Das Internet füllt mit seinen riesigen verknüpften Datenbeständen immer mehr die Rolle eines „globalen Gedächtnisses“ aus und es scheint (auf den ersten Blick) so, als ob immer mehr Menschen auf der Welt Zugang zu immer mehr Wissen haben. In nahezu allen Bereichen der Wissenschaft und Wirtschaft scheinen reibungslose Arbeitsabläufe ohne das Medium Internet heute kaum mehr vorstellbar. Offensichtlich erscheint auch, dass sich seit der Etablierung des Internets unser Zugang zu Information und Wissen auf vielen Ebenen radikal geändert hat. Egal zu welchem Thema Fragen auftauchen oder welche aktuellen Informationen benötigt werden: Einige Mausklicks und eine Stichworteingabe bei Google reichen meist aus um sich das Gewünschte schnell und bequem auf den Bildschirm zu holen.
Doch nicht nur die Art und Weise wie auf Information und Wissen zugegriffen wird, sondern die Art des Wissens selbst muss sich im Zuge der neuen Medien geändert haben, schließlich prägt Wissen nicht schon immer das Wesen einer gesamten Gesellschaft, die sich heute sogar Wissensgesellschaft nennt. Was sich hinter diesem vermeintlichen Wandel von Wissen verbirgt und welche Änderungen sich für den Zugang auf Wissen und Information durch das Internet ergeben sollen im Folgenden erörtert werden.
Dabei gilt es sowohl eine Sensibilisierung hinsichtlich der vermehrten Gefahren für den Wissenszugriff herzustellen, als auch die Möglichkeiten innovativer Modelle und Lösungen von Wissensorganisation und Rezeption beim Einsatz der neuen Medien aufzuzeigen.
Konsequenterweise befinden sich bei einer Arbeit wie der vorliegenden, deren Schwerpunkt eindeutig im Medium Internet liegt, eine Großzahl der Quellen ebenfalls im Netz. Hervorzuheben sind an dieser Stelle als Referenzen die Soziologin Nina Degele, die gerade bezüglich des Wissenswandels einige grundlegende Arbeiten und Aufsätze verfasst hat, sowie der Informationswissenschaftler Rainer Kuhlen, der seine zahlreichen und fundierten Aufsätze allesamt offen zugänglich im Internet archiviert.
Inhaltsverzeichnis
1. Wissen und Internet
2. Die Veränderung von Wissen in der Wissensgesellschaft
2.1 Vorraussetzungen für die Veränderung von Wissen
2.2 Kennzeichen des Wissenswandels
2.3 Folgen des Wissenswandels
2.4 Metawissen
3. Schattenseiten des Wissenswandels
3.1 Kommerzialisierung von Wissen
3.2 Rechtliche Problematik
3.3 Digital Divide
3.4 Die Macht der Metasuchdienste
4. Innovative Wissensmodelle
4.1 Das Modell der Creative Commons
4.2 Die Open-Access-Bewegung
4.3 Das Internet der Zukunft
4.31 Web 2.0 und Social Software
4.3.2 Semantic Web
4.4 Der Menschheitstraum einer universellen Wissensbibliothek
4.4.1 Die Online-Enzyklopädie Wikipedia und das Wiki-Prinzip
4.4.2 Die Google Library
5. Ein Ausblick: Wissensverknappung vs. freier Zugriff auf Wissen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht den Wandel von Wissen in der modernen Wissensgesellschaft durch das Medium Internet. Sie analysiert die durch neue Medientechnologien ausgelösten Gefahren, wie die Kommerzialisierung von Wissen und die Macht von Suchmaschinen, und stellt diesen innovative Gegenmodelle wie Open Access, Creative Commons und kollaborative Wissensprojekte gegenüber, um die Bedingungen für einen freien und demokratischen Wissenszugang zu erörtern.
- Transformation des Wissensbegriffs durch Digitalisierung
- Strukturelle Gefahren des digitalen Wissenszugangs
- Rolle von Metawissen als neue Kernkompetenz
- Kollaborative Wissensmodelle und das Wiki-Prinzip
- Bedeutung von Open Access und Creative Commons
- Herausforderungen durch monopolistische Suchdienste
Auszug aus dem Buch
3.1 Kommerzialisierung von Wissen
Es findet wie bereits skizziert auf breiter Ebene eine immer weitergehende Kommerzialisierung vor allem des Wissens zweiter Ordnung statt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „Pricing for information“26. Stehen dem Erwerb von Metawissen aber massive Kosten- und Zugangsbarrieren im Weg so kann das nur kontraproduktiv für die Entstehung neuen Wissens sein. Es stellt sich folglich die Frage nach den Möglichkeiten des Zugriffs auf Wissen bzw. Metawissen, die maßgeblich auch über die weitere Entwicklung der heutigen Wissensgesellschaft entscheiden werden.
Vor allem in der Wissenschaft hat im Bereich der Veröffentlichungen von Forschungsarbeiten eine gefährliche Entwicklung eingesetzt: Autoren oder Urheber anderer kreativer Arbeiten werden durch das bestehende Copyright, das die Verlage umsetzen oft schon fremdbestimmt und ausgenutzt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Krise der wissenschaftlichen Informationsversorgung. Gemeint ist damit vor allem die Entwicklung der Zeitschriftenpreise in den Wissenschaften. Selbst für staatlich finanzierte Bibliotheken werden die teuren Sammelbände wissenschaftlicher Aufsätze in Zeiten schrumpfender Budgets oftmals unerschwinglich. Die Konsequenz der restriktiven Preispolitik der Fachverlage ist dann logischerweise eine erhebliche Behinderung des Informationenaustausches unter den Forschenden. Dabei scheint diese Problematik zum Großteil hausgemacht, denn der Staat selbst finanziert viele der Forschungsprojekte, welche dann von wissenschaftlichen Fachverlagen durch die Veröffentlichung gewinnbringend umgesetzt werden und von der Forschung mehr oder weniger zurückgekauft werden müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wissen und Internet: Das Internet fungiert als globales Gedächtnis und hat den Zugang zu Wissen grundlegend verändert, was eine Sensibilisierung für neue Gefahren und innovative Wissensorganisation erfordert.
2. Die Veränderung von Wissen in der Wissensgesellschaft: Dieser Abschnitt erläutert den Wandel von einem stabileren Wissensbegriff hin zu dynamischem Metawissen und die damit verbundene Notwendigkeit neuer Medienkompetenzen.
3. Schattenseiten des Wissenswandels: Das Kapitel beleuchtet kritische Entwicklungen wie die Kommerzialisierung, rechtliche Grauzonen, die digitale Spaltung (Digital Divide) und den potenziell manipulativen Einfluss großer Suchmaschinen.
4. Innovative Wissensmodelle: Hier werden Lösungsansätze wie Creative Commons, die Open-Access-Bewegung und neue Internetkonzepte wie Web 2.0, Semantic Web sowie kollaborative Projekte wie Wikipedia und die Google Library analysiert.
5. Ein Ausblick: Wissensverknappung vs. freier Zugriff auf Wissen: Das Fazit unterstreicht den epochalen Wandel des Wissenszugangs und plädiert für die Förderung nicht-kommerzieller Initiativen sowie die politische Gestaltung des digitalen Raums.
Schlüsselwörter
Wissensgesellschaft, Wissenswandel, Internet, Metawissen, Digital Divide, Kommerzialisierung, Open Access, Creative Commons, Web 2.0, Social Software, Semantic Web, Wikipedia, Google Library, Wissensorganisation, Wissenszugang.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation des Wissens in der modernen Wissensgesellschaft durch die Verbreitung des Internets und die damit verbundenen gesellschaftlichen Herausforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Wissenswandel, die Risiken der Kommerzialisierung und Informationsmacht sowie innovative Ansätze zur Sicherung eines freien Wissenszugangs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Einfluss des Internets auf die Produktion, Verteilung und Rezeption von Wissen zu analysieren und ein Bewusstsein für Gefahren und zukunftsweisende Modelle zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf aktueller soziologischer und informationswissenschaftlicher Fachliteratur sowie Internetquellen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung des Wissenswandels, die Schattenseiten der Entwicklung und eine eingehende Untersuchung innovativer Wissensmodelle wie Wikipedia und Open Access.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Wissensgesellschaft, Metawissen, Digital Divide, Open Access und kollaborative Wissensmodelle stehen im Zentrum der Untersuchung.
Welche Gefahr sieht der Autor konkret bei der Google Library?
Der Autor warnt vor einer Konzentration des Weltwissens in der Hand eines einzelnen, kommerziellen Unternehmens und befürchtet eine Vormachtstellung des englischsprachigen Raums.
Warum ist das "Wiki-Prinzip" für die Wissensorganisation wichtig?
Das Wiki-Prinzip ermöglicht eine kollaborative, schnell wachsende Wissenssammlung, die zwar Herausforderungen bei der Qualitätskontrolle bietet, aber als Web-2.0-Anwendung ein enormes Potenzial für die Demokratisierung des Wissenszugangs birgt.
- Quote paper
- Martin Walter (Author), 2007, Das Wissen der Wissensgesellschaft zwischen Bedrohung und Innovation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78795