Obwohl Hilary Putnam mit der Grundlegung des Funktionalismus einen entscheidenden
Meilenstein in der Philosophie des Geistes gesetzt hat, gründen seine Behauptungen bezüglich der Lokalisierung von Bedeutung zunächst, und in der Folge auch seine Ansichten in Hinsicht auf erkenntnistheoretische Fragen, auf zweifelhaften Annahmen. Anstatt kritischer den impliziten, metaphysischen Annahmen gegenüber zu stehen, sieht sich Putnam in den späten Achzigern gezwungen, die von ihm ausgearbeitete
These des Funktionalismus fallen zu lassen, um die Idee externalistischer Bedeutung
beibehalten zu können.
Im Folgenden soll Putnams „twin earth“-Argument genauer beleuchtet werden. Es sollen die essentialistischen Annahmen, die Putnam voraussetzt, sowie vermeintliche
Inkonsistenzen aufgezeigt werden. Daraufhin werden die Konsequenzen aus der Externalität von Bedeutung auf Putnams Epistemologie in seinem „brains in a vat“-Argument angewandt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „twin earth“-Argument
1. Absicht
2. Beweisgang
3. Kritik
1. Die Unzugänglichkeit mental eigenständiger Intensionen
1. Das Nierz-Organ
2. Reversibilität
3. Lebewesen?
4. Quadrilemma
2. Putnams Annahmen
1. Soziolinguistische Indexikalität
2. Mangelhafte Rechtfertigung
3. Starrheit
4. Zusammenfassung der Hauptannahmen
3. „brains in a vat“-Argument
1. Absicht
2. Beweisgang
3. Transportierte Annahmen und Konsequenzen
1. Intensionale Independenz
2. Soziolinguistische Indexikalität
3. Essentialität
4. „twin earth“ revisited
5. Schluss
Zielsetzung & Forschungsschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit kritisiert Hilary Putnams externalistische Bedeutungstheorie, insbesondere seine Annahmen im „twin earth“- und „brains in a vat“-Argument, mit dem Ziel, die Haltbarkeit seines essentialistischen und realistischen Standpunkts zu hinterfragen.
- Kritische Analyse von Putnams Verständnis von Extension und Intension.
- Untersuchung der soziolinguistischen Indexikalität und ihrer Grenzen.
- Diskussion der Starrheit von Begriffen und ihrer zeitlichen Veränderbarkeit.
- Hinterfragung der epistemischen Grundlagen des Essentialismus.
Auszug aus dem Buch
2. Beweisgang
Putnam zeichnet das Bild eines Zwillingsplaneten. Alles an und auf diesem Planeten ist mit der Erde identisch, inklusive seiner Einwohner. Nur ein Unterschied besteht: was wir auf der Erde als Wasser bezeichnen, entspricht der chemischen Formel H2O. Auf der Zwerde (wie wir sie nennen, ihre Bewohner nennen sie „Erde“) besteht, was von den Einwohnern als „Wasser“ bezeichnet wird, aus einer komplexen chemischen Formel, die im Folgenden abkürzend als XYZ bezeichnet wird. Die Eigenschaften des zwirdischen „Wassers“ entsprechen jedoch – bis auf die chemische Zusammensetzung – exakt den Eigenschaften, die Wasser bei uns aufweist. Unser Wasser hat also offenbar die Extension H2O, zwirdisches „Wasser“ die Extension XYZ.
Was, so fragt Putnam, aber waren vor der Entdeckung der chemischen Zusammensetzung von Wasser und „Wasser“, etwa im Jahr 1750, die Extensionen von Wasser und „Wasser“? Da Erdlinge nur Wasser und Zwerdlinge nur „Wasser“ kannten offenbar dieselben: H2O für Wasser und XYZ für „Wasser“. Wenn nun ein Erdling durch mysteriöse Umstände im Jahr 1750 auf der Zwerde gelandet wäre, so befände er sich bei der Handhabung von „Wasser“ in exakt demselben psychologischen Zustand, wie zuvor auf der Erde. Wenn er nicht gerade seinem Zwilling über den Weg läuft, würde er womöglich nicht einmal bemerken, dass er sich nicht mehr auf der Erde befindet. Er merkt es zwar nicht, aber „Wasser“ bedeutet hier nicht mehr Wasser. Er merkt es nicht, weil sich für ihn nichts verändert, aber „Wasser“ ist dennoch nicht Wasser. Er verwendet es wie alle anderen Zwerdlinge, aber die unterschiedliche Bedeutung von „Wasser“ und Wasser liegt in seiner chemischen Zusammensetzung, nicht in seinem Begriff davon. So sieht es Putnam.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in Putnams Abkehr vom Funktionalismus ein und umreißt die geplante Kritik an seinen essentialistischen Annahmen.
2. „twin earth“-Argument: Dieses Kapitel erläutert Putnams Gedankenexperiment und unterzieht seine zentralen Begriffe wie Extension, Intension, Indexikalität und Starrheit einer fundierten logischen Kritik.
3. „brains in a vat“-Argument: Der Autor überträgt hier die Kritik aus dem „twin earth“-Argument auf Putnams Solipsismus-Kritik und hinterfragt die epistemische Stabilität seiner Schlussfolgerungen.
4. „twin earth“ revisited: Es wird ein alternatives Szenario des Besuchs auf der Zwillingserde entworfen, um zu zeigen, dass Bedeutung und Extensionen weniger starr sind, als Putnam annimmt.
5. Schluss: Der Autor resümiert, dass Putnams Essentialismus nicht haltbar ist und plädiert für eine dynamischere, stärker am menschlichen Erkenntnisvermögen orientierte Betrachtung von Bedeutung.
Schlüsselwörter
Hilary Putnam, Externalismus, Bedeutungstheorie, Twin Earth, Brains in a vat, Extension, Intension, Essentialismus, Soziolinguistische Indexikalität, Starrheit, Sprachphilosophie, Semantik, Erkenntnistheorie, Solipsismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die sprachtheoretischen und erkenntnistheoretischen Annahmen Hilary Putnams, insbesondere seinen Externalismus.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Bedeutungstheorie (Semantik), der Essentialismus und die Frage danach, wie und wo Bedeutung lokalisiert ist.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Putnams essentialistischen Standpunkt, der Bedeutung als unabhängig von menschlichen Erkenntnisprozessen betrachtet, zu widerlegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Gedankenexperimenten sowie die logische Untersuchung von Syllogismen, um interne Inkonsistenzen in Putnams Argumentation aufzudecken.
Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Putnams „twin earth“- und „brains in a vat“-Argumenten und der daraus folgenden Kritik an seinen Annahmen zur soziolinguistischen Indexikalität und Starrheit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Extension, Intension, Starrheit, Essentialismus und die Frage nach dem Einfluss des individuellen Erkenntnisvermögens auf die Bedeutung.
Wie kritisiert der Autor Putnams Begriff der Starrheit?
Der Autor argumentiert, dass Putnams Starrheitsbegriff durch die rückwirkende Falsifizierung von Aussagen bei wissenschaftlichem Fortschritt an Plausibilität verliert und zu theoretischen Widersprüchen führt.
Was ist das Ergebnis der Analyse der „Brains in a vat“?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Putnams Versuch, den methodologischen Solipsismus mittels seines Externalismus zu widerlegen, auf zweifelhaften epistemischen Annahmen gründet.
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- Mark Wernsdorfer (Author), 2007, Von semantischem zu epistemischem Externalismus - Eine Kritik an Hilary Putnams „twin earth“- und „brains in a vat“-Argument, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78586