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Die Forderungen der Lega Nord - Der Aufschrei Norditaliens zur Neuordnung des Zentralstaates oder nur ein Deckmantel für faschistische Propaganda?

Titel: Die Forderungen der Lega Nord - Der Aufschrei Norditaliens zur Neuordnung des Zentralstaates oder nur ein Deckmantel für faschistische Propaganda?

Seminararbeit , 2003 , 24 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anita Weißflog (Autor:in)

Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

"... Dieses unser grundlegendes Interesse ist die Befreiung der Lombardei von der gefräßigen und
erstickenden Hegemonie der zentralistischen Regierung in Rom mittels der lombardischen Autonomie im weiteren Rahmen der padanischalpinischen Autonomie. (…) Die Lombardei ist weder eine Kuh zum Melken, noch ein Territorium, das mit fremden Bürokratien zu dominieren wäre. Die Lombardei ist nicht der Idiot, der die Schulden anderer zahlt. Die Lombardei denkt nicht daran, Rom passiv in den Bankrott zu folgen, weil sie nicht daran denkt, das Recht ihrer Bürger, den schweiß ihrer Söhne, den Arbeitseifer ihrer Leute, die Persönlichkeit ihres Volkes auf dem Altar
der römischen Missregierung zu opfern.“
(Vimercati, Daniele: I lombardi alla nuova crociata; Mailand 1990; Seite 148f; zit. n. Braun, Michael:
Italiens politische Zukunft; Frankfurt/ Main 1994; Seite 107)

Der erste Aufruf der Lega Nord im Jahr ihrer Gründung 1982 spiegelt deutlich die
angespannte Situation zwischen dem produktiven Norden und dem wirtschaftlich schwachen Süden Italiens wieder. Der stärkste politische Schwerpunkt von Umberto Bossi, dem offiziellen Begründer dieser Partei, lag in der Erreichung einer Autonomie für Norditalien, um sich nicht weiter „melken“ lassen zu müssen für den restlichen Teil des Landes, ohne dafür jemals erkennbare Erfolge sehen zu können. Der Großteil der Zielstellungen, von Autonomie bis hin zur Neuverteilung von politischen Zuständigkeiten, schließt am Ende auf die Forderung nach einer Neuordnung Italiens
vom Zentralstaat zum Föderalismus. 1982 noch nicht viel beachtet, stieg die Aufmerksamkeit der Bevölkerung des Nordens im Laufe der Zeit immer mehr, bis der große Wahlerfolg 1994 auch internationales Interesse weckte. Bedenken machten sich breit, da die Lega Nord durch ihre
aggressive Antipolitik und das provokante Auftreten Bossis schnell in die Schublade der rechten Parteien gesteckt wurde.

Doch kann man so einfach pauschal über das politische Auftreten einer Partei richten, ohne geschichtliche, gesellschaftliche und ökonomische Aspekte dieser Nation zu kennen? Wenn man bedenkt, dass in Italien über ein Staatssystem diskutiert wird, das in anderen Ländern wie Deutschland Alltag ist, kann man kulturelle Unterschiede nicht außer Acht lassen bei der Beurteilung politischer Entwicklungen anderer Ländern. Hintergründe in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft Italiens können den Erfolg einer solchen Bewegung erklären.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1.EINLEITUNG

2.GRÜNDUNG UND POLITISCHE ENTWICKLUNG DER LEGA NORD

2.1.DER BEGRIFF DER LEGA

2.2.DIE ENTWICKLUNGSPHASEN DES LEGHISMO

2.2.1.Genese (1979 – 1983)

2.2.2.Verwurzelung (1983 – 1987)

2.2.3.Stabilisierung und Neuordnung (1987 – 1989)

2.2.4.Frontalangriff gegen das System (1989 – 1992)

2.2.5.Erfolg und Etablierung (1992 – 1994)

2.2.6.geopolitische Konzentration und Zwang zur Selbstreformierung (ab 1995)

2.3.EIN ABRIß ÜBER DIE ZIELE DER LEGA

3.POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND GESELLSCHAFTLICHE ENTWICKLUNGEN

3.1.WICHTIGE STATIONEN IN DER POLITISCHEN GESCHICHTE ITALIENS

3.1.1.Erste Autonomiebestreben

3.1.2.Politische Entwicklungen in Italien im 20. Jahrhundert

3.1.3.erste Annäherung an die Beurteilung der Wählerreaktionen

3.2.DIE NORD – SÜD – PROBLEMATIK

4.MOTIVE DER MACHTERGREIFUNG

4.1.CHARAKTERISIERUNG DER NATIONALSOZIALISTISCHEN BEWEGUNG IN DEUTSCHLAND

4.2.DIE LEGA NORD – NSDAP AUF ITALIENISCH?

5.SCHLUSSWORT

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Ursprünge und politischen Forderungen der Lega Nord, um die Frage zu klären, ob deren Aufstreben ein Ausdruck berechtigter regionaler Autonomiebestrebungen oder eine Form faschistischer Propaganda darstellt. Dabei werden die sozioökonomischen Hintergründe des italienischen Zentralstaats analysiert.

  • Historische Entwicklung der Lega Nord und ihre Phasen des Leghismo
  • Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Kontraste zwischen Nord- und Süditalien
  • Analyse des Autonomiebegriffs und der föderalistischen Zielsetzung
  • Vergleich der Mobilisierungsstrategien der Lega Nord mit der NSDAP
  • Kritische Reflexion der Rolle Umberto Bossis und seiner Rhetorik

Auszug aus dem Buch

3.1.2. Politische Entwicklungen in Italien im 20. Jahrhundert

Die Teilnahme Italiens an den zwei Weltkriegen führte beide Male zu einem wirtschaftlichen Desaster und somit auch zu inneren Krisen durch Volksaufstände und Massenstreiks. Benito Mussolini und der von ihm gegründeten Fasci di Combattimento, die 1920 von einer sozialrevolutionären zu einer rechtsradikalen Partei umgeschwenkt war und nun Antisozialismus, Antiliberalismus und Antiparlamentarismus proklamierte, gelang es während der Wirtschaftskrise nach dem ersten Weltkrieg mit dem Bild einer neuen Ordnungskraft, große Teile der Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen. Mussolini baute eine Diktatur auf, die sich 1940 der Ära Hitler anschloss und sich somit in deutsche Abhängigkeit begab. Italien wurde nun monarchisch geführt. Erst Massenaufstände im März 1943 beendeten das Machtgefüge mit der Festnahme und späteren Ermordung Mussolinis. Am 2. Juni 1946 wurde durch eine Volksabstimmung die Monarchie abgeschafft und die erste Republik errichtet mit einer großen Koalition aus Demokraten, Sozialisten und Kommunisten mit der christlich-demokratischen Democrazia Christiana (DC) an der Spitze. Von 1953 bis 1963 verlor die DC jedoch immer mehr Stimmen an die kommunistische Partei Partito Comunista Italiano (PCI), konnte ihre Stellung jedoch durch Aldo Moro wieder festigen. Doch auch diese Zeit bis zu seiner Ermordung 1968 war gekennzeichnet von wechselnden Koalitionen und innenpolitischen Problemen wie Terrorismus und Inflation. Bis 1992 mußte die DC erneut Stimmenverluste hinnehmen, diesmal waren es aber kleine, zumeist rechts orientierte „Antiparteien“ wie die leghe, die zur Konkurrenz wurden, bis das Rechtsbündnis Forza Italia, Alleanza Nazionale und Lega Nord die DC 1994 endgültig ablöste.

Zusammenfassung der Kapitel

1.EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Lega Nord, ihre Entstehung und die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich ihrer politischen Einordnung.

2.GRÜNDUNG UND POLITISCHE ENTWICKLUNG DER LEGA NORD: Detaillierte Darstellung der sechs Entwicklungsphasen der Lega von der Genese bis zur Selbstreformierung sowie ein Überblick über ihre Autonomieziele.

3.POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND GESELLSCHAFTLICHE ENTWICKLUNGEN: Analyse der historischen Machtkämpfe in Italien sowie der strukturellen Disparitäten zwischen dem industrialisierten Norden und dem Süden.

4.MOTIVE DER MACHTERGREIFUNG: Vergleich der methodischen Vorgehensweise der Lega Nord mit der historischen nationalsozialistischen Bewegung, insbesondere hinsichtlich populistischer Instrumentalisierung.

5.SCHLUSSWORT: Fazit der Autorin, das betont, dass eine simplifizierte rechtsradikale Einordnung der Lega der Komplexität der Bewegung nicht gerecht wird.

Schlüsselwörter

Lega Nord, Umberto Bossi, Föderalismus, Autonomie, Italien, Nord-Süd-Konflikt, Antipolitik, Populismus, Partitocrazia, Politische Geschichte, Regionalismus, Parteiensystem, Wirtschaftsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht die politische Rolle der italienischen Partei Lega Nord und hinterfragt, ob deren Forderungen als legitime Autonomiebestrebungen oder als populistisch-faschistische Propaganda einzustufen sind.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen die historische Entwicklung der Lega, die sozioökonomische Zerrissenheit Italiens zwischen Nord und Süd sowie ein Vergleich zu deutschen historischen Bewegungen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, eine differenzierte Einordnung der Lega Nord vorzunehmen und vorurteilsfrei zu prüfen, ob die in Medien oft vorgenommene Kategorisierung als "rechtsradikal" den Zielen der Bewegung standhält.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturgestützte Analyse politischer und historischer Prozesse, ergänzt durch Fallbeispiele und die Auswertung von Programmschriften sowie Wahlergebnissen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehungsphasen der Lega, die historischen Ursachen der wirtschaftlichen Kluft in Italien und einen Vergleich der Strategien der Lega mit der NSDAP.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Lega Nord, Autonomie, Föderalismus, Nord-Süd-Konflikt und Partitocrazia.

Warum wird im Dokument die "Republicca del Sud" erwähnt?

Sie dient als Beispiel für das föderalistische Modell, mit dem Bossi die Autonomie der nördlichen Regionen und die Kontrolle über lokale Reichtümer anstrebte.

Welche Rolle spielt der "Gründungsaufruf 1982" für das Verständnis der Lega?

Er verdeutlicht den frühen Protest der Lega gegen den Zentralstaat in Rom und das Selbstverständnis als Stimme des wirtschaftlich produktiven Nordens.

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Details

Titel
Die Forderungen der Lega Nord - Der Aufschrei Norditaliens zur Neuordnung des Zentralstaates oder nur ein Deckmantel für faschistische Propaganda?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Veranstaltung
Wirtschaftsbezogene Kulturgeschichte Italiens
Note
1,7
Autor
Anita Weißflog (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
24
Katalognummer
V78588
ISBN (eBook)
9783638846462
ISBN (Buch)
9783638845342
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Forderungen Lega Nord Aufschrei Norditaliens Neuordnung Zentralstaates Deckmantel Propaganda Wirtschaftsbezogene Kulturgeschichte Italiens
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anita Weißflog (Autor:in), 2003, Die Forderungen der Lega Nord - Der Aufschrei Norditaliens zur Neuordnung des Zentralstaates oder nur ein Deckmantel für faschistische Propaganda?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78588
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Leseprobe aus  24  Seiten
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