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Was ist Vertrauen? Der Vertrauensbegriff im interdisziplinären Diskurs

Title: Was ist Vertrauen? Der Vertrauensbegriff im interdisziplinären Diskurs

Term Paper , 2006 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christine Cornelius (Author)

Communications - Journalism, Journalism Professions
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Vertrauen gilt als die Basis sozialer Beziehungen (vgl. Dernbach/Meyer 2005: 12). Tagtäglich werden Menschen angehalten, anderen Personen ihr Vertrauen zu schenken. Die Liste derjenigen, die Vertrauen einfordern, ist lang und ließe sich beliebig erweitern: Ärzte, Politiker, Verwandte, Freunde, Versicherungsvertreter, Verkäufer, Handwerker – die Interaktion mit Repräsentanten dieser Gruppen erfordert an einem gewissen Punkt, dass geglaubt wird, was sie sagen, dass die Diagnosen, die sie stellen, richtig sind oder die Produkte, die sie verkaufen, bedenkenlos konsumiert werden können.
Menschen vertrauen jedoch nicht nur auf der Mikroebene. Der Vertrauensbegriff ist auf allen nur erdenklichen Gebieten relevant. Ohne das Vertrauen in Organisationen, Institutionen, Wissenschaft und Technik wäre das Funktionieren unserer modernen Gesellschaft nicht vorstellbar. Gerade weil sich der Vertrauensbegriff auf so viele unterschiedliche Bedeutungsfelder beziehen lässt, hat sich bislang keine klare und eindeutige Definition herausgebildet, die von allen Vertrauensforschern einvernehmlich benutzt wird (vgl. Laucken 2005: 95).
Der Versuch, eine solche zu formulieren, wird zudem dadurch erschwert, dass sich sehr unterschiedliche Wissenschaften mit dem Phänomen Vertrauen auseinandersetzen und die Materie jeweils aus einer anderen Perspektive betrachten. Neben der Soziologie, Psychologie, Philosophie und Publizistikwissenschaft beschäftigt sich auch die Betriebswirtschaftslehre mit dem Themenkomplex (vgl. Petermann 1996: 9). Im Rahmen dieser Arbeit soll eine Annäherung an den Vertrauensbegriff vorgenommen und auf seine verschiedenen Aspekte eingegangen werden. Ziel ist eine interdisziplinäre Analyse, die versucht, eine Antwort auf die Frage Was ist Vertrauen? zu finden. Es soll untersucht werden, wie Vertrauen entsteht, welche Funktionen es erfüllt und in wen es aus welchen Gründen gesetzt wird. Verschiedene Formen des Vertrauens werden aufgezeigt und unterschiedliche Definitionen miteinander verglichen.
Die vorliegende Hausarbeit hebt sich mit dieser Zielsetzung bewusst von dem üblichen Forschungsbereich der Publizistikwissenschaft ab, die sich auf diesem Gebiet hauptsächlich mit dem Themenkomplex Vertrauen in Massenmedien auseinandersetzt. Grundlegend hierfür ist jedoch zunächst eine ausführliche Analyse des Vertrauensbe- griffs. Einen solchen Ausgangspunkt für eine weiterführende Beschäftigung mit dem Thema möchte diese Arbeit erreichen.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Vertrauensbegriff im interdisziplinären Diskurs

2.1 Vertrauen in der Philosophie

2.2 Vertrauen in der Psychologie

2.2.1 Das Urvertrauen

2.2.2 Fünf Stufen der Vertrauensentwicklung

2.2.3 Indikatoren für vertrauensvolles Verhalten

2.3 Vertrauen in der Soziologie

2.4 Vertrauen aus ökonomischer Perspektive

3 Formen von Vertrauen

3.1 Systemisches Vertrauen

3.2 Personales Vertrauen

3.2.1 Vertrauen in Freundschaften

3.2.2 Vertrauen in Liebesbeziehungen

4 Sonderformen des Vertrauens

4.1 Gottvertrauen

4.2 Selbstvertrauen

5 Funktionen von Vertrauen

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, eine interdisziplinäre Analyse des Vertrauensbegriffs vorzunehmen, um zu ergründen, wie Vertrauen entsteht, welche Funktionen es erfüllt und unter welchen Bedingungen es in verschiedenen Kontexten gesetzt wird.

  • Interdisziplinäre Definition des Begriffs Vertrauen
  • Psychologische Grundlagen der Vertrauensentwicklung
  • Unterscheidung zwischen systemischem und personalem Vertrauen
  • Vertrauen als Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität
  • Sonderformen wie Gott- und Selbstvertrauen

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Das Urvertrauen

Die bis heute am weitesten verbreitete Auffassung von Vertrauen basiert auf dem tiefenpsychologischen Entwicklungsmodell von Erik H. Erikson. Der Entwicklungspsychologe geht von einem Ur- oder Grundvertrauen aus, das den Eckstein einer gesunden Persönlichkeit darstellt (vgl. Petermann 1996: 12). Dieses Urvertrauen zeichne sich bei einem Kleinstkind durch ein Gefühl der Geborgenheit, des inneren Ausgleichs und dem Bewusstsein aus, sich im Einklang mit seiner Umwelt zu befinden. Um die Entwicklung dieses Gefühls zu gewährleisten, spiele das Verhalten der Eltern eine entscheidende Rolle. Die Mutter befriedige durch ihre Sorge zum einen die grundlegenden kindlichen Bedürfnisse, zum anderen fördere sie durch ihre liebevolle Zuwendung bei dem Kind ein Gefühl für die eigene Vertrauenswürdigkeit und damit für seine Eingebundenheit in die äußere Welt (vgl. Lahno 2002: 324).

Das Grundvertrauen setzt sich nach Erikson folglich aus dem Gefühl zusammen, sich auf seine Umwelt verlassen zu dürfen und selbst ein verlässlicher Teil dieser Welt zu sein. Da es als universelle positive Haltung gegenüber der gesamten Umwelt keinen Adressaten besitzt, unterscheidet es sich grundlegend von anderen Formen des Vertrauens. Das Urvertrauen gilt als Bedingung der Möglichkeit, Vertrauensbeziehungen zu anderen Menschen überhaupt aufbauen zu können. Es bildet damit die Grundlage von Selbstvertrauen und eines gefestigten Identitätsgefühls (vgl. Lahno 2002: 325 f.). Erikson nimmt an, dass sich das Fehlen von Urvertrauen in einem schizoiden und depressiven Persönlichkeitsbild äußert (vgl. Erikson 1995: 242).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Relevanz von Vertrauen als Basis sozialer Beziehungen und Darstellung der interdisziplinären Zielsetzung der Arbeit.

2 Der Vertrauensbegriff im interdisziplinären Diskurs: Überblick über theoretische Konzepte des Vertrauens in Philosophie, Psychologie, Soziologie und Ökonomie.

3 Formen von Vertrauen: Differenzierung zwischen systemischem Vertrauen in Institutionen und personalem Vertrauen in zwischenmenschlichen Beziehungen.

4 Sonderformen des Vertrauens: Untersuchung spezifischer Vertrauensformen wie Gottvertrauen und Selbstvertrauen, die konstitutiv für andere Bereiche wirken.

5 Funktionen von Vertrauen: Analyse der Rolle von Vertrauen bei der Reduktion sozialer Komplexität und der Erhöhung individueller Freiheit und Spontaneität.

6 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der vielschichtigen Natur von Vertrauen und dessen Kernkomponenten Kompetenz, Wohlwollen und Konsistenz.

7 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Vertrauen, Urvertrauen, interdisziplinärer Diskurs, Systemisches Vertrauen, Personales Vertrauen, soziale Komplexität, Risiko, Wohlwollen, Kompetenz, Konsistenz, Selbstvertrauen, Gottvertrauen, soziale Beziehungen, Reziprozität, Psychologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Begriff Vertrauen aus einer interdisziplinären Perspektive und beleuchtet dessen Bedeutung sowie Entstehungsweisen in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Schwerpunkten gehören die psychologische Entwicklung, die soziologische Systemtheorie, die ökonomische Betrachtung sowie die Abgrenzung von Vertrauensformen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine interdisziplinäre Analyse, die eine Antwort auf die Frage "Was ist Vertrauen?" sucht, indem sie Funktionen, Bedingungen und Formen des Vertrauens systematisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung und Gegenüberstellung verschiedener wissenschaftlicher Positionen und Definitionen aus Philosophie, Psychologie, Soziologie und Betriebswirtschaftslehre.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung des Begriffs, die Unterscheidung von systemischen und personalen Formen sowie die Erläuterung von Funktionen und Sonderformen wie dem Selbstvertrauen.

Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?

Zentrale Begriffe sind das Urvertrauen, die Komplexitätsreduktion, das Risikomanagement in sozialen Interaktionen und die konstitutiven Komponenten Kompetenz, Konsistenz und Wohlwollen.

Wie unterscheidet sich systemisches von personalem Vertrauen?

Systemisches Vertrauen richtet sich auf abstrakte Institutionen oder Organisationen, während personales Vertrauen auf konkrete, individuelle Interaktionspartner bezogen ist.

Warum ist das "Urvertrauen" für den Menschen so bedeutend?

Das Urvertrauen gilt nach Erikson als Eckstein einer gesunden Persönlichkeit und als notwendige Bedingung, um überhaupt Vertrauensbeziehungen zu anderen Menschen eingehen zu können.

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Details

Title
Was ist Vertrauen? Der Vertrauensbegriff im interdisziplinären Diskurs
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Publizistik)
Course
Medien, Realität, Vertrauen
Grade
1,3
Author
Christine Cornelius (Author)
Publication Year
2006
Pages
18
Catalog Number
V78640
ISBN (eBook)
9783638836081
ISBN (Book)
9783638925471
Language
German
Tags
Vertrauen Vertrauensbegriff Diskurs Medien Realität Vertrauen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christine Cornelius (Author), 2006, Was ist Vertrauen? Der Vertrauensbegriff im interdisziplinären Diskurs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78640
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