Stadt- und Regionalentwicklung in West-Deutschland von 1945 bis 1990


Seminararbeit, 2007

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Phase des Wiederaufbaus zwischen 1945 und 1960
2.1 Deutschland zur „Stunde Null“
2.2 Das Ausmaß und die Verschärfung der Wohnungsnot durch die Kriegsflüchtlinge
2.3 Der Neubeginn des Städtebaus
2.4 Das Leitbild der gegliederten und aufgelockerten Stadt
2.5 Das Leitbild der autogerechten Stadt

3 Phase der Neuorientierungen im Städtebau zwischen 1960 und 1990
3.1 Das neue Bundesbaugesetz von 1960
3.2 Cityentwicklung
3.3 Das Leitbild der städtebaulichen Verdichtung
3.4 Großwohnsiedlungen
3.5 Die Kritik an gesellschaftlichen Strukturen
3.6 Die Anfänge der Stadtsanierung
3.7 Von der Flächen- zur Objektsanierung
3.8 Aufwertung der Innenstädte
3.9 Wohnumfeldverbesserungen und Wohnungsmodernisierungen als Wegbereiter des Leitbildes des ökologischen Städtebaus

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lagen große Teile der deutschen Städte in Trümmern. Die Gesellschaft stand am Nullpunkt und musste die Städte wieder neu aufbauen. Daher kommt der Zeit zwischen 1945 und 1990 städtebaulich eine besondere Bedeutung zu. So wurden in dieser Zeit die heutigen Gesichter der deutschen Städte sehr stark geprägt.

Während dieser Zeitspanne gab es aber auch viele verschiedene städtebauliche Entwicklungszeiträume, die in dieser Arbeit aufgezeigt werden sollen. So befasst sich diese Arbeit im ersten Kapitel mit der notdürftigen Schaffung von Wohnraum und dem Entstehen der ersten Nachkriegssiedlungen, das auf individuellem Engagement beruhte. Im zweiten Kapitel wird die Expansion des Städtebaus dargestellt. In dieser Zeit entstanden Großwohnsiedlungen und die Innenstädte veränderten ihre Struktur. Ebenso werden hier die Gegenentwicklungen wie Stadtsanierung und Denkmalschutz aufgegriffen.

Die Arbeit geht wie beschrieben chronologisch vor. Neben den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die auf den Städtebau Einfluss hatten, werden die städtebaulichen Leitbilder jeder Phase vorgestellt und untersucht wie diese umgesetzt wurden und welche rechtlichen Grundlagen dazu entstanden.

2 Die Phase des Wiederaufbaus zwischen 1945 und 1960

2.1 Deutschland zur „Stunde Null“

Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren die deutschen Städte in einem extremen Maße zerstört. Etwa fünf Millionen Wohnungen in Gesamtdeutschland wurden während des Kriegs durch Luftangriffe und Gefechte erheblich oder total zerstört (vgl. Müller 2003, S. 306). In Westdeutschland (BRD) wurden 18,5 % der Wohnungen komplett zerstört, in Ostdeutschland dagegen nur 9,1 % (vgl. Heineberg 2001, S. 222).

Besonders betroffen waren in Westdeutschland die Großstädte mit durchschnittlich 50 % zerstörten Wohnungen. Die Mittel- und Kleinstädte hatten dennoch eine hohe Zahl an Zerstörungen aufzuweisen (größer ein Drittel bzw. größer ein Viertel). Die durch Rüstungsindustrie geprägten Industriegebiete an Rhein und Ruhr und an der Küste wurden am stärksten getroffen (vgl. Heineberg 2001, S. 222).

Durch die Luftangriffe wurden weniger Industrieanlagen zerstört. Vielmehr waren die Angriffe auf die Zerstörung der Transportsysteme und deren Knotenpunkte gerichtet. So kamen die Wirtschaft und die Versorgung der Stadtbevölkerung mit Energie und Lebensmitteln schließlich nach dem Krieg zum Erliegen (vgl. Görtemaker 2003, S. 55). Doch die stärksten Zerstörungen gab es in den Innenstädten und den daran angrenzenden dicht bewohnten Wohngebieten in den Großstädten (vgl. Heineberg 2001, S. 222).

2.2 Das Ausmaß und die Verschärfung der Wohnungsnot durch die Kriegsflüchtlinge

Die extreme Zerstörung an Wohnraum führte zu einem Mangel an diesem. So hausten viele Menschen, die nicht das Glück hatten in kaum zerstörten Häusern zu leben, in den Kellern der zerstörten Gebäude, in provisorisch errichteten Behelfen oder Baracken. Die Versorgung mit Gas, Wasser und Elektrizität war katastrophal (vgl. Müller u.a. 2003, S. 306). Viele Gebäude wurden in den ersten Nachkriegsjahren aus den Trümmern zerstörter Häuser notdürftig repariert. Da viele Männer in Kriegsgefangenschaft waren, waren es vor allem Frauen, die sogenannten „Trümmerfrauen“, die die Städte wiederaufbauten.

Die große Zahl der Flüchtlinge aus den Ostgebieten des Reiches, die nun unter der Verwaltung Polens, Ungarns oder der Tschechoslowakei standen, verschärfte den Wohnungsmangel. Die Westzonen nahmen bis 1950 etwa acht Millionen der insgesamt zwölf Millionen Vertriebenen auf (vgl. Müller u.a. 2003, S. 310). Allein bis zum Jahreswechsel 1945/46 nahm die Bevölkerung dadurch um zwölf Prozent zu, 13,7 Millionen Haushaltungen standen jedoch nur 8,2 Millionen halbwegs bewohnbaren Wohnungen gegenüber (vgl. Görtemaker 2003, S. 12).

Aufgrund dieser drängenden Wohnungsnot hatte in der Nachkriegszeit der Wohnungsbau Vorrang vor der Stadtplanung. Das erste Wohnungsbaugesetz von 1950 hatte zum Ziel, durch Förderung bis 1956 den Bau von zwei Millionen Sozialwohnungen zu ermöglichen. So wurden in den Folgejahren jährlich mehr als eine halbe Millionen Wohnungen gebaut. Sie entstanden überwiegend als einfache Mietshausbauten in offener Zeilenbauweise (vgl. Heineberg 2001, S. 222).

Der Wiederaufbau der deutschen Städte wurde u.a. durch Hilfeleistungen aus dem Marshallplan ermöglicht. Die amerikanische Regierung befürchtete die Ausbreitung des Kommunismus in Europa, wenn es nicht gelänge die wirtschaftliche Not zu stoppen. Zudem waren Reparationszahlungen von Deutschland nicht zu erwarten, wenn die Wirtschaft nicht wieder aufgebaut wurde. Daher stellte die amerikanische Regierung ein Hilfsprogramm von 13 Milliarden Dollar für (West-)Europa auf, wovon Westdeutschland bis 1957 1,7 Milliarden Dollar erhielt. So waren ein rascher Wiederaufbau der Wirtschaft und das folgende deutsche Wirtschaftswunder erst möglich. Neben Sachlieferungen wie Lebensmittel und Rohstoffe erhielt Deutschland Kredite für Investitionen in die Grundstoffindustrien, die Landwirtschaft, das Verkehrswesen, die Forschung, die Exportförderung und den Wohnungsbau (vgl. Müller u.a. 2003, S. 321).

Von einer Entspannung des Wohnungsmarktes konnte man jedoch noch lange nicht sprechen. Nach der Flüchtlingswelle aus den Ostgebieten folgte eine Flüchtlingswelle aus der DDR. In den 1950er Jahren flüchteten mehrere hunderttausend „Republikflüchtige“ in den Westen, um dem politischen System zu entkommen. Bis zum Bau der Berliner Mauer und dem Abschneiden möglicher Fluchtwege im August 1961 emigrierten knapp 2,7 Millionen Flüchtlinge in den Westen (vgl. Müller u.a. 2003, S. 360f.). Die Bevölkerung in der BRD stieg zwischen 1945 und 1965 von 43 auf 56 Millionen Einwohnern (vgl. Abb. 1), 1949 hatte etwa ein Fünftel der Bevölkerung Vertreibung, Flucht und Umsiedlung miterlebt (vgl. Görtemaker 2003, S. 101f.). Diese Menschenmassen mussten in die Gesellschaft integriert werden und mit Nahrung, Wohnraum und Beschäftigung versorgt werden, was dank des Wirtschaftswunders in den 1950er Jahren gelang.

Abb. 1: Bevölkerungsentwicklung seit 1939

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt (Hg.) (2004): Datenreport 2004. Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland. Bonn, S. 31.

2.3 Der Neubeginn des Städtebaus

Die Struktur der vorhandenen Stadtgebiete wurde kaum verändert. Lediglich in manchen Innenstädten von Großstädten wurde durch Baulandumlegungen der Verlauf von Straßen verändert. Ziel war die Erweiterung von Verkehrsflächen, um dem modernen Straßenverkehr gerecht zu werden. Für diesen Zweck wurden Straßen verbreitert, Durchgangsstraßen durch den historischen Stadtkern gezogen bzw. breite Ringstraßen angelegt oder Parkplätze errichtet (vgl. Heineberg 2001, S. 223). Ein gutes Beispiel ist die Altstadt Duisburgs, in der nach beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg der Bereich um das Rathaus und die Steinsche Gasse wesentlich weitläufiger und strassenverkehrszentrierter gestaltet wurde. Einzelne zerstörte Häuserblöcke wurden nicht wieder errichtet, sondern durch Straßen und Parkplätze ersetzt, wie man im Vergleich der roten (1823/25) und schwarzen Zeichnungen (1979/81) in Abbildung 2 erkennen kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Stadt- und Regionalentwicklung in West-Deutschland von 1945 bis 1990
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Stadt- und Regionalentwicklung I
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V78764
ISBN (eBook)
9783638852401
Dateigröße
5607 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: gelungene Ausarbeitung, die alle wesentlichen Aspekte knapp behandelt. Literaturverzeichnis zu mager.
Schlagworte
Stadt-, Regionalentwicklung, West-Deutschland
Arbeit zitieren
Martin Schmitz (Autor), 2007, Stadt- und Regionalentwicklung in West-Deutschland von 1945 bis 1990, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78764

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