Treibhauseffekt, CO2, Kyoto-Protokoll, Erderwärmung, Klimakatastrophe – der anthropogene Klimawandel ist zurzeit (wieder) in aller Munde. Hierbei existiert jedoch nicht nur eine Perspektive. Die Subsysteme der Gesellschaft nehmen das Thema – auch sich verändernd im Zeitablauf – ganz unterschiedlich wahr und reagieren gemäß ihrer Codes sehr verschieden. Dabei stehen sie untereinander in Kontakt, beeinflussen und stören sich gegenseitig.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Beziehungen der Subsysteme Wissenschaft, Politik und Massenmedien am Beispiel des Umgangs mit dem Thema Klimawandel herauszuarbeiten.
Zunächst wird dazu kurz die Theorie (nach Niklas Luhmann und Uwe Schimank) dargestellt. Anschließend werden – nach einer Einführung in die heutigen Erkenntnisse zum Klimawandel – die Charakteristika der Subsysteme und ihr entsprechender Umgang mit diesem Thema beleuchtet. Es folgt eine Aufgliederung in die einzelnen Subsystembeziehungen und ihrer gegenseitigen Einflussnahmen.
Gliederung
1 Einleitung
2 Theorie
2.1 Systemtheorie
2.2 Systematik der Subsystembeziehungen
3 Fakten zum Klimawandel
4 Die Subsysteme und der Klimawandel
4.1 Wissenschaft
4.2 Umgang mit dem Klimawandel
4.3 Massenmedien
5 Subsystembeziehungen
5.1 Wissenschaft und Politik
5.2 Politik und Massenmedien
5.3 Wissenschaft und Massenmedien
6 Fazit und Kritik
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die komplexen Interaktionen zwischen den gesellschaftlichen Subsystemen Wissenschaft, Politik und Massenmedien anhand des Beispiels Klimawandel zu untersuchen, um aufzuzeigen, wie diese Systeme das Thema wahrnehmen und untereinander kommunizieren.
- Anwendung der systemtheoretischen Grundlagen nach Luhmann und Schimank auf die Subsysteme.
- Analyse der spezifischen Charakteristika und Codes von Wissenschaft, Politik und Medien.
- Untersuchung der strukturellen Kopplungen und asymmetrischen Abhängigkeiten zwischen den Systemen.
- Betrachtung der Dynamik des Klimawandels als gesellschaftlich relevantes Thema in diesen Systemen.
- Reflektion über die Machtverhältnisse und die gegenseitige Beeinflussung in der polykontexturalen Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Charakteristika
Das Wissenschaftssystem ist – gemäß seinem Code ‚wahr’ oder ‚nicht wahr’ – auf der Suche nach Erkenntnissen über die Welt. Ideale Wissenschaft zeichnet sich aus durch ihre Objektivität, den kumulativen Charakter, die Unbegrenztheit ihres Auftrags, ihre binnenwissenschaftliche Moral und den Glauben an die Lösbarkeit aller wissenschaftlichen Fragestellungen.
Heutzutage sind andere Teilsysteme in starkem Maße von den Erkenntnissen der Wissenschaft durchdrungen. Andererseits droht die Wissenschaft durch stark asymmetrische strukturelle Kopplungen von Politik und Wirtschaft einverleibt zu werden – vor allem aufgrund ihrer Abhängigkeit von der Finanzierung. Entsprechend ist die Wissenschaft in ihrer Ausrichtung und Auswahl von Fragestellungen zumindest teilweise fremdgesteuert.
Die Wissenschaft macht die Gesellschaft auf Risiken aufmerksam und hat die Aufgabe, Mittel aufzuzeigen, um ihrer Herr zu werden, sowie immer neue, verbesserte Optionen zu schaffen. Sie entscheidet allerdings nicht selbst über deren An- und Verwendung, sondern ihre Ergebnisse werden in andere Subsysteme wie die Politik übertragen und dort nach eigenen Codes bewertet und umgesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik des Klimawandels und Darlegung des Ziels, die Beziehungen der Subsysteme Wissenschaft, Politik und Massenmedien zu analysieren.
2 Theorie: Erläuterung des systemtheoretischen Rahmens nach Luhmann und Schimank sowie der Systematik funktional differenzierter Subsysteme.
3 Fakten zum Klimawandel: Zusammenfassung der wissenschaftlichen Erkenntnisse über den anthropogenen Klimawandel, dessen Ursachen und die Rolle des IPCC als Wissensbasis.
4 Die Subsysteme und der Klimawandel: Detaillierte Betrachtung der Charakteristika und des spezifischen Umgangs von Wissenschaft, Politik und Massenmedien mit der Klimaproblematik.
5 Subsystembeziehungen: Analyse der wechselseitigen Beeinflussung und strukturellen Kopplungen zwischen den drei untersuchten Subsystemen.
6 Fazit und Kritik: Zusammenführende Betrachtung der systemischen Abhängigkeiten und kritische Reflektion über die Rolle der Wirtschaft, die aufgrund des Arbeitsumfangs nicht detailliert behandelt werden konnte.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Wissenschaftssoziologie, Klimawandel, Subsysteme, Politik, Massenmedien, strukturelle Kopplung, Gesellschaftssystem, Klimakatastrophe, Luhmann, Schimank, Kommunikation, Risikokommunikation, Politbarometer, Wissenssoziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Subsysteme – speziell Wissenschaft, Politik und Massenmedien – auf das komplexe Thema Klimawandel reagieren und wie diese Teilsysteme untereinander interagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Systemtheorie, die Funktionsweise gesellschaftlicher Teilsysteme, der Klimawandel als globale Herausforderung sowie die wechselseitige Abhängigkeit von Akteuren in Politik, Medien und Wissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Codes und Reaktionsweisen der Subsysteme herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie sie sich gegenseitig stören, beeinflussen und voneinander abhängig sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf die systemtheoretische Perspektive nach Niklas Luhmann und Uwe Schimank, um die Kommunikation und die funktionalen Differenzierungen in der modernen Gesellschaft zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zunächst die theoretischen Grundlagen, liefert Fakten zum Klimawandel und beschreibt im Anschluss die Charakteristika und den Umgang der Teilsysteme mit diesem Thema sowie deren Interaktionen untereinander.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Systemtheorie, Wissenschaftssoziologie, strukturelle Kopplung, Klimawandel, Kommunikation und polykontexturale Gesellschaft.
Warum spielt die Wirtschaft laut Fazit eine so große Rolle?
Obwohl die Wirtschaft nicht primäres Untersuchungsobjekt war, stellt der Autor fest, dass sie durch Forschungsgelder und politischen Druck auf Arbeitsplätze eine dominante, steuernde Kraft ausübt, die in der Systembeziehung kaum ignoriert werden kann.
Wie stehen die Massenmedien zu wissenschaftlichen Erkenntnissen?
Die Medien fungieren zwar als Sprachrohr, neigen aber laut Arbeit dazu, komplexe wissenschaftliche Ergebnisse für ihre Zwecke zu vereinfachen, zu dramatisieren oder im Sinne von Aufmerksamkeitscodes umzuformen, was zu Konflikten mit dem Wahrheitsanspruch der Wissenschaft führt.
- Quote paper
- Diplom-Betriebswirtin, M.A. Hilleken Zeineddine (Author), 2007, Beziehungen der Subsysteme Wissenschaft, Politik und Massenmedien am Beispiel des Umgangs mit dem Klimawandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78606