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Die Arbeitgeberverbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung und deren Bedeutung für das tarifpolitische System Deutschlands

Title: Die Arbeitgeberverbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung und deren Bedeutung für das tarifpolitische System Deutschlands

Seminar Paper , 2006 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jasmin Gerau (Author)

Economics - Job market economics
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Im Zeitalter der Globalisierung stehen immer mehr Unternehmen auch durch den internationalen Wettbewerb unter Druck. Dies betrifft nicht nur Großunternehmen, denen oftmals die „exit-option“, also die Abwanderung ins Ausland, offen steht, sondern auch die Klein- und Mittelunternehmen. Dieser erhöhte Druck führt dazu, dass fast alle Produktionsfaktoren auch zu Wettbewerbsfaktoren werden. Das
deutsche tarifpolitische System mit seinen Branchen- und Flächentarifverträgen verhindert jedoch größtenteils, dass Löhne zu Wettbewerbsfaktoren werden. Auf der Suche nach Lösungen dieses Problems rückte in den letzten Jahren vermehrt eine bestimmte Strategie in den Blickpunkt: der Austritt aus dem Arbeitgeberverband oder alternativ der Austritt aus dem Tarifvertrag. Wie diese Möglichkeit der Tarifflucht aussieht und was für Implikationen dies für das tarifpolitische System in der Bundesrepublik haben könnte, möchte ich in dieser Arbeit darstellen.

Stichworte: Arbeitgeberverbände, Tarifsystem Deutschlands, Flächentarifvertrag, OT-Mitgliedschaften

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DER FLÄCHENTARIFVERTRAG IN DEUTSCHLAND

3. DIE EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG DER EROSION DES FLÄCHENTARIFS

4. FLÄCHENTARIFVERTRÄGE IN DER DISKUSSION IN DEN ARBEITGEBERVERBÄNDEN

4.1 ORGANISATION IN ARBEITGEBERVERBÄNDEN

4.2 NUTZEN DES „KOLLEKTIVGUTS“ TARIFVERTRAG

4.3 AKTUELLE PROBLEME DER ARBEITGEBERVERBÄNDE

5. DIE OT-MITGLIEDSCHAFT IN DEN ARBEITGEBERVERBÄNDEN

5.1 DEFINITION UND ENTWICKLUNG DER OT-MITGLIEDSCHAFTEN

5.2 DIE ORGANISATIONSSTRUKTUR

5.2.1 Das Aufspaltungsmodell

5.2.2 Das Stufenmodell

5.3 EMPIRISCHE VERBREITUNG VON OT-MITGLIEDSCHAFTEN

5.4 BEDEUTUNG DER TARIFUNGEBUNDENHEIT FÜR DIE SOZIALPARTNER

6. WELCHE FOLGEN HAT DIE WACHSENDE TARIFUNGEBUNDENHEIT FÜR DIE ZUKUNFT DES FLÄCHENTARIFVERTRAGS?

6.1. DIE ALLGEMEINVERBINDLICHERKLÄRUNG

6.2. ÖFFNUNGSKLAUSELN

7. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die zunehmende Bedeutung der Arbeitgeberverbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung (OT-Mitgliedschaft) im deutschen tarifpolitischen System. Ziel ist es, die Beweggründe für diese Entwicklung zu analysieren, die Organisationsstrukturen der betroffenen Verbände zu durchleuchten und die Auswirkungen dieses Trends auf die Zukunft des Flächentarifvertrags sowie das Machtgefüge zwischen den Sozialpartnern zu bewerten.

  • Das deutsche tarifpolitische System und der Stellenwert des Flächentarifvertrags
  • Die Organisation von Arbeitgeberinteressen und das Konzept des "Kollektivguts" Tarifvertrag
  • Ursachen und Entwicklung der OT-Mitgliedschaft als Strategie gegen die "Verbandsflucht"
  • Modelle zur Organisationsstruktur (Aufspaltungs- vs. Stufenmodell)
  • Instrumente zur Stabilisierung der Tarifbindung (Allgemeinverbindlicherklärung und Öffnungsklauseln)

Auszug aus dem Buch

5.2.1 Das Aufspaltungsmodell

Bei dem Aufspaltungs- oder Aufteilungsmodell wird der bisherige Arbeitgeberverband in einen tariffähigen und einen tarifunfähigen Verband aufgespalten. Dabei wird ein neuer Verband, oder besser eine Tarifgemeinschaft, gegründet, die tarifpolitische Aufgaben wahrnimmt und Tarifverträge abschließt. Eintreten in diese Tarifgemeinschaft werden lediglich die Unternehmen, die tarifwillig sind. Der alte Arbeitgeberverband gibt gleichzeitig die Tariffähigkeit auf und „nimmt nur noch seine arbeits- und sozialpolitischen Aufgaben wahr.“ (Haipeter/Schilling, 2005, S. 176). Es ist also eine Aufteilung in dem Sinne, als dass der bisherige Arbeitgeberverband die Dienstleistungs- und Interessenfunktionen übernimmt, man jedoch zusätzlich in die Tarifgemeinschaft eintreten muss, damit tarifpolitische Aufgaben wahrgenommen werden. (Besgen, 1998, S. 15)

Dieses Modell ist rechtlich zulässig, denn in der gefestigten Rechtsprechung wird die Koalition, geschützt durch Art. 9 Abs. 3 GG, getrennt von der Tariffähigkeit, dessen wichtigstes Kriterium die Tarifwilligkeit ist (Völkl, 2002, S. 82). Die einzelnen Mitglieder der OT-Verbände sind andererseits auch weiterhin tariffähig und können Firmentarifverträge mit der jeweiligen Gewerkschaft abschließen (Besgen, 1998, S. 71). Auch ist eine Rückkehr in die Tarifgemeinschaft möglich, wobei dieser Schritt als Ausweg bei Arbeitskampfmaßnahmen dienen kann, denn mit dem Eintritt in die Gemeinschaft besteht Friedenspflicht (Besgen, 1998, S. 131).

Diesem Modell angelehnt, jedoch in etwas anderer Ausgestaltung, hat sich der „Parallelverband“ entwickelt. Es wird dabei ein neuer Arbeitgeberverband, parallel zum alten, gegründet, der keine Tarifbindung anbietet (Haipeter/Schilling, 2005, S. 176). Meist sind die beiden Arbeitgeberverbände auch in der gleichen Geschäftsstelle zu finden und mit dem gleichen Personal ausgestattet. Diese Personalunion kann allerdings auch bei dem Aufspaltungsmodell zu finden sein.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Autorin legt die Problemstellung des globalen Wettbewerbsdrucks auf Unternehmen dar und skizziert die Gliederung der Arbeit, welche die Erosion des Flächentarifvertrags und die Rolle der OT-Mitgliedschaft beleuchtet.

2. DER FLÄCHENTARIFVERTRAG IN DEUTSCHLAND: Es werden die theoretischen und gesetzlichen Grundlagen des deutschen Tarifsystems sowie das Prinzip der Tarifautonomie erläutert.

3. DIE EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG DER EROSION DES FLÄCHENTARIFS: Dieses Kapitel wertet Daten (IAB-Betriebspanel und WSI-Befragung) aus, die eine rückläufige, aber noch immer präsente Bindung an Flächentarifverträge belegen.

4. FLÄCHENTARIFVERTRÄGE IN DER DISKUSSION IN DEN ARBEITGEBERVERBÄNDEN: Es wird analysiert, warum Arbeitgeber sich trotz Interessenkonflikten in Verbänden organisieren und welche Bedeutung das Kollektivgut Tarifvertrag für Groß- gegenüber Kleinunternehmen hat.

5. DIE OT-MITGLIEDSCHAFT IN DEN ARBEITGEBERVERBÄNDEN: Detaillierte Darstellung der Entstehung, der Rechtsformen (Aufspaltungs- und Stufenmodell) und der Verbreitung von OT-Mitgliedschaften als Reaktion auf die Krise der Arbeitgeberverbände.

6. WELCHE FOLGEN HAT DIE WACHSENDE TARIFUNGEBUNDENHEIT FÜR DIE ZUKUNFT DES FLÄCHENTARIFVERTRAGS?: Es werden mögliche Szenarien diskutiert und die Instrumente Allgemeinverbindlicherklärung sowie Öffnungsklauseln als Lösungsansätze für die Krise kritisch bewertet.

7. FAZIT: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass das System des Flächentarifvertrags trotz Erosion fortbesteht, die OT-Mitgliedschaft jedoch neue Herausforderungen für die Stabilität und Weiterentwicklung der Tarifautonomie schafft.

Schlüsselwörter

Tarifpolitik, Flächentarifvertrag, OT-Mitgliedschaft, Arbeitgeberverbände, Tarifflucht, Tarifautonomie, Sozialpartner, Kollektivgut, Tarifungebundenheit, Industriebeziehungen, Unternehmensverbände, Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung, Tarifvertragsgesetz, betriebliche Flexibilisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Krise des deutschen Flächentarifvertrags, insbesondere durch das Phänomen der Arbeitgeberverbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung (OT-Mitgliedschaft), und deren Auswirkungen auf die industrielle Interessenvertretung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit behandelt die Erosion der Tarifbindung, die Organisationsproblematik innerhalb von Arbeitgeberverbänden, die Abgrenzung zwischen Verbands- und Tarifflucht sowie die Wirksamkeit von Stützungsmechanismen des Tarifsystems.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es, die Motive für die zunehmende Tarifungebundenheit bei Arbeitgebern zu verstehen und zu bewerten, welche Konsequenzen dies für die zukünftige Gestaltung und Stabilität des deutschen Flächentarifvertragssystems hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung empirischer Studien (wie dem IAB-Betriebspanel und WSI-Daten), um die reale Verbreitung der OT-Mitgliedschaften und die Strategien der Sozialpartner aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Differenzierung von Organisationsstrukturen wie dem Aufspaltungsmodell und dem Stufenmodell der OT-Mitgliedschaft sowie der kritischen Diskussion über Instrumente wie die Allgemeinverbindlicherklärung und Öffnungsklauseln.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Flächentarifvertrag, OT-Mitgliedschaft, Tarifautonomie, kollektives Handeln, Arbeitgeberverbände und die Krise der industriellen Beziehungen.

Inwiefern unterscheidet sich die OT-Mitgliedschaft von einer einfachen Tarifflucht?

Bei der OT-Mitgliedschaft bleibt das Unternehmen im Arbeitgeberverband, um dessen Serviceleistungen zu nutzen, kündigt jedoch die Bindung an den spezifischen Tarifvertrag, während die "Tarifflucht" oft den Austritt aus dem Verband impliziert.

Welche rechtliche Herausforderung besteht bei der Einführung eines Stufenmodells?

Ein Stufenmodell muss die Koalitionsfreiheit nach Art. 9 Abs. 3 GG wahren und sicherstellen, dass die OT-Mitglieder zahlenmäßig in der Minderheit bleiben, um die Tariffähigkeit des Gesamtverbandes durch den Verlust der Ernsthaftigkeit des Tarifwillens nicht zu gefährden.

Warum betrachten Gewerkschaften Öffnungsklauseln zwiespältig?

Öffnungsklauseln können zwar helfen, Betriebe im Tarifsystem zu halten (Stabilisierung), führen aber oft zu einem Abwärtsdruck bei den Arbeitsbedingungen und fordern die Gewerkschaften heraus, bei jeder Abweichung in schwierige betriebliche Verhandlungen zu treten.

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Details

Title
Die Arbeitgeberverbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung und deren Bedeutung für das tarifpolitische System Deutschlands
College
Ruhr-University of Bochum  (Fakultät für Sozialwissenschaft)
Course
Aktuelle Fragen der Sozialpolitik
Grade
1,0
Author
Jasmin Gerau (Author)
Publication Year
2006
Pages
22
Catalog Number
V78726
ISBN (eBook)
9783638851145
ISBN (Book)
9783638850605
Language
German
Tags
Arbeitgeberverbandsmitgliedschaft Tarifbindung Bedeutung System Deutschlands Aktuelle Fragen Sozialpolitik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jasmin Gerau (Author), 2006, Die Arbeitgeberverbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung und deren Bedeutung für das tarifpolitische System Deutschlands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78726
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