Grundlage menschlicher Beziehungen ist die Kommunikation der Menschen einer Gesellschaft miteinander. Innerhalb dieser Gesellschaft ist jedes Individuum danach bestrebt, seinen Standpunkt zu behaupten, seine Meinung zu vertreten und andere Menschen von ebendiesen beiden Punkten zu überzeugen. Dies geschieht überwiegend durch Argumentationen, welche in jedem Lebensbereich zu finden sind. Gerade in den letzten Jahren hat sich das Interesse an Argumentationen und den damit verbundenen Argumentationstheorien explosionsartig ausgebreitet, als würde es sich um ein neues Phänomen der Gesellschaft handeln. Zahlreiche Neuerscheinungen von Büchern, regelrechte Argumentationsanleitungen, versprechen den Menschen, zu erlernen, wie man richtig argumentiert, um somit in der Gesellschaft zu bestehen. Dieses Phänomen hat mich neugierig auf das Thema „Argumentieren“ gemacht und mich dazu bewegt, besonders bezüglich der Bedeutung der Argumentation für die Sprachwissenschaft nachzuforschen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Klärung von Fachtermini
3. Grundzüge einer Argumentation
4. Die Argumentationstheorie von Toulmin
4.1. Die Motivation Toulmins für eine neue Argumentationstheorie
4.2. Der Syllogismus
4.3. Das Argumentationsschema von Toulmin
4.3.1. Daten und Konklusion
4.3.2. Schlussregeln
4.3.3. Ausnahmebedingungen und Modaloperatoren
4.3.4. Stützung
4.4. Toulmins Kritik am Syllogismus
4.5. Die Bedeutung der Toulmin’schen Argumentationstheorie für die Textlinguistik
4.6. Abschließende Bemerkungen zu Toulmins Argumentationstheorie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Argumentationstheorie von Stephen Toulmin, um deren Nutzen für die Analyse alltagssprachlicher Argumentationen aufzuzeigen und sie gegenüber dem traditionellen Syllogismus abzugrenzen. Ziel ist es, das Toulmin-Schema als Modell zur transparenten Gestaltung komplexer Argumentationsprozesse in der (französischen) Sprachwissenschaft zu evaluieren und seine Relevanz für den Nachweis textueller Kohärenz zu bestimmen.
- Grundlagen der Argumentationstheorie und deren Bedeutung für die Kommunikation
- Kritische Analyse des Syllogismus als klassisches Argumentationsmodell
- Einführung und detaillierte Erläuterung der Kategorien des Toulmin-Schemas
- Anwendung des Modells zur Differenzierung von analytischen und substantiellen Argumentationen
- Bedeutung von Toulmins Theorie für die textlinguistische Kohärenzanalyse
Auszug aus dem Buch
4.3. Das Argumentationsschema von Toulmin
Toulmin vergleicht in seinem 1958 erschienenen Buch „Der Gebrauch von Argumenten“ eine Argumentation mit einem Organismus: „Sie hat eine grobe, anatomische Struktur wie auch eine feinere, sozusagen physiologische Struktur“.
Diese Strukturen benennt Toulmin als Makro- und Mikrostruktur, wobei die Makrostruktur eher den Aufbau und Zusammenhang aller Einzelargumente und deren Beziehung zueinander beschreibt und sich die Mikrostruktur dem Aufbau eines einzelnen Arguments widmet. Auf der Ebene der Mikrostruktur lässt sich die logische Form und Gültigkeit eines Arguments beweisen oder widerlegen, daher steht besonders diese Ebene im Blickwinkel Toulmins. Jedoch betont er, dass man „bei der Betrachtung von Mikroargumentationen (…) von Zeit zu Zeit mit einem Auge auf die Makroargumentation sehen [muss], in denen sie auftreten“, das heißt, man sollte den Kontext eines einzelnen Arguments nicht aus den Augen verlieren, besonders wenn es um den Beweis dessen Gültigkeit geht.
In seinen Ausführungen bricht Toulmin mit dem seit Platon gebräuchlichen Mathematikmodell und bedient sich eines in der Jurisprudenz gebräuchlichen „forensischen Modells“. Er erweitert die Kategorien Prämissen und Konklusion und spezifiziert sie, so dass Missverständnisse, wie sie im Syllogismus auftreten können, weitestgehend nicht mehr möglich sind. Er geht davon aus, dass eine komplexe Argumentation nicht in drei Kategorien untergebracht werden kann, sondern dass sie ein ebenso komplexes Modell erfordert.
Dazu führt er die folgenden erläuterten Kategorien ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Argumentation für die menschliche Kommunikation und motiviert die Untersuchung von Toulmins Argumentationstheorie als Alternative zum traditionellen Syllogismus.
2. Klärung von Fachtermini: Dieses Kapitel spezifiziert grundlegende Begriffe der Argumentationstheorie, wie Argumentation, Argument, Argumentationstheorie und Logik, um das notwendige Verständnis für das Toulmin-Schema zu schaffen.
3. Grundzüge einer Argumentation: Hier werden die Voraussetzungen für gelingende Argumentation erörtert und Fragen nach dem "Wann", "Warum" und "Wie" der Argumentationspraxis beantwortet.
4. Die Argumentationstheorie von Toulmin: Das Hauptkapitel führt das Toulmin-Schema ein, erläutert dessen Kategorien, kritisiert die Schwächen des Syllogismus und diskutiert den Mehrwert des Modells für die Textlinguistik sowie die Praxis.
Schlüsselwörter
Argumentation, Argumentationstheorie, Stephen Toulmin, Syllogismus, Argumentationsschema, Mikrostruktur, Daten, Konklusion, Schlussregel, Stützung, Modaloperatoren, Ausnahmebedingungen, Logik, Textlinguistik, Kohärenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Argumentationstheorie nach Stephen Toulmin und untersucht, wie sein Modell zur Analyse und zum besseren Verständnis von Argumenten in der Alltagssprache beitragen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die Grundlagen der Rhetorik und Argumentation, eine kritische Analyse klassischer Syllogismen sowie die detaillierte Einführung des Toulmin-Schemas und dessen Anwendung in der Sprachwissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Toulmin-Schema die Mängel des Syllogismus bei der Abbildung komplexer, alltagssprachlicher Argumentationen überwinden kann und welchen Beitrag es zur textlinguistischen Analyse leistet.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine theoretische Analyse der Fachliteratur durchgeführt, ergänzt durch die Anwendung des Toulmin-Schemas auf französischsprachige Beispiele, um die theoretischen Kategorien praktisch zu veranschaulichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der detaillierten Beschreibung des Toulmin-Schemas (Daten, Konklusion, Schlussregeln, Stützung, etc.), der Abgrenzung von analytischen zu substantiellen Argumentationen sowie der Kritik am traditionellen Syllogismus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Argumentationstheorie, Toulmin-Schema, Syllogismus, Schlussregel, Stützung, Kohärenz und Textlinguistik.
Wie unterscheidet Toulmin zwischen schlussregel-verwendender und schlussregel-begründender Argumentation?
Schlussregel-verwendende Argumentationen nutzen bereits akzeptierte Regeln, um aus Daten Konklusionen zu deduzieren, während schlussregel-begründende Argumentationen die Annehmbarkeit einer Regel erst durch die Anwendung in einer Reihe von Fällen erarbeiten.
Warum hält Toulmin den Syllogismus für unzureichend?
Toulmin kritisiert, dass der Syllogismus nur auf eine begrenzte Menge von Argumenten anwendbar ist und durch seine starre Struktur und die Verallgemeinerung in der universellen Prämisse den Erkenntnisgewinn neuer Informationen behindert.
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- Jana Gedeon (Author), 2006, Die Argumentationstheorie von Toulmin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78552