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Religion nach 09/11

Erleben wir seit dem 11. September 2001 eine Rückkehr der Religion oder lediglich ihre mediale Thematisierung?

Title: Religion nach 09/11

Bachelor Thesis , 2007 , 58 Pages , Grade: 5.5

Autor:in: Francis Müller (Author)

Sociology - Religion
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Waren die Neunzigerjahre noch von der Theorie des Endes der Geschichte von Francis Fukuyama geprägt, so kehrte die totgesagte Geschichte am 09/11 zurück – und mit ihr die Religion. Die religiöse – präziser: islamische – Legitimation der Attentate hat zu einer Rückkehr der Religion in die Weltpolitik, und folglich in die Medien, geführt. Die unsichtbare Religion von Thomas Luckmann ist wieder sichtbar geworden, die privatisierte Religion ist zurück in die politische Öffentlichkeit geraten. Die Frage lautet: Erleben wir seit 09/11 eine Rückkehr der Religion – oder lediglich ihre mediale Thematisierung? Oder ist dies, wenn wir Religion nach Niklas Luhmann als kommunikatives Geschehen definieren, letztlich dasselbe? In der Arbeit wird empirisch nachgewiesen, dass in ausgewählten Printmedien seit 09/11 Begriffe wie 'Religion', 'Islam' und 'Christentum' signifikant häufiger verwendet werden. Wenn also Identität vermehrt über religiöse Codes – und weniger über ethnische, nationale, geschlechtliche etc. – abgehandelt wird, dann ist dies eine Referenz, mit der, so lautet die Annahme, Identität gestiftet wird. Denn nach G. H. Mead ist das Ich gewissermassen das, womit wir uns identifizieren. Die Fremdzuschreibung religiöser Identität z. B. bei Moslems, hat Rückwirkungen auf die eigene Identität. Es besteht ein grundsätzlicher Unterschied darin, ob Osama bin Laden den Westen als säkulare oder als christliche Gesellschaft angreift. Es besteht ein Unterschied darin, ob der Westen säkulare oder eben christliche Werte verteidigt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 ASPEKTE DER RELIGION

2.1 DEFINITION VON RELIGION

2.2 SÄKULARISIERUNG

2.3 PRIVATISIERUNG DER RELIGION

2.4 FUNDAMENTALISMUS

2.4.1 Protestantischer Fundamentalismus

2.4.2 Islamischer Fundamentalismus

3 MEDIEN, RELIGION UND DER KAMPF DER KULTUREN

3.1 MEDIALE THEMATISIERUNG DER RELIGION

3.1.1 Quantitative Perspektive

3.1.1.1 "Religion" in den Medien

3.1.1.2 "Religion" und "Politik" in den Medien

3.1.1.3 "Religion" und "Konflikt" in den Medien

3.1.1.2 "Religion" und "Terror" in den Medien

3.1.3 Qualitative Perspektive

3.2 DER KAMPF DER KULTUREN

4 DIE MEDIALE KONSTRUKTION RELIGIÖSER IDENTITÄT

4.1 MEDIEN UND ISLAMISCHE IDENTITÄT

4.2 MEDIEN UND CHRISTLICHE IDENTITÄT

5 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Forschungsfrage, ob es seit dem 11. September 2001 zu einer tatsächlichen Rückkehr der Religion in die Gesellschaft gekommen ist oder ob es sich primär um eine durch Massenmedien forcierte Thematisierung handelt. Hierbei wird das komplexe Verhältnis zwischen religiöser Identitätskonstruktion, politischer Instrumentalisierung und medialer Berichterstattung analysiert.

  • Analyse soziologischer Definitionen von Religion und Säkularisierung.
  • Untersuchung des Fundamentalismus als moderne Reaktion auf Säkularisierung.
  • Empirische quantitative Auswertung der medialen Präsenz religiöser Begriffe vor und nach 09/11.
  • Qualitative Analyse der medialen Konstruktion religiöser Identitäten (Islam und Christentum).
  • Kritische Auseinandersetzung mit Samuel Huntingtons These vom "Kampf der Kulturen".

Auszug aus dem Buch

1 Einleitung

"Der 11. September des Jahres 2001 ist weit mehr als das Datum eines furchtbaren Terrorangriffs: Nine-Eleven ist ein Symbol, eine Kennmarke für eine Zeitenwende…" berichtet der 'Spiegel' (Follath/Spörl 2006: 74). Waren die Neunzigerjahre von der Theorie des Endes der Geschichte von Francis Fukuyama geprägt, so kehrte die totgesagte Geschichte am 11. September 2001 zurück – und mit ihr die Religion. Die religiöse – präziser: islamische – Legitimation der Attentate hat zu einer Rückkehr der Religion in die Weltpolitik – und folglich in die Medien – geführt. Das betrifft in erster Linie den Islam, aber auch die beiden anderen auf Abraham basierenden Religionen. Die Religion ist aus der Privatsphäre wieder an die Öffentlichkeit geraten – wie der Kopftuch-Streit, die Minarett-Debatte und der Karikaturen-Streit exemplarisch zeigen.

Die Frage lautet: Erleben wir seit dem 11. September 2001 eine Rückkehr der Religion? Nicht wenige Intellektuelle vertreten den Standpunkt. Walter Kardinal Kasper behauptet in einem Interview in der 'Zeit': "Es gibt eine enorme Zunahme der Pilger- und Touristenströme [nach Rom]. An Sonntagen sind zwischen 50'000 und 60'000 Menschen auf dem Petersplatz, der Papst kann mittwochs seine Audienzen gar nicht mehr in der Audienzhalle halten" (Kasper 2007: 15). Ähnliches sagt Wolfram Weimer im Magazin 'Cicero': "Das ironische Zeitalter tut seinen letzten Seufzer, denn Gott kehrt zurück, und zwar mit Macht – im doppelten Sinne des Wortes. Nicht nur als philosophische Kategorie, revitalisierte Tradition oder spirituelle Kraft. Er kommt mitten hinein in den politischen Raum" (Weimer 2006: 94). Und Jürgen Habermas meint: "Als hätte das verblendete Attentat [vom 11. September 2001] im innersten der säkularen Gesellschaft eine religiöse Schwingung versetzt, füllten sich überall die Synagogen, die Kirchen und die Moscheen" (Habermas 2001: 10). Diese Liste liesse sich freilich fortführen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Rückkehr der Religion nach dem 11. September 2001 und Formulierung der leitenden Forschungsfrage.

2 ASPEKTE DER RELIGION: Theoretische Grundlegung durch soziologische Definitionen von Religion, Säkularisierung, Privatisierung und Fundamentalismus.

3 MEDIEN, RELIGION UND DER KAMPF DER KULTUREN: Empirische Untersuchung der medialen Zunahme religiöser Begriffe und Analyse der Verknüpfung von Religion, Konflikt und Terror.

4 DIE MEDIALE KONSTRUKTION RELIGIÖSER IDENTITÄT: Analyse, wie Medien Identitätsmuster durch den religiösen Code konstruieren und wie dies zur Polarisierung von Gruppen führt.

5 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT: Synthese der Ergebnisse und Schlussfolgerung, dass die mediale Thematisierung massgeblich zur aktuellen Wahrnehmung der Religion als machtpolitischem Faktor beiträgt.

Schlüsselwörter

Religion, Säkularisierung, Fundamentalismus, 09/11, Mediensoziologie, Identitätskonstruktion, Kampf der Kulturen, Islamismus, Politisierung der Religion, Systemtheorie, Medienmechanismen, Weltentzauberung, religiöse Identität, Islam, Christentum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob die beobachtete religiöse Renaissance nach dem 11. September 2001 eine reale gesellschaftliche Entsäkularisierung darstellt oder primär ein Produkt medialer Inszenierung und Thematisierung ist.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Felder sind die soziologische Begriffsbestimmung von Religion, die Analyse des Fundamentalismus als moderne Erscheinung sowie die Untersuchung der aufmerksamkeitsökonomischen Mechanismen der Massenmedien.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum Religion in den Medien seit 09/11 verstärkt mit Politik, Konflikt und Terrorismus kodiert wird, um Identitäten zu stiften und abzugrenzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine Kombination aus systemtheoretischer und sozialkonstruktivistischer Theorie sowie eine quantitative empirische Inhaltsanalyse ausgewählter Zeitungsmedien über verschiedene Zeiträume.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Aspekte, eine quantitative Medienanalyse zur Häufigkeit religiöser Begriffe sowie die qualitative Untersuchung der medialen Konstruktion religiöser Identität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Religion, Säkularisierung, Fundamentalismus, Mediensoziologie, Identitätskonstruktion, Kampf der Kulturen.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen funktionalistischer und substanzieller Religionsdefinition eine so grosse Rolle?

Die Wahl der Definition bestimmt, ob privatisierte Spiritualität (wie "spirituelle Shampoos") gemessen wird oder nur die politisierte, in Konflikten sichtbare Religion, die für die These der Rückkehr zentral ist.

Wie bewertet der Autor die Rolle von Samuel Huntington im medialen Diskurs?

Der Autor zeigt empirisch, dass Huntingtons These vom "Kampf der Kulturen" erst nach 09/11 massiv an Medienpräsenz gewann und als holzschnittartiges Denkmodell zur politischen Identitätsstiftung dient.

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Details

Title
Religion nach 09/11
Subtitle
Erleben wir seit dem 11. September 2001 eine Rückkehr der Religion oder lediglich ihre mediale Thematisierung?
College
University of Luzern  (Soziologisches Seminar)
Grade
5.5
Author
Francis Müller (Author)
Publication Year
2007
Pages
58
Catalog Number
V78569
ISBN (eBook)
9783638815550
ISBN (Book)
9783638816724
Language
German
Tags
Religion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Francis Müller (Author), 2007, Religion nach 09/11, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78569
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