Immer mehr Menschen leiden unter Problemen in Zusammenhang mit ihrer Arbeit,
wofür der immer größer werdende Druck von außen aber auch von innen, immer
mehr, immer schneller und immer perfekter zu arbeiten, ursächlich ist. Das
Problem der ’Arbeitssucht’ wird dabei gern als Produkt unserer
leistungsorientierten Gesellschaft gesehen, jedoch hat bereits Gustav Flaubert im
Jahre 1852 seine „frenetische, pervertierte Liebe“ zur Arbeit beschrieben.
Entgegen der Meinung einiger US-amerikanischer Forscher, die Arbeitssucht als
etwas positives verstehen, finden sich im deutschsprachigen Raum zunehmend
wissenschaftliche Bestätigungen dafür, dass es kaum erstrebenswert ist,
arbeitssüchtig zu werden. Die Auswirkungen süchtigen Arbeitens sind
vielschichtig und verheerend – nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch
für sein näheres und weiteres Umfeld, und nicht zuletzt wohl auch für die
Gesellschaft insgesamt. In der vorliegenden Arbeit gilt es deshalb zu klären, welche Maßnahmen ein Unternehmen treffen kann, um präventiv gegen Arbeitssucht vorzugehen bzw. intervenierend einzugreifen. Dazu sollen im nachfolgenden Gliederungspunkt zunächst die für den weiteren Verlauf relevanten konzeptionellen Grundlagen dargelegt werden. Im daran anknüpfenden Abschnitt sollen exemplarisch mögliche Präventions- und Interventionsmaßnahmen gezeigt werden. Bei dieser Darstellung sollen Maßnahmen aus den verschiedenen Bereichen Personalauswahl, Personalerhaltung sowie Personalentwicklung vorgestellt werden. Im abschließenden Gliederungspunkt endet die Arbeit mit einer Ergebniszusammenfassung und einem kurzen Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konzeptionelle Grundlagen
2.1 Begriffliche Grundlagen
2.2 Hintergründe und Ursachen von Arbeitssucht
2.3 Phasen der Arbeitssucht und Typologisierung von Arbeitssüchtigen
2.4 Individuelle und organisationale Folgen arbeitssüchtigen Verhaltens
3. Prävention und Intervention bei Arbeitssucht
3.1 Arbeitssuchtprävention durch geeignete Personalauswahlstrategien
3.2 Prävention und Intervention durch bessere Arbeitszeitgestaltung
3.3 Verbesserung der Arbeitsplatzbeziehungen
3.4 Stressreduzierende Gestaltung des Arbeitsumfeldes
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Arbeitssucht und analysiert, welche Möglichkeiten Unternehmen haben, um präventiv oder intervenierend gegen dieses Verhalten vorzugehen, mit dem Ziel, die negativen Folgen für die Betroffenen und die Organisation zu minimieren.
- Definition und Hintergründe von Arbeitssucht
- Klassifizierung von Phasen und Typen der Arbeitssucht
- Folgen arbeitssüchtigen Verhaltens für Individuen und Unternehmen
- Präventionsstrategien in der Personalauswahl
- Maßnahmen zur Arbeitszeitgestaltung und Teamentwicklung
Auszug aus dem Buch
Unterschiedliche Typen von Arbeitssüchtigen
Aufgrund der Komplexität von Arbeitssucht und der unterschiedlichen Form ihrer Erscheinungsweise gibt es in der Literatur eine Vielzahl differenter Typisierungsansätze von denen sich in diesem Abschnitt auf die Arbeitssuchttypen nach Fassel gestützt werden soll. Fassel unterscheidet vier Typen, die am weitesten verbreitet sind:
1. Der zwanghafte Arbeiter: Fühlt sich ständig zu Arbeit getrieben und zeichnet sich u.a. durch folgende Merkmale aus: Sie arbeiten, wenn es keiner verlangt, sie erscheinen als erster und gehen als letzter, sie nehmen sich Arbeit mit usw.
2. Der Arbeiter mit plötzlichen Arbeitsanfällen: Entspricht dem zwanghaften Arbeiter. Sie verhalten sich normal, bis sie einen Arbeitsanfall bekommen. Diese Besessenheit führt zu einer Betäubungen aller anderen Lebensbereiche.
3. Der heimliche Arbeiter: Arbeitet heimlich, da sein Verhalten bereits in der Öffentlichkeit aufgefallen ist. Er sucht nach Vorwänden (bspw. Urlaub) nur um seiner Arbeit nachzugehen.
4. Der chronisch Arbeitsunlustige: Arbeitsvermeidung ist ein Hauptkriterium dieses Typus. Um keine Fehler zu machen schieben sie Arbeit auf und werden dann durch Schuldgefühle belastet. Häufig werden diese Arbeiten dann unter Druck erledigt.
Wie angedeutet lassen sich noch weitere Typologisierungen arbeitssüchtigen Verhaltens anbringen. Wichtiger als eine umfassende Darstellung ist jedoch die Feststellung, dass sich Arbeitssucht in unterschiedlichen Erscheinungsformen äußert und somit in verschiedene Kategorien eingeordnet werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Relevanz des Problems der Arbeitssucht in der leistungsorientierten Gesellschaft und skizziert das Ziel der Arbeit, präventive und intervenierende Maßnahmen für Unternehmen aufzuzeigen.
2. Konzeptionelle Grundlagen: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Arbeitssucht, erläutert dessen Ursachen, gliedert die Sucht in verschiedene Phasen und analysiert die negativen Auswirkungen auf Individuen und Unternehmen.
3. Prävention und Intervention bei Arbeitssucht: Hier werden praxisnahe Lösungsansätze vorgestellt, die von der Personalauswahl über die Gestaltung der Arbeitszeit bis hin zur Teamentwicklung und der Verbesserung des physischen Arbeitsumfeldes reichen.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der Ergebnisse, betont die Notwendigkeit einer Sensibilisierung der Arbeitgeber und fordert eine Korrektur traditioneller Anreizsysteme.
Schlüsselwörter
Arbeitssucht, Workaholism, Prävention, Intervention, Personalauswahl, Arbeitszeitgestaltung, Teamentwicklung, Arbeitsumfeld, Prozesssucht, psychische Gesundheit, Unternehmenskultur, Leistungsfähigkeit, Kontrollverlust, Personalentwicklung, Arbeitnehmer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Problem der Arbeitssucht und deren Auswirkungen auf das Arbeitsumfeld sowie Möglichkeiten für Unternehmen, präventiv und intervenierend einzugreifen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretische Einordnung, die Ursachen und Phasen der Arbeitssucht sowie konkrete personalwirtschaftliche Maßnahmen zur Bewältigung dieses Phänomens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Maßnahmen aus den Bereichen Personalauswahl, Personalerhaltung und Personalentwicklung aufzuzeigen, um Arbeitssucht frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und den Rückgriff auf bestehende wissenschaftliche Theorien und empirische Ansätze, insbesondere von Fassel und Poppelreuter.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst konzeptionelle Grundlagen geklärt, bevor detaillierte Strategien wie realistische Anforderungsprofile, flexible Arbeitszeitmodelle und Teamentwicklung erörtert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Arbeitssucht, Prävention, Intervention, Arbeitszeitgestaltung, Teamentwicklung und psychische Gesundheit am Arbeitsplatz.
Wie unterscheidet sich der "zwanghafte Arbeiter" vom "heimlichen Arbeiter" laut Fassel?
Der zwanghafte Arbeiter ist durch ständigen Arbeitseifer und Überstunden offensichtlich, während der heimliche Arbeiter sein Verhalten verbirgt und Vorwände sucht, um unerkannt weiterarbeiten zu können.
Welche Bedeutung kommt der Personalauswahl bei der Prävention zu?
Sie dient als erste Hürde, um durch realistische Anforderungsprofile und gezielte Interviews Bewerber mit bereits bestehenden arbeitssüchtigen Verhaltensmustern frühzeitig zu identifizieren.
- Quote paper
- Benedict Hilligweg (Author), 2007, Möglichkeiten zur Prävention und Intervention von Arbeitssucht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78729