischen Zeit bis zur marktwirtschaftlichen Ausrichtung analysiert.
5. Freizeit: Dieser Abschnitt thematisiert die Rolle der Bildung und Freizeitgestaltung für Senioren in China als Mittel zur gesellschaftlichen Integration.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Herausforderungen des demographischen Wandels für China zusammen und diskutiert mögliche Lösungsansätze unter Einbeziehung konfuzianischer Traditionen.
Schlüsselwörter
China, demographischer Wandel, Altersversorgung, Ein-Kind-Politik, Alterung, Generationenvertrag, Rentensystem, Familienstruktur, Sozialpolitik, Fertilität, Urbanisierung, Seniorenuniversitäten, Konfuzianismus, Altersarmut, Erwerbsstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt den demographischen Wandel in China, die damit verbundenen Herausforderungen für die gesellschaftlichen Strukturen und die Entwicklung der Altersversorgungssysteme im Wandel der Zeit.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind der Fertilitätsrückgang, die demographische Alterung, der Wandel des traditionellen Generationenvertrages, Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie Ansätze zur Altenbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die chinesische Gesellschaft darzustellen und Wege aufzuzeigen, wie der Staat und die Familie den Herausforderungen der Altersversorgung begegnen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär genutzt?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Analyse vorhandener demographischer Daten, sozialwissenschaftlicher Studien und historischer Entwicklungen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Entwicklung der chinesischen Gesellschaft, die verschiedenen Altersversorgungsmodelle (vorsozialistisch, sozialistisch, marktwirtschaftlich) sowie Freizeit- und Bildungskonzepte für Senioren detailliert untersucht.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt zusammenfassen?
Wichtige Begriffe sind insbesondere: China, Altersversorgung, demographischer Wandel, Ein-Kind-Politik, Generationenvertrag und soziale Sicherungssysteme.
Warum ist die Geschwindigkeit der Alterung in China ein besonderes Problem?
Im Gegensatz zu vielen Industrieländern vollzieht sich der Alterungsprozess in China im "Zeitraffer" bei gleichzeitigem Fehlen eines flächendeckenden, ausgereiften sozialen Sicherungssystems, was die ökonomische Belastung erhöht.
Welche Rolle spielt die konfuzianische Tradition bei der Altersversorgung heute?
Trotz wirtschaftlicher Umwälzungen bleibt die konfuzianische Pietät (Kindespflicht) eine wichtige moralische Basis, die der Staat nutzt, um die Familie weiterhin als primären Träger der Altenversorgung einzubinden.
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- Corinna Patrizia Franiek (Author), 2007, Über den demographischen Wandel in China und die Auswirkungen auf die chinesische Gesellschaft - Geschichte, Entwicklung und Perspektiven , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78503