Was sind Vorbilder und wie werden sie ausgewählt?


Seminararbeit, 2000

15 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die sozial – kognitive Theorie nach Albert Bandura
2.1 Bedingungen des Modellernens
2.2 Die Rolle der Bekräftigung beim Modell
2.3 Erzieherische Relevanz der sozial – kognitiven Theorie
2.4 Aus der Identitätsentwicklung des Neoanalytikers Erik Erikson

3. Unterscheidung der Begriffe „Vorbilder“ – „Idole“
3.1 Merkmale von Idolen
3.2 Merkmale von Vorbildern

4. Vorbilder – gestern und heute
4.1 Vorbilder früher
4.2 Vorbilder heute
4.2.1 Eltern als Vorbilder
4.2.2 „Vorbildquelle“ Massenmedien
4.3 Die wirklichen Vorbilder sind gefährdet
4.3.1 Beispiel Lady Di – Mutter Teresa
4.3.2 Beispiel „Forschungsprojekt ‚Jugend und Religion‘“
4.4 Ein möglicher Grund für das „Aussterben“ wirklicher Vorbilder

5. Fazit

1. Einleitung

In einer Umfrage wurden 630 junge österreichische Schüler und Schülerinnen folgendes gefragt: „Folgende Menschen sind mir in meinem Leben Vorbild. Bitte Namen aufschreiben und angeben, warum sie Vorbilder sind.“[1]

Hier einige Antworten aus dieser Befragung:

„Meine Mutter, weil sie Situationen meistert, die oft ausweglos erscheinen, und Dinge leistet, an denen sich manche Menschen ein Beispiel nehmen könnten.“ (Gymnasiastin, 16)

„Musiker wie Bon Jovi, hat es im Leben zu mehr gebracht, ist glücklich verheiratet, hat genug Geld und spendet an arme Leute.“ (Gymnasiastin, 16)

„Anita Wachter: Ich fahre sehr gerne Ski und ich glaube, dass sie eine gute Skifahrerin ist, die durch Erfolge nicht überheblich wirkt, sondern immer natürlich und sympathisch.“ (Gymnasiastin, 15)

„Der Bankräuber, der die Perwanger Raiffeisenfiliale überfallen hat und bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gefasst wurde.“ (Gymnasiast, 15)[2]

Schon aus dieser kleinen Auswahl der Antworten ist zu erkennen, dass es eine große Vielfalt an Vorbildern gibt. Angefangen von den nahen Verwandten bis hin zu „fernen“ Vorbildern wie z.B. der Bankräuber in der letzten Antwort. Doch was sind Vorbilder wirklich und wie werden Vorbilder ausgewählt? Welche Vorbilder gab es früher, welche gibt es heute?

Auf diese und andere Fragestellungen will ich in den folgenden Seiten näher eingehen.

2. Die sozial – kognitive Theorie nach Albert Bandura

Der Lernpsychologe Albert Bandura (geboren 1925) entwickelte 1979 die sozial – kognitive Lerntheorie, die sich innerhalb der Psychologie als besonders bedeutsam für das Modellernen erwiesen hat und die ich hier näher darstellen möchte.

2.1 Bedingungen des Modellernens

Nach Bandura ist ein Modell (=Vorbild) eine Person, die ein bestimmtes Verhalten oder eine Eigenschaft mustergültig vorlebt. Die Person, die sich jemand zum Vorbild nimmt, ist nach dieser Theorie der Beobachter des Modells, der versucht, sich diejenigen Eigenschaften oder Verhaltensweisen des Modells anzueignen, die er noch nicht (bzw. noch nicht vollständig) besitzt. Welches Modell vom Beobachter ausgewählt wird, hängt ab von den Persönlichkeitsmerkmalen des Modells und des Beobachters und ist auch abhängig von der Beziehung zwischen Modell und Beobachter.[3]

So wählt sich der Beobachter meist ein Modell, das soziale Macht besitzt, also sowohl belohnen als auch bestrafen kann und das ihm sympathisch und attraktiv erscheint. Ebenso werden besonders Menschen mit hohem Ansehen beobachtet und auch solche, die die Bedürfnisse des Lernenden befriedigen können. „Es werden Modelle gewählt, die gewinnende Eigenschaften besitzen, während diejenigen, denen es an gefälligen Charakterzügen fehlt, gewöhnlich ignoriert oder abgelehnt werden.“[4]

Von Seiten des Beobachters begünstigen Persönlichkeitsmerkmale wie fehlendes Selbstvertrauen und geringe Selbstachtung die Aufmerksamkeit gegenüber seinem Modell. Der Beobachter sucht sich meist solche Modelle, die in den Verhaltensweisen, in denen sich der Beobachter unsicher fühlt, Stärke und Sicherheit ausstrahlen. Wenn z.B. eine Person schüchtern und wenig redegewandt ist, so ist es sehr wahrscheinlich, dass sie sich ein Vorbild sucht, das selbstsicher auftritt und seine Meinung vertreten kann.

Besonders ausschlaggebend für die Wahl des Vorbilds sind vor allem auch Faktoren, die die Wahrnehmung des Beobachters steuern, wie z.B. Erfahrungen, Gefühle, Stimmungen, Interessen, Wertvorstellungen und vieles mehr. Ist jemand beispielsweise am Beruf des Gemeindereferenten interessiert, so ist es relativ wahrscheinlich, dass sich derjenige den in dessen Pfarrei tätige Gemeindereferenten zum Vorbild nimmt.

Ist auch die Beziehung zwischen Beobachter und Modell von gegenseitigem Verständnis, Wertschätzung und einer positiven emotionalen Beziehung getragen, wirkt sich dies positiv auf die Nachahmungsbereitschaft des Beobachters aus. Aber auch eine Abhängigkeit des Beobachters vom Vorbild kann aufmerksamkeitsfördernd wirken, wie das z.B. in Lehrer – Schülerbeziehungen oder Eltern – Kinderverhältnissen der Fall ist.

Bei symbolischen Modellen, also solchen, die in den Massenmedien an den Menschen herangetragen werden, wirken sich ebenfalls die eben beschriebenen Aufmerksamkeitsbedingungen aus. Auch diese Modelle besitzen viele Persönlichkeitsmerkmale, die die Aufmerksamkeit des Beobachters auf sich ziehen und vor allem bei trivialen Fernsehfilmen und Serien kann eine einseitige Beziehung zum Vorbild aufgebaut werden.

2.2. Die Rolle der Bekräftigung beim Modell

Der Beobachter übernimmt mit großer Wahrscheinlichkeit das Verhalten vom Vorbild, welches beim Modell von anderen Menschen bekräftigt (verstärkt) wird, oder für das sich das Vorbild selbst belohnt. Sieht beispielsweise ein kleines Kind, wie seine große Schwester gelobt und belohnt wird, weil es sein Zimmer so schön aufgeräumt hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das kleine Geschwisterchen es der großen Schwester gleich tun will, um ebenfalls belohnt zu werden.

[...]


[1] Bucher, Anton A.: Renaissance der Vorbilder, in: Schmidinger, Heinrich (Hrsg.): Vor – Bilder. Realität und Illusion. Im Auftrag des Direktoriums der Salzburger Hochschulwochen als Jahrbuch herausgegeben von Heinrich Schmidinger, Graz – Wien – Köln 1996, 33.

[2] Bucher, Anton A.: Renaissance der Vorbilder, in: Schmidinger, Heinrich (Hrsg.): Vor – Bilder, 34ff.

[3] vgl. Hobmair, Hermann (Hrsg.): Pädagogik / Psychologie für die berufliche Oberstufe, Band 1, Köln 1998, 238.

[4] Hobmair, Hermann (Hrsg.): Pädagogik / Psychologie, 239.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Was sind Vorbilder und wie werden sie ausgewählt?
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (FB Soziologie)
Note
1,5
Autor
Jahr
2000
Seiten
15
Katalognummer
V7870
ISBN (eBook)
9783638149860
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vorbilder
Arbeit zitieren
Marion Dürr (Autor), 2000, Was sind Vorbilder und wie werden sie ausgewählt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7870

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