Die beiden Begriffe – Gesinnungsethik und Verantwortungsethik – und deren Unterscheidung stammen aus dem Vortrag Webers „Politik als Beruf“, den er im Winter 1918/1919 vor dem Freistudentischen Bund“ in München hielt.
Darin beschreibt er Gesinnungsethik und Verantwortungsethik als zwei unaustragbare, gegensätzliche Maximen.
In der vorliegenden Arbeit werde ich nun auf die Definition der Begriffe Gesinnungs- und Verantwortungsethik nach Weber und deren Unterscheidung, sowie auf das Verantwortungsethische Denken bei Bonhoeffer eingehen. Grundlage für die Überlegungen, wie Handeln begründet werden kann, sollen der Aufsatz „Politik als Beruf“ (Weber) und Bonhoeffers „Ethik – Die Struktur des verantwortlichen Lebens“ sein. Als Ziel der Arbeit soll ein Vergleich zwischen der Position Webers und der Position Bonhoeffers gezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kurzbiographie Max Weber
3 Verantwortungs- und Gesinnungsethik
3.1 Herkunft und Gebrauch der Begriffe
3.2 Begriffserklärungen
3.2.1 Gesinnungsethik
3.2.2 Verantwortungsethik
3.2.3 Gesinnungs- und Verantwortungsethik in Webers „Politik als Beruf“
3.2.3.1 Gesinnung
3.2.3.2 Legitimität
3.2.3.3 Wahl der Mittel
3.2.3.4 Folgen und Verantwortung des Handelns
3.2.3.5 Spannungsfeld der beiden Ethiken
4 Bonhoeffers „Ethik“
4.1 Allgemeines
4.2 „Die Struktur des Verantwortlichen Lebens“
4.2.1 Einleitung und Gliederung
4.2.2 Stellvertretung
4.2.3 Wirklichkeitsgemäßheit
4.2.4 Sachgemäßheit
4.2.5 Schuldübernahme
4.2.6 Das Gewissen
5 Auswertung/Beurteilung „Die Struktur des Verantwortlichen Lebens“
6 Vergleich und Beurteilung der Positionen Webers und Bonhoeffers
7 Literatur
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, wie menschliches Handeln ethisch begründet werden kann, indem sie die theoretischen Ansätze von Max Weber und Dietrich Bonhoeffer gegenüberstellt und kritisch analysiert.
- Grundlagen der Gesinnungs- und Verantwortungsethik nach Max Weber
- Die Struktur des verantwortlichen Lebens bei Dietrich Bonhoeffer
- Die Bedeutung von Stellvertretung und Wirklichkeitsgemäßheit
- Vergleich der soziologischen Rationalität Webers mit der theologischen Ethik Bonhoeffers
- Kritische Würdigung der Anwendbarkeit beider Konzepte auf ethische Urteilsbildung
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Wirklichkeitsgemäßheit
I) „Der Verantwortliche ist an den konkret Nächsten in seiner konkreten Möglichkeit gewiesen.“ Die wirkliche Lage von ihm muss er bedenken und einschätzen. Es darf nicht sein, dass man sich einen Menschen als nächsten erträumt, der in den eigenen Augen die „idealen“ Eigenschaften besitzt. Es geht einzig und allein darum, mein Gegenüber in seiner Situation zu erkennen und zu wissen, wie ich ihm helfen kann.
II) Somit kann nun geschlussfolgert werden, dass das Verhalten des Menschen nicht im Voraus festgelegt ist, sondern es erst mit der gegebenen Situation entsteht. Der verantwortlich Handelnde hat auch als Christ kein absolut gültiges Prinzip zur Hand, das er gegenüber der Wirklichkeit durchsetzen müsste, sondern es gilt für ihn, das in einer Situation Notwendig zu tun.
III) Wirklichkeitsgemäßes Handeln ist jedoch keine bereitwillige Anpassung an die jeweilige Lage. Es entspringt auch nicht aus der Angst vor der Übermacht der Tatsachen. Die Gefahr des christlichen Handelns allerdings liegt auch auf der Hand: Christen meinen oft gegen die vorhandene Konsumwelt oder gegen die Welt der Technik, im Namen einer idealen natürlichen Welt protestieren zu müssen. Doch das ist dann nicht mehr als Realitätsflucht!
IV) „Weil in Jesus Christus, dem Wirklichen, die ganze Wirklichkeit aufgenommen uns zusammengefasst ist, weil sie ihren Ursprung, Wesen und Ziel hat, darum ist nur in ihm und von ihm aus ein wirklichkeitsgemäßes Handeln möglich.“ Jesus Christus, der Sohn Gottes wurde Mensch und nahm somit stellvertretend für Gott die Welt an. Deshalb müssen Christen die Wirklichkeit dieser Welt bejahen. Aus dem Handeln Gottes, bekommt unsere Wirklichkeit ihr Recht, aber auch ihre Grenzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die ethische Problemstellung am Ausgang der Moderne und die Relevanz der Verantwortungsethik.
2 Kurzbiographie Max Weber: Überblick über das Leben und Wirken von Max Weber mit Fokus auf seine wissenschaftliche Bedeutung.
3 Verantwortungs- und Gesinnungsethik: Detaillierte Analyse der von Weber eingeführten ethischen Maximen und deren Bedeutung im politischen Kontext.
4 Bonhoeffers „Ethik“: Vorstellung von Bonhoeffers theologischen Grundbegriffen wie Stellvertretung und Wirklichkeitsgemäßheit.
5 Auswertung/Beurteilung „Die Struktur des Verantwortlichen Lebens“: Bewertung von Bonhoeffers ethischem Konzept im Kontext seines aktiven Widerstands.
6 Vergleich und Beurteilung der Positionen Webers und Bonhoeffers: Kritische Gegenüberstellung der soziologischen und theologischen Perspektiven beider Denker.
7 Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Ethik, Verantwortungsethik, Gesinnungsethik, Max Weber, Dietrich Bonhoeffer, Politik als Beruf, Stellvertretung, Wirklichkeitsgemäßheit, Schuldübernahme, Gewissen, christliche Ethik, Handlungsbegründung, Moral, Moralität, Widerstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Begründbarkeit ethischen Handelns, indem sie die philosophisch-soziologischen Ansätze von Max Weber mit der theologischen Ethik Dietrich Bonhoeffers in Beziehung setzt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Gegensatz zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik sowie die christliche Struktur des verantwortlichen Lebens, inklusive der Konzepte von Stellvertretung und Schuldübernahme.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist ein systematischer Vergleich zwischen Webers politikwissenschaftlicher Unterscheidung der Ethiken und Bonhoeffers theologischer Wirklichkeitsdeutung, um zu klären, welcher Ansatz eine bessere Grundlage für ethische Entscheidungen bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche und philosophisch-theologische Analyse durchgeführt, wobei primär die Texte „Politik als Beruf“ von Weber und „Ethik“ von Bonhoeffer ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Definition von Webers Ethik-Konzepten, die Ausarbeitung der bonhoefferschen Kategorien und eine anschließende komparative Analyse dieser beiden Positionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben den Hauptbegriffen Ethik, Verantwortung und Gesinnung, sind dies insbesondere Stellvertretung, Wirklichkeitsgemäßheit, christliches Handeln und die Frage nach der ethischen Letztbegründung.
Wie unterscheidet sich Bonhoeffers Verständnis von Verantwortung von dem Webers?
Während Weber Verantwortung streng rational und an Folgen orientiert (Verantwortungsethik) definiert, bindet Bonhoeffer Verantwortung an die christliche Nachfolge und das Wagnis, wobei die Stellvertretung für den Nächsten und die Bereitschaft zur Schuldübernahme zentral sind.
Warum hält der Autor den „Idealtyp“ bei Bonhoeffer für anders als bei Weber?
Weil bei Bonhoeffer nicht ein abstraktes Konstrukt im Vordergrund steht, sondern die Person Jesu Christi als der einzige Maßstab für wirklichkeitsgemäßes und verantwortliches Handeln dient.
Was bedeutet der Begriff „Wirklichkeitsgemäßheit“ bei Bonhoeffer konkret?
Es bedeutet, den Nächsten in seiner konkreten Situation wahrzunehmen, statt sich an idealisierten Vorstellungen zu orientieren, und die eigene Verantwortung innerhalb der durch die Geschöpflichkeit gesetzten Grenzen wahrzunehmen.
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- Gunnar Schulze (Author), 2005, Wie lässt sich Handeln begründen? Überlegungen zu ethischen Forderungen Webers und Bonhoeffers - Dargestellt an Max Weber "Politik als Beruf" und Dietrich Bonhoefer "Ethik", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78511