Die Theaterfestspiele der griechischen Antike waren zweifellos ein Höhepunkt im Leben der Athener. Besonders die sog. Großen Dionysien, ein 6-tägiges Festival, gehalten zu Ehren des Gottes Dionysos, stellte eine Veranstaltung größter öffentlicher Aufmerksamkeit dar. Es wurde hier ein Wettstreit unter den Theaterschreibern sowohl in der Tragödie, als auch in der Komödie ausgetragen. Außerdem fand ein Wettstreit der Dithyrambenchöre statt. Die Produktion der Stücke und Gesänge wurde finanziell von einem sog. Choregen getragen, vergleichbar mit einem heutigen Sponsor oder Gönner.
Da die Festspiele stets in aller Munde waren und von einer sehr großen Zahl von Bürgern gesehen wurde, eignete sich dieses Amt nicht nur dafür, eine soziale Tat zu vollbringen, indem man der Stadt Athen vom eigenen Reichtum etwas zugute kommen ließ, sondern möglicherweise auch zur Verbesserung des eigenen Ansehens und zur Förderung der eigenen politischen Karriere. Aber wie genau sahen eigentlich die Aufgaben eines Choregen aus? War das Theater wirklich nur eine Form der Belustigung mit geringen Auswirkungen für die Politik oder gab es für einen solchen Sponsor die Möglichkeit, neben dem finanzierten Theaterstück auch sich selbst zu inszenieren? Wenn ja, wie sahen diese Möglichkeiten aus? Gibt es eventuell Beispiele von Staatsmännern, die durch das Choregenamt ihre politische Karriere positiv beeinflussen konnten?
Die Quellenlage zum Thema "Antikes Griechisches Theater - allgemein" ist recht aufschlußreich, ebenso wie die dazugehörige Sekundärliteratur. Bei der Zuspitzung auf die Frage nach den Choregen, oder noch spezifischer, nach deren Möglichkeit durch ihr Amt an politischem Einfluss zu gewinnen, findet man oft jedoch nur sehr ungenaue oder kurze Angaben.
In dieser Arbeit soll, zwecks besseren Verständnisses der äußeren Umstände, zunächst ein Blick auf den Ablauf der Großen Dionysien, geworfen werden. Danach wird sich der Text mit den oben genannten Fragen kritisch auseinandersetzen.
Das Ziel der Arbeit ist es, sich anhand der gestellten Fragen ein Bild vom griechischen Theater als politische Plattform zu machen und vor allem herauszufinden, ob und inwiefern das Amt des Choregen die Möglichkeit bot, politischen Einfluß zu nehmen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurze Zusammenfassung des Ablaufs der Großen Dionysien
3. Das Amt des Choregen
4. Der Chorege und sein politischer Einfluß
4.1. Kritik in Theaterstücken
5. Das Choregenamt als Mittel der politischen Einflußnahme am Beispiel des Perikles und Themistokles
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Amt des Choregen im antiken Griechenland, um herauszufinden, ob und inwiefern dieses finanzielle Engagement für Theaterfestspiele als politische Plattform für den persönlichen Aufstieg und die Beeinflussung der öffentlichen Meinung genutzt wurde.
- Struktur und Ablauf der Großen Dionysien
- Aufgaben, Kosten und Status eines Choregen
- Die Entwicklung des politischen Theaters und die Kritik an Persönlichkeiten
- Fallbeispiele: Die politische Rolle von Themistokles und Perikles als Choregen
Auszug aus dem Buch
4. Der Chorege und sein politischer Einfluß
In Zeiten des finanziellen Wohlstandes gab es in Athen selten Schwierigkeiten, eine ausreichende Anzahl an Choregen zu finden. Viele wohlhabende Bürger meldeten sich freiwillig als Sponsoren eines Theaterstückes oder eines Dithyrambenchores. Die Frage, die nun folgen muss lautet aber: War es tatsächlich nur Dankbarkeit, Großzügigkeit und der Wille, der Stadt Athen und ihren Bürgern auf diesem Wege etwas vom eigenen Reichtum zugute kommen zu lassen? Geht man nach dem alten Spruch „Die Menschen sind schlecht, sie denken an sich – nur ich denk an mich!“, der wohl heute wie auch damals nicht ganz verkehrt war, so kann man diese These mit gutem Gewissen verneinen.
Vielmehr drängt sich der Verdacht auf, dass das Amt des Choregen eine sehr wirksame Methode war, sich selbst ins Rampenlicht der Öffentlichkeit und damit auch des politischen Lebens von Athen zu stellen. Es gab kaum Personen, nicht einmal unbedingt die Dichter selbst, die während der Festspiele eine so große öffentliche Aufmerksamkeit genossen wie die Choregen. Hatten sie sich auch in den Vorbereitungsmonaten zurückgehalten und sich auf die finanzielle Unterstützung und nicht die öffentlichen Aufritte beschränkt, so konnten sie beim eigentlichen Festival in uneingeschränkter Weise in den Vordergrund treten. Sei es durch äußerst prunkvolle Gewänder oder durch „prominente Sitzplätze“, die Choregen waren die für das Volk gut sichtbaren Gönner dieser Festspiele.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit skizziert die Bedeutung des Choregenamtes im Kontext des antiken griechischen Theaters und formuliert die zentrale Fragestellung nach dem politischen Nutzen dieses Amtes.
2. Kurze Zusammenfassung des Ablaufs der Großen Dionysien: Dieses Kapitel erläutert den organisatorischen Rahmen des Festivals sowie die Pflichten der athenischen Bürger, zu denen auch die Finanzierung durch Choregen gehörte.
3. Das Amt des Choregen: Es werden die Aufgaben, die finanziellen Belastungen und der gesellschaftliche Status eines Choregen sowie die Gründe für das Engagement detailliert dargestellt.
4. Der Chorege und sein politischer Einfluß: Der Fokus liegt hier auf der These, dass das Amt des Choregen gezielt für die politische Selbstdarstellung und die Einflussnahme auf die öffentliche Meinung genutzt wurde.
4.1. Kritik in Theaterstücken: Dieses Kapitel analysiert, wie sich das politische Theater von einer allgemeinen Kritik an der Macht hin zu einer spezifischen Kritik an einzelnen Politikern entwickelte.
5. Das Choregenamt als Mittel der politischen Einflußnahme am Beispiel des Perikles und Themistokles: Anhand konkreter historischer Beispiele wird untersucht, ob Staatsmänner den Inhalt von Stücken nutzten, um ihre eigenen politischen Ziele voranzutreiben.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass das Theater für geschickte Choregen ein ideales Instrument zur politischen Profilierung darstellte.
Schlüsselwörter
Chorege, Antikes Griechenland, Theaterfestspiele, Große Dionysien, politische Einflussnahme, Selbstdarstellung, Perikles, Themistokles, Finanzierung, Sponsoring, Öffentliche Meinung, Athen, Theater, Politisches Theater, Drama
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob das Amt des Choregen im antiken Athen über seine rein finanzielle Funktion als Sponsoring von Theaterstücken hinaus als Mittel zur politischen Selbstdarstellung und Einflussnahme diente.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Organisation der Großen Dionysien, die finanziellen und sozialen Verpflichtungen eines Choregen sowie das Zusammenspiel von Theaterinhalt und politischer Strategie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie einflussreiche Staatsmänner die Bühne und das Amt des Choregen nutzten, um politische Meinungsbildung zu betreiben und ihre eigene Reputation zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse historischer Quellen und Sekundärliteratur, um Plausibilitäten für die politische Nutzung des Choregenamtes herzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Aufgaben des Choregen, die Entwicklung von Theaterkritik und untersucht durch historische Fallbeispiele (Perikles und Themistokles), wie Inhalte von Tragödien politisch instrumentalisiert wurden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Chorege, Antikes Griechenland, Große Dionysien, politische Einflussnahme, Sponsoring, Perikles, Themistokles, Selbstdarstellung.
Wie sicher war der politische Einfluss durch einen Choregen?
Der Einfluss ist historisch nicht zweifelsfrei bewiesen, erscheint jedoch aufgrund des hohen finanziellen Engagements und der engen Verbindungen zwischen Sponsoren und Dichtern höchst plausibel.
Warum war das Choregenamt für Politiker so attraktiv?
Das Amt bot eine exzellente Gelegenheit, sich durch großzügige Investitionen als Gönner der Stadt zu inszenieren und im Rahmen prunkvoller Festspiele öffentliche Aufmerksamkeit zu gewinnen.
- Quote paper
- Stephan Scheeder (Author), 2001, Das Amt des Choregen und seine Möglichkeiten des politischen Einflusses durch das Theater, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7873