Die Geisteswissenschaften umfassen einen großen Bereich an verschiedenen Disziplinen, zu denen unter anderem die Germanistik bzw. die Sprach- und Literaturwissenschaft, die Geschichtswissenschaft, die klassische Philologie, die Kunstwissenschaft, die Mediävistik, die Musikwissenschaft, die Theaterwissenschaft und die Theologie zählen.
Bei den nachfolgenden Betrachtungen sollen repräsentativ für das Feld der Geisteswissenschaften speziell die Germanistik und die Geschichtswissenschaften im Mittelpunkt stehen.
Computer bestimmen zunehmend auch den Arbeitsalltag in den Geisteswissenschaften, die anfängliche Ablehnung und die massiven Vorbehalte hinsichtlich der Computerisierung scheint inzwischen nahezu überwunden zu sein. Weiterhin herrscht aber eine starke Skepsis hinsichtlich des Internets, sowie der kommunikativen Möglichkeiten der Vernetzung und den digital gespeicherten Wissensbeständen, die dieses zu leisten im Stande ist .
Vor allem diejenigen, die im Medium Buch und seiner Kultur die eigentliche Grundlage unserer intellektuellen Zivilisation und der Fähigkeit zu logischem und eigenständigen Denken sehen, stehen weiterhin krass konträr zu den Visionären, die auf lange Sicht dem Internet eine Vernetzung der Gesellschaft und somit eine demokratischere Form des Wissenszugangs prophezeien, und auf diesem Weg das Buch mit seiner linearen Ausrichtung des Denkens eher als Hemmschuh sehen . Die Zukunft mag hier eventuell eine Entwicklung bringen, die zur goldenen Mitte hin tendiert, eine eingehende Analyse der differenzierenden Grundauffassungen würde an dieser Stelle aber zu weit vom Thema wegführen und auch den Bereich der Geisteswissenschaften überschreiten, der hier im Vordergrund stehen soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Internetressourcen für den Geisteswissenschaftler
2.1 Digitale Volltexte
2.2 Nachschlagewerke
2.3 Linksammlungen
3. Geisteswissenschaftliche Internetdienste
3.1 Bibliographien
3.2 Elektronische Zeitschriften
3.3 Mailinglisten
4. Publizieren wissenschaftlicher Arbeiten im Internet
4.1 Möglichkeiten des Publizierens im Internet
4.2 Vorteile der Publikation im Internet
4.3 Nachteile der elektronischen Publikation
4.4 Fazit
5. Gedruckter Text vs. Hypertext
6. Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen, die das Medium Internet für geisteswissenschaftliche Disziplinen, insbesondere die Germanistik und Geschichtswissenschaft, bereithält. Es wird analysiert, inwiefern digitale Ressourcen, Internetdienste und elektronische Publikationsformen den wissenschaftlichen Alltag unterstützen oder verändern können.
- Digitale Recherche- und Informationsressourcen
- Geisteswissenschaftliche Online-Fachdienste
- Vor- und Nachteile elektronischer Publikationen
- Struktureller Vergleich von Buch und Hypertext
- Zukunftsperspektiven der digitalen Geisteswissenschaft
Auszug aus dem Buch
2.1 Digitale Volltexte
Gerade elektronische Volltextarchive haben bei den Geisteswissenschaften zu einer gewissen Popularität des Internets beigetragen, da sie bei guter Qualität und sinnvollem Einsatz ein effektives Hilfsmittel für den Germanisten oder den Geschichtswissenschaftler darstellen. Die elektronischen Texte stellen zumeist noch Digitalisierungen älterer Print-Ausgaben dar, die Darbietungsform von Texten als digitale Konvolute gewinnt erst langsam an Bedeutung. Neben literarischen Texten gibt es im Internet auch umfangreiche andere Textsammlungen, wie etwa historische Quellen. Elektronische Volltexte finden sich dabei sowohl auf Privat- und Institutionsseiten, oder aber innerhalb umfangreicher Volltextarchive. Die Angebote sind meist kostenlos.
Digitale Dateien ermöglichen im Gegensatz zum Papier ein schnelleres Auffinden bestimmter Stellen sowie eine rasche und einfache Weiterverarbeitung am Computer. Vor allem die Motiv- oder Stichwortsuche eröffnet im digitalen Medium ungeahnte Möglichkeiten, erst Recht wenn der betreffende Text zitierfähig ist und somit das zeitaufwendige und fehlerlastige Abschreiben erspart. Trotz der Suchfunktionen ist für den Rezipienten weiterhin eine Art Doppelstrategie nötig, denn die Suche nach Stichwörtern kann das Lesen an sich keinesfalls ersetzen, schließlich kann die Motiv- und Begriffsuche mit digitalen Mittel nie ganz sicher gehen alle relevanten Fälle zu erfassen, da im Voraus nicht alle Varianten und Synonyme bedacht werden können. Man kann, um ein für die Germanistik typisches Beispiel zu geben, bei der Suche in einem Text nicht automatisch alle Metaphern oder andere Stilmittel herausfiltern, denn beispielsweise schließt das Untersuchen nach dem Wort Feuer und möglichen Metaphern innerhalb eines literarischen Werks im Vorfeld keinesfalls verwandte Wörter wie Brand, Flamme, Glut oder auch Verben wie brennen, lodern, flammen, sich verzehren usw, ein. Es gilt somit weiterhin auch den Text zu lesen. Notwendig ist also, wie oben erwähnt, eine Doppelstrategie, die folgendermaßen auszusehen hat: Beim Lesen fällt etwas auf, es erfolgt eine Suche nach Vergleichsstellen und daraufhin eine erneute Lektüre der Texte, die dabei aufgefallen sind. Nun neu gemachte Entdeckungen können dann wiederum für eine Suche genutzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die zunehmende Bedeutung digitaler Medien im geisteswissenschaftlichen Alltag und die kritische Haltung gegenüber dem Internet.
2. Internetressourcen für den Geisteswissenschaftler: Dieses Kapitel behandelt den Nutzen von digitalen Volltexten, Online-Nachschlagewerken und Linksammlungen für die wissenschaftliche Recherche.
3. Geisteswissenschaftliche Internetdienste: Hier werden fachspezifische Angebote wie digitale Bibliographien, elektronische Zeitschriften und Mailinglisten zur wissenschaftlichen Kommunikation vorgestellt.
4. Publizieren wissenschaftlicher Arbeiten im Internet: Das Kapitel analysiert Chancen und Risiken der elektronischen Publikation, inklusive Kostenaspekten, Verbreitungsmöglichkeiten und Qualitätsfragen.
5. Gedruckter Text vs. Hypertext: Es werden die strukturellen Unterschiede zwischen der linearen Form des Buches und der rhizomartigen, vernetzten Struktur des Hypertexts diskutiert.
6. Resümee und Ausblick: Der Autor resümiert die notwendige Transformation geisteswissenschaftlicher Forschung durch informationelle Vernetzung und warnt vor einem Verlust an wissenschaftlicher Relevanz bei Verweigerung des Medienwechsels.
Schlüsselwörter
Geisteswissenschaften, Internet, Germanistik, Geschichtswissenschaft, Digitalisierung, Volltexte, Hypertext, Online-Publikation, Bibliographie, Mailinglisten, Wissenschaftskommunikation, Medienwechsel, Forschung, Elektronische Zeitschriften, Wissensvernetzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den Chancen und Möglichkeiten, die das Internet Wissenschaftlern in den Geisteswissenschaften bei der Recherche, Kommunikation und Publikation bietet.
Welche Disziplinen stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Der Fokus liegt repräsentativ auf den Fachbereichen Germanistik und Geschichtswissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Status quo der Internetnutzung in den Geisteswissenschaften zu bewerten und Vor- sowie Nachteile digitaler Werkzeuge kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt eine systematische Analyse von Internetressourcen und Fachliteratur, um den Wandel geisteswissenschaftlicher Arbeitsweisen zu dokumentieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Recherche-Ressourcen, fachspezifische Internetdienste und die Analyse von Publikationsmöglichkeiten im Netz.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten charakterisieren?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Digitalisierung, Geisteswissenschaften, Hypertext und wissenschaftliche Publikation definiert.
Wie bewertet der Autor die Zuverlässigkeit von Internetquellen wie Wikipedia?
Der Autor sieht in der fehlenden formalen Qualitätskontrolle bei Wikis ein Problem für die wissenschaftliche Anerkennung, weist aber auf die laufenden Qualitätsoffensiven hin.
Warum zögern viele Geisteswissenschaftler bei der Nutzung des Internets?
Das Zögern resultiert aus einer Skepsis gegenüber der Qualitätssicherung, Rechtsunsicherheiten und der Sorge um die eigene wissenschaftliche Reputation im Vergleich zum etablierten Buchmedium.
- Quote paper
- Martin Walter (Author), 2006, Möglichkeiten der Nutzung des Mediums Internet in den Geisteswissenschaften unter besonderer Berücksichtigung der Disziplinen Germanistik und Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78798