Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Philosophy - Philosophy of the Ancient World

Freundschaft und Ichbezogenheit bei Aristoteles

Title: Freundschaft und Ichbezogenheit bei Aristoteles

Term Paper , 2004 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Torben Büngelmann (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Aristoteles unterscheidet in der Nikomachischen Ethik (Buch 8 und 9) drei Arten von Freundschaft, die Nutzfreundschaft, die Lustfreundschaft und schließlich als die höchste Form die zweckfreie Freundschaft der Tugendhaften. Wer diese Art vollkommener Beziehung erreichen möchte, der muss von ethisch vorzüglichem Wesen sein, und das schließt ein, dass man mit sich selbst im Reinen ist. Es geht also in der Freundschaft immer auch um das Verhältnis zu einem selbst, um Ichbezogenheit. Damit kommt die Untersuchung in dieser Arbeit in ihre Spur. Die Arbeit thematisiert das prima facie widersprüchliche Verhältnis von Eigenliebe und Ichbezogenheit auf der einen und vollkommener Freundschaft auf der anderen Seite. Dieser nur scheinbare Widerspruch wird von Aristoteles dadurch aufgehoben, dass der Freund als ein zweites Ich konzipiert wird, und die Beziehung zum Freund spiegelt so das Verhältnis zu sich selbst wieder. Aristoteles möchte zeigen, dass Selbstliebe, richtig verstanden, d.h. ohne die fundamentale Differenz von Ich und Du zu leugnen, eine Bedingung für wirkliche Freundschaft ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die drei Arten der Freundschaft

2.1 Die Freundschaft um des Nutzens willen

2.2 Die Freundschaft um der Lust willen

2.3 Die Freundschaft der Guten

3 Der Freund als zweites Ich

3.1 Die Einheit der Seele

3.2 Der Wunsch nach dem Guten

3.3 Das Beisammensein

4 Die Selbstliebe

4.1 Bestimmung der Selbstliebe

4.2 Selbstliebe und tugendhaftes Handeln

5 Resümee

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Seminararbeit untersucht das Verhältnis zwischen Ichbezogenheit und Freundschaft in den Büchern VIII und IX der Nikomachischen Ethik von Aristoteles. Das zentrale Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, ob Selbstliebe einen Widerspruch zu tugendhaftem Handeln darstellt oder ob sie vielmehr die notwendige Grundlage für ein ethisches Leben und echte Freundschaft bildet.

  • Analyse der drei aristotelischen Freundschaftsformen (Nutzen, Lust, Tugend).
  • Untersuchung des Konzepts des Freundes als "zweites Ich".
  • Differenzierung zwischen destruktiver und tugendhafter Selbstliebe.
  • Verbindung von rationalem Denken und menschlicher Glückseligkeit.
  • Kritische Auseinandersetzung mit modernen Interpretationen des aristotelischen Freundschaftsbegriffs.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Einheit der Seele

Sehr deutlich tritt dieser Kontrast am vierten Kriterium hervor. Dessen Spiegelung nach innen bedeutet, dass „der Treffliche […] mit sich selbst einig [ist] und mit seiner Gesamt Seele nach Zielen [strebt], die nicht auseinanderfallen“ (1166b 14). Er hat die innere Harmonie, die sich in der Einheit von Leidenschaft und Vernunft zeigt, handelt also nach dem, was er als wertvoll erkannt hat. Mit dem Rückgriff auf die Lehre von den zwei Seelenteilen im ersten Buch der Nikomachischen Ethik lässt sich diese „affektive Ausgewogenheit“ (Schulz: 216) auch ausdrücken als ein natürlicherweise gleichgerichtetes Streben des nicht-rationalen und des dianoetischen Seelenteils. Ganz anders dagegen der Minderwertige, der mit sich selbst uneins ist und zwar Ziele ins Auge fassen kann, dann aber stets wieder an einer anderen Stelle landet, zu der ihn seine Begehrlichkeiten, seine Feigheit oder Trägheit wider die bessere Einsicht hingetragen haben.

Aber vielleicht kann dieser Gedankengang noch besser entwickelt werden, wenn man das fünfte Kriterium miteinbezieht. Pangle schlägt dies vor und Schulz führt ohnehin nur vier Kriterien auf, weil er das vierte und fünfte von vornherein als Eines betrachtet. Auf das Innenverhältnis übersetzt, sagt das fünfte Charakteristikum, dass der Tugendhafte Schmerz und Leid nur mit sich selbst empfindet, „denn zu allen Zeiten ist ihm dasselbe unangenehm, dasselbe angenehm“ (1166a 28). Nicht aus der Interaktion mit der Gesellschaft also, aus einem etwaigen unsicheren Umgang mit anderen Menschen kommt für ihn eine Störung seiner Gemütslage infrage, sondern einzig aufgrund seiner inneren Verfasstheit. „Nachträgliches Bedauern ist bei ihm sozusagen gar nicht denkbar“ (1166a 29); stellt sich eine Handlung im Nachhinein als falsch heraus, so bleibt ihm dennoch die Gewissheit, unter den gegebenen Umständen vollständig richtig gehandelt zu haben. Seine klare innere Ordnung beherrscht jeden Selbstzweifel und wird zum Maß der Tugendhaftigkeit schlechthin. Man sieht also, das fünfte Kriterium ist die inhaltliche Füllung des vierten, es läuft ebenso auf die vollkommene Einheit der Seele hinaus.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Freundschaft in der Nikomachischen Ethik ein und stellt die Forschungsfrage nach der Vereinbarkeit von Ichbezogenheit und Tugendhaftigkeit.

2 Die drei Arten der Freundschaft: Dieses Kapitel klassifiziert die Freundschaften nach Nutzen, Lust und Tugend und ordnet die vollkommene Freundschaft der Tugendhaften als höchste Form ein.

2.1 Die Freundschaft um des Nutzens willen: Hier wird die instabile Natur der Zweckfreundschaft erläutert, die primär auf gegenseitigem Vorteil basiert und bei Wegfall des Nutzens endet.

2.2 Die Freundschaft um der Lust willen: Dieses Kapitel beschreibt die auf Vergnügen basierende Bindung, die besonders unter jungen Menschen verbreitet ist und zwar eine gewisse Stabilität besitzt, aber in ihrer Tiefe begrenzt bleibt.

2.3 Die Freundschaft der Guten: Hier wird die vollkommene Freundschaft definiert, die auf der Wertschätzung der tugendhaften Persönlichkeit des anderen basiert und somit dauerhaft und stabil ist.

3 Der Freund als zweites Ich: Dieses Kapitel thematisiert die psychologische Spiegelung des eigenen Wesens im Freund, um die innere Kohärenz des tugendhaften Menschen zu beleuchten.

3.1 Die Einheit der Seele: Die Untersuchung der inneren Harmonie und Vernunft als notwendige Bedingung für ein tugendhaftes Selbstbild steht hier im Vordergrund.

3.2 Der Wunsch nach dem Guten: Hier wird erörtert, warum der Mensch als denkendes Wesen natürlicherweise nach der Erhaltung seines eigenen Guten strebt.

3.3 Das Beisammensein: Dieses Kapitel diskutiert die Rolle der sozialen Gemeinschaft für den an sich bereits glücklichen Tugendhaften.

4 Die Selbstliebe: Die zentrale These, dass Selbstliebe kein egoistisches Laster, sondern die rationale Voraussetzung für tugendhaftes Handeln ist, wird hier entfaltet.

4.1 Bestimmung der Selbstliebe: Hier erfolgt die Differenzierung zwischen einer destruktiven, leidenschaftsgetriebenen Selbstliebe und der tugendhaften Selbstliebe des denkenden Menschen.

4.2 Selbstliebe und tugendhaftes Handeln: Dieses Kapitel zeigt auf, dass der Tugendhafte durch sein Handeln für das Gemeinwohl auch sein eigenes höchstes Interesse verfolgt.

5 Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass Selbstliebe den Schlussstein im aristotelischen System der Ethik bildet und die Basis für echte zwischenmenschliche Beziehungen darstellt.

Schlüsselwörter

Aristoteles, Nikomachische Ethik, Freundschaft, Ichbezogenheit, Selbstliebe, Tugend, Glückseligkeit, Vernunft, Denken, Seele, Nutzfreundschaft, Lustfreundschaft, Wohlwollen, Lebensgemeinschaft, Ethik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das aristotelische Konzept der Freundschaft in den Büchern VIII und IX der Nikomachischen Ethik, mit einem spezifischen Fokus auf die Rolle der Selbstliebe und Ichbezogenheit als Strukturmerkmale menschlichen Verhaltens.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die verschiedenen Typologien der Freundschaft, das Verhältnis des Menschen zu sich selbst als "zweites Ich" sowie die moralische Bewertung von Selbstliebe und deren Nutzen für das tugendhafte Handeln.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Forschungsfrage lautet, ob Ichbezogenheit und Freundschaft zwangsläufig im Widerspruch stehen oder ob eine rational begründete Selbstliebe die notwendige Grundlage für tugendhaftes und für die Allgemeinheit förderliches Handeln bildet.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?

Es handelt sich um eine philosophische Interpretation und Textanalyse, die sich eng am Aufbau der Aristotelischen Schriften orientiert und dabei sowohl den griechischen Urtext (Berliner Akademie-Ausgabe) als auch relevante Sekundärliteratur zur Unterstützung der Argumentation heranzieht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei große Abschnitte: Die Kategorisierung der drei Freundschaftsarten, die Analyse des Konzepts "Freund als zweites Ich" durch die Untersuchung innerseelischer Kohärenz, und die Neubewertung der Selbstliebe als rationale Tugend.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind: Freundschaft, Selbstliebe, Tugend, Vernunft, Ichbezogenheit, Glückseligkeit und das Konzept des "zweiten Ich".

Warum unterscheidet Aristoteles zwischen verschiedenen Freundschaftsarten?

Aristoteles möchte damit verdeutlichen, dass nicht jede soziale Bindung den gleichen ethischen Wert besitzt; die Unterscheidung dient dazu, die vollkommene Freundschaft als dauerhaftes und wertvolles Gut gegenüber den defizitären, zweckgebundenen Formen der Nutzen- und Lustfreundschaft abzugrenzen.

Wie lässt sich die vermeintliche Egoistik des Tugendhaften rechtfertigen?

Die Arbeit argumentiert, dass der Tugendhafte nicht im Sinne einer kleinlichen Habgier handelt, sondern sein eigenes Wohlergehen durch das Streben nach den höchsten Werten (Vernunft, Geist) definiert. Sein Handeln für Freunde und Vaterland entspringt einer positiven Selbstliebe, die den Einklang mit dem dianoetischen Seelenteil sucht.

Welche Rolle spielt der "denkende Teil" des Menschen?

Der denkende Teil wird als das Wesensmerkmal des Menschen identifiziert. Tugendhaftes Handeln bedeutet für Aristoteles, sich nach der Vernunft zu richten, was wiederum die Bedingung für eine dauerhafte und stabile Lebensführung und echte Freundschaft darstellt.

Excerpt out of 17 pages  - scroll top

Details

Title
Freundschaft und Ichbezogenheit bei Aristoteles
College
University of Heidelberg  (Philosophisches Seminar)
Course
Aristoteles, Nikomachische Ethik
Grade
1,3
Author
Torben Büngelmann (Author)
Publication Year
2004
Pages
17
Catalog Number
V78665
ISBN (eBook)
9783638846585
ISBN (Book)
9783638845458
Language
German
Tags
Freundschaft Ichbezogenheit Aristoteles Nikomachische Ethik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Torben Büngelmann (Author), 2004, Freundschaft und Ichbezogenheit bei Aristoteles, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78665
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  17  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint