Kommunikation als Voraussetzung der Globalisierung - Möglichkeiten und Schwierigkeiten für den Geschichtsunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsangabe

I. Vorbemerkung

II. Einführung in die Termini

III. Kommunikationsgeschichte als Spiegel der kulturellen Emanzipation des Menschen

IV. Kommunikation als Voraussetzung der Globalisierung

V. Barrieren der interkulturellen Kommunikation

VI. Gefahren der globalen Kommunikationsmöglichkeiten

VII. Zum Verhältnis globaler Kommunikation und deren Ausnahmen

VIII. Aufgaben für den Geschichtsunterricht

IX. Literaturverzeichnis

X. Anhang

I. Vorbemerkung

Die folgende Arbeit wird sich mit dem Phänomen der globalen Kommunikation und dessen Bedeutung für den Geschichtsunterricht beschäftigen.

Im Rahmen des Hauptseminars „Neue Weltgeschichte im Geschichtsunterricht“, wurden die verschiedenen Ansätze, Möglichkeiten und auch Schwierigkeiten, welche sich aus dem Thema „Globalisierung im Geschichtsunterricht“ ergeben, besprochen und ausgewertet. Wir konnten in diesem Seminar feststellen, dass Globalisierung in den Lehrplänen noch eine sehr geringe Rolle spielt. „ Wenn Weltgeschichte überhaupt in bundesdeutschen Lehrwerken und Curricula vorkommt, so ist sie selektiv und unsystematisch“[1]. Im Zentrum der schulischen Geschichtsausbildung, stehen immer noch die Themen der europäischen Geschichte. Dass die Vernetzung der Welt immer mehr voranschreitet, ist jedoch nicht mehr von der Hand zu weisen. Damit, muss es auch für die Institution Schule zu einem Ziel werden, die Schüler auf dieses neue Weltbewusstsein vorzubereiten. Insbesondere die Kommunikation ist eine Grundvoraussetzung für den interkulturellen Austausch. Ihre Geschichte, ist die Geschichte der menschlichen Entwicklung überhaupt, der kulturellen Emanzipation des Menschen bis hin zur Zivilisation. Kommunikationsprozesse sind deshalb so alt wie der Mensch selbst. Das zeigt sich auch daran, dass die Regionen und Völker der Weltgesellschaft sich vor allem durch Kommunikation „entdeckt“ haben.

In der heutigen Gesellschaft haben die national staatlichen Grenzen an Bedeutung verloren. Das eine solche Vernetzung überhaupt zustande kommen kann, liegt nicht zuletzt an den vielen technischen Errungenschaften der letzten Jahre. Bis zur technisch vermittelten Kommunikation, war es ein langer, über Jahrtausende gehender Weg. Seine Ausformungen und Differenzierungen dauern noch an und werden immer weiter gehen. Das Thema der Kommunikation, insbesondere der Bereich der Massenkommunikation, spielt in der Gegenwart und auch in Zukunft eine besondere Rolle. Massenmedien schaffen Öffentlichkeit in einer Welt, die komplex und weiträumig geworden ist. Ohne öffentliche Kommunikation wäre der Mensch nicht in der Lage, eine Mitverantwortung an der Gesellschaft zu übernehmen. Die Welt ist für den Einzelnen nicht aus eigener Kraft überblickbar. Der Bürger benötigt Informationen und Verstehenshilfen, um sich zu orientieren und um sich an der Gestaltung seiner Umwelt beteiligen zu können.[2]

In der Schule wird der Begriff der globalen Kommunikation in erster Linie mit Fächern wie Informatik (nonverbale Kommunikation), Englisch, Französisch oder anderen Fremdsprachen assoziiert. Aber auch der Geschichtsunterricht kann seinen Beitrag zur zukünftigen Verständigung leisten. Natürlich müssen die verschiedenen Fächer ihre eigenen Schwerpunkte setzten. In der Geschichte sollten hier die Begriffe Kultur und Kulturentwicklung einen zentralen Platz einnehmen. Aufgabe ist es, die SchülerInnen über die Geschichte anderer Kulturen zu informieren, um so ein Verständnis für die unterschiedlichen Kommunikationsformen zu erhalten. Durch die Weite des Wortes Kommunikation, sind viele verschiedene Ansätze zu diesem Thema denkbar. Ich möchte mich in dieser Arbeit auf die bereits genannte Bedeutung des Kulturbegriffes konzentrieren. Einen weiteren Schwerpunkt, sollte aber auch die kritische Betrachtung mit diesem Thema bilden. Denn auch wenn wir heute von weltumspannender Vernetzung und Erreichbarkeit auf der ganzen Welt sprechen, müssen wir die Verteilung dieser Möglichkeiten mitberücksichtigen. Von einer gleichberechtigten Medienrevolution sind wir jedenfalls noch weit entfernt. Ursachen und Bedeutung dieses Phänomens sollten im Unterricht aufgezeigt und besprochen werden.

Gerade weil das Thema der Globalisierung in den Schulen noch neu ist und exotisch erscheint, wird sich der erste Teil meiner Arbeit mit Definitionen der wichtigsten Begriffe beschäftigen. Trotz zahlreicher Auseinandersetzungen mit der Globalisierung, wirkt die Termini teilweise noch sehr schwammig und unnahbar.

Folgende Fragestellungen ergeben sich also aus meinen Vorüberlegungen:

- Was versteht man unter dem Begriff „Globalisierung“ ?
- Was versteht man unter Kommunikation?
- Welche Rolle spielt die Kommunikation in diesem Prozess?
- Welche Kommunikationsformen gibt es?
- Wodurch entstehen Barrieren in der interkulturellen Kommunikation und wie kann man sie vermeiden (insbesondere die Bedeutung der Kultur)?
- Welche Ziele ergeben sich hieraus für den Unterricht?

II. Einführung in die Termini

Wie bereits erwähnt, ist es bei einigen Begriffen in dieser Arbeit notwendig, eine kurze Erläuterung ihrer Bedeutung zu geben, um den weiteren Verständnisprozess nicht zu gefährden. Dies liegt insbesondere an der Komplexität dieser Worte. So werden einige Begriffe parallel verwendet (Universal-, Welt-, Globalgeschichte), ohne eine genaue Bedeutungstrennung vorliegen zu haben.[3] Sichtbar wird diese Problematik auch an den vielen verschiedenen Definitionsversuchen, die bereits zur „Globalisierung“ unternommen wurden. Um mich nicht zu weit von meinem eigentlichen Thema zu entfernen, stütze ich mich auf eine Definition, die Neda Forghani – Arani in einem Aufsatz benutzt. Globalisierung wird hier als ein Prozess definiert, „ in dessen Verlauf der Umfang und die Intensität nationale Grenzen überschreitender Verkehrs-, Kommunikations- und Austauschbeziehungen rasch zunimmt. Die trennende Bedeutung nationalstaatlicher Grenzen wird unterspült: Die Wirkungen grenzüberschreitender ökonomischer, sozialer und politischer Aktivitäten für nationale Gesellschaften verstärken sich, viele Probleme laufen quer zu den nationalen Grenzen, immer mehr Ereignisse werden weltweit gleichzeitig wahrgenommen und wirken sich mit zunehmend kürzeren Verzögerungen an unterschiedlichsten Orten der Welt aus.“[4] Wie gesagt, gibt es noch viele weitere Definitionen. An dieser wird aber insbesondere die Bedeutung der Kommunikation, als Grundvoraussetzung der Globalisierung, verdeutlicht.

Eine ähnliche Komplexität weist auch der Begriff der Kommunikation auf, auch wenn es sich hier um ein weit besser erforschtes Phänomen handelt.

Der Begriff Kommunikation, ist ein „ Sammelbegriff für alle Formen von Verkehr, Verbindung, Vermittlung und Verständigung[5].

Das bedeutet also, dass diese nicht direkt von Mensch zu Mensch statt finden muss und dass sie nicht von der Stimme, Gestik oder Mimik abhängig ist. Durch diese Weite des Begriffs, ist es uns möglich die Entwicklung der Kommunikation bis weit vor Christus zu untersuchen. Natürlich haben wir keine Tonaufzeichnungen oder Videos über die Kommunikation im alten China oder der Azteken. Dafür haben wir aber Schriftzeugnisse, Kunstgegenstände und andere historische Quellen. Diese wurden meist absichtlich als Speichermedium für Informationen angelegt, so dass sie noch heute mit uns „kommunizieren“. Wir unterscheiden also zum einen das Speichern von Informationen (Schrift, Pergament, Papier, Tontafeln, Photos,...)und das Transportieren von ihnen (Karren, Schiffe, Rauchsignale, Telefon, Fernseher,...). Dadurch haben wir eine unglaubliche Bandbreite an Kommunikationsmedien.

Eine mögliche Zielsetzung der Schule besteht nun darin, den Schülern die Möglichkeiten der Kommunikation aufzuzeigen. Dabei sollen sie einen Überblick über die verschiedenen Verständigungsmöglichkeiten erhalten und erfahren, wo und zu welcher Zeit diese Erfindungen eingesetzt wurden. Mit diesem Vorwissen fällt es den Schülern dann leichter, spätere Zusammenhänge zu verstehen und Verbindungen der einzelnen Ereignisse herzustellen.[6]

III. Kommunikationsgeschichte als Spiegel der kulturellen Emanzipation des Menschen

Am Beginn aller menschlichen Zivilisation standen natürlich „Erfindungen“ von einfachen Kommunikationsmitteln. Die Schrift, auch in der primitiven Form der mehrfarbigen Knotenschnüre der Inka oder in den Rauchzeichen der Hopi – Indianer, ist eine der frühesten Formen der nonverbalen Kommunikation und stellt einen ersten großen Schub in der Entwicklung zur menschlichen Zivilisation dar. Mit Gutenbergs Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern, setzte dann ein gewaltiger Qualitätssprung ein. Auch wenn die Chinesen, einige Jahrhunderte früher, ein Druckverfahren erfunden hatten, setzte erst mit Gutenbergs Erfindung, das erste Serien- und Massenprodukt in der Geschichte der von Menschen geschaffenen Kultur ein. China galt im Mittelalter trotzdem als technisch fortgeschrittenste Zivilisation der Erde. Nicht nur der Buchdruck, auch andere kulturelle Höhepunkte, in Literatur, Malerei, Plastiken etc, verhalfen dem Land zu diesem Status.

Nach der Erfindung der Schrift und des Buchdrucks, war es vor allem die Nutzbarmachung der elektrischen Energie, welche eine unverzichtbare Grundlage für die dritte Kommunikationsrevolution darstellte. Erst Sie ermöglichte es, dass sowohl drahtgebundene wie drahtlose Informationen praktisch zeitgleich um den ganzen Erdball gelangten. Telefon, Radio und im 20. Jahrhundert dann auch das Fernsehen, waren die wichtigsten Erfindungen in diesem Zusammenhang. Die Errungenschaften im Bereich der Kommunikation, haben die Entwicklung der menschlichen Zivilisation (und Kultur) in der Vergangenheit wie kaum ein anderer Bereich vorangetrieben.[7]

Die Geschichte der Kommunikation und dessen Bedeutung für die kulturelle Emanzipation des Menschen, könnte ein mögliches Ziel für den Geschichtsunterricht sein. Welche Schwerpunkte zu diesem Thema behandelt werden, liegt dann wieder im Ermessen des Lehrers. Eine Behandlung der Schrift, des Buchdrucks und die Möglichkeiten durch die Nutzbarmachung von Energie, wäre nur eine denkbare Herangehensweise.

IV. Kommunikation als Voraussetzung der Globalisierung

Welchen bedeutenden Stellenwert die Kommunikation im Globalisierungsprozess einnimmt, wurde bereits in den Definitionen angedeutet. Wenn man sich die weiteren Voraussetzungen ansieht, welche die Globalisierung vorangetrieben haben, sind auch hier verschiedene Kommunikationsformen vorhanden. Insbesondere der Fortschritt der Verständigungsmöglichkeiten (Telefon, Internet, Fernsehen,...) lässt die Welt immer weiter zusammen rücken. Eines der größten Probleme, die Sprachbarriere, konnte durch die Anerkennung und Verbreitung einer Weltsprache (dem Englischen) eingegrenzt werden. Dabei muss man jedoch bedenken, dass hier weiterhin große Teile der Weltbevölkerung, dieser Sprache nicht mächtig sind. Auch in Deutschland hängt diese Fähigkeit oft von der jeweiligen Generation oder der Berufsgruppe ab. Die relative Verbilligung von Energie, erlaubte eine sprunghafte Zunahme von Güter- und Menschentransport (Flugzeug, Auto, Schiff,...) und somit wiederum einen weiteren Informationstransport. Die elektronische Medienöffentlichkeit, hat sich thematisch und auch in ihrer Reichweite global erweitert. Spezialisierte Sender wie CNN oder MTV, können über die Inszenierung von „Großereignissen“ die „ganze“ Welt in ihren Bann ziehen. Medien mit globaler Reichweite integrieren somit die Weltgesellschaft. Ein weiterer wichtiger Punkt, ist die Tatsache, dass kulturelle Misch- und Zwittergebilde, im globalen Rahmen, immer bedeutsamer werden. Die nationale Kultur ist also nicht mehr der Kern einer politischen „Wir – Gruppe“. Die Vernetzung der Welt ermöglicht eine Solidarität mit dem „Fremden“ und fördert somit die Globalisierung. Trotzdem gibt es gerade bei diesem letzten Punkt noch viel Diskussionsbedarf. Und jeder der sich mit anderen Kulturen intensiver beschäftigt hat weis, dass es hier noch mehrere Barrieren gibt, welche der problemlosen interkulturellen Kommunikation im Wege stehen. Genau diese Thematik, möchte ich in den folgenden Abschnitten näher beleuchten. Denn gerade der Begriff der Kultur, ermöglicht uns eine wichtige Aufgabe des Geschichtsunterrichts zu erfüllen. So wie es bereits Susanne Popp festhielt, dass im Geschichtsunterricht die Orientierung an dem Fremden „ der Reflexion zugänglich zu machen ist, um dadurch fortgesetzte Verknüpfungsleistungen zwischen dem psychisch Nahen und identifikatorisch Fernen anzustoßen“.[8] Hanna Schissler sieht in der Behandlung internationaler Lebensweisen auch die Aufgabe der Toleranzvermittlung. Den Schülern muss also vermittelt werden, was Toleranz meint und was es bedeutet , „wenn ich jemanden toleriere, insbesondere dann, wenn dieser andere nicht aussieht wie ich, nicht die gleichen Rechte besitzt und eine andere Sprache spricht“.[9] Interkulturelle Kommunikation oder der Dialog darüber, soll also das Verständnis und die Toleranz für andere Kulturen fördern.

[...]


[1] Schissler, Hanna: Weltgeschichte als Zeitgeschichte. Orientierungsbedürfnisse der Gegenwart am Beispiel der USA und Deutschalnds. In: Curriculum Weltgeschichte. Globale Zugänge für den Geschichtsunterricht. Hg. v. S. Popp/ J. Forster. Schwalbach/ Ts 2003. S.186.

[2] Vgl. Zur Entwicklung der Massenmedien: Internet - Kirche

[3] Vgl. Kühberger, Christoph: Von der Rückkehr der Weltgeschichte. Geschichtsdidaktische Reflexionen einer neuen Vernetzungsgeschichte. In: Moderne. Kulturwissenschaftliches Jahrbuch (Vernetzungen) 1 (2005). S.172.

[4] Forghani –Arani, Neda: Globales Lernen. Was? Warum? Wozu? Wie? In: Globales Lernen – Politische Bildung. Beiträge zu einer nachhaltigen Entwicklung (= Informationen zur Politischen Bildung, Nr.23) S.7, nach Stiftung Entwicklung und Frieden (Hg.): Globale Trends 2000. Fakten – Analysen – Prognosen. Frankfurt 1999, S.50.

[5] Stadler, Hermann, ABITURWISSEN. Deutsch, Augsburg 1996, S.76.

[6] z.B. konnten die Sumerer und Akkader durch die Erfindung der Keilschrift, komplexere Gesellschaften ausbauen und eröffneten dem menschlichen Intellekt bisher nie da gewesene Möglichkeiten

[7] Vgl. Schwarz – Schilling, Christian, Grenzenlose Kommunikation. Bilanz und Perspektive der Medienpolitik, Frankfurt am Main 1993, S.27-32.

[8] Popp, Susanne: Ein „global orientiertes Geschichtsbewusstsein“ als zukünftige Herausforderung der Geschichtsdidaktik? – http://www.sowi-online.de/journal/2002-1/geschichtsdidaktik_popp.htm (17.07.2006)

[9] Schissler, Hanna: Weltgeschichte als Zeitgeschichte. Orientierungsbedürfnisse der Gegenwart am Beispiel der USA und Deutschalnds. In: Curriculum Weltgeschichte. Globale Zugänge für den Geschichtsunterricht. Hg. v. S. Popp/ J. Forster. Schwalbach/ Ts 2003. S.190.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Kommunikation als Voraussetzung der Globalisierung - Möglichkeiten und Schwierigkeiten für den Geschichtsunterricht
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Neue Weltgeschichte im Geschichtsunterricht
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V78546
ISBN (eBook)
9783638849968
ISBN (Buch)
9783638849302
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Voraussetzung, Globalisierung, Möglichkeiten, Schwierigkeiten, Geschichtsunterricht, Neue, Weltgeschichte, Geschichtsunterricht
Arbeit zitieren
Manuela Piel (Autor), 2007, Kommunikation als Voraussetzung der Globalisierung - Möglichkeiten und Schwierigkeiten für den Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78546

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