Johann Wolfgang von Goethe verfasste mit dem „Werther“1 1774 nicht nur seinen
ersten Roman, der ihm zu jähem literarischen Erfolg und Ruhm verhalf, sondern
den Briefroman schlechthin und damit das populärste Zeugnis der Gattung des
Briefromans, darüber hinaus ein exemplarisches Beispiel der durch
Empfindsamkeit gekennzeichneten literarischen Strömung in der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts.
Das Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Empfindsamkeit als literarische Strömung
innerhalb der Aufklärung zwischen 1730 und 1800 mittels Goethes „Werther“ zu
charakterisieren und aufzuzeigen, wie Goethe exemplarisch das Zeitgefühl der
Empfindsamkeit in seinem Briefroman umsetzte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Empfindsamkeit
3. Die Rebellion des Gefühls im Werther
4. Motive der Empfindsamkeit
4.1 Das Fluchtmotiv
4.2 Das Motiv der Liebe
4.3 Das Motiv des Selbstmordes
5. Sprachliche Besonderheiten
6. Werther als Modellfall der Empfindsamkeit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Epoche der Empfindsamkeit zwischen 1730 und 1800 anhand von Johann Wolfgang von Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werthers". Das Ziel besteht darin, Werther als exemplarischen Romanhelden zu charakterisieren und aufzuzeigen, wie Goethe das zeittypische Gefühl der Empfindsamkeit und die daraus resultierende Rebellion des Individuums gegen vernunftbetonte bürgerliche Konventionen literarisch umgesetzt hat.
- Charakterisierung der Empfindsamkeit als literarische Strömung innerhalb der Aufklärung
- Analyse zentraler Motive wie Naturverbundenheit, Liebe und Suizid
- Untersuchung der monologischen Erzählform des Briefromans
- Analyse sprachlicher Mittel zur Darstellung emotionaler Zustände
- Kritische Einordnung von Werthers Selbstbild und Goethes Intention
Auszug aus dem Buch
Die Rebellion des Gefühls
Die Bewegung der Empfindsamkeit keinesfalls von der Strömung des Sturm und Drang zu trennen ist, ebenso wenig wie von der Aufklärung. Die Gemeinsamkeit aller drei Strömungen liegt nach Engel in dem bürgerlichen Emanzipationsbestrebungen, d. h., um einige der Empfindsamkeit angehörige Bemühen zu nennen, im Protest gegen die Dogmatisierung rationalistischer vernunftbetonter Prinzipien und gegen die starre Ständehierarchie. Diese Besinnung kann durchaus als Rebellion des Gefühls bezeichnet werden, welches sich über das vernunftbetonte Denken zu erheben und stärken sucht.
Literatur, die das Individuum in den Mittelpunkt stellt und der Innerlichkeit des Menschen, d. h. dem Seelenleben, größte Wichtigkeit beimisst und eine Neubewertung des Gefühlslebens anstrebt, kann somit als empfindsam begriffen werden. So zeichnen sich zentrale literarische Figuren durch die Fähigkeit starker bis überhöhter Gefühlsregungen aus, die es im Folgenden anhand Goethes „Werther“ zu belegen gelte. Dabei soll auf wichtige Motive der Empfindsamkeit eingegangen werden, wobei diese am „Werther“ selbst veranschaulicht werden sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung des Werther als populären Briefroman dar und definiert die Zielsetzung, die Empfindsamkeit als Strömung der Aufklärung mittels der Werther-Figur zu analysieren.
2. Der Begriff der Empfindsamkeit: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Empfindsamkeit als gefühlsbetonte Strömung, die keine Gegenposition zur Aufklärung darstellt, sondern als nach innen gewendete Aufklärung verstanden werden soll.
3. Die Rebellion des Gefühls im Werther: Hier wird der Protest gegen rationalistische Dogmen und die Ständehierarchie thematisiert, die Werther als leidenschaftlich fühlendes Individuum in Konflikt mit seiner Umwelt bringen.
4. Motive der Empfindsamkeit: Dieser Abschnitt analysiert die zentralen Leitmotive des Werther, insbesondere die Flucht in die Natur, die leidenschaftliche Liebe und die Thematik des Selbstmordes als Konsequenz.
5. Sprachliche Besonderheiten: Das Kapitel widmet sich der affektgeladenen Sprache Goethes, die durch Syntaxauflösungen, Ellipsen und rhetorische Figuren die emotionale Aufgewühltheit des Protagonisten verdeutlicht.
6. Werther als Modellfall der Empfindsamkeit: Abschließend wird die Frage erörtert, inwiefern Werther als Modellfall dient, wobei Goethes ambivalente Darstellung zwischen Identifikationsfigur und Warnung vor dem Selbstverlust betont wird.
Schlüsselwörter
Empfindsamkeit, Aufklärung, Briefroman, Werther, Goethe, Gefühl, Rebellion, Leidenschaft, Naturverbundenheit, Suizid, Subjektivität, Innerlichkeit, bürgerliche Konventionen, Vernunft, Literaturgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt Goethes Roman "Die Leiden des jungen Werthers" als zentrales Werk der Empfindsamkeit im ausgehenden 18. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Rebellion des Gefühls gegen vernunftgeprägte gesellschaftliche Normen, die Bedeutung von Natur und Liebe sowie die Sprache der Empfindsamkeit.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Es soll aufgezeigt werden, wie Goethe mittels der Werther-Figur das Zeitgefühl der Empfindsamkeit veranschaulichte und welche Gefahren er mit der unkontrollierten Gefühlshingabe verband.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung zeitgenössischer Sekundärliteratur zur Einordnung in den kulturgeschichtlichen Kontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition der Empfindsamkeit, die Analyse spezifischer Motive (Natur, Flucht, Liebe, Suizid) sowie die Untersuchung der sprachlichen Gestaltung der Gefühlswelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär mit Begriffen wie Empfindsamkeit, Subjektivität, Leidenschaft und Aufklärung beschreiben.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Natur für den Protagonisten?
Werther nutzt die Natur als Spiegel seiner subjektiven Gefühlslage, wobei sie zwischen idyllischem Rückzugsort und spiegelbildlicher Bedrängnis in seiner Krise schwankt.
Was ist das Fazit hinsichtlich der Werther-Figur als Modellfall?
Werther gilt als Modellfall der Empfindsamkeit, jedoch stellt der Autor heraus, dass Goethe den Charakter bewusst überhöht darstellte, um die Gefahren eines Lebens ohne jede Vernunftkritik aufzuzeigen.
- Quote paper
- Susanne Becker (Author), 2005, Die Rebellion des Gefühls - Werther als Modellfall der Empfindsamkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78506