Möglichkeiten der Nutzung des Mediums Internet in den Geisteswissenschaften unter besonderer Berücksichtigung der Disziplinen Germanistik und Geschichte


Hausarbeit, 2006

18 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Internetressourcen für den Geisteswissenschaftler
2.1 Digitale Volltexte
2.2 Nachschlagewerke
2.3 Linksammlungen

3. Geisteswissenschaftliche Internetdienste
3.1 Bibliographien
3.2 Elektronische Zeitschriften
3.3 Mailinglisten

4. Publizieren wissenschaftlicher Arbeiten im Internet
4.1 Möglichkeiten des Publizierens im Internet
4.2 Vorteile der Publikation im Internet
4.3 Nachteile der elektronischen Publikation
4.4 Fazit

5. Gedruckter Text vs. Hypertext

6. Resümee und Ausblick

Literatur:

1. Einleitung

Die Geisteswissenschaften umfassen einen großen Bereich an verschiedenen Disziplinen, zu denen unter anderem die Germanistik bzw. die Sprach- und Literaturwissenschaft, die Geschichtswissenschaft, die klassische Philologie, die Kunstwissenschaft, die Mediävistik, die Musikwissenschaft, die Theaterwissenschaft und die Theologie[1] zählen.

Bei den nachfolgenden Betrachtungen sollen repräsentativ für das Feld der Geisteswissenschaften speziell die Germanistik und die Geschichtswissenschaften im Mittelpunkt stehen.

Computer bestimmen zunehmend auch den Arbeitsalltag in den Geisteswissenschaften, die anfängliche Ablehnung und die massiven Vorbehalte hinsichtlich der Computerisierung scheint inzwischen nahezu überwunden zu sein. Weiterhin herrscht aber eine starke Skepsis hinsichtlich des Internets, sowie der kommunikativen Möglichkeiten der Vernetzung und den digital gespeicherten Wissensbeständen, die dieses zu leisten im Stande ist[2].

Vor allem diejenigen, die im Medium Buch und seiner Kultur die eigentliche Grundlage unserer intellektuellen Zivilisation und der Fähigkeit zu logischem und eigenständigen Denken sehen, stehen weiterhin krass konträr zu den Visionären, die auf lange Sicht dem Internet eine Vernetzung der Gesellschaft und somit eine demokratischere Form des Wissenszugangs prophezeien, und auf diesem Weg das Buch mit seiner linearen Ausrichtung des Denkens eher als Hemmschuh sehen[3]. Die Zukunft mag hier eventuell eine Entwicklung bringen, die zur goldenen Mitte hin tendiert, eine eingehende Analyse der differenzierenden Grundauffassungen würde an dieser Stelle aber zu weit vom Thema wegführen und auch den Bereich der Geisteswissenschaften überschreiten, der hier im Vordergrund stehen soll.

Vielmehr gilt es im Folgenden zu untersuchen, welche Möglichkeiten das Internet dem geisteswissenschaftlichen Nutzer Stand heute schon bieten kann, und welche für die Germanistik oder Geschichte relevanten Entwicklungen initiiert worden sind.

Generell lässt sich dabei konstatieren, dass das Internet dem Wissenschaftler als Präferenzen heute die Möglichkeiten der Recherche in Internetressourcen, der Information anhand Elektronischer Zeitschriften und Mailing-Listen, der Kommunikation in Foren, und der virtuellen Präsenz durch Publikationen im Internet offeriert, wobei für alle diese Optionen die große Geschwindigkeit des Netzes charakteristisch ist. Auf die genannten verschiedenen Aspekte gilt es in den folgenden Ausführungen näher einzugehen und dabei jeweils die Vor- und Nachteile der angebotenen Dienste zu beleuchten. Einen Sonderteil stellt der Vergleich von gedrucktem Text und Hypertext dar, der zum Abschluss der Ausarbeitungen nochmals den grundsätzlichen strukturellen Unterschied zwischen dem alten Medium Buch und dem neuen Medium Internet skizzieren soll. Die jeweils angeführten Internetadressen dienen dabei lediglich als exemplarische, zum Teil subjektiv selektierte Ausschnitte aus dem riesigen Angebot des World Wide Webs und erheben dadurch keineswegs automatisch einen Anspruch auf erhöhte Priorität gegenüber anderen Seiten.

2. Internetressourcen für den Geisteswissenschaftler

2.1 Digitale Volltexte

Gerade elektronische Volltextarchive haben bei den Geisteswissenschaften zu einer gewissen Popularität des Internets beigetragen, da sie bei guter Qualität und sinnvollem Einsatz ein effektives Hilfsmittel für den Germanisten oder den Geschichtswissenschaftler darstellen. Die elektronischen Texte stellen zumeist noch Digitalisierungen älterer Print-Ausgaben dar, die Darbietungsform von Texten als digitale Konvolute gewinnt erst langsam an Bedeutung. Neben literarischen Texten gibt es im Internet auch umfangreiche andere Textsammlungen, wie etwa historische Quellen. Elektronische Volltexte finden sich dabei sowohl auf Privat- und Institutionsseiten, oder aber innerhalb umfangreicher Volltextarchive. Die Angebote sind meist kostenlos.

Digitale Dateien ermöglichen im Gegensatz zum Papier ein schnelleres Auffinden bestimmter Stellen sowie eine rasche und einfache Weiterverarbeitung am Computer. Vor allem die Motiv- oder Stichwortsuche eröffnet im digitalen Medium ungeahnte Möglichkeiten, erst Recht wenn der betreffende Text zitierfähig ist und somit das zeitaufwendige und fehlerlastige Abschreiben erspart. Trotz der Suchfunktionen ist für den Rezipienten weiterhin eine Art Doppelstrategie nötig, denn die Suche nach Stichwörtern kann das Lesen an sich keinesfalls ersetzen, schließlich kann die Motiv- und Begriffsuche mit digitalen Mittel nie ganz sicher gehen alle relevanten Fälle zu erfassen, da im Voraus nicht alle Varianten und Synonyme bedacht werden können. Man kann, um ein für die Germanistik typisches Beispiel zu geben, bei der Suche in einem Text nicht automatisch alle Metaphern oder andere Stilmittel herausfiltern, denn beispielsweise schließt das Untersuchen nach dem Wort Feuer und möglichen Metaphern innerhalb eines literarischen Werks im Vorfeld keinesfalls verwandte Wörter wie Brand, Flamme, Glut oder auch Verben wie brennen, lodern, flammen, sich verzehren usw, ein. Es gilt somit weiterhin auch den Text zu lesen. Notwendig ist also, wie oben erwähnt, eine Doppelstrategie, die folgendermaßen auszusehen hat: Beim Lesen fällt etwas auf, es erfolgt eine Suche nach Vergleichsstellen und daraufhin eine erneute Lektüre der Texte, die dabei aufgefallen sind. Nun neu gemachte Entdeckungen können dann wiederum für eine Suche genutzt werden.

Das bekanntestes Volltextarchiv für literarische Texte im Internet ist das sogenannte Gutenberg-Projekt[4], im Rahmen dessen seit über zehn Jahren kostenlos klassische Literatur ins Internet gestellt wird. Es wurde 1994 als Freizeitprojekt begonnen und hat sich bis heute zur größten Online-Literatursammlung deutscher Sprache entwickelt. Für alle derartigen Initiativen ist prinzipiell die rechtliche Situation bezüglich literarischer Werke von Bedeutung, welche besagt, dass ohne Zustimmung nur Texte von Autoren veröffentlicht werden dürfen, die vor mehr als 70 Jahren gestorben sind. Thomas Mann etwa starb 1955, seine Texte dürfen also erst am 01.01.2026 veröffentlicht werden.

In Zahlen ausgedrückt umfasst die Online-Version von Gutenberg inzwischen mehr als 90.000 Dateien, d.h. ca. 500.000 Textseiten, darunter 4.000 Gedichte, 1.600 Märchen, 3.500 Sagen, 1.200 Fabeln, sowie 1.800 vollständige Romane, Erzählungen oder Novellen. Eine Frequentierung von bis zu 3,3 Pageimpressions und 6,3 Millionen Dokumentabrufe pro Monat verdeutlichen den erreichten Status des Projektes[5]. Als Resultat des stark frequentierten Angebots ist inzwischen eine regelmäßig editierte CD-Rom bzw. DVD mit den literarischen Inhalten des Archivs erhältlich.

2.2 Nachschlagewerke

Nachschlagewerke im Internet dienen wie auch ihre gedruckten Pendants zum Auffinden von Wort- und Sacherläuterungen, zur Recherche von Daten und Fakten oder zur Beantwortung spezieller Fragen, so etwa in der Germanistik sprachlicher Fragestellungen. Als Beispiel für diese Art von fachspezifischem Portal ist das Angebot LINSE[6] zu nennen, ein Linguistik-Server der Uni Essen, der unter anderem eine Studienenzyklopädie zur Linguistik[7] enthält.

Im Bereich der Geschichtswissenschaften sind solche Angebote fachbedingt noch weit mehr verbreitet, allerdings gilt es hier wiederum von vorneherein gewisse Qualitätskriterien zu überprüfen, da ein Großteil der Seiten mit historischen Inhalten nicht aus wissenschaftlicher Hand sondern von Hobbyhistorikern oder kommerziellen Anbietern stammen. Eine fundierte und anerkannte Seite ist historicum.net[8].

[...]


[1] Vgl.: Url.: http://de.wikipedia.org/wiki/Geisteswissenschaften (Letzter Zugriff: 13.09.2006).

[2] Vgl.: Rainer Baasner: Digitalisierung –Geisteswissenschaften -Medienwechsel? Hypertext als fachgerechte

Publikationsform. In: Jahrbuch für Computerphilologie 1 (1999),

Url.: http://computerphilologie.tu-darmstadt.de/jahrbuch/jb1/baasner.html (Letzter Zugriff: 16.09.2006).

[3] Vgl.: Gesine Boesken: Lesen am Computer – Mehrwert oder mehr Verwirrung? Untersuchungen zur

Konkurrenz zwischen Buch und Hypertext. In: Jahrbuch für Computerphilologien 4 (2002),

Url.: http://computerphilologie.tu-darmstadt.de/jg02/boesken.html (Letzter Zugriff: 17.09.2006).

[4] Url.: http://gutenberg.spiegel.de (Letzter Zugriff: 14.09.2006).

[5] Vgl.: Url.: http://gutenberg.spiegel.de/info/info.htm (Letzter Zugriff: 14.09.2006).

[6] Url.: http://www.linse.uni-essen.de/linse/index.php (Letzter Zugriff: 16.09.2006).

[7] Url.: http://www.linse.uni-essen.de/linse/esel/kategorien/all.php (Letzter Zugriff: 16.09.2006).

[8] Url.: http://www.historicum.net (Letzter Zugriff: 16.09.2006).

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Details

Titel
Möglichkeiten der Nutzung des Mediums Internet in den Geisteswissenschaften unter besonderer Berücksichtigung der Disziplinen Germanistik und Geschichte
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)
Note
1.7
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V78798
ISBN (eBook)
9783638846738
ISBN (Buch)
9783638903950
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeiten, Nutzung, Mediums, Internet, Geisteswissenschaften, Berücksichtigung, Disziplinen, Germanistik, Geschichte
Arbeit zitieren
Martin Walter (Autor), 2006, Möglichkeiten der Nutzung des Mediums Internet in den Geisteswissenschaften unter besonderer Berücksichtigung der Disziplinen Germanistik und Geschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78798

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